Wie funktioniert Milchproduktion wirtschaftlich?

mschrak

Commander
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Hallo zusammen,

Bekannte von mir sind Öko-Landwirte und wollen auch in die Milchproduktion einsteigen. Allerdings haben wir noch so gar keine Ahnung, wie das Business da funktioniert, also so Themen wie Subventionen, Abnehmerstrukturen und -verbände, Preisgestaltung, Verhältnis zu Molkereien (Wertschöpfungskette etc.), Reglementierungen, Auflagen, und auch z.B. wer die wichtigen Player in diesem Business sind etc.

Kennt jemand eine gute Möglichkeit, sich da effizient reinzulesen? An wen kann man sich wenden? Ich habe im Internet mal recherchiert, aber nur Blabla von irgendwelchen Verbänden gefunden und Wikipedia, was aber nicht wirklich tief geht...

Würde mich über Hilfe freuen.

Danke,

Martin
 
In einer Zeit wo der Milchpreis unter aller Sau ist, 1000te Landwirte für nen besseren Michpreis auf die Straße gehen, ein Betrieb nach dem anderen geschlossen wird, wollen deine Bekannte in die Milchproduktion einsteigen?
 
Öko-Milch-Erzeuger arbeiten aktuell kostendeckend mit Gewinnanteil!

Wer allerdings im Netz so überhaupt nicht fündig wird, der sollte von einer Beratung seiner Freunde wegen Unfähigkeit Abstand nehmen.
 
ThomasK_7 schrieb:
Öko-Milch-Erzeuger arbeiten aktuell kostendeckend mit Gewinnanteil!

Kann sein.
Aber wie hochz wären die Investitionskosten wenn man bei 0 einsteigt?
Geräte, Melkanlage, eventuell zu pachtende Äcker fürs Futter, Stall und zuletzt natürliuch auch die Kühe selbst.

Nach wieviel Jahrzehnten Überlebenskampf begibt man sich in die Gewinnzone?
Wenn ich von konventioneller Milchproduktion auf Bio umsteige ist dies Sicherlich Sinnvoller als ein Kompletter Neueinstieg.

Wer allerdings im Netz so überhaupt nicht fündig wird

Landesverband der Milchwirtschaft (ja nach Bundesland)
Ministerium für Landwirtschaft
Und wahrscheinlich zig private Dienstleister
 
@Thomas
Wer meint, dass man als Berater alles selbst recherchieren muss und nicht versucht, zusätzliche Informationsquellen wie etwa Foren zu nutzen, hat von Effizienz keine Ahnung und sollte weder beraten noch im Forum teilnehmen.
Ergänzung ()

@Haudrauff: Danke für die Hinweise. Es gibt in der Tat mehrere mögliche Ansprechpartner zu diesem Punkt. Das Problem ist nicht, dass ich nichts finde, das Problem ist, dass es nicht Übersichtliches konzentriertes gibt. Klar kann ich mich jetzt die nächsten 2 Wochen belesen, aber diese Zeit habe ich eben nicht übrig.
 
Was qualifiziert dich denn zum "Berater" außer, dass du offensichtlich einen Computer bedienen kannst?

Wer sich in solchen Fragen an ein Laienforum mit manchmal erschreckend niedrigem Niveau wendet, ist eigentlich schon für alles Höhere disqualifiziert.
 
Zumal man bedenken musst das du dann auch noch Milchquote kaufen musst und das sollte sich dann rentieren und hinzu kommt dann wiederrum, das die Quote 2015 abgeschafft wird.

Aber wie andere schon sagen, wenn du und die leute die das machen wollen, ahnung von landwirtschaft habt, dann solltest du nicht in einem computerforum dazu fragen, sondern dann wisst ihr an wen man sich wenden kann :freak:
 
Ich habe mal Molkereifachmann gelernt also ich habe ein wenig Ahnung:lol:

Im Endeffekt kommt es erst mal drauf an, was könnt ihr liefern d.h Fettgehalt, Eiweißgehalt, Gesamtkeimzahl usw.

Natürlich braucht ihr auch eine Molkerei die euch das abnimmt. Die Bezahlung läuft dann über die Milchgeldabrechnung. Das ist allerdings keien Milchmädchenrechnung sondern höchst kompliziert. Hier kommt es auf die obengenannten Werte an und, wie oft man bestimmte Werte über oder unterschreitet, oder mal eine erhöhte Keimzahl hat usw.

