Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

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Das essen in der Tafel ist eine Umverteilung der kapitalistischen Überproduktion. Das würde sowieso entsorgt werden.

Wenn die "Langzeit-Hartzer" durch ein BGE mehr Geld bekommen, geben sie eben mehr in Kneipen aus oder im Discounter. Sparen werden sie sicherlich nicht. Mit dem BGE erleichtert man all denen, die mehr wollen oder unverschuldet in eine prekäre Situation gekommen sind den Absprung und beseitigt die Existenzängste der unteren Mittelschicht.
 
folivora schrieb:
Wenn die "Langzeit-Hartzer" durch ein BGE mehr Geld bekommen, geben sie eben mehr in Kneipen aus oder im Discounter. Sparen werden sie sicherlich nicht. Mit dem BGE erleichtert man all denen, die mehr wollen oder unverschuldet in eine prekäre Situation gekommen sind den Absprung und beseitigt die Existenzängste der unteren Mittelschicht.

Wo kommen wir dahin, wenn man auf einmal die Grundbedürfnisse vernünftig versorgen könnte.
 
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@folivora

Wenn es ein BGE gibt, dann steigen alle Preise. Die Konsummöglichkeiten der jetzigen Hartz IVler bleiben also gleich.

Nur kostet dann eben die Miete 30 Euro mehr, der Netflix Account 2 Euro, die Packung Schnitzel 1 Euro usw. Preise orientieren sich immer an der Kaufkraft des Marktes.
 
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Tomislav2007 schrieb:
Du magst scheinbar Kapitalismuskritiker die mit ihren Büchern und Vorträgen über den bösen Kapitalismus gut verdienen und die Inhalte nicht kostenlos zur Verfügung stellen.
Ich interessiere mich in erster Linie für den Inhalt des Buches, nicht für dessen Vertriebsweg. Verstehst du anscheinend nicht.

Idon schrieb:
Wenn es ein BGE gibt, dann steigen alle Preise. Die Konsummöglichkeiten der jetzigen Hartz IVler bleiben also gleich.

Nur kostet dann eben die Miete 30 Euro mehr, der Netflix Account 2 Euro, die Packung Schnitzel 1 Euro usw. Preise orientieren sich immer an der Kaufkraft des Marktes.
Tja, da wären wir wieder bei dem Thema von heute morgen. Genau deshalb ist eine direkte Bedürfnisversorgung sehr viel sinniger. Jedes Produkt trägt einen Wert in sich. 100g Apfel sind 100g Apfel. Eine weitere Wertzumessung braucht es nicht.
 
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folivora schrieb:
Die wird eben häufig solange als Lippenbekenntnis gefordert, bis man selbst Privilegien aufgeben muss. Dann spielt Meritokratie für die meisten keine Rolle mehr.

Das ist kein Lippenbekenntnis. Leistung/Arbeit muss sich einfach lohnen. Bist du etwa anderer Meinung und was ist die Alternative?

Wo ist das Problem Menschen zu belohnen die Gas geben? Wobei streng genommen belohnen sich diese Leute selbst mit ihrem Erfolg, den sie sich erarbeiten. Dann kommt der Staat, greift paar Steuern ab und lässt diese ins Sozialsystem einfließen.

An welcher Stelle schadet das jetzt einem "Durchschnittsverdiener"?

Beim Fußball muss dann auch jeder Spieler auf die gleiche netto Spielzeit kommen und natürlich auch das Gleiche verdienen. Es gibt absolut keinen Grund, warum ein Lewandowski mehr Spielzeit haben sollte als ein Malik Tillman. Sind wir uns da einig?

Meinst du Privilegien wie sich mal ein großen Dönerteller zu gönnen oder eher Privilegien wie ich steige in meinen Privatjet wann ich will und fliege wohin ich will?

Manche wollen und werden einfach nie Eigenverantwortung im Leben übernehmen. Wenn man etwas will, dann muss man dafür was tun ... ich dachte immer das wäre logisch. Tja da wurden mir einfach Jahrzehnte Märchen erzählt. Sonntag bin ich wieder bei meinen Eltern, denen werde ich was erzählen.

