Anleitung AMD Prozessoren übertakten

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[How-To] AMD Prozessoren übertakten

Eine Schritt für Schritt Anleitung

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Einleitung:

Fast jeder User hat es eines Tages den Wunsch nach mehr Leistung. Wer sich nicht so gut auskennt kauft neu, und andere versuchen mithilfe des Übertaktens einzelner Komponenten die Rechenleistung zu erhöhen. Hier soll es um den Prozessor (CPU) gehen. Bevor ich jedoch erkläre wie man das macht, möchte ich vorher einige allgemeine Worte verlieren:​
Jede CPU ist einzigartig. Es gibt niemals eine Garantie dafür welche Werte die CPU erreichen kann, nur Erfahrungen aus denen sich eine Tendenz ableiten lässt. Im schlimmsten Fall läuft die CPU standardmäßig auf 2200 MHz und verweigert bei 2210 MHz den Dienst. Die Güte einer CPU kann man von außen nicht erkennen. Nur durch probieren lässt sich die Grenze finden. Doch bevor man nach mehr Leistung dürstet, sollte man feststellen, ob die eigene Hardware nicht mit angezogener Handbremse läuft. Möglicherweise läuft die CPU nur mit einem Kern (besonders bei älteren Rechner mit Win XP anzufinden), oder taktet die CPU möglicherweise nicht hoch, da zu viele Kerne vorhanden sind, die Anwendung aber zu alt ist diese auf eine Mindestniveau auszulasten um in einen höheren P-State zu schalten. Um diese Fragen zu klären, benutzt ein bis zwei Benchmarks eurer Wahl, sucht nach Ergebnissen mit eurer CPU und vergleicht die Werte. Z.B könnt ihr 3DMark oder Cinebench verwenden. Liegen eure Werte deutlich (mehr als 20% bei Standardtakt und ähnlicher Speicherbestückung) unterhalb der gefunden Ergebnisse, solltet ihr dem Problem auf den Grund gehen bevor ihr ans übertakten geht.​
Das übertakten jeder Komponente im PC führt zum Verlust der Garantie/Gewährleistung. Außerdem steigt der Energieverbrauch immer wesentlich stärker an, als die Leistung die gewonnen wird. Außerdem verringert das übertakten die Lebensdauer der CPU und zu starkes übertakten kann die CPU sofort irreparabel beschädigen. Bevor ihr also mit dem übertakten beginnt, habt die Kehrseite der Medaille immer im Hinterkopf.​


Voraussetzungen:

Bevor man übertaktet sollte man einige Dinge im Vorfeld abklären. Wie bereits erwähnt steigt der Energiebedarf bei übertakten. Jedem sollte der erste Hauptsatz der Thermodynamik bekannt sein, der besagt, dass Energie nicht verloren gehen kann sondern nur umgewandelt wird. Aus der elektrischen Energie wird also thermische Energie (Wärme). Diese Wärme muss durch leistungsstarke Kühlung abgeführt werden, sonst erhöht sich die Gefahr eines Hitzetodes. Außerdem muss euer Netzteil die benötigte Energie bereitstellen können. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob Kühler oder Netzteil ausreichend sind fragt im entsprechenden Forum nach.​


Hinweise:

  • Da das Freischalten von Kernen und Cache kein Übertakten im klassischen Sinne ist, werde ich darauf in diesem How-To nicht eingehen
  • Ich übernehme keine Haftung für Schäden an eurer Hardware. Jegliches Übertakten geschieht auf eigene Gefahr.
  • Achtet während des Übertakten auf die CPU Temperatur, Abstürze können auf zu hohe Temperaturen zurückgeführt werden. Je nach Sockel und Modell unterscheidet sich die "Maximum operating temperature". Bis 60°C ist in jedem Fall bedenkenlos. Ab 65°C sollte über eine bessere Kühlung nachgedacht werden.
Inhaltsverzeichnis:

2. Post: Übertakten einer AM3 CPU auf einem AM3 Sockel​
3. Post: Übertakten einer AM2+ CPU auf einem AM2+ Sockel​
4. Post: Übertakten einer AM2 CPU auf einem AM2/AM2+ Sockel​
5. Post: Übertakten einer Sockel 939 CPU​


Weiterführende Links:



Änderungen:
2011-03-02: AM3, AM2+, AM2 hinzugefügt
2011-03-16: Fehler beseitigt
2011-03-17: Sockel 939 hinzugefügt
2011-05-25: Prüfen auf Stabilität überarbeitet
 
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Übertakten einer AM3 CPU auf einem AM3 Sockel​


1. Benötigte Programme:
Programm zum auslesen der CPU-Temperatur:
  • Speedfan, AMD Overdrive, Everest (Aida), Coretemp
Programm zum Auslasten der CPU (prüfen auf Stabilität und zum feststellen der Leistungssteigerung)
  • 3DMark, Cinebench, keine Grafikbenchmarks wie Heaven Benchmark

2. Vorbereitung
Wie bei einem Experiment in der Schule bedarf es einer guten Vorbereitung und einer sauber durchgeführten und protokollierten Arbeit damit das Resultat stimmt. Aus diesem Grund sammelt ihr als erstes die wichtigen Infos über eure CPU. Dazu empfiehlt sich eine Tabelle.


Diese Daten findet ihr zu eurem Modell auf der Herstellerseite oder in einer Datenbank z. B. auf CPU-World.com


Erklärungen:

Referenztakt:
  • beträgt bei allen CPUs 200 MHz
Multiplikator:
  • errechnet sich aus CPU-Takt / 200
HyperTransport
  • beträgt bei allen Sempron, Athlon II und Phenom II Modellen 2000 MHz (Referenztakt*10)
  • Ausnahmen mit 1800 MHz: Athlon II 1x0u; Athlon II X2 2x0u
Speichertakt:
  • AM3 CPUs unterstützen maximal DDR3-1333, daher wird in diesem Beispiel von diesem Speichertyp ausgegangen


3. Durchführung
Im Bios solltet ihr folgende Einstellungen ändern:
  • Cool’n’Quiet deaktivieren
  • Turbo deaktivieren
  • Vcore von [Auto] auf den ab Werk festgelegten Wert setzen
  • PCIe Takt auf 100 MHz fixieren
  • AGP Takt auf 66 MHz fixieren
  • PCI Takt auf 33 MHz fixieren
Jetzt solltet ihr euch abermals eine Tabelle erstellen (auf einem anderen PC oder auf einem Blatt Papier) die dem nachfolgenden Layout entspricht:


Hier werden die Parameter eingetragen die ihr später verändern wollt. Ihr könnt dabei auch Formeln verwenden. Das erleichtert die Schreibarbeit bei den nächsten Schritten. Mit welchem Programm ihr Stabilität und Leistungssteigerung prüft bleibt euch überlassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass 3DMark06 reproduzierbare Ergebnisse liefert (die Streuung zwischen mehreren Messungen ist sehr gering) und ein zu hoher Takt kann durch sinkende Ergebnisse erkannt werden.


