Kleine AMD-CPUs: Kein Nachfolger für Kabini, Jaguar und Co. geplant

Volker Rißka 27 Kommentare
Kleine AMD-CPUs: Kein Nachfolger für Kabini, Jaguar und Co. geplant

Am Rande des Ryzen Mobile Tech Day war im Februar auch Zeit für andere Themen wie der Frage, ob AMD neben Zen und damit den „Big Cores“ auch noch einmal in „Small Cores“ wie der Jaguar-Architektur investieren würde. Diese hatten durch Xbox One (X) und PlayStation 4 (Pro) viel Erfolg, doch die Zeiten haben sich geändert.

Joa Macri, ein Urgestein bei AMD und technischer Chef (CTO) der gesamten Produktsparte, erklärte gegenüber ComputerBase, der Fokus auf eine Architektur war und ist AMD mittlerweile wichtig. Deshalb wurden auch die Ausflüge in das ARM-Segment eingestellt. Auch die kleinen x86-Kerne, deren Codenamen (Groß-)Katzen abbildeten, stehen nicht mehr auf AMDs Roadmap. Und statt auf x86 auf ARM zu setzen ist für AMD noch keine Option.

ARM ist noch keine Alternative

Angesprochen auf die Qualcomm-Chips für Notebooks erklärte Macri, dass diese primär auf lange Laufzeiten und nicht Leistung getrimmt seien. Wären sie dies, würden sie im Komplettpaket wahrscheinlich höchstens noch genau so gut wenn nicht schlechter abschneiden als die aktuellen x86-Produkte. Das soll zwar nicht heißen, dass die ARM-Produkte per se schlechter seien, so Macri, denn nicht zuletzt Apple zeige, was aus dieser Architektur herauszuholen ist – Apple sei hier unbestritten der Benchmark am Markt. Doch auch deren bereits seit Jahren nachgesagtes MacBook mit ARM-Prozessor sei eben immer noch nicht da, denn die Herausforderungen sind auch abseits der Hardware vielfältig.

Eine ist Software. ARM habe im Notebook-Umfeld weiterhin massive Probleme, was Joa Macri zu dem Schluss kommen lässt, dass es schon sehr gute Produkte sind, die aber eben nur sehr begrenzt einsatzfähig sind. Für AMD ist ARM für „kleine Kerne“ deshalb derzeit keine Option.

AMDs „Jaguar“ stellt sich vor

Small Cores lohnen sich aktuell nicht

Die Trennung von kleinen und großen Kernen, wie es sie früher bei AMD gegeben hat und bei Intel immer noch gibt, sei darüber hinaus ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Denn heute lassen sich selbst die Big Cores in einen TDP-Rahmen von unter 10 Watt setzen und trotzdem weiter skalieren, ohne massiv an Leistung zu verlieren – das war früher nicht denkbar. Und so kommt es auch, dass alle neuen Konsolenchips eben auf die großen Kerne setzen, während in der Generation zuvor die kleinen Varianten genutzt wurden. Und ohne ein derartiges Zugpferd rechne sich eine Neuentwicklung definitiv nicht, weshalb aktuell keine neuen Small Cores geplant sind.

Doch gilt das für die Ewigkeit? Keinesfalls, erklärte Macri. Jedes Jahr werden die ursprünglichen Pläne aus den Schränken geholt und überdacht: Was hat sich im Markt geändert, welche neuen Entwicklungen gab es in dem Bereich. Mit steigendem finanziellen Spielraum durch erhöhte Einnahmen könnte also auch in dem Segment wieder etwas passieren, wenn sich Chancen auftun. Doch das wird noch Jahre dauern, prognostiziert Macri.

ComputerBase hat die Informationen von AMD unter NDA erhalten. Vorausgegangen war die Teilnahme am Ryzen Mobile Tech Day 2020 in Austin, USA, im Februar. Die Kosten wurden vollständig von AMD getragen. Eine Einflussnahme auf die Meldung gab es nicht, einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.