Außerdem gibt es auch bestimmte Temperaturen die man einhalten muss, sowie den Gefrierpunkt (verhindert das man die Milch verwässert)

Zudem wird man noch bis 2015 kontegentiert werden, d.h. man sollte nicht über oder unterliefern.

"Öko" muss noch lange nicht "Bio" heiße, da gibt es dann wieder extra Auflagen und eine eigene Kontrollstelle. Zudem muss die Molkerei die Milch auch gesondert abholen und verarbeiten. Je nach Menge läßt sie sich drauf ein oder nicht. Und dann spielt natürlich die Qualität auch eine Rolle.


Für einen Neueinsteiger ist der Aufwand nicht zu unterschätzen. Man braucht eine Melkanlage, Reinigsmittel, eine CIP Anlagen, einen Milchtank mit Kühlung usw. Dazu natürlich noch die Tiere. Hierzu muss man ausrechnen ab wann es rentabel ist.
Das Futter spielt auch eine Rolle. Im Winter "Sillage"? Dann mit sicherheit kein Bio.

Ansprechpartner wäre eine Molkerei in der Nähe, die können einen dann auch zu den weiteren Stellen vermitteln (Vetrinär, Landwirtschaftsministerium usw.).


Ich würde niemanden zu einem Neueinstieg raten, der gar keine Erfahrung in dem Bereich hat. Nicht in der heutigen Zeit
 
1.
Es wäre schön wenn nicht immer die Fragestellung hinterfragt würde. Wenn Ihr selbst keine Antwort zum Thema habt, heisst das ja noch lange nicht, dass es nicht andere gibt, die (wie hier zB spacepilot11) doch etwas davon wissen und gerne ihr Wissen teilen. Im Übrigen ist dies kein reines Computerforum sonst gäbe es ja nicht diesen Forenbereich hier.

2.
Dass ich noch keine Ahnung von dieser Branche habe, disqualifiziert mich als klar denkenden Menschen nicht, mein Wissen einzubringen. Aber natürlich werden auch andere zu diesem Projekt hinzugezogen. Aber 4 Augen sehen mehr als 2. Ganz einfach.

3.
Wenn es kleinere aber rentable Unternehmen in dieser Branche gibt und nicht nur Konzernriesen, dann muss es auch rentabel möglich sein, in diesen Bereich einzusteigen. Einfache BWL-Logik. Dass man keinen Lebensmitteldiscounter gründet, ist klar. Eine Pommesbude geht immer. Demnach auch ein Bauernhof mit Milcherzeugung. Ist nur eine Frage der Betriebswirtschaft. Dass Investitionen erforderlich sind ist hier jedem klar. Und meines Wissens ist die Lage derzeit so, dass im Durchschnitt die Milcherzeuger deutlich unter 100 Tiere haben, also relativ klein sind.


Meine Fragen an den Experten:
1. Kann es sein, dass man gar keine Quote bekommt? Oder ist das eine Frage von Angebot und Nachfrage?
2. Braucht man in jedem Fall eine Molkerei? Geplant ist der Verkauf von Frischmilch direkt an den Kunden (eigener Hof mit Laden ist schon da und läuft sehr gut). Meines Wissens gibt es kleine Anlagen in denen alles gemacht werden kann, Pasteurisieren bis Verpacken.
 
mschrak schrieb:
2. Braucht man in jedem Fall eine Molkerei? Geplant ist der Verkauf von Frischmilch direkt an den Kunden (eigener Hof mit Laden ist schon da und läuft sehr gut). Meines Wissens gibt es kleine Anlagen in denen alles gemacht werden kann, Pasteurisieren bis Verpacken.

Das liefe dann ja darauf hinaus, dass ihr euch entsprechende Anlagentechnik zulegen müsstet (Pasteur mit entprechender prozesstechnischer Anbindung, Separator, Tanks, Abfüllanlage....). Das Investitionsvolumen dürfte dann selbst bei entsprechend kleinen Anlagen mit allem drum und dran mehrere Millionen € betragen.
 
