AKWs reaktivieren sinnvoll?

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
@Pym Akkuspeicher sind durch den Spread derzeit wirtschaftlich ziemlich attraktiv:
https://www.pv-magazine-australia.com/2024/11/23/bess-are-becoming-more-attractive/

Das Thema Dunkelflauten wird man jedoch mit Akkus alleine nicht lösen können, das wird eher ein Thema für H2 + Kavernen + Gasturbinen werden. Und gewöhnliches Methan kann man damit auch speichern und verbrennen. Die zukünftigen EE-Überschüsse wird man auch eher nicht komplett in Akkus loswerden können.
Entsprechende Grid-Codes für Elektrolyse sind bereits in Vorbereitung.

Allerdings kommt die CxU gerade mit CCS um die Ecke, die alten Netzwerke sind da immer noch aktiv.
Und +20GW Gaskraftwerke für die nächste Zeit ist meines (laienhaften) Erachtens durchaus ein sinnvolles Sizing wenn man sich den Verbrauch und die derzeitigen Non-Gas fossilen Kapazitäten anschaut. Damit ist Habeck ja auch gestartet bis im der Porsche-Christian dort blockiert hat.

Es allerdings wichtig das jetzt die Grundlagen und Rahmenbedingungen für den H2-Kram geschaffen werden.
 
foofoobar schrieb:
Allerdings kommt die CxU gerade mit CCS um die Ecke
Und mit Netzentgelten für eingespeisten Strom.
foofoobar schrieb:
Und +20GW Gaskraftwerke für die nächste Zeit ist meines (laienhaften) Erachtens durchaus ein sinnvolles Sizing
Ja, aber ich habe verstanden, die 10GW von der Ampel plus 20GW weitere. das halte ich für zu hoch und unnötig. Die restliche Energie wird durch Biogasanlagen bereitgestellt, die 'nur' mit einem neuen Generator und mehr Gasspeicher ausgerüstet werden. Damit sie Netzdienlich agieren können und mit dem größeren Vorrat auch längere Zeit. Dafür muss natürlich die Vergütung für diese Kraftwerke angepasst werden, dafür ist das jetzige Modell nicht tauglich und setzt die falschen Anreize.
Den von EE erzeugten Wasserstoff brauchen wir an anderer Stelle. Industrieproduktion z.B.
 
Samurai76 schrieb:
Und mit Netzentgelten für eingespeisten Strom.

Ja, aber ich habe verstanden, die 10GW von der Ampel plus 20GW weitere. das halte ich für zu hoch und unnötig.
Das hätte man auch vorher schnell mal recherchieren können:
https://www.n-tv.de/politik/Reiche-will-bei-neuen-Gaskraftwerken-Tempo-machen-article25756993.html
Samurai76 schrieb:
Die restliche Energie wird durch Biogasanlagen bereitgestellt, die 'nur' mit einem neuen Generator und mehr Gasspeicher ausgerüstet werden. Damit sie Netzdienlich agieren können und mit dem größeren Vorrat auch längere Zeit. Dafür muss natürlich die Vergütung für diese Kraftwerke angepasst werden, dafür ist das jetzige Modell nicht tauglich und setzt die falschen Anreize.
Also eine Verdreifachung der derzeitigen Leistung, und ob die notwendigen kurzfristigen steilen Rampen nur über Preissignale gewährleistet werden können halte ich für fraglich. Und perspektivisch wird durch Elektrifizierung der Bedarf an Strom eher zunehmen. Und der derzeitige Anteil am Gasverbrauch durch Verstromung liegt IMHO unter 20% (finde gerade keine Zahlen).

Und die Möglichkeit auch regional unterschiedlich direkt an zentralen Netzknoten ganz kurzfristig Erzeugung im größeren Maßstab auch für längere Zeiträume regeln zu können ist doch wesentlich robuster als mit vielen kleinen Dingern zu frickeln. Und solche Kraftwerke unterstützen auch ganz wesentlich einen möglichen Schwarzstart bzw. das Hochfahren von Regionen nach einem Stromausfall.
Zum Beispiel können durch falsche Vorhersagen von Hochnebel die Solarstrommengen teilweise heftig daneben liegen, und Vorhersagen von Hochnebel sind schwierig und eher so lala zuverlässig.

