MountWalker schrieb:
Und das BGE hilft eben dem, der auf dem Bildungswettlauf verloren hat, wieder auf Augenhöhe mit dem dann vielleicht nicht mehr so respektlosen "Bildungsbürger" zu verhandeln.
Aha, definier doch mal "Bildungswettlauf verloren".
Ich hatte Typen in meiner Klasse, das kannste eigentlich keinem erzählen.
Bei einem sah jedes Diktat nach der Korrektur aus wie eine Ansammlung roter Wellen, auch in anderen Fächern wars nicht so dicke. Er hat mit Hängen und Würgen seinen Realschulabschluss... heute ist er Meister mit eigener Firma, n paar Angestellten,...
Der nächste? Immer Schwierigkeiten bei verschiedenen Fächern, vor allem Sprachen, aber auch Naturwissenschaften. Heute ist er Industriemeister, wenn auch nicht mit eigener Firma.
Ein anderer, der nur Faxen im Kopf hatte und ebenfalls 4en gesammelt hat, hat heute ne nette nicht zu kleine Familie und einen schönen Job mit guten Arbeitszeiten und genug Geld, um seine Kinder zu versorgen. Jedes Mal wenn wir uns irgendwo zufällig über den Weg laufen hat er zwar weniger Haare, dafür ein breiteres Grinsen.
Es ist keineswegs so, dass schlechte schulische Leistungen so bleiben müssen. Bei jedem von diesen Fällen hat es dann gezündet, als sie in der Lehre waren und tatsächlich mal gesehen haben, wofür all das Zeugs gut sein könnte. Wozu war Mathematik noch einmal? Genaaau, den Dreisatz braucht man dann, wenn man eine Rechnung schreibt und dem Kunden Rabatt gewährt. Physik? Nun, der tiefere Nutzen der Thermodynamik erschließt sich dann, wenn man sich an einem Blech die Pfoten verbrannt hat, obwohl die Schweißflamme n Meter weit weg ist.
Also komm mir nicht mit Bildungselite oder Bildungswettlauf. Deutschland hat mehr als genug freie Ausbildungsstellen im Handwerk. Manche sind attraktiver als andere, aber allen ist eins gemeinsam: Sie bilden einen verdammt guten Ansatzpunkt, um danach BESSER zu werden. Du bleibst nicht ewig nur ein einfacher Blechfuzzi, der gerade so die Abkantpresse bedienen kann. Wenn du Willen zeigst, dann darfst du irgendwann den Laser bedienen. Ist DAS nicht cool? Dann machste noch in Eigenbemühung deinen Techniker oder Meister und BÄM. 3er Realschulabschluss, und plötzlich könnt man sogar noch an ne FH gehen...
Die, die den angeblichen Bildungswettlauf verloren haben, haben ihn aus eigenem Antrieb, bzw. aus Mangel an Antrieb, verloren. Muss man denen dafür auch noch gratulieren? Muss man ihnen dafür noch Zucker in den Arsch blasen?
Wenn ich ganz einfach keine Stelle als Arzt finde, weil es keine gibt
Schlechtes Beispiel: Sags doch realistisch... Du findest keine Anstellung in einem hübschen Krankenhaus. Den Stress, der hinter einer eigenen Praxis auf dem Land steckt, willst du nicht. Da gibt es extremen Nachwuchsmangel.
Wichtig ist beim BGE, dass ich das darf, ohne nachweisen zu können, dass sich diese Beschäftigung finanziell rechnet - denn so einen Nachweis kann man nunmal nicht vorher festlegen
Jede Beschäftigung, bei der du nicht nur drauf zahlst, lohnt sich, denn sie entlastet das Sozialsystem. Und selbst wenn du dich selbständig machst und die ersten 2 Jahre nur Miese einfährst: auch das akzeptiert die ARGE.
Du umgehst hier schon wieder das Missbrauchspotential. Du gehst von dir aus. Du bist "lass uns TNT verwenden, um leichter Bergbau zu betreiben".... Leider gibts eben verdammt viele Menschen, die eher so sind: "TNT? Cool, das ist viel brutaler als Wurfspeere!"
Ihr glaubt felsenest, dann würden alle nur auf der Couch sitzen, ich und andere BGE-Befürworter glauben das nicht - wer von uns Recht hat, können wir aber unmöglich nachweisen
Ich glaube an das Egoistische im Menschen... Es ist evolutionär begründet und bisher hat mir die Geschichte Recht gegeben.
Marxismus-Leninismus-Stalinismus hatte jedenfalls einen Arbeitszwang und es wurde auch noch von einem Zentralkomitee festgelegt, wer als was zu arbeiten hat
Öhm. Nein.
Die DDR hatte in RECHT auf Arbeit, das war natürlich wirtschaftlicher Blödsinn. Du hattest aber genauso das Recht, Hausfrau und Mutter (bzw. Hausmann und Vater) zu sein. Nur war die Kinderbetreuung so gut, dass kaum jemand auf seine Arbeit verzichtet hat.
Und kein ominöses ZK hat meine Eltern dazu gezwungen, das zu studieren, was sie eben studiert haben.
