Union möchte tägliche Höchstarbeitszeit kippen. 30,25-35,25 Wochenstunden verteilt auf drei Arbeitstage attraktiv?

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Incanus schrieb:
Natürlich ist es reizvoll, drei Tage zu Arbeiten und vier frei zu haben, aber auf Dauer beutet man sich selber so bloß aus. Es ist sicher nicht gesund täglich 14 Stunden zu arbeiten
Man muss aber auch sehen, dass Tage mit solchen Stunden oftmals vorkommen:
  • in Krankenhäusern, wo das teilweise eine vor Ort Bereitschaft ist und du auch schlafen / ruhen darfst.
  • Auf Dienstreisen, weil die Reisezeit dazu zählt
  • Auf Montage, wo du abends eh nichts anderes vor hast und lieber einen Tag früher wieder zuhause bist.
Ich würde bei einem fatalen IT Ausfall auch nicht einfach nach Hause, weil meine erlaubte Arbeitszeit erreicht ist. Beim letzten Mal war ich 25 Stunden vor Ort, aber der Laden lief wieder. Dann nach Hause, 4 Stunden schlafen (ohne Wecker) und wieder hin um die unkritischen Systeme zu fixen.

In meinem Dunstkreis kommen Konflikte mit der Höchstarbeitszeit häufiger vor. Nicht das Extrembeispiel mit 14 Stunden, aber 10-12 sind da schon normal. Da werden dann unter der Hand Stunden auf einen anderen Tag geschrieben und/oder günstige Privatübernachtungen verbucht statt teures Hotel.

Handwerker fährt 2 Stunden zum Einsatz, braucht dort mehr als 5 Stunden. Soll er dann abbrechen und am nächsten Tag nochmal 4 Stunden Auto fahren? Oder einfach nochmal ne Stunde dran hängen, heim fahren zur Familie und am nächsten Tag einfach ne Stunde länger schlafen?

Das Problem ist nicht die Regelung per se, das Problem ist - wie so oft - die Möglichkeit der Ausnutzung.
 
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h00bi schrieb:
Ich würde bei einem fatalen IT Ausfall auch nicht einfach nach Hause, weil meine erlaubte Arbeitszeit erreicht ist. Beim letzten Mal war ich 25 Stunden vor Ort, aber der Laden lief wieder. Dann nach Hause, 4 Stunden schlafen (ohne Wecker) und wieder hin um die unkritischen Systeme zu fixen.
Klingt nach einer Frickelbude wo die GF die Risiken nicht im Griff hat.
Und sicherlich wird die GF den Kram bald in die Cloud verlagern um sich keine blöde Fragen von den Shareholdern stellen lassen zu müssen.
 
foofoobar schrieb:
Und sicherlich wird die GF den Kram bald in die Cloud verlagern
Der Vorfall ist mittlerweile 9 Jahre her und es wurde nichts nennenswertes in die Cloud verlagert. Die primäre Konsequenz war weg von getrennten Storage und Compute Nodes zu Hyperconverged Nodes.
 
Strahltriebwerk schrieb:
Alles was über einer gewissen Grenze liegt, sollte stärker besteuert und nach unten hin verteilt werden. Und ich rede hier nicht von Jahreseinkommen von 100'000 oder 300'000 Euro, sondern von denen die wirklich als Spitzenverdiener bezeichnet werden sollten. Vermögen die in die hunderte Millionen gehen.
Weil diejenigen, die soviel Geld haben, dann schlicht das Land verlassen und hier garkeine Steuern mehr bezahlen. Du wirst die Mehrheit der Superreichen hier nicht so erwischen, dass du ihnen wesentliches Vermögen wegnehmen kannst.
Deren Anwälte und Steuerberater finden schon Möglichkeiten, das Vermögen zu schützen.
Strahltriebwerk schrieb:
Die Arbeitswelt wurde immer weiter rationalisiert und produktiver, sei es im Zuge der Industrialisierung, der Digitalisierung und nun durch die KI. Wo sind diese Effizienzgewinne und damit verbundenen Einnahmesteigerungen hin?
Die sind schon da - aber sehr viele andere Länder haben diese Zugewinne eben auch hingelegt - und mit den stehen wir in ständiger Konkurrenz.
Und irgendwann werden die Sprünge auch einfach kleiner. Dazu kommt, dass sich nicht jede Arbeit Automatisieren lässt. Weiter braucht man für die ganze Automatisierung auch wieder Fachkräfte, die diese warten, programmieren und reparieren können. Und die sind - wer hätte es gedacht, oft deutlich teurer als die vorherigen Handarbeitskräfte.

