Hier kommen wir wieder auf dem Boden der Tatsachen an. Und wie das bei Tatsachen nunmal so ist, sind sie unbequem, sogar lästig und werden gerne ausgeblendet.
Thema Europa: Ich denke, im Verhältnis zu den USA spielt ein Minderwertigkeitskomplex mit - damit führe ich ja keinen neuen Gedanken ein, sondern wiederhole deinen, Tiguar.
Aber woher kommt der? Sind wir nicht wirtschaftlich, technologisch und auch nach der Gesamtfläche gerechnet nicht ebensoviel Weltspitze wie auch die USA oder etwa "Asien" (das mir trotz allem geeinter scheint als Europa, was aber auch ein Trugschluß sein könnte)?
Sind wir nicht Träger eines beeindruckenden Kulturerbes? Verfügen wir nicht über langjährige diplomatische "Front"-Erfahrung aus dem Kalten Krieg?
Dieses "wir" ist ein europaisches Wir. Aber so lange
dieser elende Haufen Kleinkrämer es nicht schafft, dieses Wir wirklich zu einer gemeinsamen Sicht der Dinge zu machen, wird es beim separatistischen Europa bleiben. Ich wollte ja vermeiden, jetzt Churchill zu bemühen, aber an dieser Stelle drängt sich seine Rede geradezu auf:
by Sir Winston Churchill
United we stand, divided we fall.
Das Zitat brachte er - soweit ich weiß - , um die Alliierten zu Alliierten zu machen und auf den Krieg gegen Hitler einzuschwören.
Ich denke, dieses Zitat greift auch und besonders in Friedenszeiten, speziell in unserer Zeit. Ein Europa, das an einem Strang zieht und seine globalen Interessen kennt und wahrnimmt, hätte den USA in diesem Fall sogar in dem Arm fallen können - was ich aber unklug gefunden hätte. Doch selbst ein Bush hätte sich vor diesem fiktiven Europa verantworten müssen und wäre auf diesem Wege wahrscheinlich zu einem völkerrechtlich verträglichen Vorgehen gezwungen gewesen. Damit meine ich nicht, daß eine Entmachtung Saddams damit entfallen wäre, ich war im Prinzip ja auch immer dafür - wer nicht glaubt, kann ja meine Posts recherchieren.
Dieser Thread soll der Fehlersuche dienen. Die Fehler der USA im Allgemeinen und Bushs im Besonderen sind inzwischen mehrfach richtig benannt worden. Hier haben wir mal einen europäischen Fehler entdeckt.
Es sind nichtmal allein die Politiker, die ob ihrer Machtversessenheit keine Kompetenzen abgeben wollen. Es sind die Wähler, die sich um Europa-Themen (Verzeihung) einen Dreck scheren - darauf reagieren die Politiker natürlich entsprechend. Ich erinnere an die übliche Wahlbeteiligung bei Wahlen zum Europaparlament. Drohte die Zahl nicht, unter 30% zu fallen?
Das läßt sich nicht mit Politikverdrossenheit entschuldigen. Hier hätten wir alle es in der Hand, Europa wenigstens in unserem Land mehr Gewicht zu verleihen, es ernster zu nehmen.
Da hätten wir auch mal ein Thema erwischt, bei dem mir der außenpolitische Kurs der 16jährigen CDU/CSU-Administration besser gefallen hat als der heutige.
Ich bin weit davon entfernt, Europa als außenpolitisches Allheilmittel zu sehen, aber es imo ist der einzige Rahmen, in dem wir uns global wirklich sehen lassen können.
United we stand, divided we fall.