@HappyMutant: 1994 war das das 'Internet' nutzende Klientel noch von einer besonderen Art. Netzzugang war meist nur von Hochschulen und staatlichen Einrichtungen möglich, die privaten Zugänge waren etwas für 'Kenner' oder 'Finanzpotente'. Durchweg darf man sagen, daß die Qualität der seinerzeit gemachten Beiträge zu jeder Art von Nachricht ein signifikant höheres Niveau hatten als heutzutage, im Zeitalter der Massenvermarktung. Es ist generell ein gesellschaftliches Problem.
Meines Wissens wuerde der FDIV-Bug erst durch eine Verifikationsrechnungen 'entdeckt' (ich schaue jetzt gewiß nicht bei STUPIPEDIA nach, meine grauen Zellen unterliegen einem Alterungsprozeß, zu dem ich stehe). Was zuerst eher rein akademischer Natur schien, erwies sich schnell als äußerst kritisch, da Intels Pentium CPU vor allem in den USA in sehr vielen Einrichtungen des Militärs und der Energiewirtschaft eingesetzt wurden und man die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich der Steuerung und Korrektur von Nulearkraftanlagen hatte. Tatsächlich hatte der FDIV-Bug aber in vielen wissenschaftlichen Rechnungen zu signifikant 'falschen' Ergebnissen geführt - wenn man den Referenzrechnungen trauen darf und diese auf fehlerfreien CPUs durchgeführt wurden - die bei uns mittels einer Alpha AXP (21064 und 21164) durchgeführt wurden. Wahlergebnisse, die hierzulande nach dem sehr komplexen Hare-Niemeyer-Verfahren berechnet werden und für dessen Genauigkeit die 82-Bit Extended-Precision eines Itaniums gerade ausreichend sind, 'hätten' wohl besonders von Freund FDIV-Bug profitiert. Da Intel Prozessoren seinerzeit aber noch nicht den Stellenwert in wissenschaftlichen Einrichtungen hatten, wie sie es mit ihrer Schwemme heute inne haben, war der FDIV Bug eine peinliche Sache (hierzulande). Intel tat gut daran, das zu Recht geschundene Ansehen durch die Umtauschaktion aufzupolieren.
Das Ränkespiel vor einem Jahr um AMDs TLB Bug ist vielen noch bekannt. Hätte AMD nicht zuerst die 'Barcelona'-Server CPUs vorgestellt sondern wie Intel erst einmal Enthusiasten-Prozessoren, wäre der Bug sicherlich nicht politisch so schwer gemacht worden, wie er es denn letztlich war. Intel hat nach einer Meldung zufolge aufgrund von Evaluierungsproblemen die Core-i7-EP Versionen auf Q1/Q2/2009 verschoben, oder irre ich mich da? Vielleicht ist der Grund nun genannt.
Mir ist kein Test bekannt geworden, der AMDs K10 erster Generation durch Ausnutzen des Bugs ins Koma geschickt wurde! Zumindest die Desktop-Variante nicht. Im Serverbereich hatte man keine Chance, da die Bacelonas nicht lieferbar waren und sich die Evaluatoren bedeckt hielten. Dennoch wurde AMD wie ein Straftäter am Pranger auf den Marktplatz vorgeführt.
Intel geht offensichtlich ein sehr, sehr ähnliches Problem viel geschickter an. Der Enthusiastenmarkt wird auch mit einer 'defekten' CPU bedient werden und nicht weiter murren. Die EP-Versionen erscheinen vermutlich bereinigt etwas später. Gleiches Problem wie AMD, nur 'politisch' anders angegangen. Andererseits darf man nicht vergessen, daß von Intels Geld viele sogenannte Fachpublikationen, Fachforen etc. oder solche, die sich dafür halten, leben! So ist vielleicht zu erklären, weshalb AMD noch am Boden zerstört wurde, bevor deren K10 überhaupt abheben konnte. Wir werden sehen, wie sich der Intelsche TLB-Bug in den nächsten Wochen 'entwickelt'. Vor allem würde mir viel wohler sein, wenn Intel Klarheit darüber schaffen würde, ob bisherige Tests und Mainboard-BIOSe mit einem Patch gefahren bzw. versehen wurden und in wie weit die Leistung der CPU durch diesen Patch beeinflußt wird. Eventuell muß Intel ähnliche Strategien anwenden wie AMD und Teile des TLB deaktivieren.
Erstaunlich ist aber, wie in der Meldung eingangs schon zu lesen war, daß ein ähnlicher 'Bug' schon im Core 2 Duo zu finden war - scheinbar avanciert dieser nun zum 'Feature'. Intel möchte vielleicht der NSA über diese 'Backdoor' die Option einräumen, den USA-Bundestrojaner wesentlich eleganter einzuschmuggeln (RootKit). Zumindest halte ich die Nichtbereinigung dieser Bugs im Hinblick auf die Kommentare von Theo deRaad/OpenBSD für kritisch - und peinlich.