Andere Staaten subventionieren ihre Wirtschaft wesentlich stärker als Deutschland das tut. Sei es steuerlich, bei den Energiepreisen oder bürokratischen Hürden. So gewinnt man dann einen Verdrängungswettbewerb auf internationaler Ebene. Wenn du deinen Konkurrent erstmal so geschwächt hast, dass ihn die Fixkosten fressen, muss er zwangsläufig schrumpfen oder sogar aufgeben. Dann kann man letztlich die Preise selbst auch anziehen.

Wir haben an unserem Standort früher nahezu die gesamte Produktionskette des Produkts selbst hergestellt - mittlerweile sind alle energieintensiven und wenig wertschöpfenden Prozesse ins Ausland verlagert. Wir kaufen hier teilweise die Fertigteile günstiger ein als wir das Rohmaterial überhaupt bekommen könnten.

Die Zeiten sind vorbei, sich auf reinem Technologiefortschritt ausruhen zu können um sich hohe Gehälter genehmigen zu können.
Das trifft fast alle Unternehmen, die in internationaler Konkurrenz stehen. Das mag für den lokalen Handwerker oder Kleinbetrieb erstmal nicht direkt gelten - sie sind aber auch von solventen Kunden abhängig, die ihre Dienste in Anspruch nehmen können.

Schaut euch doch mal Regionen wie in Emden - wenn VW da weg ist, was bleibt denn noch so? Indirekt trifft das dann alle - ob Handwerker, Einzelhandel oder Gastronomie. Wenn das VW-Geld in form der Gehälter geht, wird aus der Region eine große Schaafwiese.

Strahltriebwerk schrieb:
sinkenden Renten, [....] und Gesundheitskosten auseinandersetzen
Du, manch einer vergisst ganz gern mal, dass die Rente und Gesundheitsvorsorge kein Grundrecht sondern ein Privileg auf der Welt ist.
Hier mal ein ganz guter Vergleich: https://www.dasinvestment.com/inter...laender-haben-das-beste-rentensystem/?viewall

Hier mal die Top10 und die jeweilige Einwohnerzahl in Mio.
Niederlande17,8
Island0,39
Dänemark5,9
Israel9,75
Singapur5,9
Australien26,6
Finnland5,5
Norwegen5,5
Chile19,6
Schweden10,54

Alle gemeinsam haben, dass es bezogen auf die Einwohner kleine Länder sind. In meinem Verständnis lässt sich ein Rentensystem für wenige leichter organisieren als eines für sehr viele wenn noch dazu viele Gutverdiener ein extra System haben.
Unser Rentensystem braucht in jedem Fall noch Optimierungen und Umstrukturierungen. Wie z.B. Abschaffung von eigenen Pensionskassen und Sondersystemen.
Aber grundsätzlich darf man schon froh sein, überhaupt was zu bekommen und nicht bis in den Sarg hinein arbeiten zu müssen. Ebenso stürzt einen ein gebrochener Knochen im Gegensatz zu den USA nicht potentiell in den finanziellen Ruin.

Ich sehe es in meiner Arbeitspraxis häufig genug, dass immer wieder nur rumgepimmelt wird um den Tag rumzubringen ohne irgendwas produktives zu leisten. Ja - da finde ich es nicht verwerflich mal zu fordern, das wieder mehr richtig gearbeitet werden muss. Insbesondere bei der Kategorie 50+, 20 Jahre im Unternehmen und keine karrieretechnischen Ambitionen mehr. Da ist Arbeitszeitbetrug durch sehr ausgedehnte Pausen ja noch das kleinste der Vergehen, die man so mitbekommt. Passieren tut - dank starker Gewerkschaft und Betriebsrat - nichts.
Ebenso wenn Leute schon auf Ansage krank sind, wenn es bei der Arbeit nicht nach ihrer Laune geht oder Urlaubstage nicht bekommen wie beantragt. Alles schon persönlich erlebt. Und nicht nur in einer Firma.
Ja- da kann ich durchaus Forderungen verstehen, dass man im Jahr z.B. nur noch x Tage mit Krankheit bezahlt bekommt und danach direkt im Ersatzlohn ist und dieser zudem auf GruSi-Niveau gesenkt wird (abgesehen von Arbeitsunfällen, schwer kranken oder behinderten Menschen).
Diese Mentalität ist sehr schädlich und wenn sich das in der Bevölkerung nicht ändert, werden wir auch irgendwann im Endzeitkapitalismus ala USA leben. Da brauchen sich manche dann zumindest nicht mehr über ihre Mietpreise beschweren - schließlich ist das Wohnen unter der Brücke meistens kostenlos.

