Festplattenhersteller in Kollusion?

Dzonny

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Hi Leute,

mich beschäftigt gerade ein Thema zur Festplattenentwicklung der letzten 10 Jahre.

Und zwar geht es darum, dass man im Festplattenmarkt für Privatanwender eine recht lineare Entwicklung der Festplattenkapazitäten beobachten kann, obwohl die zugrundeliegende Technologie sich nicht dramatisch verändert.

Meine Frage ist also: Was ist der limitierende Faktor bei mechanischen Festplatten, welcher verhinderte, dass im Jahre 2002 keine 2 Terabyte-Festplatten angeboten wurden?

Ein Freund ist der Meinung, dass sich die führenden Festplattenhersteller in einer Form der Kollusion befinden und sich auf eine, aus ihrer Sicht "gemütliche", schrittweise erhöhung der Kapazitäten einigten, obwohl Sie unter ähnlichen Kosten weitaus größere Kapazitäten herstellen konnten.

Ich kann dieser Verschwörungstheorie nicht so recht glauben, da der Anreiz für ein Unternehmen doch sehr groß wäre, von diesem Gentlemen's-Agreement abzuweichen und bis zum technologischen Maximum zu gehen.

Ich bin gespannt auf Eure Meinung.
 

species_0001

Fleet Admiral
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also letztes Jahr sind paar Festplattenfabriken abgesoffen, aber miteinander kollidieren tun Festplattenfabriken eher selten :evillol:

ok, Spaß beiseite:
2002 gabs z.b. noch kein http://de.wikipedia.org/wiki/Perpendicular_Recording
ansonsten wie überall in der IT Welt:
kontinuierliche Verbsserung der Produktionsprozesse. die grundlegende Technologie (hier magnetische Ausrichtung hin und her schubbsen) mag grundlegend geblieben sein, die Fertigungstechnik ist eine andere Sache.

genauso sind die Lithographieverfahren mit denen Chips aus Wafern entstehen zumindest ganz grob gesprochen grunsätzlich seit Ewigkeiten gleich geblieben, und trotzdem müssen die Produktionsprozesse schrittweise verbessert werden. Sonst könnte man genauso fragen warum es nicht schon vor 10 Jahren 22nm Chips gegeben hat.

also ich sehe nicht dass es keine Entwicklung gegeben hat... ich denke man ist nur von den derzeitigen Größen verwöhnt. Früher war es eben eine Revolution wenn die Festplatten statt 250MB 320 MB groß waren. heute wird der Sprung von 2 auf 3 TB als nichts besonderes wargenommen. - wohlgemerkt immernoch im gleichen 3,5" Gehäuse wie die 250MB HDD's. die zusätzlichen 1000GB von einer Generation zur anderen müssen auch heutzutage erstmal untergebracht werden.
 
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florian.

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die zu Grunde liegenden Maschinen sind auch die selben, daher ist es logisch, dass die Umsetzung und Optimierung vorhandener Technologien ähnlich schnell voran geht.
 

Megatron

Commander
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Auch in der Festplattenherstellung kommt man immer mehr in Grenzbereiche wo eine weitere Minituarisierung immer schwieriger wird.

Eine Erhöhung der Kapazität (bei gleicher Anzahl der Scheiben) ist nur durch eine Verringerung der Spurbreite möglich und damit müssen auch die Schreib-Leseköpfe immer kleiner werden. Hier befindet man sich mittlerweile bei ca 30-50nm. Aber nicht nur der Kopf muß immer kleiner werden, diese Magnetspuren die sich im Nanometerbereich befinden müssen ebenso präzise angesteuert werden, was eine enorme Präzision verlangt bei der Mechanik und der elektronischen Steuerung.

Je weiter der Schreib-/Lesekopf verkleinert wird um so mehr erhöht sich der elektronische Widerstand, der für einen Anstieg des Rauschpegels sorgt. Damit wird die Lesegenauigkeit der Köpfe eingeschränkt und man kann sie nicht beliebig verkleinern. Ohne die Entwicklung der GMR Köpfe und den Perpendicular Recording wären die heutigen Leistungen gar nicht möglich.

Viele sind von der ständigen Leistungssteigerung so verwöhnt und nehmen das als so selbstverständlich wahr das sie gar nicht mehr bemerken welche technologischen Leistungen hier verbracht werden.
 

Dzonny

Cadet 4th Year
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@Unlimited1980

Kollusion würde mit zunehmender Konkurrenz eher abnehmen. Kollusion ist nur in Märkten mit wenigen Anbietern möglich.

@species_0001 & Megatron

Der Vergleich mit der Fertigungstechnik von Prozessoren klingt interessant.

Bei Prozessoren hängt die Fertigungstechnik von vielen höchst-komplexen Technologien ab, auf die die Prozessor-Hersteller womöglich gar keinen Einfluss haben. Ausserdem wurde dort schon eine physikalische Mindestgröße definiert und es wurde prognostiziert, dass man diese in absehbarer Zeit erreichen wird.

Gibt es da bei Festplatten auch ein "physikalisches Maximum" bzw. gibt es Prognosen, wie groß mechanische Festplatten in dieser Form (3,5'') werden können?
 

florian.

