Rentendiskussion

ThomasK_7 schrieb:
Der jetzige Rentenstand der staatlichen Rente wurde von unabhängigen Fachleuten bereits 1990 ziemlich genau vorhergesagt mit 1% negativerem Eigenkapitalrendite für meinen Jahrgang Ausblick wie jetzt tatsächlich.

Was waren das für unabhängige Fachleute? Denn "Verschobener Rentenbeginn und Absenkung des Rentenniveaus wurden vorausgesagt.", klingt nach interessengeleiteten Glaskugellesern. Es war 1990 quasi unmöglich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorherzusagen, mitten in der Wende, vor vielen Freihandelsabkommen, vor dem Strukturwandel im Osten, während des Strukturwandels im Westen, mit einer Agenda 2010 in weiter Ferne...
Da bleiben die nüchternen Zahlen der RV, die diesbezüglich unverrückbaren Unfähigkeiten der Regierungen und die Interessen der privaten Versicherer übrig- das reicht aber nicht an Daten, außer es war so geplant.
 
ThomasK_7 schrieb:
Wer in der Zukunft agieren will, braucht zwingend Prognosen!
Bis vorletztes Jahr haben diese Prognosen ja auch jahrzehntelang gestimmt

diese Prognose kann nicht zu 100% gestimmt haben

ich zitiere mal :

Für die Zahl der Geborenen ist neben der Geburten*rate insbesondere die Zahl der Frauen im Alter zwischen 26 und 35 Jahren relevant

Frauen ab 36 bekommen keine Kinder? oder warum tauchen sie in der Prognose nicht auf ?

genauso wie bei den Arbeitslosenzahlen, rausgerechnet bis es passt
 
@Schrammler,
mit den sogenannten "unabhängigen Fachleuten" versucht man ja solchen Statistiken und Voraussagen einen seriösen, unabhängigen Schein zu verpassen. Gerade hier im Obrigkeitshörigen Deutschland kommt es immer gut an wenn ein selbsternannter "Fachmann", oft ein Professor, seriös daher quatscht das die Renten gesenkt werden müssen. Während er seine eigene staatliche alimentierte üppige Altersversorgung geflissentlichen dabei ausnimmt. Wer kennt ihn nicht den im Focus betitelten "Rentenpapst" Raffelhüschen ? Das sind dann die "unabhängigen Fachleute" die ganz im Sinne ihrer eigentlichen Herren aus der Wirtschaft ihre Lehren unter das Volk bringen. Und die Medien machen das ganze bereitwillig mit so das es für viele ganz normal wird wenn man ihnen die Rente kürzt. Wer will schon in Deutschland einem Professor widersprechen ?
 
Da jetzt Wahlkampfzeit ist, wird wie ich finde vermehrt auf das Thema Altersarmut eingegangen. Oft sehe ich Leute bei denen ich einfach nur denke: dieser Mensch wird zu fast an 100% grenzender Sicherheit an Altersarmut leiden.

Warum dies so ist, ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich. Mal sind es schlecht bezahlte Arbeitsstellen, die aufgrund Ihrer körperlichen Anforderungen schon mit Anfang 50 für Probleme sorgen werden, ein anderes Mal jedoch die Lebensweise jener Personen. In Zeiten von Niedrigzinsen ist Sparen out und auch der Lebensstil ändert sich zum immer Schnelllebigerem.

Während ich im ersten Fall noch durchaus Mitleid für die Betroffenen habe, fehlt mir bei der anderen Sorte, jegliches Verständnis. Später tauchen diese Leute aber nur noch als als arme Rentner auf. Keiner weis, dass sie durchaus die Möglichkeit hatten, Ihren Lebensstil etwas zurückzufahren, um später abgesichert zu sein.

Wenn z.B. "Junge Männer {...} im Durchschnitt 146 Euro monatlich und damit deutlich mehr als junge Frauen, die nur 106 Euro auf die hohe Kante legen." sparen und Frauen unter Anderem im Durchschnitt wegen Kinderbetreuung und aus anderen Gründen (schlechtere Bezahlung usw.) zusätzlich weniger für die Rente zurücklegen ist klar, dass am Ende keine üppige Altersvorsorge dabei herauskommt.