Wenn es die breite Bevölkerung nicht hinbekommt, im internationalen Umfeld mit den Unternehmen zu bestehen, wird irgendwann die Folge sein, dass sich der Sozialstaat in seiner jetzigen Form so womöglich nicht mehr halten lässt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein erstrebenswertes Ziel ist.
 
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Khaotik schrieb:
Unser Rentensystem braucht in jedem Fall noch Optimierungen und Umstrukturierungen. Wie z.B. Abschaffung von eigenen Pensionskassen und Sondersystemen.
Und noch viel wichtiger ist das auf das gesamte Einkommen Steuern und Sozialabgaben erhaben werden.
Aber das wird weder mit der CxU noch mit der FDP passieren.
 
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@Orcon Warum sollte man das gegenüber jemanden der das resultierende Einkommen anders erzielt privilegieren?
Besser wäre dann eine entsprechende allgemeingültige Anpassung der Sätze der Steuern und Sozialabgaben.
 
Orcon schrieb:
Jene die auf Trinkgeld und einen Minijob als Zweitjob angewiesen sind,um heute schon über die Runden zu kommen, bedanken sich dann hoffentlich bei dir.
Das bedeutet doch nur, dass sie regulär zu schlecht bezahlt werden. Wohin das mit den Trinkgeldern führt, kann man sich in den USA anschauen und es wird auch hier immer mehr Trinkgeld für immer weniger Leistung eingefordert. Passt jetzt nicht hier her, aber ich wäre sogar dafür, Trinkgelder schärfer zu regulieren.

Ich bin da eher bei foofoobar, dass alle Einkommensarten gleich behandelt werden sollten, gerade auch die aus Vermögen.

Bzgl. des eigentlichen Themas: Ich wäre für eine Lockerung der Regelungen.

Typische Fälle sind bei uns Dienstreisen, bei denen die Leute lieber schneller zurück sind, als nochmal irgendwo zu übernachten, Versuche/Prozesse, die länger dauern als geplant, nicht gestoppt oder abgebrochen werden können, Veranstaltungen und Dienstreisen, die länger dauern, oder einfach auch Dinge, die man fertig bekommen möchte oder kann.
 
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foofoobar schrieb:
Und noch viel wichtiger ist das auf das gesamte Einkommen Steuern und Sozialabgaben erhaben werden.
Aber das wird weder mit der CxU noch mit der FDP passieren.
Damit meinst du dann auch sämtliche, aktuell steuerfreie Zulagen wie Nachtschicht, Wochenende usw.?
Langfristig für die Rente natürlich gut, kurzfristig sind da aber sicher die meisten sowieso dagegen. Da nimmt man lieber kurzfristiges Geld als langfristige Sicherheit.
Daher dann auch wenig Mitleid, wenn man das nicht bedenkt und im Alter mit wenig Rente dasteht.

Ich habe auch Leute im Bekanntenkreis, die nur einen Halbtagsjob mit 10-15h machen für die Versicherung und ansonsten sehr viel Schwarz nebenbei arbeiten. Klar hat man kurzfristig erstmal mehr im Säckel als bei einer Vollzeitstelle - über die mögliche Altersarmut braucht man sich dann aber auch nicht beschweren, wenn man das Schwarzgeld nicht sinnvoll investiert. Und aus meiner subjektiven Erfahrung heraus machen das die allerwenigsten. Da geht die Kohle lieber in ein überteuertes Auto oder Urlaube. Kurzfristiger Konsum vor langfristiger Sicherheit.