Am besten die Schuld immer bei anderen suchen bis man mit einem Fuß Grab steht und plötzlich merkt, ups das war's. Time is over, nichts erlebt, nur aufgeregt. Man schadet sich doch in erster Linie selber, ich verstehe das nicht.
 
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Was auch viele vergessen, dass ein Abitur oder Studium keineswegs einen guten Verdienst sichert. Damit wird man nur weiter oben im Hamsterrad eingeordnet. Man bleibt aber ein Hamster der bis an sein Lebensende strampelt.

Für echte finanzielle Unabhängigkeit - auf lange Sicht - muss man sich schon selbstständig machen und später eine Firma gründen um sich ein passives Einkommen aufzubauen.. Dafür braucht man aber kein Abitur mit Jodel Diplom oder Jodel Bachelor...
 
Toyota Corolla schrieb:
Was auch viele vergessen, dass ein Abitur oder Studium keineswegs einen guten Verdienst sichert. Damit wird man nur weiter oben im Hamsterrad eingeordnet. Man bleibt aber ein Hamster der bis an sein Lebensende strampelt.

Für echte finanzielle Unabhängigkeit - auf lange Sicht - muss man sich schon selbstständig machen und später eine Firma gründen um sich ein passives Einkommen aufzubauen...

Auf welchen Planeten lebst du? Die Erde kann es nicht sein ... Jesus Christus. Da fehlen mir echt die Worte.
 
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Eldok schrieb:
Auf welchen Planeten lebst du? Die Erde kann es nicht sein ... Jesus Christus. Da fehlen mir echt die Worte.

Ich lass dir einfach mal ein bisschen Literatur da, dann kannst du vielleicht meinen Standpunkt nachvollziehen.

https://www.amazon.de/Cashflow-Quadrant-Rich-dad-poor/dp/3898798836/
https://www.amazon.de/Investment-Punk-Warum-schuftet-werden/dp/3548373844/
https://www.amazon.de/gp/product/3593395428
https://www.amazon.de/Elon-Musk-Welt-verändert-Biografie/dp/3898799069
https://www.amazon.de/Allesverkäufer-Jeff-Bezos-Imperium-Amazon/dp/3593510626/

Gerade das erste Buch hat mir in der besagten Thematik die Augen geöffnet. Das zweite Buch gibt es auch in Videoform, wenn das eher dein Ding ist (ist aber wegen dem Dialekt eher schwer zu verstehen).

Aber klar, dass System braucht stramme Hamster. Sonst läuft es nämlich nicht.
 
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PeterPlan schrieb:
100g Apfel sind 100g Apfel.
Wieviel Kilogramm oder Tonnen Apfel sind ein Auto?
Es geht bei Handel ja um einen Umtausch. Du brauchst allgemeingültige tauschmittel ... eben eine Währung oder wenigstens eine feste Einheit ... ähnlich dem Gewichtssystem.
Etwas, was man bereits hat, gegen das exakt Gleiche zu tauschen macht einfach keinen Sinn.
 
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Bücher werden in erster Linie verkauft und damit Geld zu verdienen. Willkommen im Kapitalismus :lol:

Im Grunde ist alles Kapitalismus. Egal was du besitzt und genau jetzt anfasst. Alles wurde produziert, um es mit Gewinn zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Selbst meine wunderschöne seidenweiche verführerische Haut, die nur so schön ist, weil ich sie mit Produkt XYZ eincreme.

Da dir das erste Buch "Cashflow Quadrant: Rich dad poor dad" die Augen geöffnet hat und die weiteren Bücher wie "Die Millionärsformel: Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit" und "Investment Punk: Warum ihr schuftet und wir reich werden | Ein Investmentbanker zeigt, wie wir endlich zu den finanziellen Gewinnern gehören können", gleich die entsprechende Lösung anbieten, gehe ich stark davon aus das nun Reich/Multimillionär bist bzw. für immer ausgesorgt hast und dich nun mit deinem Geld für die Armen einsetzt. Sehe ich das richtig oder zu welchem Handeln haben dich diese Bücher bewegt?

Ich glaube, so einfach ist es dann doch nicht.
 