Wenn ein Bauer seinen Milchverarbeitungsbetrieb aufgibt, kann man auch die Quote kaufen. Passiert ja sehr häufig, das Höfe nicht mehr rentabel sind und dann die Bauern lieber in der freien Wirtschaft arbeiten, den Hof aber behalten um evtl nur noch Kühe fett füttern und verkaufen. Da steckt nicht so viel Arbeit drin und man kann das nach Feierabend machen. Einige Nachbarn von mir machen das seit mehreren Jahren so.
Aber es ist ja nicht so, das jeder Bauer auch Milchquoten hat, dafür müssen ja demenstprechende Flächen vorhanden sein. Ein privater Verkauf geht schon lange nicht mehr, das wird alles über die Übertragungstsellen für Milchquoten abgewickelt, je nach Ländern haben die andere Stellen:
Bundesweite:
http://www.bauernverband.de/index.php?redid=159925
oder z.B. Schleswig Holstein:
http://www.uebertragungsstelle.lwk-niedersachsen.de/allgemeines.html
Fragen werden Dir hier bestimmt beantwortet, sollte eigentlich in allen Ländern ähnlich sein.
http://www.uebertragungsstelle.lwk-niedersachsen.de/fragen.html
Termine sind vorgegeben, der nächste ist am 1.4.2012, Anträge müssen 1.3.2012 abgegeben werden.
Kannst Du aber auch alles auf den Seiten nachlesen.
Da müssen dann eben die Bauern die Quoten haben, diese anbieten und dann werden sie vergeben.
Bürgschaften müssen hinterlegt werden usw...

@|MELVIN|
Du übertreibst ein wenig, ein Kumpel verkauft auch seine Milch direkt von der Kuh an seine Kunden und hat keine Millionen € investiert für seine Anlagen. Der hat einen festen Kundenstamm, die jeden Tag die gleiche Menge abnehmen. Der Rest geht dann zur Molkerei.
 
Zuletzt bearbeitet:
1. Kann es sein, dass man gar keine Quote bekommt? Oder ist das eine Frage von Angebot und Nachfrage?
2. Braucht man in jedem Fall eine Molkerei? Geplant ist der Verkauf von Frischmilch direkt an den Kunden (eigener Hof mit Laden ist schon da und läuft sehr gut). Meines Wissens gibt es kleine Anlagen in denen alles gemacht werden kann, Pasteurisieren bis Verpacken.

1. Zumindest bist 2015 wirst du auf jeden Fall eine Quote bekommen.

2. Klar könnte man die Milch auch selbst verkaufen, aber es gibt ein Haufen Gesetze an die man sich halten muss. (z.B. muss man ein HACCP-Konzept haben) und natürlich muss man auch die entsprechenden Proben aufbewahren und in euerem Fall vermutlich extern untersuchen lassen Zusätzlich wären Sachen wie PH-Meter usw nicht verkehrt.
Was man natürlich nicht kaufen kann ist die Fachkenntnis, es gibt einen Haufen Werte die man errechnen und beurteilen muss und auch ein Erhitzer bedient und reinigt sich nicht von alleine. Wir Fachleute lernen nicht umsonst 3 Jahre. Zudem muss auch alles richtig deklariert werden usw.

Ich würde in dem Fall eher die Käseproduktion empfehlen, das läßt sich mit kleinen Mitteln sehr gut sicherstellen. Frischmilch ist natürlich empfindlicher als ein Hartkäse.

In Bayern gibt es z.B. die Möglichkeit für Landwirte einen "Grundlehrgang" von 2 Wochen zu besuchen in dem die absoluten Basics vermittelt werden.


Es gibt sowieso kaum noch kleinere Molkerein, die meisten haben sich zussammengeschlossen. So wie Ihr in Richtung "Hofladen" wird wie oben gesagt sehr schwer, weil man genauso wie ein Großbetrieb, Hygiene und Qualität sicherstellen muss.
Das man hier in dem Fall gleichzeitig Hersteller und Inverkehrbringer ist, macht das ganze nicht einfach.

