Onleihe : Verleger fordern Gebühr für E-Books

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Onleihe: Verleger fordern Gebühr für E-Books

In einem Interview forderte Verleger Matthias Ulmer eine Leihgebühr auf E-Books des Verleihdienstes Onleihe. Ohne diese zusätzliche Abgabe könnte die Teilnahme an dem Verleihportal für Verlage in Zukunft zu einem nicht kalkulierbaren Risiko werden.

Gegenüber dem Buchreport erklärte Ulmer, neben seiner Tätigkeit als Inhaber des Verlages Eugen Ulmer auch Vorsitzender des Verlegerausschusses des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, welche Gefahren das derzeitige Lizenzmodell des Bibliotheksdienstleisters Divibib, der auch den Verleihdienst betreibt, birgt. Während die Betreiber der Onleihe den jeweiligen Verlagen nur einmal einen Betrag in Form einer Verleihlizenz zukommen lassen, müssen die Verlage den Autoren hingegen eine „nutzungsabhängige“ Vergütung entrichten. Dies würde laut Ulmer das Urhebergesetz verlangen. „Wenn ein Titel häufig ausgeliehen wird, kann für den Verlag die Situation eintreten, dass er dem Autor mehr zahlen muss, als er selbst von Divibib für die Lizenz bekommen hat“, so Ulmer. Laut des Verlegers sei dieser Zustand einer der Gründe, warum andere Verlagsgruppen wie Holtzbrinck (Knaur, Rowohlt) und Bonnier (Piper, Ullstein) noch keine Verträge mit der Onleihe geschlossen hätten.

Eine weitere Gefahr sieht Ulmer in der Hoffnung des Bibliothekenverbandes, dass der Gesetzgeber „ihnen bei der geplanten Reform des Urheberrechts freien Zugang zu allen am Markt verfügbaren E-Books einräumt“. Diese würde seiner Meinung nach die Unsicherheit weiter vergrößern. Zwar liegt der Anteil der Ausleiher von E-Books noch deutlich unter den zehn Prozent der Ausleiher von physischen Büchern, laut Ulmer zeichnet es sich jedoch jetzt schon ab, dass dieser in nächster Zeit auf einen deutlich größeren Marktanteil wachsen wird.

Die einzige Möglichkeit, dem zu begegnen, sieht Ulmer in einer Leihgebühr für jedes Entleihen eines E-Books. Dass die Bibliotheken dadurch in eine Zwickmühle gelangen, ist dem Verleger durchaus bewusst, eine direkte Weiterleitung der Leihgebühr an den Ausleiher könnte die Situation entschärfen – Ulmer bringt hier einen Betrag von „vielleicht einem Euro“ ins Gespräch. Beim Festhalten an der pauschale Bibliotheksgebühr müsste dagegen der öffentliche Etat deutlich angehoben werden. Seiner Meinung nach lässt sich das Problem jedoch nicht dadurch lösen, dass „Verlage und Autoren quasi enteignet werden“. Zu Zugeständnisse an den Leser, wie zum Beispiel eine Anhebung der Ausleihfrist auf mehr als 14 Tage, äußerte sich Ulmer nicht.

Abseits der aktuell schwierigen Verhandlungen konnten die Betreiber der Onleihe den 2.000. Vertragsabschluss verzeichnen. Somit befinden sich aktuell 2.000 Bibliotheken im Verbund des Verleihportals. Nachdem in den letzten Jahren die Downloadzahlen auf über acht Millionen wuchsen, erwartet die Divibib als Betreiber für 2014 zwischen 12 und 16 Millionen Downloads.