So ist es wenig verwunderlich, dass als Extrembeispiel "laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums 68 Prozent der alleinerziehenden Frauen im Alter von 30 bis 50, die davon ausgehen, dass ihre Rente nicht zum Leben reichen wird. Ob die anderen 32 Prozent genug verdienen oder die Augen vor den Tatsachen verschließen, sei dahingestellt."

Was ich damit sagen will, ich empfinde es so, dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung an Ihrer finanziellen Situation im Alter zunehmend selbst Schuld ist, auch wenn Faktoren wie steigende Mieten natürlich einen, die Situation intensivierenden Faktor, darstellen.

Menschen mit einer unverschuldeten, aber trotzdem schwierigen Lebenssituation (wie einer Behinderung), müssen natürlich weiterhin ordentlich vom Sozialstaat aufgefangen und geschützt werden. Für alle anderen müssen aber Anreize und Lösungen gefunden werden, da einerseits das Rentensystem sonst kollabieren und andererseits Altersarmut zunehmen wird. Evtl. können andere Systeme wie in Nachbarstaaten (Österreich) ein Vorbild hierfür sein.
 
@NagasakiGG
warum, so frage ich mich, muss man als Normalverdiener für "später etwas zur Seite legen" ? Warum ist im reichen Deutschland unsere gesetzliche Rentenversicherung nicht so ausgelegt das die Rente daraus reicht, so wie es in anderen vergleichbaren Ländern auch der Fall ist ? Warum muss man sein Geld in eine private Altersversorgung stecken die in erster Linie der Finanzwirtschaft dient, aber nicht dem der sie abgeschlossen hat ?

Ich finde das die gesetzliche Rente für einen Normalverdiener Lebensstandard sichernd sein sollte. Nur wer viel verdient soll von mir aus privat vorsorgen, die können es sich ja auch leisten. Dabei wäre ich ja auch bereit mehr in die gesetzliche Rente für eine bessere Leistung daraus einzuzahlen. Nur möchte ich nicht gezwungen werden eine private Rente abzuschließen weil diese sich so gut wie nie für einen Normalverdiener lohnen. Des Weiteren muss man auch berücksichtigen dass das Geld was der privaten Finanzwirtschaft zur Verfügung gestellt wird in der Binnennachfrage fehlt. Besser ist es wenn die Leute ihr Geld ausgeben anstatt bei den Banken anzulegen.

Auch die betriebliche Altersversorgung kann hier nicht die Lösung sein, weil die Meisten Arbeitnehmer nicht bei einem großen Arbeitgeber arbeiten der das anbietet. Ich bin z.B. erst jetzt mit meinen 53 Jahren seid 8 Jahren bei einem Arbeitgeber beschäftigt der soetwas Tarifvertraglich anbietet. Und so geht es doch den Meisten. Wer hat schon das Glück überhaupt noch in einem Betrieb mit Tarifbindung, geschweige denn zusätzlicher Altersversorgung zu arbeiten ? Das sind ja dann oft auch ausgerechnet die die recht gut verdienen. Die anderen schauen in die Röhre. Die Löhne stagnieren, ja sinken in großen Bereichen, aber zugleich soll man noch für das Alter zurücklegen ?

Komisch das es in anderen Ländern mit einem wirklich solidarischen Rentensystem wo alle einzahlen wie in Österreich keine Horror Diskussionen vom "kollabierenden Rentensystem" gibt. Erst im letzten Jahr im Urlaub unterhielt ich mich mit einem Österreicher ob es diese Diskussionen auch bei ihm gibt. Er wunderte sich sehr über die ewigen Diskussionen in Deutschland und meinte dass das in Österreich kein Thema sei. Dort bekommen alle eine auskömmliche Rente wo auch alle einzahlen, und daher sind auch alle zufrieden damit. So einfach ist das eigentlich. Bloß in Deutschland mit seinen unterschiedlichen Altersversorgungungen, also gesetzliche Rente für die Masse, üppig Allimentierung für Beamte und Politiker, plus eigenen Altersversorgungungen bei den "freien Berufen", scheint das nicht möglich zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schrammler schrieb:
Was waren das für unabhängige Fachleute? Denn "Verschobener Rentenbeginn und Absenkung des Rentenniveaus wurden vorausgesagt.", klingt nach interessengeleiteten Glaskugellesern. Es war 1990 quasi unmöglich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorherzusagen..
Das waren Finanzmathematiker, Versicherungsmathematiker und Demografen, welche in Publikationen der Versicherungswirtschaft/Finanzwirtschaft zur gesetzlichen Rente Berechnungen angestellt haben. Kritische Stimmen zur gesetzlichen Rente fand man in der Zeit vor dem Internet nur solchen allgemein zugänglichen Zeitungen (+teure Fachblätter, hatte ich nicht).