Milch ist das Lebensmittel in Deutschland was neben Fleich am meisten kontrolliert wird!
Man arbeitet mit Mikroorganismen und löst damit in einem Lebensmittel gewisse Prozesse aus. Gerade im kleinen Bereich kann man nicht Großtechnische Versuche fahren sondern braucht Erfahrung und Fachkenntis.
 
werkam schrieb:
Du übertreibst ein wenig, ein Kumpel verkauft auch seine Milch direkt von der Kuh an seine Kunden und hat keine Millionen € investiert für seine Anlagen. Der hat einen festen Kundenstamm, die jeden Tag die gleiche Menge abnehmen. Der Rest geht dann zur Molkerei.

Um aus Rohmilch Trinkmilch herzustellen ist ein Pasteuer, Separator, Rahmerhitzer, Vorlauftank, Nachlauftank und eine Abfüllanlage erforderlich. Dazu noch die Verrohrung der Anlagen mit entsprechender Ventil-, Mess- und Regelungstechnik. Zur Bedienung der Anlage ist weiterhin noch eine Steuerung erforderlich. Zur Reinigung ist eine CIP-Anlage erforderlich. Ich habe Lebensmitteltechnologie mit Schwerpunkt Molkereitechnik studiert und bin derzeit Assistent der Werkleitung in einer Molkerei und nach meinen Erfahrungen dürfte das alles in allem selbst im Kleinformat deutlich über 1 Mio. € kosten.
 
|MELVIN| schrieb:
Um aus Rohmilch Trinkmilch herzustellen ist ein Pasteuer, Separator, Rahmerhitzer, Vorlauftank, Nachlauftank und eine Abfüllanlage erforderlich. Dazu noch die Verrohrung der Anlagen mit entsprechender Ventil-, Mess- und Regelungstechnik. Zur Bedienung der Anlage ist weiterhin noch eine Steuerung erforderlich. Zur Reinigung ist eine CIP-Anlage erforderlich. Ich habe Lebensmitteltechnologie mit Schwerpunkt Molkereitechnik studiert und bin derzeit Assistent der Werkleitung in einer Molkerei und nach meinen Erfahrungen dürfte das alles in allem selbst im Kleinformat deutlich über 1 Mio. € kosten.

Der Preis ist durchaus realistisch. Dazu kommt das Know-how den laienbedienbar sind solche Anlagen ehr nicht. Und das ganze muss ja auch gewartet werden.
Zudem muss man ja auch eine gewisse Stundenleistung fahren.


Wo hast du studiert? Triesdorf, Weihenstephan, Hannover? Oder woanders?
 
Auch net schlecht. Wollte den Weg auch mal gehen, aber BOS war mit meinem Hintergrund etwas schwierig und für den Techniker fehlte mir Gesellenzeit und Geld..

Ich denke mal der TE unterschätzt das ganze ein wenig.
 
Ich bin positiv überrascht, wieviele Forenmitglieder offenbar in diesem Forum zu diesem Thema etwas zu sagen haben.

Also der Punkt ist hier, dass man durch gute Kontakte zu einigen Handelsbetrieben und auch durch einen eigenen guten Kundenstamm durchaus Menge machen könnte. Eine Investitionssumme von >1 Mio. Euro schockiert mich da überhaupt nicht. Und wie gesagt, mir geht es in erster Linie darum einen ersten Eindruck mitnehmen zu können. Fachleute im Molkereibereich sind auch vorhanden, die haben aber wiederum weniger Ahnung in finanziellen Bereichen und können, anders als ich, kaum Excel.. ;)
(Die kann ich im Moment aus "politischen Gründen" noch nicht ansprechen...)

Nun weiss ich schon mal einige Begrifflichkeiten zu den erforderlichen Investitionsgütern. Kann mir jemand vielleicht etwas zu den marktüblichen Herstellern solcher Maschinen sagen? Wer sind die Platzhirsche?
 
Zuletzt bearbeitet:
Tetra-Pak ist da sicher noch dabei, wie auch immer die jetzt heißen mögen. so?

Ansonten Miromatic, Ampack-Amann, und Hamba wenn es die noch gibt, Das sind die mir auf die Schnell einfallen.
 
Was haltet Ihr denn vom Thema "Vorzugsmilch"? Das wurde unter diesem "Bio-Aspekt" angesprochen aber bislang als zu aufwändig abgetan. Käme aber bestimmt als "Reinheitsgebot" gut beim Kunden an, ist ja wohl sehr exklusiv...
 
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