Ich habe von gestern bis heute einen Webcomic quasi verschlungen. Er heißt Orange Marmalade.
Was gefiel mir?
Ganz klar die Optik! Wie bei den meisten Webcomics ist sie sehr gut und qualitätsmäßig mindestens zehn Nummern besser als irgendwelche eingescannten Mangas. Der Zeichenstil schwankt je nach Atmosphäre zwischen, äh, realistisch (normale und ernste Atmo) und Comic-haft (bei irgendwas lustigem). Das passt auch sehr gut und der Comic-Look wird auch wirklich nur in passenden Momenten eingesetzt.
Die Story fällt in die Genres Romanze und Drama, mit einem kleinen Kniff: Die Hauptprotagonistin ist ein Vampir. Interessanterweise wird sie nicht - wie woanders - als blutrünstige Überwesen dargestellt sondern als ganz normales Mädchen mit ein paar für ihre Spezies typischen Problemen. Denn Vampire leben theoretisch gleichberechtigt neben den Menschen, praktisch werden sie aber von diesen aufgrund ihrer Natur gehasst. Und so kapselt sie sich weitgehend ab, bis dann.. na ja, ein paar Dinge passieren. Ich will jetzt nicht spoilern.

Eigentlich ist es die typische Geschichte, dass irgendjemand sich nicht gut genug für die Welt fühlt und daher psychologisch und emotional zurückzieht, um dann durch irgendwas langsam wieder aus sich herauskommt.
Allerdings, und das ist ein Negativpunkt, dauert es recht lange. Die Geschichte zieht sich etwas. Man bekommt zwar meistens keine Filler vor die Nase gesetzt, aber die Antworten auf wichtige Fragen werden immer erst 10 Kapitel später beantwortet. Ok, es ist ein typisches Mittel, mit dem der Autor versucht, die Kundschaft an sich zu binden. Ich verstehe das und er schafft es auch meistens den Leser bei Laune zu halten. Darin ist er eigentlich recht gut.
Was gibt es noch zu sagen? Ah, die Charaktere. Eigentlich das Wichtigste!

Ja, es ist Charakterentwicklung erkennbar. Dieser Webcomic lebt gewissermaßen davon. Und das beste: Meistens ist es nachvollziehbar. Die Hauptpersonen werden so dargestellt, dass man sich recht gut in sie hinein versetzen kann. Und dann versteht man auch, warum sie so handeln, wie sie handeln. Netterweise werden die Klischees auf annehmbar niedrigen Niveau gehalten. ZB gibt es eine Tsundere und die macht, was Tsunderen eben machen. Aber sie ist nicht so dermaßen ausgeflippt und überdreht wie zB in vielen Mangas und Animes.
Und! Ganz! Wichtig! Die Hauptprotagonistin ist kein Vollidiot! Auch sonst laufen da eigentlich nur Leute rum, die man auch ernst nehmen kann.
Das führt mich zu einen weiteren Punkt, der für mich bei einer Geschichte wichtig ist: Sie ist glaubwürdig.
Oft dreht ein Autor irgendwann in der Mitte der Story völlig am Rad und die Dinge ufern dann aus. Und meisten bekommen er das nicht wieder unter Kontrolle. Am Ende dann hat er sich dann immer in eine Ecke manövriert, in der alles unglaubwürdig ist und die Charaktere extreme Handlungen machen. Hier in diesem Comic ist das nicht so. Es läuft alles relativ gleichmäßig in einer für manche recht langsamen Geschwindigkeit.
Mir gefällt der Comic aber gut genug, dass ich ihn hier erwähne.
PS: Warum das Ding "Orange Marmalade" heißt, hab ich immer noch nicht herausgefunden. Vielleicht ist es ein Wortspiel.