3.1. Übertakten durch anheben des Referenztaktes
Diese Art des Übertaktens ist bei jeder CPU möglich, da es keine festen Grenzen für diesen Wert gibt, i.d.R. lässt sich im Bios theoretisch ein Wert bis 400 MHz einstellen. Durch erhöhen des Wertes verändert sich aber auch der HT und die Speichergeschwindigkeit. Da es keinen Leistungsverlust zur Folge hat, wird zuerst der Multiplikator des HT um eine Stufe herabgesetzt. Damit ist sichergestellt, dass eventuelle Fehler oder Abstürze nicht auf einen zu hohen HT Takt zurückzuführen sind.


Unter der Annahme, dass DDR3-1333 verwendet wird, muss auch der Speicher heruntergetaktet werden. Dies hat einen leichten Leistungsverlust zur Folge, jedoch wird im weiteren Verlauf durch angeben des RT auch der Speicher wieder schneller.


Die nachstehende Tabelle erklärt den Zusammenhang zwischen Speicher und RT:


Was das ganze bedeutet: Stellt man im Bios DDR3-1333 ein und hat einen RT von 200 MHz, so berechnet sich der effektive Takt wie folgt:

Effektiver Takt = 2*RT*(DRAM:FSB)
Effektiver Takt = 2*200 MHz * (10/3) = 1333 MHz

Anmerkung: Mit CPU-Z wird unter dem Punkt „DRam Frequenz“ nicht der effektive Takt, sondern der I/O Takt angegeben.

Jetzt ist sichergestellt, dass durch Erhöhung des RT sowohl HT als auch Arbeitsspeicher nicht außerhalb ihrer Spezifikationen laufen. Somit kann mit der Erhöhung des RT begonnen werden. Ich empfehle die Erhöhung in 5 MHz Schritten. Dazu stellt ihr im Bios 205 MHz ein, bootet und lasst euren Benchmark laufen. Stürzt der Rechner nicht ab und das Ergebnis verbessert sich, kann wieder um 5 MHz erhöht werden.


Je nachdem wie gut eure CPU ist, kann es vorkommen, dass der HT durch erhöhen des RT wieder über 2000 MHz steigt. Wie bereits beschrieben wird der Multiplikator um eine weitere Stufe auf 8 (1600 MHz) gesenkt. Anschließend kann der RT weiter erhöht werden.


Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem der Takt zu hoch ist. Dies macht sich durch Abstürze, Bildfehler, Freeze oder einer sinkenden Leistung bemerkbar. Für das weitere Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Möglichkeit: Die Spannung der CPU (Vcore) erhöhen und erneut probieren
  2. Möglichkeit: Mit dem Ergebnis zufrieden geben (weiter bei Punkt 4)
Wer sich für 1. entscheidet, nimmt einen deutlich höheren Stromverbrauch und die Gefahr in kauf, dass die CPU den Gewährleistungszeitraum nicht übersteht.

Beim erhöhen des Vcore sollte niemals um mehr als 10% erhöht werden. Bei 1,325V macht dies 1,4575V. Die in diesem Beispiel verwendete CPU läuft mit Turbo bei 1,475V, also ist auch diese Spannung für die CPU möglich. Die entsprechende Spannung wird im Bios eingestellt und erneut getestet. Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, kann die CPU den hohen Takt nicht (weiter bei Punkt 4). Läuft der Rechner durch die Spannungserhöhung wieder stabil, kann der RT weiter in 5 MHz Schritten angehoben werden, bis das System abermals instabil wird.


Die Spannung könnte abermals angehoben werden, um den Rechner möglicherweise noch weiter zu übertakten. Davon kann ich aber nur abraten.


3.2 Übertakten durch anheben des Multiplikators
Dies stellt eine weitere Möglichkeit des übertakten dar, ist aber nur bei BE (Black Edition) Modellen möglich. Hierbei wird statt des RT der Multiplikator der CPU angehoben. Der HT und Speichertakt bleiben dabei unberührt. Daher ist dieser Weg des übertakten wesentlich einfacher.

Der kleinste Schritt bei der Erhöhung ist 0,5, also ergibt sich bei jeder CPU eine Erhöhung um 100 MHz (200 MHz * 0,5). Der Multiplikator kann im Bios eingestellt werden. Nach einer Erhöhung wird auf Stabilität und Leistungssteigerung geprüft. Treten keine Fehler auf, kann weiter erhöht werden.


Ist ein stabiler Betrieb nicht mehr möglich, kann der Vcore im Bios angehoben werden. Auch hier gilt, nicht mehr als 10% oder den Vcore des Turbo übernehmen.


Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, schafft eure CPU diesen Takt nicht. Auch hier gilt: Eine weitere Spannungserhöhung kann zu noch höheren Taktraten führen, gesund ist das für die CPU aber nicht.


4. Prüfen auf Stabilität
Jetzt wisst ihr, bei welchem Multiplikator oder RT eure CPU den letzten fehlerfreien Durchlauf schaffte. Da ein Benchmark die CPU aber nur wenige Minuten belastet, ist dies keine Garantie, dass die CPU auch eine Dauerlast auf dieser Stufe ohne Fehler übersteht. Daher sollte mit verschiedenen Mitteln wie Prime95 oder LinPack (LinX; Intel Burn Test) eine unnatürlich hohe Last simuliert werden. Ab wann ein System als stabil bezeichnet werden kann ist je nach Programm sehr unterschiedlich. Prime95 sollte min. 4 Stunden laufen. Erfahrungsgemäß geht die Überprüfung mit LinX um ein vielfaches schneller.