Viele Menschen möchten ein Vollkasko-leben ohne dafür bezahlen zu wollen. Findet den Fehler.
 
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Khaotik schrieb:
Viele Menschen möchten ein Vollkasko-leben ohne dafür bezahlen zu wollen.

Das Problem ist, dass Schröder die bessere Versicherung für Beitragszahler gestrichen hat.

Vollkasko gibt es seitdem gar nicht mehr für Durchschnittsverdiener, und wenn am Ende sowieso die Vermögensanrechnungsgleichschaltung auf Grundsicherung lauert, lohnt sich Arbeit auf Vorrat eben nicht mehr.

Was hat man von steuerfreien Überstunden, wenn man deswegen im Burnout landet, und das ganze angehäufte Geld auf die Grundsicherung angerechnet wird ? Offensichtlich ein Verlustgeschäft.
 
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Khaotik schrieb:
Damit meinst du dann auch sämtliche, aktuell steuerfreie Zulagen wie Nachtschicht, Wochenende usw.?
Langfristig für die Rente natürlich gut, kurzfristig sind da aber sicher die meisten sowieso dagegen.
Wenn man solche Zulagen erhält, wird man sicherlich gegen ihre Besteuerung bzw. Abschaffung sein.
Mir wäre es egal, denn ich bekomme immer den selben Stundenlohn ... egal, ob Feiertag, Wochenende. Gäbe es bei uns eine Nachtschicht, dann würde es wohl auch dafür keinerlei Zulagen geben.
In immer mehr Bereichen gibt es solche Zulagen schon heute nicht mehr ... denn wenn man die per AV nicht gewährt, spart man Geld.
In vielen Betrieben gibts auch keinen Betriebsrat, keine Tarifbindung, keine Gewerkschaft. Denn ohne "unternehmert" es sich einfach etwas profitabler.
Ist aber auch egal, denn es geht dabei ja eh nur um Jobs unterhalb des Medianlohns. Dafür darf man zwar seine 42% Einkommensteuer abdrücken, hat ansonsten aber die Fresse zu halten.
 
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Khaotik schrieb:
Weil diejenigen, die soviel Geld haben, dann schlicht das Land verlassen und hier garkeine Steuern mehr bezahlen.
Das ist erst einmal eine These. Interessant wäre, ob es im großen Maße auch so geschehen würde.

Zudem könnte man hier auch mit der sogenannten Wegzugsbesteuerung entgegenwirken.

Khaotik schrieb:
Deren Anwälte und Steuerberater finden schon Möglichkeiten, das Vermögen zu schützen.
Das machen sie sowieso. Egal wie hoch die Steuern sind. Sollte es Schlupflöcher geben, liegt es an dem Gesetzgeber diese zu schließen.

Das muss aber natürlich politisch gewollt sein.

Khaotik schrieb:
Du, manch einer vergisst ganz gern mal, dass die Rente und Gesundheitsvorsorge kein Grundrecht sondern ein Privileg auf der Welt ist.
Die beiden Begriffe stehen zwar nicht ausdrücklich im Grundgesetz, trotzdem lässt sich unser Sozialsystem, welches Rente und Gesundheitsversorgung umfasst, aus dem Grundgesetz ableiten, indem Deutschland als sozialer Staat beschrieben wird.

Beides müsste auch völkerrechtlich als Menschenrecht anerkannt sein, wenn ich es korrekt in Erinnerung habe.

Wo hingehen Rente und Gesundheitsversorgung als Grundrecht anerkannt wird, ist in der Charta der Grundrechte in der EU.
Quelle: https://fra.europa.eu/de/eu-charter/article/34-soziale-sicherheit-und-soziale-unterstuetzung

Deutschland und die EU haben es schon als (Grund)rechte definiert.

Und zu behaupten das wir zu wenig arbeiten müsste ein Schlag ins Gesicht für jeden durchschnittlichen Arbeiter in Deutschland sein. Solche Phrasenschwinger sollen einmal 8 Stunden am Tag an der Kasse bei LIDL sitzen oder 10 Stunden als Schlosser malochen. Und das natürlich mindestens 5 Tage die Woche.

Bitte dabei immer die geleistete Arbeit in Relation zum Gehalt/Lohn ziehen, wenn man so etwas posaunt.