Man muss auch kein Glaskugelleser sein, um die deutsche Fertilitätsrate nach Einführung der Antibabypille und Abtreibungsrecht als recht unveränderliche Zukunftsprognose fortzuschreiben. Die wirtschaftliche (Lohn-)Entwicklung spielt übrigens beim Rentenniveau nur eine untergeordnete Rolle. Wer im Zuge der Globalisierung und europäischen Einheitswährung allerdings noch an deutlich steigende deutsche Reallöhne gehofft hatte, der versteht nicht genug von Ökonomie. Das wird sich auch noch so fortsetzen, so lange die Globalisierung voranschreitet und der Euro in seiner heutigen Form weiter fort besteht.

Der vorsichtige Kaufmann, ich sehe mich als solcher, betrachtet immer auch die ungünstigste Variante für seine eigenen Entscheidungen.
Das sich Deutschland wegen der Wiedervereinigung eine wirtschaftliche Sonderkonjunktur erkauft hatte war schön, aber für das deutsche Rentensystem ein Disaster.

Da bleiben die nüchternen Zahlen der RV..
Genau so ist es !
Du kennst diese Zahlen und Zusammenhänge aber anscheinend nicht, ich schon und zwar sehr gut.
Wenn die letzte Rentenreform (2001) nicht gekommen wäre, wäre die GRV schon längst Pleite oder der aktuelle Beitragssatz bei mehr als 22%.

Da bleiben die ... diesbezüglich unverrückbaren Unfähigkeiten der Regierungen ..
Du schreibst es. Also besser privat vorsorgen !

@Hotzenplotz
Ab 35 Jahren nimmt die Geburtenfähigkeit bei Frauen rapide ab, ist wissenschaftlich erwiesen.
Ich denke, es gibt aber auch Prognosen mit Betrachtung der vollen Altersbreite (18-40 Jahre), wobei das Ergebnis vielleicht nicht davon abweichen wird. Ich würde mich deswegen nicht auf dieses Argument der falschen Herangehensweise stützen.

MasterXTC schrieb:
..mit den sogenannten "unabhängigen Fachleuten" versucht man ja solchen Statistiken und Voraussagen einen seriösen, unabhängigen Schein zu verpassen. Gerade hier im Obrigkeitshörigen Deutschland kommt es immer gut an wenn ein selbsternannter "Fachmann", oft ein Professor, seriös daher quatscht das die Renten gesenkt werden müssen. Während er seine eigene staatliche alimentierte üppige Altersversorgung geflissentlichen dabei ausnimmt..
Plumpes Propagandageschwafel aus anscheinend reinem TV-Konsum.

Wem vertraust Du denn in Sachen Altersrentenvorhersage ?
 
ThomasK_7 schrieb:
Ab 35 Jahren nimmt die Geburtenfähigkeit bei Frauen rapide ab, ist wissenschaftlich erwiesen.
Ich denke, es gibt aber auch Prognosen mit Betrachtung der vollen Altersbreite (18-40 Jahre), wobei das Ergebnis vielleicht nicht davon abweichen wird. Ich würde mich deswegen nicht auf dieses Argument der falschen Herangehensweise stützen.

ein Jahr 12 Monate und eine Schwangerschaft dauert 9 Monate, manchmal auch etwas weniger (im Schnitt).
Frauen im Alter von 18 bis 25 und Frauen ab 36 tauchen in der Prognose nicht auf. wenn du meinst auch mit einbeziehen dieser Altersgruppe haben keine Abweichung zu dem jetzigen Ergebnis , kann es nur heißen, diese Altersgruppe gebären keine Kinder
 
Ich hatte allgemein auf Google verlinkt, welches verschiedene Treffer zur Geburtenrate lieferte.
Gibt es wirklich nur die 1 Prognose für Deutschland ?
Kann ich gar nicht glauben, z. Bsp. hier statistisch im Rückblick (Frauen im Alter von 15-49 Jahren) und hier verschiedene Prognosen vom gleichen Amt.
Das selbe Amt stellt explizit sogar die Unsicherheiten der vergangenen Prognosen hier dar.

