Mir ist die ganze Diskussion hier viel zu Ich-bezogen. Viele jammern, dass Linux verkannt wird und bedauern die insgesamt immer noch schleppende Akzeptanz und Verbreitung in der Masse, fordern von einer endlich wirklich anwenderfreundlichen Distribution jedoch wieder den administrativen Overkill.
Trennen wir doch zunächst einmal die Anwender grob in zwei Teile:
- die Interessierten, die wissen, wie man Linux installiert, konfiguriert und produktiv damit umgeht (Ihr)
- die Nur-Anwender, die den PC ohne tieferes Wissen einfach nur für einfache Aufgaben nutzen wollen
Im Test mit meinem alten Herrn (71) sind wir vor 2 Jahren schon einmal an Linux gescheitert. Die aktuelle Oberfläche sagt ihm jetzt allerdings mehr zu, was mich optimistisch stimmt, dass Ubuntu damit wirklich massentauglicher geworden ist. Diese (in diesem Bereich) einfach gestrickte Anwendergruppe profitiert nämlich eindeutig von Unity. Das Gleiche konnte ich mit absoluten Neueinsteigern (8, 11) feststellen. Alle diese Anwender besitzen kein Betriebsystemwissen bzw. -verständnis und auch keinerlei Interesse, sich jemals tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Nichts Schlimmes, weil deren Lebensschwerpunkt nun einfach einfach anders ausgelegt ist. Soll es ja geben
Wer tief genug in der Materie steckt, um sich über KDE, Gnome & Co. Gedanken machen zu können, ist nur ein Teil der Linux-Gemeinde. Bedauerlicherweise immer noch der größte, was sich hoffentlich bald ändert. Die Statistiken halte ich nämlich insofern für Käse, als dass viele Ersteinsteiger und "Erstkontaktler" gar nicht erfasst werden (können). Ich habe die Distri nur einmal gezogen, aber mindestens schon 10 Mal installiert. Fast alle Installationen laufen noch, sind aber nur einmal in die Bewertung mit eingeflossen. Linux Mint ist sicher für Fortgeschrittene interessanter und wesentlich flexibler zu handhaben, Ubuntu ist hingegen massentauglicher. Schlank oder aufgeblasen? Es ist immer eine Frage des Standpunkts und des gesteckten Ziels.
Ich bitte einfach darum zu akzeptieren, dass es auch Anwender gibt, die sich NICHT für technische Details interessieren und die weder Smartphones routen, noch sonstige Ambitionen haben, an der einmal erworbenen Technik was zu ändern. Das ist nicht ehrenrührig und man muss sich auch nicht überlegen fühlen. Mein Kfz-Mechaniker ist absoluter Computer-DAU und glücklich mit dem, was andere ihm mundfertig hinstellen, dafür kann ich an meinem Auto absolut nichts mehr machen und mal ganz ehrlich: ich habe auch keine Lust dazu, ich will nur fahren. Er lacht mich auch nicht aus, wenn wieder mal der Bordcomputer spinnt - Reset und fertig.
Hier ist mehr Sachlichkeit und Toleranz vonnöten! Das Schönste an den ganzen Linux-Varianten gegenüber Windows 7 ist doch die Auswahl, weil jeder für sich das ideale Paket selbst auswählen kann. Man macht nun mal aus einer Familienkutsche keinen Sportwagen in Leichtbauweise, der ist viel zu schwer und nur für Profis zu beherrschen. Denkt einfach mal eine Minute an die, die Linux eine Chance geben, um es einfach mal zu nutzen, so wie ich mein Auto. Ohne technisches Fachwissen, dafür mit fiel Spaß beim fahren und problemlosen Ankommen.
Danke
