Idon schrieb:
Klingt für mich nach Ausreden, warum es besser ist nichts zu machen als zu arbeiten.
Worauf beziehst du dich?
Ich habe eher den Eindruck, dass die allermeisten Menschen ihren Job trotzdem durchziehen, obwohl er beschissen ist, und zwar hauptsächlich, weil es kaum Alternativen gibt oder man sich mal mit seiner Berufswahl verbunden fühlte, was in meinen Augen die beste Art ist, seinen Beruf zu wählen. Oft kriegt man halt auch vermittelt, dass man eine Pfeife ist, wenn man aufgibt, was zwar falscher Stolz ist, aber krieg' das mal aus den Köpfen raus!
Die Quote derer, die nichts tun, ist doch viel geringer als die der arbeitenden Bevölkerung. Wie kommst du also zu diesem Schluss?
Eine neue Ausbildung anzufangen ist für Familien einfach nicht drin, wenn man bereits kleine Kinder hat und hohe Mieten stemmen oder eine Hypothek aufs kleine Häuschen abbezahlen muss. Es kommt für viele Berufstätige aus finanziellen Gründen nicht in Frage, daher quälen sie sich halt weiter.
Und woher willst du abschätzen können, wann du die ersten Berufskrankheiten bekommst? Mit 20 bist du noch fit und belastbar, da hast du sowas gar nicht auf dem Schirm, eine Doppelschicht schüttelst du da locker aus dem Ärmel, aber das kann sich bereits mit 30 oder dem ersten Bandscheibenvorfall ändern. Und im Alter von 40, 50 ist oft der Ofen aus, da kriegst du auch keine Ausbildung mehr hin.
Geh' mal aus Spaß in eine Reha-Klinik, und guck dir mal an, wie alt dort die Patienten sind. Nicht wenige sind unter 40! Und fast alle dort kommen aus Berufen, die sehr einseite Bewegungsmuster erfordern, zum Beispiel langes Stehen, Sitzen oder hohe Gelenkbelastung. Versetze dich mal in solche Menschen, die psychisch und körperlich durch sind, und sag' ihnen, dass sie nochmal die Schulbank drücken sollen. Zusammen mit Jugendlichen, die laut und stressig sind und noch keine Ahnung vom Berufsleben haben.
Weder in der Schule noch in der Ausbildung ist die Gesundheit am Arbeitsplatz ein Thema, auch in den Medien liest du fast nie etwas darüber (zugegeben, in den letzten Jahren hat sich das minimal gebessert, aber eben nur gering). Das ganze Ausmaß darüber erfährst du dann erst, wenn du beim Therapeuten auf der Bank liegst, aber dann ist es oft schon zu spät, weil gerade Gelenkverschleiß irreversibel ist. Das ganze Gesundheitswesen läuft ganz still nebenher, würde man das an die große Glocke hängen, wäre eine Bevölkerungspanik vorprogrammiert. Ich sehe da viele politische Gründe für diesen Zustand. Der ideologische Zwang unserer Leistungsgesellschaft bekämpft effektiv eine realistische Auseinandersetzung mit diesem Thema!