Eigentlich ist LinX ein Benchmark, der die Leistung des Prozessors in Flops misst. Dabei erzeugt der Benchmark eine deutlich höhere Beanspruchung des Prozessors, wodurch Fehler schneller entdeckt werden als bei Prime95.


Das Programm ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Eingestellt werden kann wie viel Arbeitsspeicher genutzt wird, und ob der Test eine festgelegte Zeit (in Minuten) oder aber xx Durchläufe absolvieren soll. Wer nur auf Stabilität testen möchte sollte ca. 30 - 60 Minuten einstellen. Wer das Programm als Benchmark verwenden will, sollte etwa 10 Durchläufe wählen.


Wie in diesem Beispiel zu sehen ist, variieren die Ergebnisse ein wenig. 7.9185 bis 7.9679 GFlops wurden gemessen. Die Abweichung beträgt also 7.9432 ± 3,1%. Eine Abweichung bis 5% ist ok, Werte die deutlich über oder unter den Durchschnitt liegen, sollten einfach gestrichen werden bei der Berechnung des Mittelwertes. Der Mittelwert wird nicht aus dem minimalen und maximalen Wert gebildet, sondern aus allen Werten (abzüglich der Ausreißer). Also alle Ergebnisse addieren und durch die Anzahl teilen. In diesem Beispiel ist der Mittelwert 7.9507. Nach dem übertakten führt man die Messung abermals durch und kann so den Geschwindigkeitszuwachs abschätzen.

Bitte achtet auf eure Temperaturen beim testen. LinX und andere Programme erzeugen unnatürlich hohe Lasten was zu utopischen Temperaturen führen kann. Bereits nach 3 Minuten heizte sich mein Notebook sehr stark auf:

Anmerkung: Macht euch schlau, welche maximale Temperatur euer Prozessor verträgt. Wird beim Test die Temperatur überschritten, brecht den Test ab um Schäden an eurer Hardware zu vermeiden. Spätestens bei 65°C (Desktop) bzw. 95°C (Notebook) sollte die Vernunft siegen und die Kühlung überprüft und ggf. verbessert werden.

Stellt ihr Fehler oder Abstürze fest, senkt den RT um 5 MHz bzw. den Multiplikator um 0,5 und testet erneut bis ihr keine Fehler mehr feststellen könnt.

Anmerkung: Die Überprüfung mit Prime95/LinPack gibt keine 100%ige Sicherheit. Stellt ihr beispielsweise erst beim spielen Fehler fest, benutzt das Spiel eurer Wahl als Instrument zur Überprüfung auf Stabilität.
 
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Übertakten einer AM2+ CPU auf einem AM2+ Sockel​


1. Benötigte Programme:
Programm zum auslesen der CPU-Temperatur:
  • Speedfan, AMD Overdrive, Everest (Aida), Coretemp
Programm zum Auslasten der CPU (prüfen auf Stabilität und zum feststellen der Leistungssteigerung)
  • 3DMark, Cinebench, keine Grafikbenchmarks wie Heaven Benchmark

2. Vorbereitung
Wie bei einem Experiment in der Schule bedarf es einer guten Vorbereitung und einer sauber durchgeführten und protokollierten Arbeit damit das Resultat stimmt. Aus diesem Grund sammelt ihr als erstes die wichtigen Infos über eure CPU. Dazu empfiehlt sich eine Tabelle.


Diese Daten findet ihr zu eurem Modell auf der Herstellerseite oder in einer Datenbank z. B. auf CPU-World.com


Erklärungen:

Referenztakt:
  • beträgt bei allen CPUs 200 MHz
Multiplikator:
  • errechnet sich aus CPU-Takt / 200
HyperTransport
  • beträgt bei den meisten Modellen 1800 MHz (Referenztakt*9)
  • Ausnahmen mit 2000 MHz: Phenom 64 X4 9950 und 9850; Athlon X2 5000+ und 5200+ (Regor Kern)
Speichertakt:
  • AM2+ CPUs unterstützen maximal DDR2-1066, daher wird in diesem Beispiel von diesem Speichertyp ausgegangen


3. Durchführung
Im Bios solltet ihr folgende Einstellungen ändern:
  • Cool’n’Quiet deaktivieren
  • Vcore von [Auto] auf den ab Werk festgelegten Wert setzen
  • PCIe Takt auf 100 MHz fixieren
  • AGP Takt auf 66 MHz fixieren
  • PCI Takt auf 33 MHz fixieren
Jetzt solltet ihr euch abermals eine Tabelle erstellen (auf einem anderen PC oder auf einem Blatt Papier) die dem nachfolgenden Layout entspricht:


Hier werden die Parameter eingetragen die ihr später verändern wollt. Ihr könnt dabei auch Formeln verwenden. Das erleichtert die Schreibarbeit bei den nächsten Schritten. Mit welchem Programm ihr Stabilität und Leistungssteigerung prüft bleibt euch überlassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass 3DMark06 reproduzierbare Ergebnisse liefert (die Streuung zwischen mehreren Messungen ist sehr gering) und ein zu hoher Takt kann durch sinkende Ergebnisse erkannt werden.


3.1. Übertakten durch anheben des Referenztaktes
Diese Art des Übertaktens ist bei jeder CPU möglich, da es keine festen Grenzen für diesen Wert gibt, i.d.R. lässt sich im Bios theoretisch ein Wert bis 400 MHz einstellen. Durch erhöhen des Wertes verändert sich aber auch der HT und die Speichergeschwindigkeit. Da es keinen Leistungsverlust zur Folge hat, wird zuerst der Multiplikator des HT um eine Stufe herabgesetzt. Damit ist sichergestellt, dass eventuelle Fehler oder Abstürze nicht auf einen zu hohen HT Takt zurückzuführen sind.


Unter der Annahme, dass DDR2-1066 verwendet wird, muss auch der Speicher heruntergetaktet werden. Dies hat einen leichten Leistungsverlust zur Folge, jedoch wird im weiteren Verlauf durch angeben des RT auch der Speicher wieder schneller.