[URL= Statistikamt: "Rückblick auf die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland zwischen 1998 und 2015." schrieb:
link[/URL]]Rückblick auf die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland zwischen 1998 und 2015.
Die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen der deutschen amtlichen Statistik veranschaulichen die Auswirkungen heute bereits angelegter Strukturen und erkennbarer Veränderungen auf die künftige Bevölkerung. Ihre Ergebnisse liefern wesentliche Basisinformationen für zukunftsgerichtete politische und wirtschaftliche Entscheidungen sowie für weiterführende Analysen. Dieser Beitrag geht auf das Wesen und den Zweck der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnungen ein und setzt sich mit der jüngsten medialen Kritik auseinander. Er vergleicht die Annahmen und Ergebnisse der 9. bis 13. koordinierten Vorausberechnungen untereinander und mit der realen Bevölkerungsentwicklung und zeigt somit Möglichkeiten und Grenzen der Bevölkerungsvorausberechnungen auf.

Ich glaube auch, dass die zu Grunde liegenden Daten für die Berechnungsmethoden zumindest europaweit einheitlich sind, also Deutschland keine eigenes geschöntes Zahlenmaterial durch Auslassen liefert.


Aus welcher Prognose hast Du denn zitiert?
 
ThomasK_7 schrieb:
Plumpes Propagandageschwafel aus anscheinend reinem TV-Konsum.

Wem vertraust Du denn in Sachen Altersrentenvorhersage ?

Plumpes Geschwafel aufgrund eigener Unfähigkeit andere Sichtweisen als der offiziellen zuzulassen in dem man denen die anderer Meinung sind z.B. "reinen TV Konsum" unterstellt. Vor allem weil im TV ja zu 90% die Legende der "Überalterungen Gesellschaft" unkritisch hoch und runter gebetet wird, entbehrt dieser Vorwurf nicht einer gewissen Komik. Denn würde man sein Wissen tatsächlich nur aus dem TV beziehen, wäre man zwangsläufig ein Anhänger der Rentenkürzungen und Horrormeldungen von den aussterbenden Deutschen. Es bedarf schon guter Nachforschung auch in Alternativen Medien um die Gegenargumente zum offiziellen Mainstream zu finden. Ich glaube hier sollte man besser nicht von sich auf andere schließen.

Wie wäre es aber mit z.B. Gerd Bosbach: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gerd_Bosbach
 
Zuletzt bearbeitet:
@Hotzenplotz

Ich denke, du hast aus "relevant" zu viel geschlussfolgert, dass alle Geburten außerhalb dieser Altersspanne nicht mit erfasst würden, was sie aber wohl werden (15-49 Jahre).

@MasterXTC

Ich zitiere mal von ihm aus einem Artikel der SZ:
SZ schrieb:
Selbst wenn die Produktivitätssteigerung je Arbeitnehmer jährlich nur ein Prozent beträgt, könnte jeder Beschäftigte im Jahre 2060 dreißig Prozent Rentenbeitrag zahlen und gleichzeitig noch sein verbleibendes Einkommen um über vierzig Prozent steigern, nach Abzug der Preissteigerung. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die erhöhte Produktivität auch ausgezahlt wird, die Verteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich nicht zugunsten der Arbeitgeber ändert. Auch bei der Finanzierung der Renten ist das Hauptproblem also nicht die demographische Entwicklung. Die Umverteilung zugunsten der Unternehmer wirkt viel stärker.
Ja klar, wenn man das deutsche Lohnmodell ändert, dann kann der deutsche Arbeitnehmer auch problemlos 30% Rentenbeitrag zahlen.
Kommen Dir die 30% Rentenversicherungsbeitrag bekannt vor, ich schrieb sie bereits weiter oben als Prognose !

