@Psylo:
Farbmanagement ist das Zauberwort
Als erstes musst du deinen Bildschirm dazu bringen, dass er die Farben so anzeigt, wie sie auch wirklich sind.
Dazu musst du eben ein Spektrocolorimeter nehmen und den Bildschirm ausmessen lassen.
Für den gelgentlichen Heimuser reicht z.B. der
Spyder 2 express.
Ambitionierte (=professionelle und semiprofessionelle) User sollten vielleicht zum
Spyder 2 Pro greifen.
Eine weitere Möglichkeit wäre der
Gretag MacBeth Eye-One Display 2
Der
Pantone Huey ist eher ein Spielzeug, als ein ernstzunehmender Konkurrent.
Es gibt Geschäfte, die diese Geräte vermieten. Das lohnt sich allerdings nicht, denn die ganze Geschichte muss alle zwei bis drei Monate wiederholt werden.
Mit diesen Geräten (sie werden auf den Bildschirm gelegt) und der dazu gehörenden Software wird dann dein Monitor eingestellt.
Also zuerst wird mal kalibriert (=hardwaremässig rumgeschraubt) indem dir die Software sagt, du sollst "Red gain" etwas erhöhen oder "Blue gain" etwas runter nehmen oder den Kontrast oder die Helligkeit oder das Backlight stärker oder schwächer einstellen. Damit versuchst du nun, möglichst nahe an die von dir gewünschten Werte (also Farbtemperatur und Gamma) heranzukommen. Als Gammawert nimmt man dabei meistens 2,2 und die Farbtemperatur muss man halt auf seine Bedürfnisse anpassen. Meist nimmt man 5500K, 6500K oder 7000K.
Anschliessend macht die Software automatisch (du musst ihr nur etwa 30 Minuten Zeit geben) eine Profilierung. Das heisst, die Software lässt alle möglichen Farben anzeigen und wertet dann die angezeigten Farben mit den soll-Farben aus. Das Ergebnis wird in eine Tabelle geschrieben, daraus wird eine Korrekturkurve errechnet und diese wird als fertiges Profil (ice oder icm-Datei) abgespeichert. Dieses Profil musst du dann nur noch dem Monitor zuweisen.
Das hört sich jetzt alles etwas kompliziert an, ist es aber nicht.
Du brauchst das erste mal nur etwas Zeit und evt. Nerven, bis alles stimmt.
Das wirkliche Problem ist aber dein TFT. Wie ich schon erwähnt habe, ist es bei "normalen" Heimanwender-TFTs ziemliche Glückssache, ob er sich kalibrieren lässt. Manche lassen es, manche nicht. Dann wird es ein einziges Himmelfahrtskommando und keine einzige Farbe stimmt mehr. Daher solltest du die aktuellen Werte notieren, bevor du zu schrauben anfängst. Falls dein Monitor nicht kalibrierbar ist, kannst du dennoch eine Profilierung versuchen. Das bringt in den meisten Fällen schon etwas Linderung.
Dazu stellst du einfach alle Werte des TFTs auf Fabrikwerte ein und lässt die Software laufen. Du sagst der Software, dass dein Monitor keine Einstellungen zulässt und dass du mit nativer Farbtemperatur, Weisspunkt und Gamma profilieren willst. Die Software versucht dann, das beste daraus zu machen. Manchmal klappt es, machmal nicht.
So, jetzt sind wir so weit, dass dein TFT wenigstens halbwegs korrekte Farben anzeigen sollte.
Am Anfang kann es für dich ziemlich schräg aussehen. Es kann sein, dass du zwei oder drei Tage lang das Gefühl hast, durch eine rote oder orange Brille auf den Monitor zu schauen (weil die meisten Monitore von Fabrik aus auf eine viel zu hohe Farbtemperatur gesetzt sind). Aber das ist reine Gewöhnungssache und legt sich nach ein paar Tagen wieder. Falls nicht, machst du eine erneute Kalibrierung und Profilierung mit etwa 500K höherer Farbtemperatur.
Nun zum Drucker...
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:
- Einen Dienstleister. Der erstellt dir ein Druckerprofil für etwa 20 bis 30€
- Selber machen für viel Geld
- Selber machen für wenig Geld
Dienstleister ist schon gesagt.
Selber machen für viel Geld (und viel Aufwand) bedeutet, dass du dir ein Spektrocolorimeter kaufst, dass mit Auflicht-Targets umgehen kann.
z.B.
Eye-One Design,
Photo,
Proof,
XT oder [URL="http://www.gretagmacbeth.com/index/products/products_color-mgmt-spec/products_cm-for-creatives/products_eye-one-io.htm"]iO[/URL]
- oder z.B.