Die nachstehende Tabelle erklärt den Zusammenhang zwischen Speicher und RT:


Was das ganze bedeutet: Stellt man im Bios DDR2-1066 ein und hat einen RT von 200 MHz, so berechnet sich der effektive Takt wie folgt:

Effektiver Takt = 2*RT*(DRAM:FSB)
Effektiver Takt = 2*200 MHz * (8/3) = 1066 MHz

Anmerkung: Mit CPU-Z wird unter dem Punkt „DRam Frequenz“ nicht der effektive Takt, sondern der I/O Takt angegeben.

Jetzt ist sichergestellt, dass durch Erhöhung des RT sowohl HT als auch Arbeitsspeicher nicht außerhalb ihrer Spezifikationen laufen. Somit kann mit der Erhöhung des RT begonnen werden. Ich empfehle die Erhöhung in 5 MHz Schritten. Dazu stellt ihr im Bios 205 MHz ein, bootet und lasst euren Benchmark laufen. Stürzt der Rechner nicht ab und das Ergebnis verbessert sich, kann wieder um 5 MHz erhöht werden.


Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem der Takt zu hoch ist. Dies macht sich durch Abstürze, Bildfehler, Freeze oder einer sinkenden Leistung bemerkbar. Für das weitere Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Möglichkeit: Die Spannung der CPU (Vcore) erhöhen und erneut probieren
  2. Möglichkeit: Mit dem Ergebnis zufrieden geben (weiter bei Punkt 4)
Wer sich für 1. entscheidet, nimmt einen deutlich höheren Stromverbrauch und die Gefahr in kauf, dass die CPU den Gewährleistungszeitraum nicht übersteht.

Beim erhöhen des Vcore sollte niemals um mehr als 10% erhöht werden. Bei 1,225V macht dies 1,3475V. Die entsprechende Spannung wird im Bios eingestellt und erneut getestet. Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, kann die CPU den hohen Takt nicht (weiter bei Punkt 4). Läuft der Rechner durch die Spannungserhöhung wieder stabil, kann der RT weiter in 5 MHz Schritten angehoben werden, bis das System abermals instabil wird.


Je nachdem wie gut eure CPU ist, kann es vorkommen, dass der HT durch erhöhen des RT wieder über 1800 MHz steigt. Wie bereits beschrieben wird der Multiplikator um eine weitere Stufe auf 7 (1400 MHz) gesenkt. Anschließend kann der RT weiter erhöht werden.


Die Spannung könnte abermals angehoben werden, um den Rechner möglicherweise noch weiter zu übertakten. Davon kann ich aber nur abraten.


3.2 Übertakten durch anheben des Multiplikators
Dies stellt eine weitere Möglichkeit des übertakten dar, ist aber nur bei BE (Black Edition) Modellen möglich. Hierbei wird statt des RT der Multiplikator der CPU angehoben. Der HT und Speichertakt bleiben dabei unberührt. Daher ist dieser Weg des übertakten wesentlich einfacher.

Der kleinste Schritt bei der Erhöhung ist 0,5, also ergibt sich bei jeder CPU eine Erhöhung um 100 MHz (200 MHz * 0,5). Der Multiplikator kann im Bios eingestellt werden. Nach einer Erhöhung wird auf Stabilität und Leistungssteigerung geprüft. Treten keine Fehler auf, kann weiter erhöht werden.


Ist ein stabiler Betrieb nicht mehr möglich, kann der Vcore im Bios angehoben werden. Auch hier gilt, nicht mehr als 10%.


Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, schafft eure CPU diesen Takt nicht. Auch hier gilt: Eine weitere Spannungserhöhung kann zu noch höheren Taktraten führen, gesund ist das für die CPU aber nicht.


4. Prüfen auf Stabilität
Jetzt wisst ihr, bei welchem Multiplikator oder RT eure CPU den letzten fehlerfreien Durchlauf schaffte. Da ein Benchmark die CPU aber nur wenige Minuten belastet, ist dies keine Garantie, dass die CPU auch eine Dauerlast auf dieser Stufe ohne Fehler übersteht. Daher sollte mit verschiedenen Mitteln wie Prime95 oder LinPack (LinX; Intel Burn Test) eine unnatürlich hohe Last simuliert werden. Ab wann ein System als stabil bezeichnet werden kann ist je nach Programm sehr unterschiedlich. Prime95 sollte min. 4 Stunden laufen. Erfahrungsgemäß geht die Überprüfung mit LinX um ein vielfaches schneller.

Eigentlich ist LinX ein Benchmark, der die Leistung des Prozessors in Flops misst. Dabei erzeugt der Benchmark eine deutlich höhere Beanspruchung des Prozessors, wodurch Fehler schneller entdeckt werden als bei Prime95.


Das Programm ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Eingestellt werden kann wie viel Arbeitsspeicher genutzt wird, und ob der Test eine festgelegte Zeit (in Minuten) oder aber xx Durchläufe absolvieren soll. Wer nur auf Stabilität testen möchte sollte ca. 30 - 60 Minuten einstellen. Wer das Programm als Benchmark verwenden will, sollte etwa 10 Durchläufe wählen.


Wie in diesem Beispiel zu sehen ist, variieren die Ergebnisse ein wenig. 7.9185 bis 7.9679 GFlops wurden gemessen. Die Abweichung beträgt also 7.9432 ± 3,1%. Eine Abweichung bis 5% ist ok, Werte die deutlich über oder unter den Durchschnitt liegen, sollten einfach gestrichen werden bei der Berechnung des Mittelwertes. Der Mittelwert wird nicht aus dem minimalen und maximalen Wert gebildet, sondern aus allen Werten (abzüglich der Ausreißer). Also alle Ergebnisse addieren und durch die Anzahl teilen. In diesem Beispiel ist der Mittelwert 7.9507. Nach dem übertakten führt man die Messung abermals durch und kann so den Geschwindigkeitszuwachs abschätzen.