BTW: Lassen sich Gasgeneratoren (Also ein gewöhnlicher Otto-Motor mit angeschlossenen Generator) überhaupt gut regeln ohne das der elektrische Wirkungsgrad komplett in in den Keller geht? Diese Dinger machen bzgl. Wirkungsgrad auch nur Sinn wenn man auch die Abwärme des Otto-Motors verwerten kann und man sich auf der Kennlinie des Otto-Motors im "guten" Bereich befindet.
Samurai76 schrieb:
Den von EE erzeugten Wasserstoff brauchen wir an anderer Stelle. Industrieproduktion z.B.
Auch dafür sind zeitnah Grundlagen und Rahmenbedingungen notwendig. Und Gasturbinen die mit H2 laufen können verhindern das ja auch nicht. CCS ist da eine teure Sackgasse, allerdings wird das eine Rolle für Zementwerke & Co spielen.
Und perspektivisch will man ja auch die doppelte Infrastruktur (Pipelines) für H2 und Methan irgendwann mal loswerden.
 
Zuletzt bearbeitet:
foofoobar schrieb:
Das Thema Dunkelflauten wird man jedoch mit Akkus alleine nicht lösen können, das wird eher ein Thema für H2 + Kavernen + Gasturbinen werden.
Ich würde ja favorisieren, dass man ähnlich zu den SMR Atomreaktoren kleine modulare Power-to-X Kraftwerke etabliert.

Es wird immer gesagt das wäre unwirtschaftlich, ist aber bei zunehmendem EE Überschuss eigentlich egal. Denn man muss den Strom ja auch aus dem Netz raus bekommen. Dafür sind Power-to-X Stromfresser gar nicht so schlecht, wenn die Stromspeicher schon voll sind.
Wenn Bedarf herrscht, können diese Vorräte zuerst verbraucht werden, bevor fossile Energieträger verbrannt werden.

So ein Teil zu jedem Umspannwerk stellen löst auch einen Teil der Problematik mit der her herkömmlichen Netzstruktur.

Zusätzlich könnten sie auch für Stromhandel über die Batteriespeicher hinaus eingesetzt werden.
Und ich bin mir sicher wenn man die Dinger modular in Serie fertigt, könnten überschaubare Kosten erreicht werden. Jedenfalls günstiger als neue AKWs
 
h00bi schrieb:
Ich würde ja favorisieren, dass man ähnlich zu den SMR Atomreaktoren kleine modulare Power-to-X Kraftwerke etabliert.

Es wird immer gesagt das wäre unwirtschaftlich, ist aber bei zunehmendem EE Überschuss eigentlich egal. Denn man muss den Strom ja auch aus dem Netz raus bekommen. Dafür sind Power-to-X Stromfresser gar nicht so schlecht, wenn die Stromspeicher schon voll sind.
Wenn Bedarf herrscht, können diese Vorräte zuerst verbraucht werden, bevor fossile Energieträger verbrannt werden.

So ein Teil zu jedem Umspannwerk stellen löst auch einen Teil der Problematik mit der her herkömmlichen Netzstruktur.

Zu jedem Umspanner eine H2-Pipeline mit Verdichtern & Co zu legen könnte arg teuer werden.
Daher wird es da eine gewisse Zentralisierung geben, zusätzlicher Effekt: "Economy of Scale"

Und zu den SMRs konnte mir bisher niemand erklären warum da plötzlich "Economy of Scale" keine Gültigkeit mehr hat.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
foofoobar schrieb:
Und zu den SMRs konnte mir bisher niemand erklären warum da plötzlich "Economy of Scale" keine Gültigkeit mehr hat.
Weil die Praxisversuche der (zumeist) amerikanischen Firmen ergeben haben, dass der Einstiegspreis der SMR zu hoch ist und der Invest ebenso. Genauso wie der ROI viel zu spät kommt, bis die Skaleneffekte greifen. Also findet sich kein Kapital. So einfach in kurz.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: HtOW
Samurai76 schrieb:
Weil die Praxisversuche der (zumeist) amerikanischen Firmen ergeben haben, dass der Einstiegspreis der SMR zu hoch ist und der Invest ebenso. Genauso wie der ROI viel zu spät kommt, bis die Skaleneffekte greifen. Also findet sich kein Kapital.
Und wer bezahlt nun den Bumms?
 
@foofoobar Man wird immer einen Dummen finden. Am Ende zahlt es der Steuerzahler.
Siehe NuScale, im eigenen Land kläglich gescheitert probiert man es halt jetzt in Rumänien.

Witzig dabei die Projektpartner von NuScale in den USA konzentrieren sich jetzt stattdessen auf den Ausbau von Windenergie, Solarkraftwerken und Batterien 😂
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Samurai76
Ich empfehle jedem, der auf Atomkraft setzen will, die Dokus über Tschernobyl und Fukushima anzuschauen und dann reden wir nochmal.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Arboster
"Was interessieren mich die. Wir haben daraus gelernt und machen es besser" (Ein Satz den ich bei Befuerwortern so oder so aehnlich erwarten wuerde).