Auch Gerd Bosbach ist ein beachtenswerter Fachmann, der rechnen kann.
Ich finde auch, seine Meinung, wie die anderer Gleichdenkender, wird bei uns nicht unterdrückt.
In wie weit seine Forderung nach deutlich höheren Löhnen für Deutschland in der Praxis im Rahmen der Globalisierung und europäischen Harmonisierung realistisch erscheint, daran scheiden sich wohl unsere Erwartungen. Du sagst, alles kein Problem, alles per Gesetz mit einer links beherrschten Regierung machbar. Ich sage, es wird keine links beherrschte Regierung in Deutschland kommen und falls doch, dann werden ihre Lohngesetze zukünftig ins Leere laufen, weil die produzierenden Betriebe noch viel stärker ins Ausland verlagern werden.
Ich glaube auch, dass die von Dir kritisierten anderen Sachverständigen (Raffelhüschen usw.) sagen, das Rentenniveau muss gesenkt werden, wenn keine Systemänderung statt findet. Du unterstellst Ihnen aber, dass sie alleinig auf Rentenniveauabsenkung aus wären. Dabei betonen sie oft, das Änderungen am System möglich sind, aber politisch offenbar (außer Linke) nicht gewillt sind. Sie sprechen nur die Wahrheit aus.

Artikel der SZ schrieb:
Die Beobachtungen zur alternden Gesellschaft waren in der Tat auch schon damals korrekt. Im vergangenen Jahrhundert stieg die Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre. Der Jugendanteil reduzierte sich von 44 auf 21 Prozent. War 1900 noch fast jeder Zweite unter 20 Jahre alt, war es 2000 nur noch jeder Fünfte; der Anteil der über 65-Jährigen verdreifachte sich in der gleichen Zeit. Die Zahlen klingen katastrophal - doch die Katastrophe ist ausgeblieben
Es gab wenig Globalisierung, keine europäische Einheitswährung, die Reallöhne stiegen und das Wirtschaftswachstum war deutlich höher. Ich finde, die allgemeinen Rahmenbedingungen haben sich im neuen Jahrhundert erheblich geändert und müssen zwingend Berücksichtigung finden.

Keine Frage, unser Rentensystem kann mit einer Systemumstellung ordentlich die nächsten 100 Jahre überstehen.
Politik agiert aber selten, zumeist reagiert sie nur auf finanziell notwendige Anforderungen. Das ist aber nicht nur in Deutschland so. Erst wenn das Geld in der Rentenkasse wirklich knapp wird, bequemten sich die Politiker, sich der Problematik anzunehmen. Bis dahin werden immer wieder freigiebig Wahlgeschenke verteilt (Rente mit 63 z. Bsp.). Darin wird sich auch in Zukunft wohl nichts ändern. Wer anderes erwartet, ist meiner Meinung nach etwas lebensfremd.

Warum man als Durchschnittsverdiener ab der letzten Rentenreform privat vorsorgen muss, ist deshalb so, weil ansonsten der persönliche Rentenbeitrag in der GRV um exakt die 4% Privatvorsorgeempfehlung gestiegen wäre. Alle die sich das bis heute aus was für Gründen auch immer erspart haben, denen fehlen schon einmal für rd. 16 Jahre 10% Rentenbeitragszahlungen (4% im Verhältnis zu rd. 19% GRV-AN-Beitrag bei gedeckeltem AG-Beitrag), was sich später bei der eigenen Altersrente bemerkbar machen wird.
 
Du räumst also selber ein das mit einer grundlegenden Systemumstellung eine gute Rente finanzierbar ist, aber es halt an der Politik liegt dass das nicht umgesetzt wird. Dann wird es doch höchste Zeit auf die Politik Druck auszuüben. Das ist doch gelebte Politik und nicht weltfremd, auch wenn es jetzt so aussehen mag bei den derzeitigen Politikern. Ich finde es sehr bedenklich das z.B. in der Sicherheits/Asylantenfrage voll auf den Druck den die AfD aufbaut eingegangen wird, aber die viel wichtigere Frage der sozialen Sicherheit für einen Großteil der Arbeitnehmer, also genau das Thema der Linken, kaum Beachtung findet. Ich gehe sogar soweit zu behaupten dass das den derzeitigen Politikern ganz recht ist, können sie doch damit von den eigentlichen Problemen der Gesellschaft prächtig ablenken. Es ist halt viel einfacher Aylanten medienwirksam abzuschieben und Gesetzte zu verschärfen, als eine große Rentenreform, die weit über Kürzungen am bestehenden System hinausgeht, anzupacken.