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Eldok schrieb:
Bücher werden in erster Linie verkauft und damit Geld zu verdienen. Willkommen im Kapitalismus :lol:

Wieso wusste ich, dass es kommt? Standard-Phrasen vom Standard-Hamster. Hurra!
Wie war das noch mit der Bildung? Na? Zu mal ich dir ja auch eine kostenfreie Quelle gezeigt habe.

Eldok schrieb:
gleich die entsprechende Lösung anbieten, gehe ich stark davon aus das nun Reich/Multimillionär bist bzw. für immer ausgesorgt hast und dich nun mit deinem Geld für die Armen einsetzt. S

Es geht nicht darum Multimillionär zu werden... Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet erstmal nur, seinen momentanen Lebensstandard durch passives Einkommen finanzieren zu können.
Und ja, bereits jetzt habe ich erstes passives Einkommen, im Gegensatz vor einem Jahr wo ich die Bücher gelesen habe. Natürlich geht das nicht heut auf morgen, aber das ist nun mal sehr individuell.

Wenn man immer alles ausgibt, was man hat, wird man immer arm bleiben. Völlig egal ob du monatlich 2.000€ oder 5.000€ netto bekommst.

Eldok schrieb:
Ich glaube, so einfach ist es dann doch nicht.

Ne, du missverstehst mich absichtlich um zu trollen.
 
Toyota Corolla schrieb:
Wieso wusste ich, dass es kommt? Standard-Phrasen vom Standard-Hamster. Hurra!

Kannst du mir diese Frage mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten? Werden so gut wie alle Bücher in erster Linie verkauft, um damit Gewinne zu erzielen? Würden die Leute immer noch Bücher schreiben und verkaufen, wenn der Gewinn 0,00 € betragen würde? Ausnahmen bestätigen die Regel.

Mich beschleicht das Gefühl, dass die Leute für Ihre Arbeit/Leistung entlohnt werden wollen.
 
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Eldok schrieb:
Mich beschleicht das Gefühl, dass die Leute für Ihre Arbeit/Leistung entlohnt werden wollen.

Und wo ist das Problem? Dein Steuerberater arbeitet auch nicht für lau....
Zumal du das eine Buch auch in Form von kostenlosen VoD Content bekommst.
 
Toyota Corolla schrieb:
[...]Wenn man immer alles ausgibt, was man hat, wird man immer arm bleiben. Völlig egal ob du monatlich 2.000€ oder 5.000€ netto bekommst.[...]

Das stimmt doch nur, wenn das Geld verbrannt (wortwörtlich) wird. Sonst werden die Ausgaben umgewandelt in Erinnerungen, Güter etc.


Deine Aussagen lassen mehrere Punkte vermissen.

Zwei wichtige Punkte:
1) Selbständigkeit ist kein Garant für Erfolg oder gar passives Einkommen. Die meisten Selbstständigen arbeiten mehr für gleiches oder weniger Geld als Angestellte.
2) Arbeit kann und sollte Spaß machen.



Ich finde, dass deine gesamte Grundeinstellung gegenüber dem Konzept "Arbeit" die Ursache für deine Ansichten und deine vermutlichen Herausforderungen damit ist. Arbeit, insbesondere auch für einen Dritten, ist nicht per se schlecht, böse, zu vermeiden oder sonst etwas.

Hamster im Hamsterrad - so süß. Als ob es den putzigen Tierchen in einem schönen Käfig nicht hervorragend gehen würde.


@PeterPlan

Apfel ist Apfel scheitert dort, wo irgendeine Art von komplexerer Weiterverarbeitung stattfinden muss und/oder kein Überangebot herrscht.
 
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Idon schrieb:
Wenn es ein BGE gibt, dann steigen alle Preise.
Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. In der Theorie werden alle Waren zu Grenzkosten gehandelt, wenn entsprechender Wettbewerbsdruck da ist. Das ist in Deutschland bei Lebensmitteln im Discountmarkt am ehesten der Fall. Auch viele Dienstleistungen (Friseur, Imbiss) werden mit geringer Marge angeboten.

Wenn ein BGE kommt, könnte es sein, dass die Löhne steigen und so auch, die Grenzkosten.

Unter entsprechendem Wettbewerb wird das so, über die Preise, weitergegeben. Die Preissteigerung wäre aber niemals so hoch, dass sie das BGE komplett kompensieren würde.