Bitte achtet auf eure Temperaturen beim testen. LinX und andere Programme erzeugen unnatürlich hohe Lasten was zu utopischen Temperaturen führen kann. Bereits nach 3 Minuten heizte sich mein Notebook sehr stark auf:

Anmerkung: Macht euch schlau, welche maximale Temperatur euer Prozessor verträgt. Wird beim Test die Temperatur überschritten, brecht den Test ab um Schäden an eurer Hardware zu vermeiden. Spätestens bei 65°C (Desktop) bzw. 95°C (Notebook) sollte die Vernunft siegen und die Kühlung überprüft und ggf. verbessert werden.

Stellt ihr Fehler oder Abstürze fest, senkt den RT um 5 MHz bzw. den Multiplikator um 0,5 und testet erneut bis ihr keine Fehler mehr feststellen könnt.

Anmerkung: Die Überprüfung mit Prime95/LinPack gibt keine 100%ige Sicherheit. Stellt ihr beispielsweise erst beim spielen Fehler fest, benutzt das Spiel eurer Wahl als Instrument zur Überprüfung auf Stabilität.
 
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3.036
AW: [How-To] AMD Prozessoren übertakten

Übertakten einer AM2 CPU auf einem AM2/AM2+ Sockel​


1. Benötigte Programme:
Programm zum auslesen der CPU-Temperatur:
  • Speedfan, AMD Overdrive, Everest (Aida), Coretemp
Programm zum Auslasten der CPU (prüfen auf Stabilität und zum feststellen der Leistungssteigerung)
  • 3DMark, Cinebench, keine Grafikbenchmarks wie Heaven Benchmark

2. Vorbereitung
Wie bei einem Experiment in der Schule bedarf es einer guten Vorbereitung und einer sauber durchgeführten und protokollierten Arbeit damit das Resultat stimmt. Aus diesem Grund sammelt ihr als erstes die wichtigen Infos über eure CPU. Dazu empfiehlt sich eine Tabelle.


Diese Daten findet ihr zu eurem Modell auf der Herstellerseite oder in einer Datenbank z. B. auf CPU-World.com


Erklärungen:

Referenztakt:
  • beträgt bei allen CPUs 200 MHz
Multiplikator:
  • errechnet sich aus CPU-Takt / 200
HyperTransport
  • beträgt bei den meisten Modellen 1000 MHz (Referenztakt*5)
Speichertakt:
  • AM2 CPUs unterstützen maximal DDR2-800, daher wird in diesem Beispiel von diesem Speichertyp ausgegangen


3. Durchführung
Im Bios solltet ihr folgende Einstellungen ändern:
  • Cool’n’Quiet deaktivieren
  • Vcore von [Auto] auf den ab Werk festgelegten Wert setzen
  • PCIe Takt auf 100 MHz fixieren
  • AGP Takt auf 66 MHz fixieren
  • PCI Takt auf 33 MHz fixieren
Jetzt solltet ihr euch abermals eine Tabelle erstellen (auf einem anderen PC oder auf einem Blatt Papier) die dem nachfolgenden Layout entspricht:


Hier werden die Parameter eingetragen die ihr später verändern wollt. Ihr könnt dabei auch Formeln verwenden. Das erleichtert die Schreibarbeit bei den nächsten Schritten. Mit welchem Programm ihr Stabilität und Leistungssteigerung prüft bleibt euch überlassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass 3DMark06 reproduzierbare Ergebnisse liefert (die Streuung zwischen mehreren Messungen ist sehr gering) und ein zu hoher Takt kann durch sinkende Ergebnisse erkannt werden.


3.1 Der Speicherteiler
Der Speicherteiler ist beim Sockel AM2 sehr kompliziert. Ohne Hintergrundwissen solltet ihr nicht über den RT übertakten. Aus diesem Grund hier eine kleine Speicherteilerkunde:


Der Speicherteiler ist eine ganze Zahl, die die Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers festlegt. Er berechnet sich aus Standard CPU-Takt geteilt durch I/O-Takt. In den meisten Fällen ergibt sich daraus eine gebrochen rationale Zahl. Diese wird immer aufgerundet, und das ist euer Speicherteiler.

Hier eine Übersicht, welcher Teiler bei unterschiedlichen Taktraten eingestellt wird:


Quelle: Computerbase

Der Speicherteiler selbst kann nicht eingestellt werden, nur die Speichergeschwindigkeit. Anhand des Standard CPU-Takt ermittelt das Bios den Teiler nach oben stehender Formel.

Aber: Nicht jede CPU mit 3000 MHz und DDR2-800 hat einen Speicherteiler von 8. Ein Athlon 64 X2 4200+ auf 3000 MHz (11x272) übertaktet würde mit DDR2-1000 laufen. Warum ist das so: Der Speicherteiler hängt nicht vom aktuellen sondern vom Standard CPU-Takt ab. Ab Werk hat ein Athlon 64 X2 4200+ 2200 MHz. 2200/400 ergibt 5,5 also beträgt der Speicherteiler 6, auch bei 3000 MHz. 3000/6 ergibt 500, also läuft der Speicher mit DDR2-1000. Dadurch wird der Speicher übertaktet und es kann zu Fehlern kommen. Also muss der Speicher im Bios soweit herabgesetzt werden, bis er unterhalb von 400 MHz liegt. Stellt man DDR2-667 ein, ergibt sich 2200/333 macht 6,6 also gerundet 7. Damit läuft der Speicher auf 3000/7 = 428 MHz (DDR2-857), also immer noch zu schnell. Die nächst niedrigere Stufe ist DDR2-533. 2200/266 = 8,3 also 9. 3000/9 = 333 also läuft der Speicher als DDR2-667. Zusammengefasst an drei Beispielen:


Wem Mathe nicht so liegt, der kann mit dieser interaktiven Grafik seinen Speichertakt berechnen lassen.


3.2 Übertakten durch anheben des Referenztaktes
Diese Art des Übertaktens ist bei jeder CPU möglich, da es keine festen Grenzen für diesen Wert gibt, i.d.R. lässt sich im Bios theoretisch ein Wert bis 400 MHz einstellen. Durch erhöhen des Wertes verändert sich aber auch der HT und die Speichergeschwindigkeit. Da es keinen Leistungsverlust zur Folge hat, wird zuerst der Multiplikator des HT um eine Stufe herabgesetzt. Damit ist sichergestellt, dass eventuelle Fehler oder Abstürze nicht auf einen zu hohen HT Takt zurückzuführen sind.