Dass ist auch nicht zuletzt den Medien zu verdanken die über jedes Söckchen den die AfD hingehalten hat gesprungen ist und so die Themen dieser Partei einer viel zu großen Aufmerksamkeit verschafft hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Nur durch gesellschaftlichen Druck kann es gelingen das der falsche Weg der in der Rentenpolitik eingeschlagen wurde wieder verlassen wird. Aber wenn nur noch Terror und Asylanten die politische Diskussion bestimmen, kann das nur schlecht gelingen. Wer jetzt hier nicht wiederspricht und dem auch noch nachgibt in dem er schön brav seinen Riestervertrag abschließt, wird nichts verändern, sondern im Gegenteil die Verhältnisse festigen.

Wie gesagt, es geht hier weniger um meine persönliche Rente. Denn auch wenn ich mich sehr darüber ärgere das mir diese von der Politik drastisch gekürzt wurde (ich bin Jahrgang 1964) werde ich durch Wohneigentum und betrieblicher Zusatzrente zum Glück nicht in die Armut fallen. Dennoch ist es unerträglich wenn meine Rente auch noch durch den sogenannten "Riesterfaktor" gekürzt wird. Also die Unverschämte Behauptung weil ja "alle" Riestern müssten die Rente einfach pauschal für alle zu kürzen. Obwohl nur eine kleine Minderheit Riestert, wird für alle der "Rieserfaktor" in der Rente abgezogen. Dreister geht es nicht mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du räumst also selber ein das mit einer grundlegenden Systemumstellung eine gute Rente finanzierbar ist, aber es halt an der Politik liegt dass das nicht umgesetzt wird. Dann wird es doch höchste Zeit auf die Politik Druck auszuüben.
Ich sehe es nicht ein, für die Faulen/Bequemen/Spaßgesellschaft/Ignoranten politischen Druck aufzubauen.

Ich würde jederzeit Änderungen am deutschen Rentensystem hin zu mehr Geld für langjährige Arbeitnehmer unterer Einkommensschichten befürworten, z. Bsp. die Änderungen laut aktuellem SPD-Wahlprogramm. Aber politischen Druck sollen doch bitte schön die aufbauen, die es am meisten betrifft. Meine Solidarität endet da, wo ich erkenne, das die Hauptbetroffenen bequemerweise sich auf Andere verlassen, Ihre Misere zu beseitigen.
Ich habe privat ausreichend vorgesorgt und nehme die Rente aus der GRV als reine Zusatzrente. Deswegen haben für mich Geldwertstabilität, stabile wirtschaftliche und politische Verhältnisse Vorrang.
 
MasterXTC schrieb:
Komisch das es in anderen Ländern mit einem wirklich solidarischen Rentensystem wo alle einzahlen wie in Österreich keine Horror Diskussionen vom "kollabierenden Rentensystem" gibt.
Nun ja, alle einzahlen passt sicherlich als Teilursache, allerdings in einem anderen Kontext. In Österreich wurden schließlich nicht vor 28 Jahren Hundertausende von Rentner in das System aufgenommen. Rentner die leider in eine ganz andere und jetzt wertlose Staatskasse eingezahlt haben. Von dem Schock hat sich unser Rentensystem seitdem nicht mehr erholt und Geburtenrückgang + Sonderregeln für Beamte etc. verstärken die Schieflage.
 
@Thomas_K7
Na, dann hast du halt Glück gehabt im Leben und sicherlich auch einen gut dotierten Job erwischt der dir ermöglicht die gesetzliche Rente als "Zusatzrente" anzunehmen. Die Regel ist dein Leben aber bei weitem nicht. Und auch bei mir waren es eher glückliche Umstände die mich nicht in die Altersarmut schlittern lassen. Ich bilde mir dabei nicht ein das ich es mir vor allen anderen verdient hätte nicht arm zu sein im Alter.

Du tust ja so als ob die Meisten eigentlich selber Schuld sind wenn sie im Alter Arm sind. Dabei sind es oft nur Zufälle die das Leben in die eine oder andere Richtung laufen lassen. Bei mir z.B. das Glück einen Arbeitgeber gefunden zu haben der eine Betriebsrente bietet und nach Tarifvertrag bezahlt. Sehr viele jedoch haben dieses Glück nicht, arbeiten hart und viel im Leben und erhalten dennoch eine Armutsrente. Das Neoliberale Mantra von der eigenen Schuld ist es was diese Kälte in unserer Gesellschaft mit ihren Rentenkürzungen erst möglich gemacht hat. Ich meine das wenn jemand gewisse Mindesvoraussetzungen erfüllt hat, eine Rente deutlich über der Sozialhilfe verdient hat, wie es z.B. in Österreich gemacht wird.

