Cronos83 schrieb:
Sicher merkt das Kleinhirn auch ohne Bewegung da nen Unterschied.
Gibt genügend Leute die bei hohen Wiederholfrequenzen weniger schnell Ermüdungserscheinungen der Augen oder Kopfweh bekommen als bei niedrigen Frequenzen.
Oh mei, ich lach mich tot. Es gibt auch genug Leute, die an die Heilwirkung von Placebos, an Elektrosmog, an Erdstrahlen und anderen Esoterik-Kram glauben.
Fakt ist, dass bei einem Standbild (mit ein paar vernachlässigbaren Ausnahmen) keine Veränderung gibt. Ich zitiere auch mal gern die Wikipedia:
- Usually no refresh-rate flicker, because the LCD pixels hold their state between refreshes (which are usually done at 200 Hz or faster, regardless of the input refresh rate).
Die Geschichten mit "Kopfschmerzen durch 60Hz" kommen aus den Zeiten der Röhrenmonitore, um genauer zu sagen: der Monitore aus den Jahren um den Jahrtausendwechsel. Zu der Zeit war Phosphor auf eine relativ kurze Nachleuchtzeit optimiert, also z.B. für eine Update-Frequenz von 100Hz, und wenn die Grafikkarte nur 60Hz lieferte, dann flimmerte es eben höllisch.
Ausnahmen beim TFT gibt es, wie gesagt, aber diese haben nicht notwendigerweise etwas mit der Bildwiederholfrequenz zu tun (d.h. können bzw. sollten einen eigenen Takt haben, aber sie könnten auch von der Bildrate abhängen, das kommt auf die Güte der Schaltung an). Da kann man nicht pauschal sagen, dass man diese Problemchen sieht, und wenn doch, dann sollte man eben schlechte Monitore meiden, bei denen der Hersteller es nicht ordentlich machen. Nur sind leider diese Eigenschaften teilweise schwierig zu messen und werden auch kaum bis gar nicht dokumentiert (wo kämmen wir denn hin, wenn ein Hersteller aufzeigen würden, was bei ihren Brot-und-Butter-Büro-Möhren so fehlt).
Also, mir bekannte Ausnahmen:
- PWM mit zu niedriger Frequenz (200Hz oder weniger). War in der Anfangszeit der LED-Backlights ganz beliebt, so ca. Anfang des Jahrzehnts, und ist teilweise noch in den Laptops im Einsatz. Bringt im Prinzip die gleichen Effekte/Probleme wie unzureichender Bildtakt bei CRTs, siehe oben. War auch schon bei Röhren-Beleuchtung im letzten Jahrzehnt im Einsatz, allerdings (IMHO!) nicht kritisch gewesen, weil CCFLs langsamer schalten (dafür aber andere Probleme mit driftenden Blau-Anteile bekamen, siehe https://www.tftcentral.co.uk/articles/pulse_width_modulation.htm ). So oder so, seit ein paar Jahren ist das kein Insider-Wissen mehr und ~90% der Modelle weisen es auch aus (Quelle: Preisvergleich), also wenn es bei einem nicht bekannt ist -> NEXT
- Polaritätsumkehr - komplexes Thema. "google:lcd polarity inversion". Wenn das nicht sehr sauber abgestimmt ist, kann es bei bestimmten Bildinhalten flimmern, das kommt auch heute noch bei billigen Büromonitoren vor (oh, warte, was ist das Thema dieses Threads nochmal).
Außerdem fällt das manchmal in Bewegungen mit bestimmten Mustern auf, aber ist teilweise sehr schwierig zu erkennen und kann man es sich leicht einbilden, ist also ein beliebtes Gebiet für Esoteriker (kann dennoch technisch begründet sein, also ja, schwierig). In der Laien-Sprache hat sich für letzteres das Wörtchen PixelInversion gebildet (vermutlich ein Kofferwort aus "polarity inversion" und "pixel-walk", wie man diesen Effekt bei der Bewegung einst genannt hat). Die neuste Ausprägung ist "text inversion" für einen anderen Effekt (jaja, der Bullshit kriegt Kinder).
- FRC - auch so ein Voodoo-Thema. Ist im Prinzip mit PWM verwandt, nur dass die Helligkeit nicht von 0 auf 100 springt (und das quasi sofort), sondern +/- 1bit, also idR. +/- 10-12,5 Prozent, und das ohne ohne Überspannung (= overdrive), d.h. die "echte Pixelreaktionszeit" kommt zum Tragen, z.B. 20ms (was selbst bei 60Hz so ca. im Bereich eines ganzen Bildwechsels liegt, also kein Drama). Zum anderen, wenn FRC besonders schlau implementiert ist, dann werden die Schwankungen so abgestimmt, dass die Gesamthelligkeit im Schnitt möglichst beständig bleibt (das sieht der Mensch am meisten, Farbabweichungen sind viel weniger auffällig, "google: chroma subsampling"). Was da an "Jitter" (Schwankungen) übrig bleibt, ist vernachlässigbar, und wer das zum Problem verklärt, der muss auch jedes angelassene Auto als "in Bewegung" bezeichnen, selbst wenn es auf der Bremse steht, weil "vibriert ja = BEWEGUNG!!11"