Jetzt ist sichergestellt, dass durch Erhöhung des RT der HT nicht außerhalb seiner Spezifikation läuft. Somit kann mit der Erhöhung des RT begonnen werden. Ich empfehle die Erhöhung in 5 MHz Schritten. Dazu stellt ihr im Bios 205 MHz ein, bootet und lasst euren Benchmark laufen. Stürzt der Rechner nicht ab und das Ergebnis verbessert sich, kann wieder um 5 MHz erhöht werden.

Hinweis: Der Taktgeber für den RT ist der Chipsatz (Northbridge). Dieser entwickelt durch höhere Taktraten ebenfalls mehr Abwärme.


Unter der Annahme, dass DDR2-800 verwendet wird, muss auch der Speicher irgendwann heruntergetaktet werden. Dies hat einen leichten Leistungsverlust zur Folge, jedoch wird im weiteren Verlauf durch angeben des RT auch der Speicher wieder schneller.


Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem der Takt zu hoch ist. Dies macht sich durch Abstürze, Bildfehler, Freeze oder einer sinkenden Leistung bemerkbar. Für das weitere Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Möglichkeit: Die Spannung der CPU (Vcore) erhöhen und erneut probieren
  2. Möglichkeit: Mit dem Ergebnis zufrieden geben (weiter bei Punkt 4)
Wer sich für 1. entscheidet, nimmt einen deutlich höheren Stromverbrauch und die Gefahr in kauf, dass die CPU den Gewährleistungszeitraum nicht übersteht.

Beim erhöhen des Vcore sollte niemals um mehr als 10% erhöht werden. Bei 1,35V macht dies 1,485V. Die entsprechende Spannung wird im Bios eingestellt und erneut getestet. Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, kann die CPU den hohen Takt nicht (weiter bei Punkt 4). Läuft der Rechner durch die Spannungserhöhung wieder stabil, kann der RT weiter in 5 MHz Schritten angehoben werden, bis das System abermals instabil wird.


Die Spannung könnte abermals angehoben werden, um den Rechner möglicherweise noch weiter zu übertakten. Davon kann ich aber nur abraten.

Hinweis: Je nachdem wie gut eure CPU ist, kann es vorkommen, dass der HT durch erhöhen des RT wieder über 1000 MHz steigt. Wie bereits beschrieben wird der Multiplikator um eine weitere Stufe auf 3 (600 MHz) gesenkt. Anschließend kann der RT weiter erhöht werden.


3.3 Übertakten durch anheben des Multiplikators
Dies stellt eine weitere Möglichkeit des übertakten dar, ist aber nur bei BE (Black Edition) Modellen möglich. Hierbei wird statt des RT der Multiplikator der CPU angehoben. Der HT bleibt dabei unberührt, der Speichertakt steigt weiterhin. Daher ist dieser Weg des übertakten etwas einfacher.

Der kleinste Schritt bei der Erhöhung ist 0,5, also ergibt sich bei jeder CPU eine Erhöhung um 100 MHz (200 MHz * 0,5). Der Multiplikator kann im Bios eingestellt werden. Nach einer Erhöhung wird auf Stabilität und Leistungssteigerung geprüft. Treten keine Fehler auf, kann weiter erhöht werden.


Wird durch die Erhöhung des RT der Speichertakt von DDR2-800 überschritten, verursacht dies wahrscheinlich Fehler. Senkt im Bios den Speichertakt um eine Stufe. Läuft das System wieder stabil, kann der Multiplikator weiter angehoben werden.


Ist ein stabiler Betrieb nicht mehr möglich, kann der Vcore im Bios angehoben werden. Auch hier gilt, nicht mehr als 10%.


Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, schafft eure CPU diesen Takt nicht. Auch hier gilt: Eine weitere Spannungserhöhung kann zu noch höheren Taktraten führen, gesund ist das für die CPU aber nicht.


4. Prüfen auf Stabilität
Jetzt wisst ihr, bei welchem Multiplikator oder RT eure CPU den letzten fehlerfreien Durchlauf schaffte. Da ein Benchmark die CPU aber nur wenige Minuten belastet, ist dies keine Garantie, dass die CPU auch eine Dauerlast auf dieser Stufe ohne Fehler übersteht. Daher sollte mit verschiedenen Mitteln wie Prime95 oder LinPack (LinX; Intel Burn Test) eine unnatürlich hohe Last simuliert werden. Ab wann ein System als stabil bezeichnet werden kann ist je nach Programm sehr unterschiedlich. Prime95 sollte min. 4 Stunden laufen. Erfahrungsgemäß geht die Überprüfung mit LinX um ein vielfaches schneller.

Eigentlich ist LinX ein Benchmark, der die Leistung des Prozessors in Flops misst. Dabei erzeugt der Benchmark eine deutlich höhere Beanspruchung des Prozessors, wodurch Fehler schneller entdeckt werden als bei Prime95.


Das Programm ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Eingestellt werden kann wie viel Arbeitsspeicher genutzt wird, und ob der Test eine festgelegte Zeit (in Minuten) oder aber xx Durchläufe absolvieren soll. Wer nur auf Stabilität testen möchte sollte ca. 30 - 60 Minuten einstellen. Wer das Programm als Benchmark verwenden will, sollte etwa 10 Durchläufe wählen.


Wie in diesem Beispiel zu sehen ist, variieren die Ergebnisse ein wenig. 7.9185 bis 7.9679 GFlops wurden gemessen. Die Abweichung beträgt also 7.9432 ± 3,1%. Eine Abweichung bis 5% ist ok, Werte die deutlich über oder unter den Durchschnitt liegen, sollten einfach gestrichen werden bei der Berechnung des Mittelwertes. Der Mittelwert wird nicht aus dem minimalen und maximalen Wert gebildet, sondern aus allen Werten (abzüglich der Ausreißer). Also alle Ergebnisse addieren und durch die Anzahl teilen. In diesem Beispiel ist der Mittelwert 7.9507. Nach dem übertakten führt man die Messung abermals durch und kann so den Geschwindigkeitszuwachs abschätzen.