Ein Befuerworter muss sich eigendlich nur einmal die Finanzzahlen aus diesem Wikipediaartikel anschauen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Hinkley_Point_C_nuclear_power_station

Ich hab selber schon laenger nicht mehr reingeschaut und bin eigendlich nicht ueberrascht, dass die Kosten immer noch steigen :D
Man ist jetzt bei fast 50 Milliarden Pfund angekommen, und dafuer soll das Ding dann ~2030 endlich mal fertig sein, nach dann 13 Jahren Bauzeit. Ohne Bauvorbereitung, zaehlt man die dazu sind es dann ueber 20 Jahre.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Pym, knoxxi und Firefly2023
Firefly2023 schrieb:
Ich empfehle jedem, der auf Atomkraft setzen will, die Dokus über Tschernobyl und Fukushima anzuschauen und dann reden wir nochmal.
Hätten beide verhindert werden können, wenn nicht die Sicherheit wegen zu hoher Kosten bzw. politischer Anordnung massiv untergraben gewesen wäre.

Da indes Konzerne immer versuchen werden, maximal zu sparen, auch entgegen geltender Vorschriften und in einigen politischen Systemen der Wille des Vorgesetzten mehr zählt als Naturgesetze, wird ein System, welches nicht inhärent sicher ist, immer zu solchen Situationen führen.

Sollte jemand
  • ein Reaktorkonzept entwickeln, welches inhärent sicher ist und nicht durch Kostenoptimierungen hintertrieben werden kann,
  • einen funktionsfähigen Ansatz bieten, mit dem das Problem des nuklearen Abfalls gelöst ist
  • dann noch den Ressourcenverbrauch hinreichend eindämmen (gar so viel spaltbares Material haben wir nicht)
  • und das ganze zu konkurrenzfähigen Kosten,
könnte Kernkraft interessant werden.

Dummerweise ist derzeit keine der vier Bedingungen erfüllt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: hax69 und Buttkiss
Araska schrieb:
Hätten beide verhindert werden können, wenn nicht die Sicherheit wegen zu hoher Kosten bzw. politischer Anordnung massiv untergraben gewesen wäre.
Ändert nichts an der Tatsache, dass diese Technik nicht mehr zeitgemäß ist, risikobehaftet und teuer. Und die Endlagerproblematik ist auch nicht gelöst.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Arboster und Samurai76
Atomkraft ist doch mittlerweile ein Running Gag.

Die USA erhöht die Laufzeit erst auf 60 dann teilweise auf 80 Jahre weil man selbst nicht in der Lage ist neue Kraftwerke zu bauen (Kostet zu viel) Dabei gibt es kein einziges Kraftwerk das die 60 Jahre bisher geschafft hat. Das Durchschnittsalter bis zur Abschaltung liegt bei 43 Jahren.

Oder die EDF: Die Leistung des französischen Kraftwerksparks war im Jahr 2023 ein absolutes Desaster. Es gab im Schnitt 152 Stillstandstage pro Reaktor, die Anlagen standen also knapp die Hälfte des Jahres still. Fünf Atomkraftwerke haben gar keinen Strom produziert. Null Kilowattstunden.

Übrigens: In den nächsten 27 Jahren müssen 270 neue Kraftwerke gebaut werden nur um die zu ersetzten die bis dahin abgeschaltet werden. Na wer möchte Wetten ob das klappt ?

Ich meine selbst wenn man das Endlagerproblem ignoriert, wer soll den die ganzen Kraftwerke bauen ?
Plan für neue 1000 AKW bis 2050? • Kernkraft‑Fantasie scheitert an desolater Industrie
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Pym, Buttkiss und knoxxi
Araska schrieb:
Hätten beide verhindert werden können, wenn nicht die Sicherheit wegen zu hoher Kosten bzw. politischer Anordnung massiv untergraben gewesen wäre.
Ähem, nein.

Bei Tschernobyl gab es einen Konstruktionsfehler des Reaktors.
Der RBMK-1000 hatte einen positiven, extrem stark exponentiell steigenden Dampfblasenkoeffizienten.
Dabei entstand beim Einfahren der Bremsstäbe ein massiver Leistungsanstieg auf das 100 ... 1.000-fache der Nennleistung in 10 Sekunden und das umgebende Kühlwasser verdampft fast augenblicklich.

Durch den sehr großen aktiven Raum und das Weglassen des Druckbehälters fing dann der Graphit an zu glühen und das Wasser spaltete sich in Wasserstoff und Sauerstoff.
Den Rest kennt man.