Übrigens war die DDR eine Industrienation. Obwohl uns die Russen nach dem 2.WK quasi alle Maschinen geklaut haben, während die BRD im Marschallplan schwamm, war die Produktivität die höchste des gesamten Warschauer Paktes. Unsere Waren waren so gut, dass die besten Produkte nach Westen gingen um mit den erzielten Devisen die Soviets zu stützen.
Verschiedene Punkte, die während der DDR-Zeit aufgelaufen sind, geben mir aber wieder Recht: Der Mensch ist ein Egoist. Er ist für Sozialismus ungeeignet.
Gib einem Menschen ein halbes Brot, und er wird dich verprügeln, damit du ihm die andere Hälfte auch noch gibst.
MountWalker schrieb:
Und nicht jeder BGE-Gegner ist einer Besserung für Niedriglöhner aufgeschlossen - siehe Daaron
Natürlich nicht. Es muss einen Niedriglohnsektor geben, sonst gäbe es keinen Mittelstand und keine Oberschicht. Niemand wäre mehr motiviert, MEHR zu erreichen. Warum soll ich 10 Semester für mein Diplom ackern, wozu noch ein paar Jährchen für meinen Doktor dran hängen? Am Ende krieg ich nur 50% mehr als Henry Hartz, der nach der 7. Klasse abgegangen ist und 8 Kevins gezeugt hat.
Zoff im Paradies - Eine Langzeitbeobachtung im Nordosten Brasiliens
Gestern abend auf 3sat. Da gibts doch tatswahrhaftig Brasilianer, die haben ein Smartphone aber kein fließend Wasser - was für ein Erkennungszeichen für finanziell entspanntes Leben....
Über die Verhältnisse im Ausland, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländer, brauchen wir wohl kaum zu reden. Wir haben eine DEUTSCHE Situation, wir müssen sie mit DEUTSCHEN Mitteln lösen.
Sonst könnt ich auch sagen: Hey, was wollt ihr? Im Sudan haben die Leute noch viel weniger als ihr Hartzer, aber die leben doch auch noch.
Aber was hindert die Brasilianer z.B. daran, ihre Smartphones auf eBay zu verticken und mit dem gesammelten Geld eine solarbetriebene Meerwasserentsalzung zu kaufen? Was hindert sie, mit dem Geld auszuwandern? Was hindert sie, in bessere Gegenden umzuziehen?
Übrigens ist nicht Smartphone = Smartphone. Du wirst wohl kaum ein kleines Singlecore-Ding mit Android 2.x im Wert von 50€ mit nem aktuellen iPhone oder Galaxy vergleichen, oder?
Zwenner schrieb:
Noch dazu würde ich mich sehr schwer tun, als Facharbeiter mit Berufserfahrung für 1200€ Brutto arbeiten zu gehen, noch dazu in einer Branche - wo doch angeblich dringend qualifizierte Facharbeiter gesucht werden. Verarschen kann ich mich alleine.
...und genau weil du nicht arbeiten WILLST wirst du eben gezwungen.
Solltest du Bedürftig sein, dann ist es deine einzige Aufgabe, diese Bedürftigkeit mit allen Mitteln zu beenden. Du hast keine andere Aufgabe. Du musst deinen Kindern keine neuen Spielkonsolen schenken. Du musst deine Frau nicht nach Teneriffa fliegen.
Das heißt: Du arbeitest gefälligst ein paar Monate für 1200 Brutto, sicherst damit erst einmal deine Existenz ab und nutzt die gewonnene Zeit, um dich nach etwas besserem umzusehen.
Kleines Geheimnis aus dem Leben: Aus einer Anstellung heraus bewirbt es sich viel erfolgreicher. Du hast insgesamt bessere Chancen auf die innere Auswahl, außerdem noch bessere Karten bei der Lohnverhandlung.
Also: Ja, du arbeitest für 1200€.... denn es ist nur eine Übergangsphase, bis du wieder deine 2500€ einstreichst.
Wenn du diese Übergangsphase nicht willst: Tja, nicht mit Mutti, nicht auf Staatskosten. Keine Sozialförderung für dich. Du könntest ja, du willst nur nicht.
Ein unattraktiver Job wäre für mich zum Beispiel vom überbezahltem Tontechniker mit Nebengewerbe auf einen 2,50€ Job als Call-Center-Agent für Bofrost umsteigen zu müssen, ums verrecken nicht mein Freund (m.M.).
Wenn, dann wärst du ein Callcenter-Mitarbeiter bei BoFrost mit zusätzlichem Nebengewerbe. Wenn du dich nicht zu doof anstellst lebst du davon recht anständig und brauchst nciht einmal aufstocken.
Oder aber, du redest mit der ARGE, lässt dich von denen zu einem Existenzgründerseminar schicken und machst daraus einen Haupterwerb.
Auch so ne Sache, die nie bedacht wird.
Selbst wenn man nicht gerade den Traumjob findet, warum nicht auf eigene Rechnung arbeiten? Warum nicht die Hilfe der ARGE bei der Existenzgründung in Anspruch nehmen? Das Schöne am Kapitalismus: Es gibt für fast alles einen Markt. Wenn es doch noch keinen Markt gibt, dann muss man nur die richtigen Knöpfe drücken, um den Markt zu schaffen.
Apple machen so Milliarden... Vor 10 Jahren gab es noch keinen Markt für Smartphones oder Tablets.