Also in der Lebensmittelwirtschaft, würde ein Lohnanstieg der Mitarbeiter zwangsläufig sich auf den Preis aufschlagen. Frag maln Bäcker, wieviel der an nem Brötchen Gewinn macht.
Haste dich noch nie gefragt, warum es quasi kaum noch klassiche Bäcker gibt sondern nahezu ausschließlich Bäckereiketten? Weil der benötigte Gewinn nur noch über Masse erreicht werden kann, die ein klassischer Bäckereibetrieb niemals erreichen kann. Klar, man könnte argumentieren, dass die Ketten dadurch gezwungen sind, Preise anzubieten, die an sich einer klassischen Bäckerei wieder genügend Gewinn einbringt. Blöd nur, dass die ebenfalls bei Midnestlöhnen diesen zahlen müssten und der Effekt somit verpufft. Sprich, denen bringt es keinen Vorteil, die Bäckereikette wird und muss die Lohnkosten an den Kunden weitergeben und im Endeffekt habe ich nur ein teureres Brötchen ohne irgendwas erreicht zu haben. Die Lebensmittelbranche ist voll von solchen Beispielen. Milchbauern würden Mindestlöhne auch nix bringen, diese müssten den genauso weitergeben, da dort kaum Gewinnmarge vorhanden ist. Die Diskussion dazu ist keine 2-3 Jahre her.
Wo du recht hast ist, dass nicht alles teurer werden muss. Das ist absolut richtig. Insbesondere Luxusgüter und Elektronik wird davon so gut wie nicht betroffen sein. Luxusgüter nicht, weil die Gewinnspanne hoch genug ist, Elektronik daher, da diese nicht in DE gebaut wird und mit Mindestlöhnen auch noch vermehrt wieder ins Ausland gehen wird, wie viele andere produzierende Gewerbe, die ihre Produkte nicht in Deutschland produzieren müssen.
Bei Dienstleistungen kommt es wiederrum auf die Dienstleistung an. Viele Dienstleistungsunternehmen zahlen ohnehin höhere Löhne (Banken, Versicherungen etc.) dort wird die Auswirkung eher gering sein. Bei Servicemitarbeitern in Hotlines und vorallem Dienstleistungen wie Friseur wird es jedoch deutlich teurer werden. Bei Friseur bedeutet das höherer Preis für den Schnitt, bei Service vermutlich schlicht Abbau desselben.
Ich weiß nicht ob dus inzwischen selbst gemerkt hast. Du hast recht, es wird nicht alles teurer werden. Aber vornehmlich die Sachen werden teurer werden, die man im alltäglichen leben nicht ersetzen oder auf die man verzichten kann. Insbesondere in der Lebensmittelbranche sind die Gewinnmargen nicht sonderlich hoch. Ein Mindestohn wird dort defenitiv zur Teuerung führen. Auf Nahrung kann nur blöderweise keiner verzichten.
Zudem kommt hinzu, dass auch in dieser Branche das Ausland dann erst recht billiger produzieren kann und wir es importieren. Dann werden die Lebensmittel vll. nicht soviel teurer. Aber die einheimische Lebensmittelindustrie wird ausbluten mit der Folge, dass es noch weniger Arbeitsplätze gibt und ökologisch betrachtet ist es eine Katastrophe.
Ja stell dir vor, wir müssen uns internationaler Konkurrenz stellen. Nahezu alles kann voranders hergestellt werden und dann importiert. Dienstleistungen können zu einem gewissen grad ebenfalls ausgelagert werden.
Mit anderen Worten, dass alles hat 2 ganz massive Probleme. Einerseits eine Verteuerung, da nicht alle Branchen die steigenden Lohnkosten aus ihrer Gewinnmarge herausrechnen können, selbst wenn sie das wollten. Zum anderen die internationale Konkurrenz, die solch hohen Löhne nicht mitgehen muss und damit letzlich günstiger produzieren kann.