Nicht vergessen, dass Linnemann von der CDU gesagt hat, dass unter anderem deutsche Rentner zu wenig arbeiten.
 
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4 Menschen, die je 2 Stunden am Tag länger machen, klauen einem fünften die Stelle.

Überstunden sollten nicht von der Steuer befreit, sondern mit dem doppelten Stundenlohn vergütet werden.
Schon heute wird eigentlich zu viel Arbeit in irregulärer Arbeitszeit erledigt und mit steuerlichen Erleichterungen würde das ganz sicher nicht weniger werden.

Wenn regelmäßig Arbeit liegen bleiben müsste, um im Stundenlimit zu bleiben, dann deutet das auf unrealistische Planung hin. Niemand kann mir erzählen, dass sowas "Zufall" ist.
Wenn es regelmäßig passiert, dann ist das so gewollt ... und dieses Verhalten sollte unsere Politik mMn nicht noch hofieren.
 
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Skaiy schrieb:
8 Stunden am Tag an der Kasse bei LIDL sitzen oder 10 Stunden als Schlosser malochen. Und das natürlich mindestens 5 Tage die Woche.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Jobs im Vergleich zu vor 40 Jahren schon weitaus leichter geworden sind. Die Hilfsmittel, die es heute auch im Handwerk gibt, sind schon enorm.
Allein schon, wenn ich mir Videos und Bilder aus unseren Produktionshallen von 1980 und heute ansehe. Da sind Welten dazwischen. Früher hast du teilweise in einer Halle keine 20m weit sehen können, weil soviel Dunst in der Luft war.
Heute muss jedes Stäubchen abgesaugt und gefiltert werden (was auch vollkommen richtig ist) und die Hallen sind teilweise sogar klimatisiert. Es ist schon noch körperliche Arbeit, aber ein Malochen wie vor 40 Jahren ist das bei weitem nicht mehr.
Bevor noch einer meckert: Ich habe auch im Handwerk gelernt und bin da Nebenberuflich noch aktiv - kenne also durchaus die körperlichen Anforderungen und Gegebenheiten.

Skaiy schrieb:
Zudem könnte man hier auch mit der sogenannten Wegzugsbesteuerung entgegenwirken.
Wäre eine Möglichkeit, ist aber die Frage, ob das jede Art von Vermögen erfasst. Soweit ich das verstehe, geht es hier nur um die Aufdeckung stiller Reserven wie Verkäufe von Firmenanteilen oder Gewerbeimmobilen und deren Gewinnüberführung ins Privatvermögen.
Freilich werden die meisten Reichen ihr Vermögen nicht Bar auf dem Konto liegen haben. Wer aber so Reich ist, wird vermutlich auch nicht alles über deutsche Konten und Firmen laufen lassen.

Meine Vermutung bleibt einfach, dass man damit nicht die Superreichen trifft, die man im Auge hat, sondern eher die "Semireichen". Also solche mit 1-10Mio€ Vermögen, ggf. primär Selbstständige mit Firmen oder Immobilienbesitzer im kleineren Rahmen. Je nach Standort ist ein Immo-Wert von 1Mio€ ja heute schon recht schnell erreicht.
In der Landwirtschaft ist man, wenn man gängige Flächenpreise ansieht, ja schon mit ein paar Hektar Land auf dem Papier Millionär. Mal als Relation für Außenstehende: Bei uns sind die Preise für 1 Ha (10.000m²) bei etwa 3-5€/m². Erwirtschaften kann man mit normalen Ackerfrüchten zwischen 1200 und 2000€ je ha und Jahr als BruttoUMSATZ. Gewinn ist schwer zu sagen und stark abhängig vom Jahr, aber mehr als 500€/ha bleiben seltenst übrig. Realistisch sind eher 200-300€ Deckungsbeitrag/Jahr. Manche Jahre sind aber nicht mal die Kosten gedeckt. Mit 30ha Land ist man damit zwar potentiell Millionär, kann damit aber manchmal nicht mal ein Monatseinkommen eines normal Angestellten (~5000€) für sich erwirtschaften. (Bei Sonderkulturen oder sehr guten Böden sehen die Rechnungen etwas besser aus, dafür sind aber die Bodenpreise auch entsprechend höher. )
Ist ein ähnliches Thema wie die Erbschaftssteuer, die immer wieder für Diskussionen sorgt. Die Superreichen parken ihr Geld schon so, dass sie drum herum kommen, die Semireichen sind dann wieder die geleckten, die man eigentlich garnicht im Visier hatte.
 
