Corsair CX-F und XPG Pylon im Test: Testergebnisse elektrischer Messungen

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Nico Schleippmann
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Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierte Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation bis auf die Crossload-Szenarien verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Mit deaktivierter LED-Beleuchtung erfüllt das Corsair CX550F RGB White die Voraussetzung für eine 80Plus-Silber-Zertifizierung sogar knapp. Dies zeigt auch der 80Plus-Prüfbericht. Aufgrund von Toleranzen während des Herstellungsprozesses kann der dafür benötigte Wirkugsgrad bei Volllast aber nicht garantiert werden, weshalb Corsair das Netzteil offiziell mit dem 80Plus-Bronze-Logo vermarktet. Das XPG Pylon 550W erweist sich bis Halblast auch als überaus effizient. Bis hin zur Volllast verliert es mit 83,3 gegenüber 87,6 % aber deutlich an Effizienz. Das Wirkungsgrad-Minimum kann für eine 80Plus-Bronze-Zertifizierung aber trotzdem klar eingehalten werden.

Diagramme
Effizienz bei 115 Volt Eingangsspannung – Relative Lasten
757983879195Prozent 10 %20 %50 %100 %110 %

Mit einer Netzspannung von 230 Volt und festen Lastverteilungen auf den Ausgangsschienen bleiben die Verhältnisse zwischen den Probanden bestehen. Demnach beträgt die Differenz im Wirkungsgrad ab einer Last von 140 Watt etwa 2 %. Bei kleineren Leistungen ist der Unterschied geringer. Bei Schwachlast zeigt sich zudem, dass es das CX550F RGB White in dieser Disziplin sogar mit 80Plus-Gold-Konkurrenten aufnehmen kann. Bei einer sehr kleinen Last von nur 6 W sind die Messwerte beider Netzteile sogar gleichauf.

Spannungsregulation

Die Ausgangsspannungen werden vom Pylon 550W nahezu ideal ausgeregelt. Insbesondere auf den Minor-Rails (3,3 und 5 V) ist fast kein Abfall der Spannung bis hin zu höheren Ausgangsleistungen feststellbar. Aber auch das CX550F RGB White leistet sich kaum eine Schwäche und bleibt sehr klar innerhalb der geforderten Toleranzen.

Diagramme
Spannungsregulation +12 Volt – Feste Lasten
11,011,411,812,212,613,0Volt 6 Watt35 Watt80 Watt140 Watt210 Watt290 Watt400 Watt550 Watt

Restwelligkeit

Die erlaubte Restwelligkeit beträgt maximal die Hälfte des zu erfüllenden Grenzwerts. Für ein Netzteil dieser Klasse sind dies hervorragende Werte. Nur bei relativen Lasten – bei denen die Auslastung der Minor-Rails größer ist – werden auch Spitze-Spitze-Spannungen von 30 mV erreicht.

Diagramme
Restwelligkeit +12 Volt – Feste Lasten
0306090120150Millivolt 6 Watt35 Watt80 Watt140 Watt210 Watt290 Watt400 Watt550 Watt

Schutzschaltungen

Für die Minor-Rails wurden die Abschaltschwellen des Überstromschutzes (OCP) mit 30 A in einer sinnvollen Größenordnung gehalten, damit angeschlossene Komponenten und das Netzteil selbst geschützt werden können. Für die 12-Volt-Schiene gibt es technisch jeweils einen eigenen Messkanal für die Überstromerkennung. Gegenüber der Abschaltschwelle der Überlastsicherung (OPP) ist aber kaum ein Unterschied festzustellen, da die einzelne 12-Volt-Schiene auf die komplette Leistung des Netzteils ausgelegt ist. Insofern ist die Implementierung der OCP der 12-Volt-Schiene allenfalls für eine schnellere Erkennung eines Kurzschlusses hilfreich. Eine bessere Herangehensweise wären eine Aufteilung des Stroms auf mehrere Schienen und entsprechend niedriger eingestellte Überstrom-Grenzwerte.

Corsair CX550F RGB White
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 32 A
5 V OCP 20 A 31 A
12 V OCP 45,8 A 56 A
OPP 550 W 720 W
OTP 150 °C (Synchrongleichrichter-MOSFETs)
XPG Pylon 550W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 29 A
5 V OCP 20 A 31 A
12 V OCP 45,5 A 58 A
OPP 550 W 720 W
OTP 105 °C (Gleichrichter-Dioden)

Mit einem niederohmigen Kurzschluss auf den Minor-Rails und der 12-Volt-Schiene wird die Kurzschlusssicherung (SCP) getestet. Im Test kann für sie eine korrekte Funktionsweise bescheinigt werden.