Colorvision PrintFix Pro
Diese Geräte gibt es auch im Bundle mit Colorimetern für den Bildschirm.
Kostenpunkt: 400€ bis mehrere Tausend €.
Du musst ein Target (=ein Blatt Papier mit vielen verschiedenen Farbfeldern) ausdrucken und jedes Farbfeld von Hand ausmessen. Das kostet Zeit.
Dann gibt es eben noch selber machen für weniger Geld und schneller.
Dazu brauchst du einen halbwegs brauchbaren Flachbettscanner (kann auch ausgeliehen sein).
Und dazu die geeignete Software:
- Für die Profilierung
ProfilePrism
- Für das richtige Scannen
VueScan
Ausserdem noch ein genormtes Target z.B. von
Colour-Science (links auswählen "Test charts (IT 8.7)").
Bei ProfilePrism ist eine Bilddatei dabei, die ähnlich aussieht, wie das Chart von Colour-Science (einfach eine Fläche mit vielen verschiedenen Farbfeldern).
Dieses Target druckst du mit deinem Drucker aus.
Anschliessend scannst du mit VueScan den Ausdruck ein.
VueScan deshalb, weil du Rohdaten speichern kannst und ausserdem einstellen kannst, dass das Bild keinesfalls verändert wird (White-Balance "none").
Auch scannst du gleichzeitig mit dem Target (also untereinander auf das Glas legen) das IT-8 Chart ein. Dann speicherst du den Scan mit den beiden Tafeln als Rohdatenscan ab.
Dann kannst du ProfilePrism starten und dort die gewünschten Einstellungen vornehmen (ProfilePrism hat eine sehr gute Anleitung, wo alles drin steht). Du markierst jeweils die Ecken der beiden gescannten Tafeln und lässt ProfilePrism die Referenzdatei laden.
Diese Referenzdatei sagt dem Programm, welches Feld auf dem Chart welche Farbe enthalten sollte.
Das Programm vergleicht dann zuerst das Chart Feld für Feld. Das heisst, es hat ja aus der Referenzdatei die Info erhalten, welches Feld welche Farbe haben sollte. Und es weiss auch, welches gescannte Feld welche Farbe hat. Daraus wird eine Korrekturkurve für deinen Scanner errechnet.
Anschliessend vergleicht das Programm jedes Feld deines Ausdruckes mit den Sollwerten. Also das Programm weiss wieder, welche Farbe der Scanner eingelesen hat und welche Farbe das Feld haben sollte. Auch hier gibt es eine Korrekturkurve. Dieses mal aber für den Drucker.
Nun muss noch der Fehler des Scanners ausgemerzt werden. Das geschieht nun, indem die Korrekturkurve des Druckers mit der zuvor errechneten Korrekturkurve des Scanners verrechnet wird. Das Endergebnis wird dier wieder als icm-Datei ausgegeben.
Diese Datei musst du noch in den richtigen Ordner verschieben. Unter WinXP z.B. C:\WINDOWS\system32\spool\drivers\color
Nun brauchst du ein Bildbearbeitungsprogramm, das mit Farverwaltung umgehen kann. Z.B. Adobe Photoshop.
Du öffnest dein Bild in Photoshop und klickst auf Drucken (mit erweiterten Optionen). Du wählst nun im Menü "Farverwaltung" das Profil deines Druckers aus und stellst die Wiedergabe auf "Perzeptiv". Das ist in den meisten Fällen geeignet.
Nun kannst du das Bild ausdrucken und die Farben sollten deutlich besser aussehen.
Du musst daran denken, dass du für jede Kombination von Tinte und Papier ein eigenes Profil erstellen und bei Bedarf auswählen musst.
Und auch hier gilt wieder: je besser die Hardware eh schon ist, desto bessere Ergebnisse bekommst du.
Wenn du einen 50€-Lexmark hast und mit einem 30€-Mustek scannst, musst du dich nicht wundern, wenn es mit Profil schlechter aussieht, als ohne.
Wenn du aber einen 300€-HP-Drucker hast und mit einem 150€-HP-Scanner einscannst, dann wird das Ergebnis mehr als deutlich ausfallen.
Aber trotz allem: Nicht jeder Drucker lässt sich gleich gut Profilieren. Es gibt auch Billigdrucker, die sich mit einem guten Scanner und etwas Aufwand sehr schön profilieren lassen. Und es gibt teure Drucker, da lässt sich gar nichts machen. Das ist dann einfach Erfahrungssache.
Ja und wenn du jetzt noch Fragen hast, dann meldest du dich einfach wieder!
Gruss
Christoph