Aber klar, du hast sicherlich recht das viele die es betrifft nicht für Ihre Rechte einstehen. Das liegt aber weniger an Bequemlichkeit, sondern vielmehr daran das viele Betroffene resignieren und sich ins Private zurückziehen, weil sie sich zurecht von der Politik nicht vertreten fühlen. Was leider wieder Tor und Tür für Parteien wie die AfD öffnet die mit ihren einfachen Formeln das Asylanten an allem Schuld sind auf fruchtbaren Boden fallen. Die soziale Frage ist für mich DIE Frage auch um rechten Hetzern den Boden zu entziehen.

Und auch wenn man selber nicht davon betroffen ist, ist es auch im eigenen Interesse für den gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt einzustehen. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben wo Armut allgegenwärtig ist wie z.B. in den USA. Meine Reise dort 2012 hat mir gezeigt wie bedrückend es ist überall von Armut, bei gleichzeitigem obszönen Reichtum gleich nebenan umgeben zu sein. Will man das wirklich hier in Deutschland/Europa ? Soll das etwa die Zukunft sein ?
 
Zuletzt bearbeitet:
Wer alles auf das Glück schiebt verkennt, dass Jeder in unserer Gesellschaft sein eigener Glücksschmied ist.

Werden gute Jobs verlost oder bemüht man sich um sie ?
Wird nach Nase bezahlt oder nach Qualifikation ?
Muss man sich einem Arbeitgeber beugen oder darf man selber über sein berufliches Handeln inkl. Rentenperspektive entscheiden ?

Im übrigen ist es unlogisch zu sagen dass viele politisch resigniert haben, dann aber die AfD wählen, weil diese gegen Asylanten sind.
Auch ist die soziale Frage genau der Grund, weshalb viele AfD Wähler gegen Asylanten sind, weil sie in ihnen zu Recht Konkurrenten von Sozialleistungen sehen.
In Bezug auf gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt sehe ich Deutschland im Europavergleich an keiner schlechten Rangposition.
Im übrigen braucht keiner bei uns mit etwas gesellschaftlicher Kooperationsbereitschaft unter der Brücke schlafen oder hungern oder hat keine Gesundheitsfürsorge. Die gesellschaftliche Kooperationsbereitschaft muss aber auch bei den Bedürftigen vorhanden sein, daran scheitert es wohl in Einzelfällen.
 
Ja, oft kommt es mir vor das die "guten Jobs" ( wie immer man diese definieren mag) verlost werden oder nach "der Nase" vergeben werden, von wegen Vitamin B uns so. Und was ist mit den anderen die trotz guter Qualifikation eben nicht die "guten Jobs" bekommen haben, sind ja nicht so viele davon da. Überhaupt, was ist ein "guter Job" ? Wird das nur über das Gehalt definiert ? Es gibt nämlich meiner Meinung viele sehr gute Jobs die aber nur sehr schlecht bezahlt werden.

Vieles im Leben läuft außerhalb der persönlichen Einflussnahme, eben auch das man sich zur rechten Zeit auf die richtige Stelle beworben hat. Das würde ich aber nicht als eigene Leistung verbuchen. Eher sind es glückliche Umstände dass das Leben in eine wirtschaftlich gute Richtung gegangen ist. Der Spruch vom "jeder seines Glückes Schmied" stimmt im Neoliberalismus nur sehr bedingt. Eher ist es so das der dem es materielle schon sehr gut geht noch mehr bekommen soll. Und genau das ich nicht mein Verständnis von Gerechtigkeit.

Und das mit der AfD ist eben kein Widerspruch. Sozial ausgegrenzte sind nunmal sehr oft anfällig für Platte Sündenböcke die die AfD anbietet. Das hat die Geschichte ja gezeigt. Soziale Spannungen fördern Rassismus und Verteilungskämpfe mit denen die noch schwächer sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lösungen für gerechte Renten gäbe es sicher viele, leider blockieren sich die Parteien gegenseitig- meist mit Absicht, mit Blick auf die nächste Wahl.
.
Vermutlich ist man sich nicht mal einig, nach welchen Kriterien eine gerechte Rente zu zahlen ist.