Bei Markenprodukten und auf dem Wohnungsmarkt und anderen Dienstleistungen mit geringem Wettbewerb können/werden die Preissteigerungen höher ausfallen.

Was bestimmt nicht passieren wird:
Geringverdiener legen sich auf die faule Haut und gehen überhaupt nicht mehr arbeiten.

Ein Friseur verdient in Deutschland etwa 20k brutto im Jahr. Wieso sollte er beim BGE sich mit 1100-1300€/Monat abfinden und rumlungern, statt weiter zu arbeiten und so auf über 30k p.a. brutto zu kommen?

Leistung wird so...
Eldok schrieb:
Das ist kein Lippenbekenntnis. Leistung/Arbeit muss sich einfach lohnen.
auch noch belohnt. Und ja Leistung muss belohnt werden!

Eldok schrieb:
Meinst du Privilegien wie sich mal ein großen Dönerteller zu gönnen oder eher Privilegien wie ich steige in meinen Privatjet wann ich will und fliege wohin ich will?
Ich meinte Privilegien, die die Leistungsgesellschaft aushebeln. Sei es dadurch, dass man dem eigenen Nachwuchs, egal wie blöd er ist, durch eine formale Bildung durch Privatschule/Uni und Vitamin B in hohe Positionen bringt oder gleich schamlos Vetternwirtschaft betreibt. Oder das gewinne aus "Leistung" privatisiert werden, die Haftung aber beschränkt wird.

Was genau ist die Rechtfertigung, dass ein Einzelunternehmer immer mit Privatvermögen haftet, eine GmbH aber nicht?

Eldok schrieb:
Manche wollen und werden einfach nie Eigenverantwortung im Leben übernehmen.
Und manche tun es und scheitern dennoch. Gerade eine Selbstständigkeit (der Traum im Kapitalismus) zwingt Menschen doch dazu, monatelang am Existenzminimum/mit lächerlichem Stundensatz zu leben, eben bis die Geschäftsidee irgendwann zündet, oder scheitert.

Den greifst du mit dem BGE auch unter die Arme. Es sind nicht nur Versager und Faulenzer, die Profitieren. Sondern auch Macher.
 
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DerOlf schrieb:
Wieviel Kilogramm oder Tonnen Apfel sind ein Auto?
Es geht bei Handel ja um einen Umtausch. Du brauchst allgemeingültige tauschmittel ... eben eine Währung oder wenigstens eine feste Einheit ... ähnlich dem Gewichtssystem.
Etwas, was man bereits hat, gegen das exakt Gleiche zu tauschen macht einfach keinen Sinn.

Ich schrieb/schreibe nicht von Tauschhandel, sondern von Bedürfnisbefriedigung. Handel ist ein anderer Schauplatz. Ich wollte klarstellen, worin das Problem liegt, wenn wir ein BGE (platzhalterisch für eine Grundversorgung) nur in Geld betrachten. Und da hat @Idon recht, wenn er sagt, dass das keine Lösung ist. Das liegt aber in meinen Augen an der Art und Weise, wie wir Werte nur in verschleierter Form von Geld auszudrücken vermögen. Heute kostet der Apfel 1 Euro, morgen kostet er 2 Euro. Das Bedürfnis selbst fällt dabei unter den Tisch, wie es an vielen Stellen im Kapitalismus der Fall ist. Das ist einer meiner großen Kritikpunkte an diesem System!

Du musst trennen zwischen:

-Nutzwert: Das ist der Wert, den ein Produkt für die Frage der Bedürfnisbefriedigung aufweist. Der Nutzwert kann ziemlich klar definiert werden. Du hast Hunger? Also hat Nahrung einen Nutzwert, ein Handy nicht. Du willst telefonieren? Vice versa. Der Nutzwert eines Apfels bleibt immer gleich. Es ist eben ein Apfel, mit dem man apfelhafte Dinge anstellen kann, zB Essen, aus getrockneten Schalen einen Tee brühen oder aus den Kernen einen Baum pflanzen.