Und jetzt kommen wir zu dem Thema was Daaron angesprochen hat, warum Marx längst nicht mehr so einfach anwendbar ist: Der Import aus der ganzen Welt stellt heute dank technischem Fortschritt überhaupt gar kein Problem mehr dar im Gegensatz zu Marx Zeiten. Deswegen lassen sich seine Theorien eben nicht mehr einfach 1 zu 1 anwenden, weil sie derlei Problematik schlicht nicht behandeln, weil es sie damals in diesem Umfang nicht gab. Zu Marx Zeiten war es undenkbar frische Lebensmittel zu importieren. Dadurch stellten internationale Produzenten auf dem Gebiet auch keine Konkurrenz dar. In Zeiten, wo frische Rosen aus Südamerika, Obst und Gemüse aus der ganzen Welt, selbst frischer Fisch und Fleisch binnen eines Tages um die ganze Welt verschickt werden können, tun sie das aber.
Zwenner schrieb:
Dann müssen sich die Akademiker und hochbegabten Politiker eben etwas einfallen lassen, dass es funktioniert. Dafür sind sie u.a da.
Das ist, mit Verlaub, das unsinnigste, was ich in diesem Thread bisher lesen musste. Manches funktioniert eben nicht. AUch ein Akademiker oder Politiker kann die Konkurrenz aus anderen Ländern nicht einfach wegzaubern. Es gibt einfach Dinge, die außerhalb der Sphere liegen, die irgendjemand beeinflussen kann. Die Physik kann auch kein noch so intelligenter Physiker ins Gegenteil verkehren. Genauso wenig kann irgendwer bestimmte Dinge einfach wegzaubern, damit ein Wunschtraum Wirklichkeit werden kann.
Und ja wir haben natürlich eine Inflation. ISt ja auch kein Wunder, die Weltwirtschaftskraft wächst ja auch immer weiter an, die Geldmenge wächst und das verursacht Inflation. Diese Inflation sollte und ist auch weitestgehend an diese Wachstum angepasst. Wenn nicht, siehe Blasen wie 2008 oder um die Jahrtausendwende. Dann bereinigt sich das System, wenn zuviel nicht reale Werte erzeugt werden.
Die Industrie droht nicht nur damit, sie tut es. Deutschland war eine der Industrienationen schlechthin. Inzwischen sind wir mehrheitlich eine Dienstleistunggesellschaft. Warum? Weil die Industrie abgewandert ist. Kohle? wird künstlich am Leben erhalten, ohne Hilfe könnte die Kohleindustrie Deutschlands nicht überleben. Fahrzeuge? Ja, ein paar werden noch hier produziert. Aber sämtliche Marken produzieren auch im Ausland. Warum? Weil es unmögliche wäre, Gewinne zu erwirtschaften, wenn die Produktion komplett in Deutschland liegen würde. Schiffsbau? Geht noch einiger Maßen, weil hier sehr viel Knowhow von Nöten ist. Aber der Druck aus Asien wächst beharrlich. Soweit ich weiß stammen aus Deutschland auch vornehmlich auch die Luxusschiffe, die Arbeitsschiffe eher aus Asien. Selbst hier mehr der Wandel zur Dienstleistung. Welche Industie bleibt da noch? Öl hatten wir nie wirklich, Gas spielt auf dem Weltmarkt auch keine große Rolle, Deutschland mangelt es hier schlicht an natürlichen Ressourcen. Mehr an wichtiger Industrie fällt mir da nicht ein. Metallindustrie ist noch da, aber auch hier spielen wir im Vergleich zu Asien oder Amerika kaum eine Rolle. Eines bleibt noch: die Chemieindustrie. Hier ist sehr viel knowhow nötig und vorallem braucht es hier beständig Forschungsarbeit. Das ist eine der wenigen Beispiele, wo ein abwandern eher nicht zu befürchten ist. Das wars dann aber auch schon. Da ist nicht viel übrig geblieben von der ehemals großen Industrienation Deutschland. Wir sind eine Dienstleistungsnation, keine Industrienation mehr und dieser Wandel ist wohl auch unumkehrbar.
Von daher würde ich sagen, die Indsutrie hat nicht nur gedroht, sie hat sich zum Teil überlebt und zum Teil die Drohung war gemacht.