Mikrotransaktionen: Apple zwingt Lootboxen zur Transparenz

Max Doll 64 Kommentare
Mikrotransaktionen: Apple zwingt Lootboxen zur Transparenz

Nachdem Beuteboxen langsam ins Visier von Behörden geraten, hat Apple proaktiv die Richtlinien für App-Entwickler um einen neuen Unterpunkt ergänzt. Darin wird die Offenlegung von „Gewinnchancen“ beim Öffnen einer Beutebox gefordert.

Apps, die Lootboxen oder vergleichbare Mechanismen anbieten, die zufällig ausgewählte Gegenstände zum Kauf anbieten, müssen gemäß der neuen Regeln die Chancen für alle möglichen Inhalte vor dem Kauf verraten. Damit werden Anbieter, die Apps für Apples Plattformen veröffentlichen wollen, zur Transparenz gezwungen.

Apps offering “loot boxes” or other mechanisms that provide randomized virtual items for purchase must disclose the odds of receiving each type of item to customers prior to purchase.

Developer Guidelines von Apple

Das gilt zumindest in der Theorie. Unklar ist, inwiefern der knappe Satz Entwicklern Schlupflöcher zum Umgehen der Richtlinien an die Hand gibt. Wenn sich der Passus lediglich auf den Kauf von Beuteboxen für reale Währung bezieht, könnten Anbieter dem Modell von Blizzard in China folgen.

Nachdem das Land Anbieter per Gesetz zur Offenlegung der Dropraten gezwungen hatte, änderte Blizzard einfach das Angebot. Statt die Kisten zu verkaufen, wurden Mini-Summen Währung verkauft, die Kisten als Gratis-Beigabe deklariert. Ein ähnliches Vorgehen wäre auch in diesem Fall denkbar. Betroffen ist Blizzard in jedem Fall, weil das populäre Kartenspiel Hearthstone auch für iOS angeboten wird.

Das Fass läuft über

Die Entwicklung hin zu immer aggressiveren Mikrotransaktionen insbesondere in Vollpreisspielen vollzieht sich seit Jahren im Zeitlupentempo. In diesem Jahr ist das Thema erstmals in den Blick einer breiten Öffentlichkeit geraten und in der Breite kritisch betrachtet worden. Auslöser und Katalysator für diese veränderte Wahrnehmung war Star Wars Battlefront 2 (Test), das Pay-to-Win-Mechaniken zum Vollpreis etablieren wollte und damit für viele Spieler eine Grenze überschritten hat. Dabei werden zunehmend Gameplay-Elemente potentiell bis hin zum Matchmaking dem Verkauf von Beuteboxen untergeordnet. Generell problematisch an diesen Systemen ist ihre manipulative Umsetzung, die Ausnutzung von Suchteffekten nach Art von hartem Glücksspiel, unter anderem durch Aufmachung und Zufallsfaktor, sowie die Intransparenz der dahinterstehenden Mechaniken und Algorithmen.