Bitte achtet auf eure Temperaturen beim testen. LinX und andere Programme erzeugen unnatürlich hohe Lasten was zu utopischen Temperaturen führen kann. Bereits nach 3 Minuten heizte sich mein Notebook sehr stark auf:

Anmerkung: Macht euch schlau, welche maximale Temperatur euer Prozessor verträgt. Wird beim Test die Temperatur überschritten, brecht den Test ab um Schäden an eurer Hardware zu vermeiden. Spätestens bei 65°C (Desktop) bzw. 95°C (Notebook) sollte die Vernunft siegen und die Kühlung überprüft und ggf. verbessert werden.

Stellt ihr Fehler oder Abstürze fest, senkt den RT um 5 MHz bzw. den Multiplikator um 0,5 und testet erneut bis ihr keine Fehler mehr feststellen könnt.

Anmerkung: Die Überprüfung mit Prime95/LinPack gibt keine 100%ige Sicherheit. Stellt ihr beispielsweise erst beim spielen Fehler fest, benutzt das Spiel eurer Wahl als Instrument zur Überprüfung auf Stabilität.
 
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AW: [How-To] AMD Prozessoren übertakten

Übertakten einer Sockel 939 CPU​


1. Benötigte Programme:
Programm zum auslesen der CPU-Temperatur:
  • Speedfan, AMD Overdrive, Everest (Aida), Coretemp
Programm zum Auslasten der CPU (prüfen auf Stabilität und zum feststellen der Leistungssteigerung)
  • 3DMark, Cinebench, keine Grafikbenchmarks wie Heaven Benchmark

2. Vorbereitung
Wie bei einem Experiment in der Schule bedarf es einer guten Vorbereitung und einer sauber durchgeführten und protokollierten Arbeit damit das Resultat stimmt. Aus diesem Grund sammelt ihr als erstes die wichtigen Infos über eure CPU. Dazu empfiehlt sich eine Tabelle.


Diese Daten findet ihr zu eurem Modell auf der Herstellerseite oder in einer Datenbank z. B. auf CPU-World.com


Erklärungen:

Referenztakt:
  • beträgt bei allen CPUs 200 MHz
Multiplikator:
  • errechnet sich aus CPU-Takt / 200
HyperTransport
  • beträgt bei allen Modellen 1000 MHz (Referenztakt*5)
Speichertakt:
  • Sockel 939 unterstützt maximal DDR-400, daher wird in diesem Beispiel von diesem Speichertyp ausgegangen


3. Durchführung
Im Bios solltet ihr folgende Einstellungen ändern:
  • Cool’n’Quiet deaktivieren
  • Vcore von [Auto] auf den ab Werk festgelegten Wert setzen
  • PCIe Takt auf 100 MHz fixieren
  • AGP Takt auf 66 MHz fixieren
  • PCI Takt auf 33 MHz fixieren
Jetzt solltet ihr euch abermals eine Tabelle erstellen (auf einem anderen PC oder auf einem Blatt Papier) die dem nachfolgenden Layout entspricht:


Hier werden die Parameter eingetragen die ihr später verändern wollt. Ihr könnt dabei auch Formeln verwenden. Das erleichtert die Schreibarbeit bei den nächsten Schritten. Mit welchem Programm ihr Stabilität und Leistungssteigerung prüft bleibt euch überlassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass 3DMark06 reproduzierbare Ergebnisse liefert (die Streuung zwischen mehreren Messungen ist sehr gering) und ein zu hoher Takt kann durch sinkende Ergebnisse erkannt werden.


3.1 Der Speicherteiler
Der Speicherteiler ist beim Sockel 939 sehr kompliziert. Ohne Hintergrundwissen solltet ihr nicht über den RT übertakten. Aus diesem Grund hier eine kleine Speicherteilerkunde:


Der Speicherteiler ist eine ganze Zahl, die die Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers festlegt. Er berechnet sich aus Standard CPU-Takt geteilt durch I/O-Takt. In den meisten Fällen ergibt sich daraus eine gebrochen rationale Zahl. Diese wird immer aufgerundet, und das ist euer Speicherteiler.

Der Speicherteiler selbst kann nicht eingestellt werden, nur die Speichergeschwindigkeit. Anhand des Standard CPU-Takt ermittelt das Bios den Teiler nach oben stehender Formel.

Aber: Nicht jede CPU mit 2400 MHz und DDR-400 hat einen Speicherteiler von 12. Ein Athlon 64 3000+ auf 2400 MHz (9x267) übertaktet würde mit DDR-534 laufen. Warum ist das so: Der Speicherteiler hängt nicht vom aktuellen sondern vom Standard CPU-Takt ab. Ab Werk hat ein Athlon 64 3000+ 1800 MHz. 1800/200 ergibt 9 also beträgt der Speicherteiler 9, auch bei 2400 MHz. 2400/9 ergibt 267, also läuft der Speicher mit DDR-534. Dadurch wird der Speicher übertaktet und es kann zu Fehlern kommen. Also muss der Speicher im Bios soweit herabgesetzt werden, bis er unterhalb von 200 MHz liegt. Stellt man DDR-333 ein, ergibt sich 1800/166 macht 10,8 also gerundet 11. Damit läuft der Speicher auf 2400/11 = 218 MHz (DDR-436), also immer noch zu schnell. Die nächst niedrigere Stufe ist DDR-266. 1800/133 = 13,5 also 14. 2400/14 = 171 also läuft der Speicher als DDR-343.

Wem Mathe nicht so liegt, der kann mit dieser interaktiven Grafik seinen Speichertakt berechnen lassen.

Hinweis: Ältere CPUs erlauben keinen Speicherteiler der kleiner ist, als der Multiplikator der CPU. Es funktioniert aber bei neueren Revisionen (E3; E4; E6) in Kombination mit neuen Boards.


3.2 Übertakten durch anheben des Referenztaktes
Diese Art des Übertaktens ist bei jeder CPU möglich, da es keine festen Grenzen für diesen Wert gibt, i.d.R. lässt sich im Bios theoretisch ein Wert bis 400 MHz einstellen. Durch erhöhen des Wertes verändert sich aber auch der HT und die Speichergeschwindigkeit. Da es keinen Leistungsverlust zur Folge hat, wird zuerst der Multiplikator des HT um eine Stufe herabgesetzt. Damit ist sichergestellt, dass eventuelle Fehler oder Abstürze nicht auf einen zu hohen HT Takt zurückzuführen sind.