Von diesem Fehler wußte die Bedienmannschaft zum Unglückszeitpunkt nichts und hat im Sinne des Handbuches gehandelt.
Auch der Konstrukteur hat das erst im Nachgang herausgefunden und die Situation für einige Zeit nachgestellt und den Fehler auch gefunden. Bis dahin hat er das Verhalten mit der schlagartigen Wasserverdampfung aber nur geahnt, nicht gewußt.

Ein graphitmoderierter Reaktor ohne RDB ist in dieser riesigen Form eine tickende Zeitbombe.

Die sowjetisch / russische Führung hat allerdings davon lange nichts wissen wollen wegen der Exportfähigkeit der RBMK-Reaktortechnik.
Gorbatschow war zwar für eine Aufarbeitung des Unglücks und der Abschaffung der Atomwaffen, aber er hatte harte Gegner in der Industrie und Politik gegen sich.
 
Hmm... meine Kenntnisse zum Hergang decken sich ungefähr mit dem Wikipedia-Eintrag:

Unter anderem:

Beim Unglücksreaktor wurde der Void-Koeffizient zudem durch den fortgeschrittenen Abbrand des Kernbrennstoffs weiter erhöht. Außerdem wurde die Einhaltung der betrieblichen Reaktivitätsreserve (minimal erforderliche Reaktivitätsbindung durch hinreichend in den Reaktor eingefahrene Steuerstäbe) nicht vom automatischen Reaktorsicherheitssystem überwacht. Stattdessen war sie lediglich in den Betriebsvorschriften vorgegeben. Tatsächlich war der vorgegebene Minimalwert der Reaktivitätsreserve bereits Stunden vor Beginn des Versuchs unterschritten – der Reaktor hätte abgeschaltet werden müssen. Außerdem hatte die Betriebsmannschaft bestimmte Sicherheitssysteme abgeschaltet, um im Bedarfsfall den Versuch wiederholen zu können. Die automatisch arbeitenden Sicherheitssysteme hätten das ansonsten planmäßig verhindert, indem sie während des Versuchs eine Schnellabschaltung ausgelöst hätten.

Deiner Aussage, die RMBK-Bauweise (inklusive einiger konstuktiver Probleme, wie reaktionsverstätkender Graphitspitzen auf den Steuerstäben) sei inhärent unsicher, widerspreche ich explizit nicht.
 
wuselsurfer schrieb:
Durch den sehr großen aktiven Raum und das Weglassen des Druckbehälters fing dann der Graphit an zu glühen und das Wasser spaltete sich in Wasserstoff und Sauerstoff.
Den Rest kennt man.
Das Entstehen von Wasserstoff bei Havarien ist bei (fast) allen derzeit in Betrieb befindlichen Reaktoren ein Thema.
Siehe auch die prototypischen Bilder von der ersten Explosion in Fukushima.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
wuselsurfer schrieb:
Durch den sehr großen aktiven Raum und das Weglassen des Druckbehälters fing dann der Graphit an zu glühen und das Wasser spaltete sich in Wasserstoff und Sauerstoff.
Das Weglassen des Druckbehälters/Containment ist ja eine gewaltige Sparmaßnahme, die die Katastrophe in der Form hätte verhindern bzw. deutlich abmildern können.

Insofern widerspricht das eine nicht dem anderen, Bedien und Konzeptfehler treten nahezu immer auf, daher werden die Systeme oft mehrfach abgesichert, was aber auch Konstruktions und Wartungskosten erhöht, dies sieht man an den neueren Reaktoren in Finnland und GB.

Generell ist die Kostenfrage schon sehr relevant, für Staaten mit Nuklearwaffen und solche die sich den letzten Schritt vorbehalten (z.B. Südkorea) ist ein nuklearer Kreislauf ohnehin notwendig und daher wird hier eher die strategische Komponente in Betracht gezogen was dann die Gesamtkosten in ein anderes Licht führt - günstig wird dies aber trotzdem nicht.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
foofoobar schrieb:
Das Entstehen von Wasserstoff bei Havarien ist bei (fast) allen derzeit in Betrieb befindlichen Reaktoren ein Thema.
Das ist bei absolut keinem Reaktor mehr ein relevantes Thema. Es wurden bei allen Anlagen aktive als passive Wasserstoff-Rekombinatoren installiert die die Bildung einer kritischen H2 Konzentration verhindern.

Es war ein Risikofaktor ist aber technisch in jedem Zeitpunkt immer beherrschbar.

Edit: Ich Meine das war in DE bereits ab 1980 als Folge der H2 Explosion in TMI verpflichtend.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben