Passive Radeon RX 460 im Test: XFX ist konkurrenzlos, in mehrerer Hinsicht 3/4

Wolfgang Andermahr 100 Kommentare

So viel Frischluft benötigt die passive XFX RX 460

Gerade weil passiv gekühlte Grafikkarte über keine Lüfter verfügen, spielt die Gehäusebelüftung eine sehr wichtige Rolle. Denn die Passivkühler benötigen einen Luftzug, um abkühlen zu können. Die Frage ist nur, wie viel Frischluft notwendig ist. Denn da passiv gekühlte 3D-Beschleuniger nur in einem Silent-Rechner sinnvoll sind, darf die Gehäusebelüftung nicht laut sein.

Das derzeitige Grafikkarten-Testsystem erfüllt diese Ansprüche leider nicht. Als Gehäuse wird das beliebte Fractal Design Define R5 mit der standardmäßigen Lüfterbestückung von zwei 140-mm-Exemplaren (eins saugt Frischluft ins Gehäuse, das andere bläst diese hinaus), die jeweils mit 1.000 Umdrehungen in der Minute arbeiten und damit gut hörbar sind. In dieselbe Kategorie fällt der NF-15-Lüfter des CPU-Kühlers Noctua NH-D15S, der ebenfalls mit etwa 1.000 Umdrehungen arbeitet. In dieser Konstellation bleibt die XFX Radeon RX 460 Passive Heatsink Edition sehr kühl. Doch ist dies eben nicht das typische Einsatzszenario für die Grafikkarte.

Tests der Temperatur mit vier verschiedenen Lüfterkonfigurationen

Entsprechend wurden vier weitere Einsatzszenarien erstellt. Bei dem ersten ändert sich in der Lüfterbestückung nichts, jedoch wurde die Drehzahl bei allen Exemplaren auf 700 Umdrehungen in der Minute reduziert, was den Geräuschpegel bereits massiv reduziert. In jeweils einem weiteren Szenario wird mal der vordere und mal der hintere Gehäuselüfter abgeklemmt. Und im Worst-Case-Szenario stemmt nur noch der CPU-Lüfter die Frischluft – denn das eingesetzte Netzteil arbeitet bei der geringen Leistungsaufnahme genau wie die Grafikkarte passiv. Für sämtliche Testläufe wird das GPU-fordernde Spiel Anno 2205 genutzt. Die Laufzeit beträgt jeweils 60 Minuten. Es ist zu bedenken, dass die Messwerte stellvertretend für das Fractal Design Define R5 stehen. In einem anderen Gehäuse können die Werte unterschiedlich ausfallen.

Die Testkonfigurationen im Überblick
CPU-Lüfter
150 mm
Gehäuselüfter vorne
blasend, 140 mm
Gehäuselüfter hinten
saugend, 140 mm
Testkonfiguration 1
Standard
1.000 rpm 1.000 rpm 1.000 rpm
Testkonfiguration 2 700 rpm 700 rpm 700 rpm
Testkonfiguration 3 700 rpm aus 700 rpm
Testkonfiguration 4 700 rpm 700 rpm aus
Testkonfiguration 5 700 rpm aus aus

Zwei Konfigurationen machen leichte Probleme

Es ist wenig verwunderlich, dass die XFX Radeon RX 460 Passive Heatsink Edition geradezu extrem auf eine unterschiedliche Gehäusebelüftung reagiert – dies tut jede passive Grafikkarte. Schlussendlich machen jedoch nur zwei verschiedene Konfigurationen Probleme.

So ist es schlicht nicht ausreichend, nur den CPU-Lüfter als Frischluftzufuhr zu nutzen. Dieser kühlt zwar den Prozessor ausreichend, nicht aber die Grafikkarte. In dem Szenario erhitzt sich die Polaris-11-GPU auf 88 Grad Celsius und die Kartenrückseite auf 101 Grad. Die Grafikkarte hat zwar stabil ihren Dienst verrichtet, auf einen Dauereinsatz sollte dennoch verzichtet werden. Erwähnenswert ist zudem, dass diese Kombination die einzige ist, bei der die Grafikkarte leicht die Taktrate reduziert. Ebenfalls problematisch ist es, wenn neben dem CPU-Lüfter zusätzlich nur ein Lüfter Frischluft vorne ins Gehäuse bläst. Zumindest im Fractal Design Define R5 bringt diese der Grafikkarte kaum etwas.

Ein Gehäuselüfter ist völlig ausreichend

Alle drei anderen Konfigurationen sind dagegen auch auf Dauer problemlos einzusetzen. Ein relativ langsam drehender CPU-Lüfter und ein aus dem Gehäuse saugender Gehäuselüfter scheinen bereits ausreichend zu sein. In dem Szenario bleibt die GPU mit 70 Grad kühl und auch die Kartenrückseite erhitzt sich nur auf 76 Grad. Wenn zusätzlich ein zweiter Gehäuselüfter kühle Luft ins Gehäuse bläst, bringt dies, wie ein alleine blasender Lüfter, zumindest im R5-Gehäuse quasi keinen Vorteil. Offenbar kommt die kühle Luft nie bei der Grafikkarte an.

Dass viel Drehzahl bei den Gehäuselüftern bei einer passiven Grafikkarte viel hilft, zeigt der Vergleich zwischen drei mit 700 Umdrehungen drehenden Lüftern sowie drei mit 1.000 Umdrehungen arbeitenden Lüftern. Dadurch sinkt die GPU-Temperatur um 15 Grad und die Kartenrückseite bleibt auf Kosten der Lautstärke ebenso 15 Grad Celsius kühler.

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