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DerOlf schrieb:
Überstunden sollten nicht von der Steuer befreit, sondern mit dem doppelten Stundenlohn vergütet werden.
Genauso wie Leiharbeiter höher bezahlt werden müssten, als reguläre Arbeiter.

Leiharbeiter waren mal dafür gedacht, Auftragsspitzen abzuarbeiten.
Werden aber wegen der niedrigeren Kosten gerne mal Jahre beschäftigt.
 
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Khaotik schrieb:
Damit meinst du dann auch sämtliche, aktuell steuerfreie Zulagen wie Nachtschicht, Wochenende usw.?
Das ist ein klassischer Fall für den Abbau von Subventionen.
 
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DerOlf schrieb:
4 Menschen, die je 2 Stunden am Tag länger machen, klauen einem fünften die Stelle.
...
Wenn regelmäßig Arbeit liegen bleiben müsste, um im Stundenlimit zu bleiben, dann deutet das auf unrealistische Planung hin. Niemand kann mir erzählen, dass sowas "Zufall" ist.
Wenn es regelmäßig passiert, dann ist das so gewollt ... und dieses Verhalten sollte unsere Politik mMn nicht noch hofieren.
Das ist eine viel zu einseitige Sicht. Ich kann aus praktischer Erfahrung/Beobachtung sagen, dass z.B. in zwei Poststellen in den letzten 5 Jahren folgendes passiert ist. Beide Poststellen waren bis dahin nur durch jeweils eine Vollzeitkraft besetzt, die bei Krankheit oder Urlaub durch eine Person mitvertreten wurde. Beide Vertretungen haben das Pensum nebenher zum regulärem Job gemacht. Es hat sich keiner beschwert.

Nachdem die reguläre Besetzung in Ruhestand gegangen ist, wurde sehr viel digitalisiert. Statt Briefen kommen gescannte Briefe oder E-Mails in Sammelpostfächern an. Die Vertretungen haben es bis zur Einstellung von neuem Personal einfach weiter mitgemacht. Es hat sich auch keiner beschwert.

Dann hat man in beiden Fällen jeweils eine Teilzeitkraft eingestellt (weil ja die Vertretung es nebenher erledigt hat). Ergebnis: Selbst mit weiteren Einstellungen, d.h. jetzt mit 2,x und 3,x Vollzeitäquivalenten kann das gleichgebliebene Pensum nicht geschafft werden und Urlaubsvertretungen funktionieren auch nicht mehr innerhalb der Teams.

Wir reden hier von Post verteilen. In beiden Fällen sucht man jetzt nach einer Softwarelösung, die die digitale Post verteilt. Was dann noch physisch reinkommt, erledigt der Empfang. Wir versuchen gesellschaftsfreundlich zu agieren und geben Leuten Chancen und schauen, wie wir sie weiterentwickeln können. Aber ein Teil der Menschen will überhaupt keine Leistungen zeigen und nur die Zeit absitzen. Soll sich doch ein anderer aus dem Team drum kümmern oder es ist doch egal, ob es tagelang liegen bleibt.

Ich habe es in einem Betrieb zur Datenerhebung selbst "mitgemacht". Der Aufwand zur Sortierung und Weiterleitung liegt bei 1-2 Stunden am Tag. Das funktionierte bisher nur, weil noch so viel Geld reinkommen ist, dass man nicht hart rationalisieren muss.

Anderes Beispiel Angebotserstellung und Abrechnung bei meinem aktuellen Arbeitgeber. Was aufgrund der Projektgrößen 2-3 Monate dauert, schaffen manche Leute nicht mal in einem halben Jahr. Manchmal ist man schon froh, wenn man die Deadline zur Einreichung schafft. Da müssen wir dann die Reißleine ziehen und es durch jemand anderen erledigen lassen oder selber machen. Dann jammern sie auch noch, dass das zu viel Arbeit sei, obwohl sie keine anderen Aufgaben haben und ziehen alle runter. Am besten sind dann auch die noch, die sich dann vorhersehbar krank melden.