Unter der Annahme, dass DDR-400 verwendet wird, muss auch der Speicher heruntergetaktet werden. Dies hat einen leichten Leistungsverlust zur Folge, jedoch wird im weiteren Verlauf durch angeben des RT auch der Speicher wieder schneller.


Jetzt ist sichergestellt, dass durch Erhöhung des RT der HT und der Arbeitsspeicher nicht außerhalb ihrer Spezifikationen laufen. Somit kann mit der Erhöhung des RT begonnen werden. Ich empfehle die Erhöhung in 5 MHz Schritten. Dazu stellt ihr im Bios 205 MHz ein, bootet und lasst euren Benchmark laufen. Stürzt der Rechner nicht ab und das Ergebnis verbessert sich, kann wieder um 5 MHz erhöht werden.

Hinweis: Der Taktgeber für den RT ist der Chipsatz (Northbridge). Dieser entwickelt durch höhere Taktraten ebenfalls mehr Abwärme.


Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem der Takt zu hoch ist. Dies macht sich durch Abstürze, Bildfehler, Freeze oder einer sinkenden Leistung bemerkbar. Für das weitere Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Möglichkeit: Die Spannung der CPU (Vcore) erhöhen und erneut probieren
  2. Möglichkeit: Mit dem Ergebnis zufrieden geben (weiter bei Punkt 4)
Wer sich für 1. entscheidet, nimmt einen deutlich höheren Stromverbrauch und die Gefahr in kauf, dass die CPU den Gewährleistungszeitraum nicht übersteht.



Beim erhöhen des Vcore sollte niemals um mehr als 10% erhöht werden. Bei 1,35V macht dies 1,485V. Die entsprechende Spannung wird im Bios eingestellt und erneut getestet. Läuft der Rechner trotz Spannungserhöhung nicht stabil, kann die CPU den hohen Takt nicht (weiter bei Punkt 4). Läuft der Rechner durch die Spannungserhöhung wieder stabil, kann der RT weiter in 5 MHz Schritten angehoben werden, bis das System abermals instabil wird.


Die Spannung könnte abermals angehoben werden, um den Rechner möglicherweise noch weiter zu übertakten. Davon kann ich aber nur abraten.

Hinweis: Je nachdem wie gut eure CPU ist, kann es vorkommen, dass der HT durch erhöhen des RT wieder über 1000 MHz steigt. Wie bereits beschrieben wird der Multiplikator um eine weitere Stufe auf 3 (600 MHz) gesenkt. Anschließend kann der RT weiter erhöht werden.


3.3 Übertakten durch anheben des Multiplikators
Für Sockel 939 gibt es keine CPU mit nach oben offenem Multiplikator, daher ist dieser Weg des Übertaktens nicht möglich.


4. Prüfen auf Stabilität
Jetzt wisst ihr, bei welchem Multiplikator oder RT eure CPU den letzten fehlerfreien Durchlauf schaffte. Da ein Benchmark die CPU aber nur wenige Minuten belastet, ist dies keine Garantie, dass die CPU auch eine Dauerlast auf dieser Stufe ohne Fehler übersteht. Daher sollte mit verschiedenen Mitteln wie Prime95 oder LinPack (LinX; Intel Burn Test) eine unnatürlich hohe Last simuliert werden. Ab wann ein System als stabil bezeichnet werden kann ist je nach Programm sehr unterschiedlich. Prime95 sollte min. 4 Stunden laufen. Erfahrungsgemäß geht die Überprüfung mit LinX um ein vielfaches schneller.

Eigentlich ist LinX ein Benchmark, der die Leistung des Prozessors in Flops misst. Dabei erzeugt der Benchmark eine deutlich höhere Beanspruchung des Prozessors, wodurch Fehler schneller entdeckt werden als bei Prime95.


Das Programm ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Eingestellt werden kann wie viel Arbeitsspeicher genutzt wird, und ob der Test eine festgelegte Zeit (in Minuten) oder aber xx Durchläufe absolvieren soll. Wer nur auf Stabilität testen möchte sollte ca. 30 - 60 Minuten einstellen. Wer das Programm als Benchmark verwenden will, sollte etwa 10 Durchläufe wählen.


Wie in diesem Beispiel zu sehen ist, variieren die Ergebnisse ein wenig. 7.9185 bis 7.9679 GFlops wurden gemessen. Die Abweichung beträgt also 7.9432 ± 3,1%. Eine Abweichung bis 5% ist ok, Werte die deutlich über oder unter den Durchschnitt liegen, sollten einfach gestrichen werden bei der Berechnung des Mittelwertes. Der Mittelwert wird nicht aus dem minimalen und maximalen Wert gebildet, sondern aus allen Werten (abzüglich der Ausreißer). Also alle Ergebnisse addieren und durch die Anzahl teilen. In diesem Beispiel ist der Mittelwert 7.9507. Nach dem übertakten führt man die Messung abermals durch und kann so den Geschwindigkeitszuwachs abschätzen.

Bitte achtet auf eure Temperaturen beim testen. LinX und andere Programme erzeugen unnatürlich hohe Lasten was zu utopischen Temperaturen führen kann. Bereits nach 3 Minuten heizte sich mein Notebook sehr stark auf:

Anmerkung: Macht euch schlau, welche maximale Temperatur euer Prozessor verträgt. Wird beim Test die Temperatur überschritten, brecht den Test ab um Schäden an eurer Hardware zu vermeiden. Spätestens bei 65°C (Desktop) bzw. 95°C (Notebook) sollte die Vernunft siegen und die Kühlung überprüft und ggf. verbessert werden.

Stellt ihr Fehler oder Abstürze fest, senkt den RT um 5 MHz bzw. den Multiplikator um 0,5 und testet erneut bis ihr keine Fehler mehr feststellen könnt.

Anmerkung: Die Überprüfung mit Prime95/LinPack gibt keine 100%ige Sicherheit. Stellt ihr beispielsweise erst beim spielen Fehler fest, benutzt das Spiel eurer Wahl als Instrument zur Überprüfung auf Stabilität.
 
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