Inzwischen sind die Proteste hier abgeklungen, man hat sich damit abgefunden. Unser Asta versucht seine Daseinsberechtigung weiter zu demonstrieren, indem er für mehrere tausend Euro jedes Semester irgendwelche Veranstaltungen bucht, auf der dann 20 Leute erscheinen.
Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Gebühren sinnvoll. Studienplätze sind inzwischen ein knappes Gut geworden und wo etwas knapp wird, entstehen Preise. Ich weiß nicht, ob das staatlich so gewollt ist, aber es ist doch auffällig, dass die Forschung an den Unis so forciert wird, während der Lehrmittelbereich nichts abbekommt.
Ein positiver und oft nicht erwähnter Nebeneffekt der Gebühren ist, dass mehr und mehr Studenten sich für einen Studiengang entscheiden, mit dem man später auch die Schulden abzahlen kann. Dinge wie Kunst, Architektur usw. gehen zurück. Somit erhält die Wirtschaft mehr Kräfte, wo sie wirklich notwendig sind.
Und die Frage, die du dir stellst Spock, ist eigentlich verkehrt. Es spielt keine Rolle, wie hoch sie sein sollten. Wichtig ist, wie hoch sie maximal sein können. Ich erwarte, dass die Gebühren soweit steigen werden, dass ein Gleichgewicht zwischen Angebot (Die Anzahl der verfügbaren Plätze) und Nachfrage (diejenigen, die sich Studium noch leisten können) eintritt. Das haben wir im Moment nicht. Man sollte im Hinterkopf haben, was mit den Gebühren passiert. Meine 500€ gehen erstmal an das Land, davon wird ein irrwitzig hoher Verwaltungsbetrag einbehalten, was letztendlich nichts anderes als Geldwäsche ist, damit das Geld im Haushalt landet. Der Restbetrag (ca. 300€) geht wieder an die Uni, die sich fragt, was sie damit machen soll. Nachdem so neue Hardware angeschafft und auch neue Tutorien geschaffen wurden, bleibt immer noch ein Betrag über.
Beispiel: Hier studieren etwa 12.500 Leute, zahlen also ca. 4,7 Mio. an die Uni. Jetzt wird für den Mathe2-Kurs ein Extratutorium angeboten, indem 10 Studenten angestellt werden. Die bekommen 5,50€ die Stunde und arbeiten alle zusammen etwa 260 Stunden im Monat. Das kostet dann grob 1430€.
Ihr seht worauf ich hinaus will.
Die Gebühren in dieser Form produzieren Misswirtschaft, da eine Abteilung ihre Gelder jedes Semester verbraten muss, damit sie im nächsten Semester die gleiche Summe bekommen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Regierung die Abschaffung wirklich machen sollte. Obwohl es von 2003 bis heute 17% mehr Abiturienten gibt, ist die Studentenzahl um 5% zurückgegangen (keine Quelle zur Hand, aber ich kann auf Nachfrage googlen). Ich finde das vertretbar, denn die Kapazitäten sind ja konstant geblieben. Möglicherweise erhöht Bayern oder Ba-Wü schon bis 2010 die Gebühren auf 700€ oder mehr. Dort war nämlich von einem Protest nach der Einführung kaum etwas zu hören.
PS: Noch ein Beispiel. Das Skript "Informatik für Maschinenbauer", etwa 150 Seiten dick, gab es all die Jahre zum Download oder selber ausdrucken. Niemand hat gesagt, dass er das kaufen will. Denn dann nimmt die Uni dafür gleich 5€ (150 Seiten Kopie kosten hier etwa 2,25€ - und wenn jemand 10.000 Kopien will, kriegt er natürlich Rabatt).
Jetzt bekommen wir so ein kleines zusammengebundenes Büchlein, und man hat nicht versäumt, immer wieder zu betonen, dass das durch Studiengebühren finanziert wurde.
Es läuft also darauf hinaus, dass man jetzt, in den Anfangsjahren der Gebühr, eine Legitimation erreichen muss. Das ist wie die Einführung einer neuen Steuer, auch die muss begründet sein, sonst gibt es zu Recht Krawall.
Für mich persönlich hat sich nichts verändert, ich gehörte zu jenen, die zwei Semester gebührenlos und jetzt vier Semester mit Gebühren unterwegs waren. Die Änderungen sind winzig. Und unser Präsident weigert sich, eine detaillierte Berechnung herauszugeben, was mit den Geldern passiert und wo sie hingehen. Ist verständlich, denn im Spiegel stehen öfter kleine Schocker, dass die Unis die Gelder nutzen, um damit zu heizen oder ihre Fitnessstudios auszurüsten. Doch all das irrelevant, zeigt es doch nur, dass die Gelder eigentlich unwichtig sind. Es geht nur darum, die Studenten zahlen zu lassen. Und solange genug Studis das mitmachen, geht das auch. Ich hoffe bloß, unser Staat ist so schlau und schafft die Gebühren wieder ab, wenn die Studentenzahlen in 10 Jahren mangels Nachwuchs wieder zurückgehen.