-Tauschwert: Dieser Wert ist die Variable in der ganzen Geschichte. Hier finden auch Nutzenabwägungen statt, aber in einer anderen Form. Im Tauschwert inbegriffen ist die Arbeitsleistung. Beim Tauschwert (oder Handelswert) versuchen wir, eine Basis für den Tausch verschiedener Dinge zu finden, so dass am Ende beide Tauschpartner zufrieden sind. Als Indikator für den Wert dient der Preis, der quasi eine Hürde, einen "Anti-Nutzen" darstellt: Den Preis muss ich bezahlen, um einen Nutzwert zu erhalten. Das wäre okay, wenn jeder ausreichend Geld besäße, das ist aber nicht der Fall, und wird im Kapitalismus auch nie so sein!

Dass du Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kannst, hat ja sogar die VWL verstanden. Die Grenznutzenschule impliziert, dass der Verbraucher jedem Produkt einen Nutzwert zuschreibt, was ja auch Sinn ergibt. Mein Bedürfnis nach Äpfeln kann durch Waschmaschinen nicht befriedigt werden. Das dürfte jedem einleuchten, oder? Kurioserweise wird im nächsten Schritt das Prinzip des "Güterbündels" eingeführt: 5 Äpfel und 2 Waschmaschinen und 10 Äpfel und 1 Waschmaschine kann ich dann doch wieder vergleichen (oder jede beliebige andere Kombination verschiedener Güter). Und spätestens jetzt wird es zirkusreif: Daraus fabuliert die Haushaltslehre eine Indifferenzkurve, die einen optimalen Kosten/Nutzwert, mit anderen Worten, das optimale Güterbündel ausgehend von der Budgetbeschränkung ergeben soll. Das ist absurd. Kein Mensch geht so einkaufen. Menschen haben klar formulierbare, endliche Bedürfnisse pro Zeiteinheit, und auf diesen muss das Augenmerk liegen.

Am Ende ist doch nur eines interessant: Welche Bedürfnisse hat die Gesellschaft, und wieviel Aufwand muss die Gesellschaft betreiben, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Das ist die KERNAUFGABE eines Wirtschaftssystems, das sich selbst solidarisch nennt.

Es wird immer das Argument vorgebracht, dass sich Arbeit lohnen muss. Natürlich muss sie das! Aber ist das im Kapitalismus der Fall? Und was ist denn Arbeit eigentlich?
Arbeit ist ein ergebnisorientierter Aufwand bei Dingen, die mir die Natur nicht direkt vor die Füße wirft. Ob ich ein Auto baue oder jemandes Wohnung putze, ist dabei irrelevant, beides ist sinnvolle Arbeit mit dem definierten Ziel der Verbesserung der Lebensqualität. Daher unterscheidet die VWL auch zwischen freien und knappen Gütern. Letztere sind die Güter, die Arbeitsleistung erfordern, und um die wir uns prügeln sollen.

Wird Arbeit im Kapitalismus gerecht entlohnt? Ein klares Nein. Warum? Dazu 3 Thesen:

1. Arbeit ist nicht gleich Arbeit. Die Arbeit der Hausfrau (oder des Hausmannes), die ihrem erwerbstüchtigen Partner den Rücken frei hält, wird nicht entlohnt. Kindererziehung ebensowenig. Ehrenamt wird auch fast nicht vergütet. Die Aufzählung lässt sich fortführen.

2. Selbst bei Erwerbsarbeit ist kein Lohn garantiert! Denn die Entlohnung findet erst dann statt, wenn der Markt mein Produkt annimmt, ansonsten gehe ich leer aus und die Arbeit war komplett für die Katz. Was resultiert daraus? Ressourcen- Gesundheits- und Zeitverschwendung. Genau deswegen schrieb ich davon, dass wir das Prinzip Angebot und Nachfrage umdrehen und anders betrachten müssen!
Auch die unterschiedliche Skalierung der Arbeitsleistung ist alles andere als gerecht. Wenn ich 100 Stühle bauen will, muss ich jeden Stuhl einzeln herstellen. Will ich 100 Menschen mit Musik beglücken, komponiere ich ein Musikstück ein Mal, nehme es ein Mal auf, digitalisiere es ein Mal und verteile es an 100 Menschen. Oder auch an 1 Million Menschen! Völlig wurscht, digitale Arbeit (oder auch geistige Schöpfung als Oberbegriff) skaliert ganz anders als handwerkliche Arbeit. Diesen Wandel in die Informationsgesellschaft haben wir politisch komplett verpennt, weil wir krampfhaft versuchen, digitale Güter in das Korsett "analoger" Güter zu zwängen. Es ist sehr bedauerlich, dass die Piratenpartei so in der Versenkung verschwunden ist, das scheint nämlich die einzige Partei zu sein, die diese Entwicklung von Beginn an korrekt erkannt hat!

