Eigentlich wollte ich gerade erst in den Keks-Thread. Weil ich einen umgekehrten Kulturschock bei der Rückkehr nach Deutschland erlebte. Auf dem Flughafen Haneda wurde ich noch von überschwänglich freundlichem Personal begrüßt. Wie auch die ganze Zeit im Konbini, im Supermarkt, im Nintendo Store oder sonstwo. Das fand ich schon beeindruckend. Auch das Überreichen meines Rückgelds mit beiden Händen. Kleine Details, die eine Menge ausmachen.
Ich komme also in Frankfurt an, und was begegnet mir zuerst? Natürlich eine defekte Rolltreppe. Gefolgt von schlecht gelauntem Personal, das Leute nach einem 13-stündigen Flug (!) ankotzt, doch bitte schneller zu machen. Das zog sich dann so weiter. Bahn fahren bequem per Pasmo? Pah, nö, Einzelfahrscheine kaufen und sich im Zug kontrollieren lassen, so wie in den guten alten 70ern. Pünktliche Abfahrten? Ich bin zweimal Bahn gefahren, seit ich hier bin. Beide Züge hatten Verspätung. Wenn in Tokio 16:37 Uhr auf dem Plan steht, dann fährt der Zug verdammt nochmal auch um 16:37 Uhr. Da kannst du die Uhr danach stellen! So macht ÖPNV dann auch Sinn, so. In meinen zwei Wochen dort bin ich viel Bahn gefahren (Besonders mag ich die Keikyu Line). Ich habe exakt eine Verspätung erlebt. Um eine Minute. Mit "sumimasen" über die Lautsprecher. Kein Witz.
Auch in hiesigen Supermärkten wird Freundlichkeit nicht eben groß geschrieben. Von Service ganz zu schweigen, der ist schlicht nicht vorhanden. Es gibt Ausnahmen und es sollen an dieser Stelle auch alle Supermarkt-Mitarbeiter explizit gewürdigt werden, die sich anstrengen. Aber die Tendenz lässt sich leider nicht leugnen. Überhaupt scheinen in Deutschland alle einfach scheiße drauf zu sein. Kein freundliches "Konnichiwa!" mehr auf der Straße, kein "arigatou gozaimasu" wenn ich jemandem Platz mache und kein "sumimasen". Dafür umso mehr toxische "Männlichkeit". Ganz besonders hier in Meck-Pomm. Bäh. =/
Aber, und deshalb bin ich dann doch in diesem Thread, das hat mich dann doch nur weiter bestärkt. Japan ist großartig, es hat mir noch besser gefallen, als ich es mir jemals hätte erträumen können. Konnte sogar schon einen "Freund" finden (wobei das für die kurze Zeit zu viel gesagt ist). Wir stehen jetzt im E-Mail-Austausch.
Aus einem vagen Vorhaben, eventuell nach Japan auszuwandern, ist nun ein fester Plan geworden. Die Unternehmensgründung ist in Vorbereitung. Zwei Jahre muss ich aushalten, um Permanent Residency zu bekommen. Klingt machbar. Mal sehen, ob ich es dieses Jahr mit dem Start noch gewuppt kriege.

Bis dahin versuche ich mich darin, umso mehr Freundlichkeit und gute Laune hierzulande zu verbreiten, um bewusst einen Kontrast zu setzen. Und feile weiter an meinem Japanisch. Das noch immer zu wünschen übrig lässt. Verstehen geht mittlerweile immer besser. Aber wenn ich selbst Sätze formen soll, meldet mein Hirn noch viel zu oft schwere Ausnahmefehler. =D
Danke Donald Trump, hättest du die einst großartigste Nation auf dem Planeten in Form der USA nicht in ein hässliches Fascho-Loch verwandelt, wär ich doch glatt dorthin ausgewandert!
Oh, und meine Mitbringsel sind dann doch etwas umfangreicher als geplant ausgefallen, hust. =D