„Aber doch nix gelernt in der Zeit...“
Wenn deine erste Reaktion auf kritische Auseinandersetzung ein flapsiger Spruch ist, disqualifizierst du dich schon selbst aus einer ernsthaften Diskussion. Aber der Reihe nach:
„Ist es nicht so, dass ALLE Spiele von den Änderungen betroffen sind?“
Ja, es betrifft auch andere Borderlands-Titel – das ändert aber nichts an der
besonderen Brisanz im Fall von
Borderlands 2. Warum?
Weil es ein
über zehn Jahre alter Titel ist, den viele als
abgeschlossenes Produkt sehen. Dass man hier nachträglich eine Zustimmung zu neuen Bedingungen erzwingt –
und den Zugang verweigert, wenn man nicht zustimmt – ist ein klarer Bruch mit dem, was Spieler unter einem gekauften Spiel verstehen. Und das ist der Kern der Kritik.
„Mods wären nicht betroffen, alles Fake News“
Falsch. Die EULA
schließt den Gebrauch von Drittsoftware und Modifikationen aus, wenn sie als „unauthorisierte Tools“ gelten. Natürlich steht da nicht explizit „Mods verboten“ – aber durch die schwammige Formulierung
wird eine rechtliche Grauzone geschaffen, die willkürlich ausgelegt werden kann.
Modder, die z. B. grafische Anpassungen oder Komfort-Mods nutzen,
müssen nun damit rechnen, dass ihre Tools theoretisch gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen – selbst wenn das nicht aktiv durchgesetzt wird. Das ist keine „Fake News“, sondern juristisch relevanter Graubereich.
„Das ist kein Vertrag“ / „Unwirksame Klauseln sind ungültig“
Natürlich ist die EULA
vertraglich bindend, sobald du sie akzeptierst – das ist juristischer Standard. Und natürlich kann man
im Nachhinein ungültige Klauseln prüfen lassen – aber nur vor Gericht, und auch nur dann, wenn du überhaupt die Ressourcen und das Wissen hast, das durchzusetzen.
Für den durchschnittlichen User gilt:
Zustimmen = Spiel nutzen, Ablehnen = kein Zugriff.
Das mag juristisch formal „bereinigt“ sein, aber der Effekt auf die Nutzer ist trotzdem faktisch: Zustimmung unter Zwang oder Spielverlust.
„Alle Publisher machen das, interessiert sonst niemand“
Stimmt nur zur Hälfte. Ja, andere Publisher haben ähnlich aufgeblähte EULAs. Aber
nicht alle blockieren retrospektiv den Zugang zu bereits gekauften Spielen, wenn du ihnen nicht erneut zustimmst.
Der Unterschied ist nicht die Länge der AGB – der Unterschied ist, dass hier ein
bestehender Zugang an neue Bedingungen geknüpft wurde.
Und genau das hat diesen „Hate-Train“ in Gang gesetzt – zu Recht.
„Ist doch längst normal – seit Jahrzehnten“
Mag sein, dass viele Nutzer sich an fragwürdige Praktiken gewöhnt haben – das macht sie aber nicht weniger problematisch.
Wenn niemand mehr aufsteht,
weil es „eh normal ist“, haben die Konzerne endgültig freie Bahn.
Der Sinn von Kritik ist nicht zu sagen:
„Das war schon immer so“ – sondern:
„Es war noch nie okay.“
„Glaub nicht alles, was du auf Reddit liest“
Vollkommen richtig – sollte man nicht. Aber in diesem Fall reden wir nicht über Meinungen, sondern über
tatsächlich durchgesetzte Maßnahmen und
nachlesbare Dokumente.
Die Fakten liegen offen – dass sie von der Community als problematisch eingestuft werden, ist kein Reddit-Mob, sondern der Ausdruck einer informierten Spielerschaft, die
zurecht skeptisch ist, wenn Geschäftsbedingungen plötzlich unter Androhung des Zugriffsverlustes durchgedrückt werden.
Fazit:
Wer solche Maßnahmen verteidigt oder kleinredet, weil „alle das machen“, gibt seine eigene Konsumentenhaltung kampflos auf. Ich bin nicht hier, um zu hetzen – aber auch nicht, um das still hinzunehmen. Und ganz sicher nicht, um mir von Leuten sagen zu lassen, ich hätte „nichts gelernt“, nur weil ich gelernt habe, mich nicht verarschen zu lassen.