3. Staatliche (und auch viele Teile sozialer) Arbeit fällt da komplett durch's Raster, weil sie keinen spezifischen Marktwert aufweist. Wie willst du die Arbeit eines Lehrers oder Politikers beziffern? Genau, das geht nicht. Das ist absolut nicht gerecht, denn der Gemüsehändler hat den Druck, am Markt bestehen zu müssen, ein verbeamteter Lehrer hats dagegen einfach.

Bourdieu differenziert deshalb auch zwischen 4 Kapitalsorten: Ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital. Es lässt sich eben nicht einfach alles in Geld ausdrücken! Wenn es so einfach wäre gäbe es keinen Ansatz für Kritik!

Jetzt kommt die Hauptkritik: Wir sorgen uns nicht um Bedürfnisse, sondern wir MISSBRAUCHEN die Bedürfnisse Anderer, um selbst damit Profit zu machen, was nichts anderes bedeutet, als Menschen von der Nutzung meines Besitzes auszuschließen. Habe ich kein Geld, ist mein Bedürfnis bedeutungslos für den Markt. Und dann bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Arbeitskraft zu verkaufen, natürlich mit Verlust. Wir haben zwar Arbeitsteilung (so genannte Fremdwirtschaft), aber wir teilen die Arbeit nicht auf, so dass jeder arbeiten kann. Da schuftet einer 40h/Woche, und der nächste findet keine Arbeit. Daraus resultiert die Ungerechtigkeit auf dieser Welt: Da kauft einer eine Segelyacht, obwohl woanders Menschen verhungern. Nur völlig empathielose Asoziale können da ruhig schlafen. Ich kann es jedenfalls nicht. Denn es gehört vor allem Glück dazu, welcher Gruppe man angehört. Bist du in Namibia geboren? Tja, Pech gehabt. Sohn eines reichen Industriellen? Tja, Glück gehabt. Noch etwas Kaviar gefällig?

Eldok schrieb:
Bücher werden in erster Linie verkauft und damit Geld zu verdienen. Willkommen im Kapitalismus :lol:
Ein Buch erfüllt das natürliche Bedürfnis nach Vermittlung von Informationen. Das ist der primäre Sinn oder Nutzwert eines Buches. Gedanken in sprachlicher Schriftform, Kommunikation und Rezeption. Mehr ist das erstmal nicht! Der Zwang, ein Buch verkaufen zu müssen ist nicht natürlich, das ist nur im Kapitalismus so.
 
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Reaktionen: Idon, Der Paule und Discovery_1
Hallo

Tomislav2007 schrieb:
Du magst scheinbar Kapitalismuskritiker die mit ihren Büchern und Vorträgen über den bösen Kapitalismus gut verdienen und die Inhalte nicht kostenlos zur Verfügung stellen.
PeterPlan schrieb:
Ich interessiere mich in erster Linie für den Inhalt des Buches, nicht für dessen Vertriebsweg. Verstehst du anscheinend nicht.
Ich verstehe zumindest...

Tomislav2007 schrieb:
Ich verstehe auch nicht wieso z.B. Richard David Precht, der sehr gerne den Kapitalismus kritisiert, seine Bücher und Vorträge für viel Geld verkauft und den Inhalt nicht kostenlos frei verfügbar macht.
PeterPlan schrieb:
Das ist in der Tat kritisierbar. Der Mann ist Professor und dürfte damit zu den Besserverdienern zählen. Finanziell nötig hat er es nicht.
...den Widerspruch.

Ich bin zumindest ehrlich und kein doppelmoralischer Heuchler wie diese Autoren/Redner die über den bösen Kapitalismus herziehen aber sehr gerne das Geld vom bösen Kapitalismus nehmen.

Grüße Tomi
 
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