Genoo schrieb:
Ich bin ehrlicherweise überrascht, wie viele Leute hier (in einem Technikforum!!) weiterhin von einer "Blase" sprechen oder aber erst gar nicht das vollumfängliche Potential erkennen
Als das Internet auf dem Markt kam, gab es Anfangs auch sehr viele euphorische Firmen und viele Ideen, dazu hat sich die Finanzwelt auf diese Firmen gestürzt und hat 2000 damit relativ viel Geld "verbrannt", das ganze ging als
Dotcom-Blase in die Geschichte ein.
Ich empfehle an der Stelle mal den ersten Absatz bei Wikipedia: "Auslöser des Booms waren die hohen Gewinnerwartungen wie auch die Spekulation auf steigende Aktienkurse, die durch neue technologische Entwicklungen entfacht wurden. Die Etablierung des
Internets und des
Mobiltelefons sowie die Entwicklung von
Handheld-Computern führten zu einer Aufbruchstimmung im Bereich digitaler Technologie. Daher kam es ab 1995 zu einer Vielzahl von
Unternehmensgründungen und durch das große Anlegerinteresse vermehrt zu Börsengängen. Viele Anleger schöpften die Hoffnung, dass die in diesen Märkten operierenden Unternehmen „Zukunftsunternehmen“ seien, und wollten über einen Aktienkauf an vermeintlichen zukünftigen Gewinnen teilhaben bzw. an dem Weiterverkauf der Aktien durch die steigenden Kurse mitverdienen. Zudem führte insbesondere in Deutschland der von umfangreichen Werbemaßnahmen begleitete Börsengang der
Deutschen Telekom zu einer stark gestiegenen Popularität der Anlageklasse Aktien. Ab Mitte 1999 vervielfachte sich innerhalb weniger Monate die Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen durch eine deutlich erhöhte Nachfrage der vormals am Aktienmarkt nicht aktiven Neuanleger."
Und beim Absturz ebenso den ersten Absatz: "Gegen Ende des Booms zeichnete sich ab, dass die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen konnten. Ihr Börsenwert war zumeist nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt, da das Kapital eines IT-Unternehmens weniger in materiellen Gütern als vielmehr in den geistigen Leistungen seiner Mitarbeiter zu finden ist. Oftmals bestand der
Buchwert der Unternehmen aus nicht viel mehr als einigen Gebäuden und der IT-Infrastruktur. Die im Expansionsdrang zugekauften Unternehmen waren zudem meist nicht profitabel."
Und die Parallele zur Dotcom-Blase sind aktuell sehr sichtbar und das nicht nur an der Börse, sondern auch an vielen anderen Stellen, sobald der Begriff AI kommt, werden teilweise Leute "blind". Es gibt da ja nicht umsonst so eine Bundestagsaffäre um einen jungen Politiker und einer Firma mit so einem richtig "deutschen" Namen alias Augustus Intelligence.
Und man kann das Potenzial der AI anerkennen, gleichzeitig jedoch auch die aktuellen Ereignisse in der Finanzwelt kritisch sehen. Bei fast allen Tech-Firmen ist der KGV jenseits von Gut und Böse, bei bestimmten Firmen müssen. Nvidia hat dieses Jahr ein KGV 40, vor dem großen Aktiensplit hatte man sogar 115, also 115 Jahre muss die Firma die gleichen Zahlen liefern, bis der Gewinn den Kaufpreis erwirtschaftet hat. An der ganzen Börse kann man die Verschiebung des KGV sehen, normalerweise sollte der KGV so bei 15 liegen. Bei allen Firmen im Techbereich mit KGV mit weit über 30 haben Analysten mega hohe Anforderungen, weil man hier mit Wachstum rechnet.
Die Alarmglocken von so manchem Wirtschaftswissenschaftler gehen aktuell nicht ohne Grund an bei diesen Zahlen.
Genoo schrieb:
wer das Thema KI / LLM jetzt klein redet, hat auch damals nicht an dem Erfolg des Internets geglaubt.. wir befinden uns gerade mittendrin in einem massiven Wandel und ich würde DRINGEND JEDEN EINZELNEN empfehlen sich mit dem Thema mehr ausseinander zu setzen
Das könnte man dir an der Stelle auch empfehlen, dass du dich mit der KI / LLM Materie befasst und was da aktuell so alles abgeht und ebenso welche Ernüchterung da teilweise sogar aktuell einzieht bei den Firmen, die bereits auf LLMs geschworen haben und nun zum Teil auch Bauchlandungen hingelegt haben, weil die LLMs nicht das liefern, was sie erwartet haben.
Da wird nämlich das Potenzial eines LLM und der KI im weiteren Sinne sehr gerne sehr schnell überschätzt und die Leute landen auf dem Boden der Tatsachen, mal mehr oder weniger hart.
Ein LLM hat Stärken und es hat Schwächen und man muss sich - wenn man bereits LLMs einsetzten will - dieser Stärken und Schwächen bewusst sein, wenn man das Potenzial wirklich nutzen will. Das gilt auch für generative KI wie Stable Diffussion zur Bilderzeugung oder den Tools zur Video, Musik und Sprachgenerierung.
Beachtet man die Schwächen nicht, kommt sehr schnell Murks heraus, den man dann mit deutlich mehr Arbeit gerade biegen muss. Ich hab hier nicht umsonst eine ganze Sammlung an Fehlern, die GPT-4 bei bestimmten Anfragen einbaut und was für einen Murks auch Bildgenerierung und Co erzeugen kann, wenn man falsch damit vorgeht.
Genauso habe ich jedoch auch Beispiele, wie gut solche Systeme die Menschen unterstützen können, wenn man die richtige Vorarbeit rein steckt als Künstler, als Softwareentwickler und Co.
Nur ist das vollkommen losgelöst von der finanziellen Seite und dass sich da etwas ziemlich ungutes zusammenbraut. Was denkst du passiert denn, wenn die USA jetzt nicht den Strom massiv subventionieren und sie nicht plötzlich 100 AKWs hoch ziehen können und Microsoft zig Chips auf der Halde hat? Was glaubst du passiert mit dem Aktienkurs von Nvidia, wenn sich da das Wachstum nicht weiter so fortsetz wie jetzt?
Es gibt genug Ereignisse seit 1900 und dem Finanzwesen, wie sich Blasen aufbauen und diese teilweise sogar über Jahre erst mal halten, bis irgendwann ein kleiner Stein ins Rollen gerät.