Strahltriebwerk schrieb:
Alles was über einer gewissen Grenze liegt, sollte stärker besteuert und nach unten hin verteilt werden. Und ich rede hier nicht von Jahreseinkommen von 100'000 oder 300'000 Euro, sondern von denen die wirklich als Spitzenverdiener bezeichnet werden sollten. Vermögen die in die hunderte Millionen gehen.
Weil diejenigen, die soviel Geld haben, dann schlicht das Land verlassen und hier garkeine Steuern mehr bezahlen. Du wirst die Mehrheit der Superreichen hier nicht so erwischen, dass du ihnen wesentliches Vermögen wegnehmen kannst.
Deren Anwälte und Steuerberater finden schon Möglichkeiten, das Vermögen zu schützen.
Strahltriebwerk schrieb:
Die Arbeitswelt wurde immer weiter rationalisiert und produktiver, sei es im Zuge der Industrialisierung, der Digitalisierung und nun durch die KI. Wo sind diese Effizienzgewinne und damit verbundenen Einnahmesteigerungen hin?
Die sind schon da - aber sehr viele andere Länder haben diese Zugewinne eben auch hingelegt - und mit den stehen wir in ständiger Konkurrenz.
Und irgendwann werden die Sprünge auch einfach kleiner. Dazu kommt, dass sich nicht jede Arbeit Automatisieren lässt. Weiter braucht man für die ganze Automatisierung auch wieder Fachkräfte, die diese warten, programmieren und reparieren können. Und die sind - wer hätte es gedacht, oft deutlich teurer als die vorherigen Handarbeitskräfte.
Andere Staaten subventionieren ihre Wirtschaft wesentlich stärker als Deutschland das tut. Sei es steuerlich, bei den Energiepreisen oder bürokratischen Hürden. So gewinnt man dann einen Verdrängungswettbewerb auf internationaler Ebene. Wenn du deinen Konkurrent erstmal so geschwächt hast, dass ihn die Fixkosten fressen, muss er zwangsläufig schrumpfen oder sogar aufgeben. Dann kann man letztlich die Preise selbst auch anziehen.
Wir haben an unserem Standort früher nahezu die gesamte Produktionskette des Produkts selbst hergestellt - mittlerweile sind alle energieintensiven und wenig wertschöpfenden Prozesse ins Ausland verlagert. Wir kaufen hier teilweise die Fertigteile günstiger ein als wir das Rohmaterial überhaupt bekommen könnten.
Die Zeiten sind vorbei, sich auf reinem Technologiefortschritt ausruhen zu können um sich hohe Gehälter genehmigen zu können.
Das trifft fast alle Unternehmen, die in internationaler Konkurrenz stehen. Das mag für den lokalen Handwerker oder Kleinbetrieb erstmal nicht direkt gelten - sie sind aber auch von solventen Kunden abhängig, die ihre Dienste in Anspruch nehmen können.
Schaut euch doch mal Regionen wie in Emden - wenn VW da weg ist, was bleibt denn noch so? Indirekt trifft das dann alle - ob Handwerker, Einzelhandel oder Gastronomie. Wenn das VW-Geld in form der Gehälter geht, wird aus der Region eine große Schaafwiese.
Strahltriebwerk schrieb:
sinkenden Renten, [....] und Gesundheitskosten auseinandersetzen
Du, manch einer vergisst ganz gern mal, dass die Rente und Gesundheitsvorsorge kein Grundrecht sondern ein Privileg auf der Welt ist.
Hier mal ein ganz guter Vergleich:
https://www.dasinvestment.com/inter...laender-haben-das-beste-rentensystem/?viewall
Hier mal die Top10 und die jeweilige Einwohnerzahl in Mio.
| Niederlande | 17,8 |
| Island | 0,39 |
| Dänemark | 5,9 |
| Israel | 9,75 |
| Singapur | 5,9 |
| Australien | 26,6 |
| Finnland | 5,5 |
| Norwegen | 5,5 |
| Chile | 19,6 |
| Schweden | 10,54 |
Alle gemeinsam haben, dass es bezogen auf die Einwohner kleine Länder sind. In meinem Verständnis lässt sich ein Rentensystem für wenige leichter organisieren als eines für sehr viele wenn noch dazu viele Gutverdiener ein extra System haben.
Unser Rentensystem braucht in jedem Fall noch Optimierungen und Umstrukturierungen. Wie z.B. Abschaffung von eigenen Pensionskassen und Sondersystemen.
Aber grundsätzlich darf man schon froh sein, überhaupt was zu bekommen und nicht bis in den Sarg hinein arbeiten zu müssen. Ebenso stürzt einen ein gebrochener Knochen im Gegensatz zu den USA nicht potentiell in den finanziellen Ruin.
Ich sehe es in meiner Arbeitspraxis häufig genug, dass immer wieder nur rumgepimmelt wird um den Tag rumzubringen ohne irgendwas produktives zu leisten. Ja - da finde ich es nicht verwerflich mal zu fordern, das wieder mehr richtig gearbeitet werden muss. Insbesondere bei der Kategorie 50+, 20 Jahre im Unternehmen und keine karrieretechnischen Ambitionen mehr. Da ist Arbeitszeitbetrug durch sehr ausgedehnte Pausen ja noch das kleinste der Vergehen, die man so mitbekommt. Passieren tut - dank starker Gewerkschaft und Betriebsrat - nichts.
Ebenso wenn Leute schon auf Ansage krank sind, wenn es bei der Arbeit nicht nach ihrer Laune geht oder Urlaubstage nicht bekommen wie beantragt. Alles schon persönlich erlebt. Und nicht nur in einer Firma.
Ja- da kann ich durchaus Forderungen verstehen, dass man im Jahr z.B. nur noch x Tage mit Krankheit bezahlt bekommt und danach direkt im Ersatzlohn ist und dieser zudem auf GruSi-Niveau gesenkt wird (abgesehen von Arbeitsunfällen, schwer kranken oder behinderten Menschen).
Diese Mentalität ist sehr schädlich und wenn sich das in der Bevölkerung nicht ändert, werden wir auch irgendwann im Endzeitkapitalismus ala USA leben. Da brauchen sich manche dann zumindest nicht mehr über ihre Mietpreise beschweren - schließlich ist das Wohnen unter der Brücke meistens kostenlos.
Wenn es die breite Bevölkerung nicht hinbekommt, im internationalen Umfeld mit den Unternehmen zu bestehen, wird irgendwann die Folge sein, dass sich der Sozialstaat in seiner jetzigen Form so womöglich nicht mehr halten lässt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein erstrebenswertes Ziel ist.