Bei einem Ausfall des Lüfters muss der Überhitzungsschutz (OTP) dafür sorgen, dass Netzteilkomponenten durch erhöhte Temperaturen keinen Schaden nehmen. Ansonsten könnte das zu einem undefinierten, irreversiblen Ausfall des Netzteils führen. Ein Betrieb bei Volllast und abgestecktem Lüfter soll ein solches Szenario nachstellen.

Die OTP kann die Netzteile vor einem irreversiblen Ausfall schützen. Die Temperaturen an den (Synchron-)Gleichrichter-Kühlkörpern beträgt dabei 150 respektive 105 °C. Beim CX550F RGB White bewirkt der Temperaturhub bis hin zur eigentlichen Hitzequelle, dem Siliziumkanal der Synchrongleichrichter, dass er sehr nahe an die maximal spezifizierte Temperatur von 175 °C ausgelastet wird.

Dynamische Belastung und „Transient Response“

Zu empfindlich eingestellte Schutzschaltungen können bei der Versorgung aktueller Hochleistungsprozessoren fälschlicherweise auslösen. Ebenso kann eine zu schwache Ausgangsfilterung des Netzteils Grund für Interferenzen und somit Inkompatibilitäten sein. Als Nachbildung einer gepulsten Leistungsaufnahme wird die 12-Volt-Schiene dynamisch belastet. Zum einen wird eine pulsierende, dauerhafte Last von 50 kHz getestet, zum anderen eine pulsierende Last in einem Frequenzdurchlauf von 500 Hz bis 50 kHz.

Bei einer dynamischen Belastung mit 50 kHz kann beim Corsair CX550F RGB White ein Spannungs-Ripple im niedrigen dreistelligen Millivolt-Bereich gemessen werden, während beim Pylon 550W dieser Wert knapp das Doppelte beträgt. Dies deutet auf eine höhere elektrische Kapazität in der Ausgangsfilterung beziehungsweise auf einen kleineren ESR des CX550F RGB White hin.

Ober-/Unterschwingung auf 12-V-Schiene Corsair CX550F RGB White XPG Pylon 550W
Positiver Lastwechsel (210 auf 450 W) 11,83 11,83
Negativer Lastwechsel (450 auf 210 W) 12,23 12,43
Minimal- bzw. Maximalspannung in Volt

Während sich beide Netzteile bei einem positiven Lastwechsel etwa gleich verhalten, ist bei einem Negativ-Lastwechsel ein größerer Überschwinger beim Pylon 550W messbar.

Stützzeit, ErP & Standby-Wirkungsgrad

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt wird. Für Corsair und XPG wird aber vor allem die bessere Filterung des 50-Hz-Stroms ein Argument für den größeren Stützkondensator gewesen sein. Die Vorgabe von 16 ms, die bei Verwendung einer Offline-USV von Bedeutung ist, erfüllen beide Testkandidaten mit 17,0 ms eindeutig.

Stützzeit
  • AC_loss bis DC_loss:
    • SilentiumPC Supremo L2 Gold 550W
      12,7
    • Minimum
      16,0
    • Corsair CX550F RGB White
      17,0
    • XPG Pylon 550W
      17,0
    • Cooler Master V550 Gold V2 White Edition 550W
      19,4
    • Kolink Enclave 500W
      20,0
    • Corsair RM650
      21,6
    • Cooler Master MWE Gold V2 Full Modular 550W
      22,2
    • Phanteks AMP P550G
      22,4
    • XPG Core Reactor 650W
      23,0
    • Corsair RM650x
      23,6
    • be quiet! Straight Power 11 Platinum 550W
      24,6
    • Super Flower Leadex III Gold 550W
      28,0
Einheit: Millisekunden

Bezüglich der Standby-Leistungsaufnahme verhalten sich die Netzteile sehr ähnlich: Ohne Belastung der Standby-Schiene liegt sie bei unter 0,20 W und bei einer Belastung mit 45 mA verbrauchen die Probanden weniger als 0,50 W.

ErP Lot 6 2013 Corsair CX550F RGB White XPG Pylon 550W
Keine Last 0,11 0,11
45 mA auf 5 VSB 0,38 0,37
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Mit höherer Belastung des Standby-Wandlers kann ein typischer Wirkungsgrad von knapp 80 % gemessen werden, der bei der eingesetzten, kostengünstigen Sperrwandler-Topologie heute Standard ist.

5V Standby Corsair CX550F RGB White XPG Pylon 550W
2,5 A 78,4 78,7
3,0 A 78,2 n / a
Wirkungsgrad in Prozent