DerHechtangler schrieb:
Wer legt denn fest, was notwendig ist und was nicht?
Eventuell mal einen wissenschaftlichen Ansatz?
zum Beispiel die "maslowsche Bedürfnispyramide" bzw. "-hierarchie".
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Einfache_Bedürfnishierarchie_nach_Maslow.svg
Die unterste Stufe (physiologische Bedürfnisse) ist das Minimum. Und die Deckung dieser Bedürfnisse zu sichern bedeutet nicht nur dafür zu sorgen, dass jeder genug Geld für Wohnen, Ernährung, Gesundheit und Kleidung zur Verfügung hat, sondern auch dass die etablierten Zugangswege für alle offen stehen (was im Falle des onlinehandels eben auch die digitale Infrastruktur betrifft und bei der Gesundheit ein Umlagesystem zur Behandlungsfinanzierung).
Es muss nicht ein Gaming-Laptop sein. Mittlerweile reicht den meisten eh ein Handy ... meins ist jetzt 2 Jahre alt, und hat nichtmal 100,- gekostet ... und das bedeutet, mit knapp 50,- im JAHR ist das Endgerät schonmal da. Zum Zugang gehört dann allerdings auch noch ein Vertrag mit einem Telekomunikationsunternehmen und die entsprechende Hardware (die wird im allgemeinen kostenfrei zur Verfügung gestellt, muss aber auch zurückgegeben werden ... oder bezahlt, wenn man es geschrottet hat oder das Paket halt "verloren" gegangen ist).
Bei der untersten Stufe in dieser Pyramide sind es recht abstrakte Begriffe ... hier sollte es um die Bedürfnisse und deren Befriedigung gehen, die allen Menschen gemein sind.
Alles andere objektiv notwendige kann als "Individualbedürfnis" betrachtet und im Falle eines Bedarfs (z.B. aufgrund von Krankheit) zu den physiologischen Bedürfnissen gerechnet werden.
Da der Mensch ein soziales Wesen ist und gerne auch etwas Sicherheit hat, sind auch die nächsten Zwei Kategorien (Sicherheitsbedürfnisse und soziale Bedürfnisse) nicht zu ignorieren.
Bei den oberen zwei Kategorien (Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung) ist es zum einen sehr einfach .... Selbstverwirklichung ist Luxus ... und zum anderen anhand objektiver Kriterien zu beurteilen ... ein chronisch Kranker hat nunmal andere Individualbedürfnisse, als ein Gesunder, ein alter Mensch andere als ein Junger u.s.w.
Auf Deutsch:
Bei "Essen" geht es nicht ums "Filet Mignon an Blattspinat mit Erbse und Frühkartoffel" ... es geht um Essen. Auch ein Steckrübeneintopf kann dieses Bedürfnis befriedigen ... aber in Deutschland wissen wahrscheinlich eh nur relativ wenig Menschen, wie sich dieses Bedürfnis anfühlt (echter Hunger ist für die meisten hier doch ein Fremdwort).
Die Frage, wie viel Wohnfläche für einen Menschen "angemessen" ist, beantwortet das SGB ... wem das zu wenig ist, der sollte wohl mal (wahlweise) über seine eigenen Gewohnheiten nachdenken, oder darüber, ob hartz4 wirklich ausreicht.
Beim Auto geht es um die Möglichkeit von A nach B zu kommen ... dort wo der ÖPNV gut ausgebaut ist (Städte) sehe ich das als Luxus, auf dem Land ist es notwendig (weil die Kosten für einen flächendeckenden ÖPNV dort einfach in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen).
Eine Grenze zu ziehen, fällt zumindest mir recht leicht ... ein dicker Familienschlitten muss es für einen Single eben nicht sein ... also ist das Luxus.
Und wenn man ein SUV wegen des leichteren Einstiegs kauft, dann sollte es diese Trümmer wohl auch eher in Sanitätshäusern geben (links neben den Rollatoren).
Im Grunde ist es bei fast allen Grundbedürfnissen sehr einfach, eine Grenze festzusetzen, ab der aus der Notwendigkeit individueller Luxus wird.
Tomi argumentiert ja im Grunde auch nur mit seinen individuellen Wünschen.
Aber natürlich wird das alles nichts, solange wir alle denken, dass wir gefälligst selbst entscheiden dürfen sollen, wie unser Fussabdruck aussehen soll ... manche wollen halt lieber nur dezente Muster hinterlassen ... andere fühlen sich nur dann wohl, wenn hinter ihnen eine Kraterlandschaft zurückbleibt oder es zumindest ihnen überlassen bleibt, das zu entscheiden.
Freiheit ist toll ... wenn die Leute damit verantwortungsvoll umgehen ... wir tun das leider nicht.
Noch ein Nachtrag zum Thema "radikal".
Ayn Rand sagte mal sinngemäß "Wir sind radikale für dfen Markt" (das original findet sich in der sig von
@SheepShaver) ... man könnte das auch so verstehen, dass die gute Ayn sich selbst für einen Kapitalismus-Extremisten gehalten hat.
Tatsächlich hatte die Frau in ihrem Leben nur einen einzigen Gedanken ... und der war "wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht" ... eine Ego-Aktivistin also. Psychologisch betrachtet aber wohl einfach jemand, der kräftig überkompensiert, was er im kommunistischen Russland erlebt hat.
Der Begriff "radikal" leitet sich vom lateinischen Wort für "Wurzel" (Radix) ab (
@Godde hat das scheinbar verstanden).
Radikale zeichnen sich dadurch aus, Probleme an der von ihnen identifizierten "Wurzel" angehen zu wollen ... leider haben recht viele davon auch etwas unschöne Argumentationsfiguren aus Richtung Essentialismus, Naturalismus und Biologismus drauf.
Zumindest mich lässt das etwas daran Zweifeln, dass dort eine echte Wurzel eines Problems überhaupt erkannt werden könnte, denn leider machen Essentialisten, Naturalisten und Ähnliche immer wieder den Fehler, zu glauben, die Wurzel bereits zu Beginn der Betrachtung zu kennen, und dann die Betrachtung darauf hin auszurichten, dass sie mit ihrer Grundannahme Recht behalten.
"Biased" sind allerdings lang nicht nur Radikale ... das haben eigentlich alle drauf.