Das der Großteil der Medien nicht unabhängig genug ist, um solche Enthüllungen zu berichten, ist offensichtlich.
Wie haben wir dann von Guantanamo Bay erfahren?
Klar, irgendwie sind die schmutzigen Details nach Außen gedrungen in die Hände von Journalisten o.Ä. geraten. Im Grunde passiert auf Wikileaks nichts anderes, nur eben ohne die Differenzierung und die Gewissenhaftigkeit, die meiner Meinung nach nötig ist.
Wer unter Verwendung erfundener Informationen mutwillig Kriege vom Zaun bricht, die nur dazu dienen, sich Rohstoffe oder den Zugriff darauf zu sichern und dabei ganze Völker auf Jahrzehnte um Jahrzehnte zurückwirft, hat es nicht anders verdient.
Würdest du dich trauen, dies den Angehörigen der Opfer der Anschläge von New York oder Madrid oder der Soldaten, die irgendwo im "Kampf gegen den Terrorismus" oder als Teil von Hilfstruppen ihr Leben gelassen haben, ins Gesicht zu sagen?
Ich nehme an, du willst einfach nur sagen, dass die westliche Welt die Suppe auslöffeln muss, die sie sich eingebrockt hat Und weißt du was? Ich bin da durchaus deiner Meinung. Aber man muss differenzieren. Wenn die schmutzigen Geschäfte einer Regierung offen gelegt werden, dann mag das noch in Ordnung sein, aber ...
Im Moment wird es sehr geschickt verstanden, Wikileaks für eventuelle Gefahren die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Ursache ist aber eine ganz andere und das übersehen die meisten Menschen, aber so ist es ja auch gewollt.
... wenn Menschenleben bedroht oder gar ausgelöscht werden, dann muss doch eine Grenze gezogen werden. Und wenn sich ergibt, dass ein Anschlag oder der Absturz eines Kreditinstitutes unmittelbar auf Veröffentlichungen in Wikileaks zurück gehen, dann kann man nicht einfach sagen, dass all das nicht geschehen wäre, wenn Regierung XY nicht irgendwann Mist gebaut hätte. Dank dem Internet und Wikileaks kann auch die Gesellschaft schnellt in der kausalen Kette auftauchen.
Davon mal ab: Geht es hier einfach nur um "die Welt und die guten Menschen Europas gegen die USA?". Macht ihr euch die Welt so einfach? Die Welt ist nicht schwarz und weiß sondern grau. Die USA sind oder waren vielleicht ein wenig dunkler als manch anderes westliches Land, aber letztendlich stecken auch andere westliche Nationen in diesem Sumpf drin und sind daher alles andere als weiß. An der Stelle ist Wikileaks sogar geeignete,
um das eine der andere ins rechte Licht zu rücken.
Letzte Worte: Assange hat unlängst angekündigt, im Januar brisante Informationen zum Immobilien-Crash zu veröffentlichen. Süffisant meinte Assange, dass diese Informationen den einen oder anderen Big Player in die Tiefe ziehen könnte. So sieht also der Kampf gegen Informationsmonopole und für freie Informationen aus? Leichtfertig, geradezu genüßlich wird der Kollaps großer Kreditinstitue, an denen unzählige Interessen und wirtschaftliche Abhängigkeiten hängen, oder vielleicht sogar der nächste Börsen-Crash oder zumindest Abschwung des Aufschwungs, in Kauf genommen, um sich mit brüsten zu können, noch ein paar Hunderttausend Dokument im Kampf für die Freiheit der Informationen veröffentlicht zu haben?
Und das Volk jubelt begeistert, wahrscheinlich aber nur solange, bis der eigene Arbeitsplatz in Gefahr ist, weil ein Börsenkurs abgestürzt oder ein Kredit nicht zu Stande gekommen ist oder der eigene Bruder in Afghanistan bei einem Taliban-Angriff, der auf Basis von Informationen in Wikileaks durchgeführt würde, getötet wurde.
Wie gesagt, ich befürworte die Freiheit von Informationen, aber dieses gewissenlose und unverantwortliche zur Schau stellen von Informationen geht mir gegen den Strich.