Fleet Admiral
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bei den Prozessoren sagte man vor 5 Jahren, das in 5 Jahren Schluss ist.
Heute, 5 Jahre Später sagt man immer noch das in 5 Jahren Schluss ist.

bei Festplatten ist es ähnlich, da geht man glaub aktuell von 15TB aus.
wobei sich das ganz schnell ändern kann.
Sofern man natürlich eine geeignete Neue Technologie findet.
 

Atlanx

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Mal ein Zitat aus der c't 4/2012:

...
Mehr als 200 MByte/s
Nachdem zuletzt die Platten zwar immer größer,
aber kaum spürbar schneller wurden,
wendet sich mit der neuesten Laufwerks -
generation nun das Blatt.

Hitachi und Seagate
ist es nämlich gelungen, bei ihren jüngsten
3,5"-Platten die Datendichte gegenüber den
Vorgängermodellen erheblich zu steigern.
Bis
zu 1 TByte quetschen die Hersteller auf eine
einzige Magnetscheibe. Weil so bei gleichbleibender
Drehzahl der Platte von 7200 U/min
wesentlich mehr Bytes pro Sekunde die
Schreib-/Leseköpfe passieren können, steigen
die sequenziellen Übertragungsgeschwindigkeiten
erheblich. Seagates neue Barracuda-
Platten übertragen in den Außenbereichen
der Magnetscheiben als erste Serial-ATA-Laufwerke
nun je nach Modell bis zu 206
MByte/s. Im inneren Bereich der Magnetscheiben
sind immerhin noch knapp 100 MByte/s
möglich. Zudem haben die Disks schnellere
DRAM-Pufferchips*) an Bord, womit per
SATA 6G Transfers aus dem Plattencache mit
mehr als 400 MByte/s möglich sind. Seagate
nennt das OptiCache.

Neben dem 1-TByte-Modell bietet Seagate
auch noch kleinere Modelle mit 250, 320, 500
und 750 GByte und nur einer Magnetscheibe
(Platter) an, bei denen nur Teilbereiche der
Scheibe zum Speichern von Daten genutzt
werden. Auch die hier vorgestellte 1-TByte-
Variante ist mit nur 20,17 Millimeter deutlich
flacher als herkömmliche Platten, passt also
auch in enge Gehäuse, etwa von digitalen
Videorecordern (DVR). Nur das 2- und 3-
TByte-Modell gibt es in Standard-Bauhöhe mit
26,1 Millimetern, wobei in der 2-TByte-Version
überraschenderweise nicht etwa zwei, sondern
drei Magnetscheiben rotieren. Dieses
Modell ist das schnellste der Baureihe. Dabei
genügt trotz der SATA-6G-Schnittstelle ein
SATA-II-Port: Nur die Übertragung aus dem
Cache ist dann langsamer.
...
*) sind jetzt DDR2-Speicher

Beispiel für neue Festplatten:
Hitachi -- HDS721010DLE360 Deskstar 7K1000.D2 ( 1 TB )
Seagate -- ST2000DM001-9YN164 Barracuda2 ( 2 TB )

Quelle: c't 4/2012 Seite 111 :
Artikel: Platten-Karussell
3,5-Zoll-Festplatten mit mehr als 200 Megabyte pro Sekunde und neue Hybrid-Platten
 
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Holt

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Das höhere Kapazitäten pro Plattern (bei gleicher Drehzahl) auch zu höhren Transferraten führen, war schon immer so. Die Zugriffszeiten werden aber nicht schneller, da hier mechanische Hindernisse im Weg sind, Stromverbrauch und Lärmentwicklung auch zunehmen wenn man die Geschwindigkeit der Kopfbewegungen und Plattern steigern will.

Was die seq. Transferraten wirlich steigern würde, wäre wenn man die Köpfe parallel aktivieren würden und so einen Art RAID aus den Köpfen realisiern würde. Das ist bisher offensichtlich nicht der Fall, denn die gleichen Modell haben die gleichen Transferraten, unabhängig davon wie viele Plattern verbaut sind. Vermutlich erlaubt die Positionierung dies aber einfach nicht, da wohl die einzelnen Köpfe nicht gleichzeitig perfekt auf die Sektoren der jeweiligen Oberfläche positioniert sind.

Man hätte aber schon bei 2 Plattern, also 4 Köpfen, dann die vierfache Übertragungsraten und das wäre mal eine echte Ansage.
 

Atlanx

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Auch interessant:

10.02.2012 00:02
Hitze als Schlüssel zu mehr Leistung und Effizienz
Technik für hundertfach schnelleres Schreiben bei Festplatten

https://www.computerbase.de/2012-02/technik-fuer-hundertfach-schnelleres-schreiben-bei-festplatten/

Ein Forscherteam hat eine neue Technologie für magnetische Speichermedien, wie zum Beispiel herkömmliche Festplatten, vorgestellt, welche die Schreibgeschwindigkeit um mehr als das Hundertfache steigern können soll. Die Hitze eines Lasers soll dies ermöglichen.
 
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