Minderleister hat man überall und muss man auch aushalten können. Die Leute sind zu verschieden und man kann nicht von allen das Maximum auf Dauer erwarten. Auch ist die Frage, welche Leistung für welches Gehalt erwartet werden kann. Die Sicht als AG und AN sind da oft sehr unterschiedlich. Hier muss ich Leuten auch oft sagen, dass man von manchen Menschen mit geringen Gehältern weniger erwarten darf. Problematisch ist es, wenn selbst das wenige dann nicht erledigt wird.
Was mich ehre ankotzt ist aber, dass dann Performer, die die Missstände aufzeigen, alles mit noch mehr Einsatz ausgleichen müssen oder auch noch angegriffen werden.

Skaiy schrieb:
Beides müsste auch völkerrechtlich als Menschenrecht anerkannt sein, wenn ich es korrekt in Erinnerung habe.
...
Und zu behaupten das wir zu wenig arbeiten müsste ein Schlag ins Gesicht für jeden durchschnittlichen Arbeiter in Deutschland sein. Solche Phrasenschwinger sollen einmal 8 Stunden am Tag an der Kasse bei LIDL sitzen oder 10 Stunden als Schlosser malochen. Und das natürlich mindestens 5 Tage die Woche.

Ich glaube, Khaotik meinte damit, dass es hier die Systeme dann auch wirklich gibt und sie nicht nur auf dem Papier stehen und weltweit eben nicht.

Bzgl. Lidl und Schlosser: Das ist auch pauschalisierend. Könnte jetzt auch sagen, dass die Leute in den Hallen durchaus mal länger brauchen als sonst.

Bzgl. Zuschläge: Bei uns gibt es nur einen 10-20% Zeitzuschlag auf dem Zeitkonto. Mit einer Flexibilisierung der maximalen Arbeitszeiten sollte das mMn aber auch abgeschafft werden. Da ist es mir lieber, wenn alle Arbeitsstunden gleich und vielleicht etwas höher vergütet werden.
 
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Khaotik schrieb:
Weil diejenigen, die soviel Geld haben, dann schlicht das Land verlassen und hier garkeine Steuern mehr bezahlen. Du wirst die Mehrheit der Superreichen hier nicht so erwischen, dass du ihnen wesentliches Vermögen wegnehmen kannst.
Deren Anwälte und Steuerberater finden schon Möglichkeiten, das Vermögen zu schützen.
Steuerpflicht an die Staatsangehörigkeit koppeln wie es die Amis machen.
 
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@crashbandicot Am besten auf der Ebene EU, das könnte dem Passverkauf solcher Länder wie Malta an fragwürdige Gestalten wirkungsvoll eindämmen.
Ergänzung ()

Khaotik schrieb:
In der Landwirtschaft ist man, wenn man gängige Flächenpreise ansieht, ja schon mit ein paar Hektar Land auf dem Papier Millionär. Mal als Relation für Außenstehende: Bei uns sind die Preise für 1 Ha (10.000m²) bei etwa 3-5€/m². Erwirtschaften kann man mit normalen Ackerfrüchten zwischen 1200 und 2000€ je ha und Jahr als BruttoUMSATZ. Gewinn ist schwer zu sagen und stark abhängig vom Jahr, aber mehr als 500€/ha bleiben seltenst übrig. Realistisch sind eher 200-300€ Deckungsbeitrag/Jahr. Manche Jahre sind aber nicht mal die Kosten gedeckt. Mit 30ha Land ist man damit zwar potentiell Millionär, kann damit aber manchmal nicht mal ein Monatseinkommen eines normal Angestellten (~5000€) für sich erwirtschaften. (Bei Sonderkulturen oder sehr guten Böden sehen die Rechnungen etwas besser aus, dafür sind aber die Bodenpreise auch entsprechend höher. )
Eine Besteuerung von Vermögen ist eigentlich eine Doppelbesteuerung, knallhart jeden und jedwedes und alle Arten von Einkommen besteuern und mit Sozialabgaben belegen, Beitragsbemessunggrenzen abschaffen, und wirklich jeder kommt in die gesetzlichen Sozialversicherungen, wer mehr will kann sich on top privat zusatzversichern.

Eigentlich ist das ganz einfach.
 
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