nikioko schrieb:
Oh, Sprachsudgabe? Das kam erst Anfang der 90er. Bin dahin war alles textbasiert. Teilweise viel Text, wenn man sich Adventures wie Monkey Island ansieht. Und da war noch nicht einmal eine deutsche Textversion gesetzt. Die war nur dem privaten Eigenengagement von Boris Schneider-Johne geschuldet. Und vor Grafikadventures gab es Textadventures mit noch mehr Text. Und den nur auf Englisch. Ich erinnere da an die Klassiker von Infocom und Magnetic Scrolls. Im Vergleich zu dem, was wir uns damals mit deutlich schlechteren Englischkenntnissen reingezogen haben, sind wir heute sehr stark verwöhnt, was auch dieses Gemecker auf höchstem Niveau erklärt.
Übrigens ist heute sogar eine (englische) Vollvertonung keineswegs der Standard. Viele RPGs wie Rogue Trader oder Wrath of the Righteous haben im der guten Tradition von Baldur‘s Gate und Neverwinter Nights nur Ambient Voice Action und viel Text zu lesen. Und derjenige, bei dem die Immersion von einer deutschen Sprachausgabe abhängt, tut mir leid.
In den 80er Jahren war die Gamingbranche noch eine andere, eine, die aufgrund überschaubarer Spielerzahlen keine Milliardenumsätze verzeichnete. Was damals üblich war, ist heutzutage oftmals aus guten Gründen obsolet und das schließt eine fehlende Lokalisierung mit ein. 1995 erschien
Chrono Trigger für das SNES. Das habe ich ein Jahr lang durchgehend gespielt - anfangs mit Wörterbuch, weil mein Englisch damals nicht ausreichte. Russisch war nämlich erste Fremdsprache in der ehemaligen DDR und wurde erst 1990 durch Englisch abgelöst. Ich habe die Handlung nachvollziehen, aber nicht in Gänze genießen können, weil mich der Blick ins Wörterbuch immer wieder aus dem Spiel riss. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass das Spiel in Europa offiziell nie erschien und eine Lokalisierung deswegen nicht erfolgte. Deutsche Texte gab es erst in der Nintendo DS-Version, die ich aus Nostalgiegründen nicht spiele bzw. gespielt habe, obwohl das Modul bei mir im Schrank steht.
Richtig mit Englisch beschäftigte ich mich erst, als ich all die hochgelobten Filmklassiker sehen wollte und
Criterion /
Janus Films oftmals der einzige Anbieter mit vernünftigen Releases war. Auch da saß ich oftmals mit Wörterbuch, um Dialogen folgen zu können. Filme sehen war primär Arbeit und wenig Spaß. Im Großen und Ganzen aber möchte ich die Zeit nicht missen, denn meinen Englischkenntnissen hat es nicht geschadet. Im Gegenteil. Ich bin ganz zufrieden mit meinem Hör- und Sprechverständnis, auch wenn ich einem Muttersprachler oder der jungen Generation, die mit Englisch aufwächst, nicht das Wasser reichen kann.
Dennoch denke ich, dass Menschen, die sich über fehlende deutsche Sprachausgabe beschweren, einen Punkt haben. Vielleicht nicht, wenn es kleine Indiestudios betrifft. Aber dass beispielsweise Rockstar nicht gewillt ist,
GTA oder
RDR in französischer oder deutscher Sprachausgabe zu releasen, halte ich in Anbetracht der Umsätze / Gewinne, die das Studio macht, für einen schlechten Scherz. Vermutlich, ach Quatsch, sehr wahrscheinlich kann man den Wortwitz aus dem Englischen nicht 1:1 ins Deutsche übertragen. Muss man aber auch nicht. Es gibt genug Filme, mit denen Synchronautoren wie Rainer Brandt oder Arne Eltsholtz Maßstäbe setzten, ohne sich wortwörtlich am englischen Original zu klammen. Siehe die ersten Spencer / Hill-Filme, oder auch Monty Pythons
The Life of Brian, der im Deutschen unfassbar lustig ist. Oder
The Big Lebowski. "Bekackt" finde ich wesentlich lustiger als das schon damals generische "Fuck".