Wer lange gearbeitet hat, soll viel Rente erhalten?
Wer viel gearbeitet oder eingezahlt hat, soll viel Rente erhalten?
Alle sollen die gleiche Rente erhalten?
usw, usw...
 
Und was ist mit den anderen die trotz guter Qualifikation eben nicht die "guten Jobs" bekommen haben, sind ja nicht so viele davon da.
Falsche Wahrnehmung der Realität oder wie kommt sonst das hohe deutsche Durchschnittsarbeitseinkommen zu Stande ?

Werden wir doch einmal konkret, welche gute Qualifikation nicht zu einem Einkommen und damit Rentenanwartschaft oberhalb der Mindestrente (=Grundsicherung) führt ?
Bitte jetzt aber nicht die ganzen taxifahrenden mittelmäßigen Soziologieabsolventen o.ä. anführen.

Überhaupt, was ist ein "guter Job" ? Wird das nur über das Gehalt definiert ?
Da wir hier im Rententhread sind wird ein guter Job natürlich über den Lohn/das Gehalt/das Einkommen im Sinne von Rentenerwerb definiert ! Solche Fragen regen mich aber echt auf. Primitiv und fachlich unter der Gürtellinie. Alles andere ginge in Richtung Einheitsrente.

Vieles im Leben läuft außerhalb der persönlichen Einflussnahme..
Nein, nein und nochmals nein !
Jeder hat es bei uns selbst in der Hand, was aus ihm wird. Jeder noch so arme Staatsbürger kann sich zum Bsp. zum Arzt ausbilden lassen, wenn er denn die hierfür notwendige Leistung erbringt und so gilt das für alle Berufe !

Und das mit der AfD ist eben kein Widerspruch.
Doch ist es. Du schreibst, die Leute wenden sich von der Politik ab und wählen AfD. Die AfD ist aber Politik, nichts anderes.
 
Nur durch gesellschaftlichen Druck kann es gelingen das der falsche Weg der in der Rentenpolitik eingeschlagen wurde wieder verlassen wird. Aber wenn nur noch Terror und Asylanten die politische Diskussion bestimmen, kann das nur schlecht gelingen. Wer jetzt hier nicht wiederspricht und dem auch noch nachgibt in dem er schön brav seinen Riestervertrag abschließt, wird nichts verändern, sondern im Gegenteil die Verhältnisse festigen.

Wie gesagt, es geht hier weniger um meine persönliche Rente. Denn auch wenn ich mich sehr darüber ärgere das mir diese von der Politik drastisch gekürzt wurde (ich bin Jahrgang 1964) werde ich durch Wohneigentum und betrieblicher Zusatzrente zum Glück nicht in die Armut fallen. Dennoch ist es unerträglich wenn meine Rente auch noch durch den sogenannten "Riesterfaktor" gekürzt wird. Also die Unverschämte Behauptung weil ja "alle" Riestern müssten die Rente einfach pauschal für alle zu kürzen. Obwohl nur eine kleine Minderheit Riestert, wird für alle der "Rieserfaktor" in der Rente abgezogen. Dreister geht es nicht mehr.

@MasterXTC,

Leider wirst du diesen Druck nicht erzeugen können, da sich die Menschen hier nur um sich selbst kümmern. Dafür hat das System gut gesorgt. Anstatt die gestzliche Rente zu stärken hat man einen Anteil an die Versicherungsbranche verkauft und den Menschen erzählt sie sollen privat vorsorgen. Das macht für Normalverdiener keinen Sinn, für Niedriglöhner sowieso nicht.
Und genau wie du schreibst, der Hammer ist ja eben, dass man die Niedrigverdiener verarscht hat.
Wir brauchen eine Existenzsichernde Mindestrente für alle, die nicht genug einzahlen konnten und für den Rest eine Stärkung der gesetzlichen Rente.
Solidarität ist das höchste Gut unter den Arbeitern, leider scheint es sowas nicht mehr zu geben. Da neided keiner dem anderen was, sondern da schaut man, dass alle soviel wie möglich abbekommen.
 

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