Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

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Was würde eigentlich dagegen sprechen, wenn man die Umsatzsteuer z.B. auf 25% erhöht und dafür die ganzen "verschleierbaren" Unternehmenssteuern abschafft?

Der "Markt" darf dann die Preise Regeln, falls die Unternehmen diese 1:1 an die Kunden weitergeben.
 
@Andy8891

Die Umsatzsteuer wird durch den Endkunden bezahlt - nicht durch die Unternehmen.

Mit deinem Vorschlag würdest du somit alle Gewinne von Unternehmen direkt von irgendwelchen Ertragssteuern befreien. Ich glaub nicht, dass du in diese Richtung laufen wolltest, oder? ;)
 
Das ist doch wieder so ein Linke Tasche Rechte Tasche Thema...

Beispiel: Kosten für Produkt 500 € Verkaufspreis 750 € (250 € Gewinn) + 150 € (20% Mwst) = Kundenpreis 900 €
Versteuerung Gewinn z.B. 20% = Ertrag Staat 200 € (150 € Mwst 50 € Gewinn)

Erhöhung Mwst auf 30% -> Preis immernoch 900 € Kosten Produkt immernoch 500 €
900 = 130 %
692 = 100 % - 500 € = 192 € Gewinn

Wenn die Unternehmen natürlich die 750 € um 30% erhöhen = 975 € und die Kunden diesen Preis zahlen, dann ist das doch freie Marktwirtschaft oder nicht?
 
Die Umsatz- oder auch Mehrwertsteuer fällt auf den Produktpreis an.

Ist dein Verkaufspreis 750 EUR Netto - so ist darauf dann die Mwst. zu bezahlen. Dabei ist es egal wie hoch die Mwst. ausfällt. Diese wird durch den Kunden bezahlt. Die Unternehmen ziehen die Mwst. nur ein und leiten diese ans Finanzamt weiter.

Unternehmen werden mit 0 EUR durch die Umsatzsteuer belastet. Es ist für sie nur ein "durchlaufender Posten".
 
Tomislav2007 schrieb:
Es ist doch jetzt schon ungerecht das jemand der 350€ monatlich für die Krankenkasse bezahlt genau die gleiche Gegenleistung bekommt wie jemand der 150€ monatlich für die Krankenkasse bezahlt.

aber dieser jemand ist a) älter (öfter mal beim arzt) und b) auch mehr verdient als jemand mit nur eur 150 kv-beitrag. irgendwie muss die party hierzulande ja finanziert werden.

man könnte teilweise das schweizer system adaptieren. dort versichert sich jeder arbeitnehmer selbst, also nicht über den arbeitnehmer. das würde ich deutschland aber nicht funktionieren. aber man könnte verschiedene tarife anbieten, z. b. mit hausarzt vor ort oder nur online-sprechstunde.

in frankreich kostet jeder arztbesuch extra, ich glaube eur 35.

deutschland leistet sich mit seinem gesundheitssystem einen enormen luxus, das sollte man schätzen.
so eine flatrate krankenversicherung findet man nur selten.
 
@Andy8891

Du möchtest ja die Mehrwertsteuer erhöhen - da diese schlechter zu umgehen ist - dafür alle Unternehmenssteuern streichen, da zu komplexe Steuerregeln existieren.

Somit wären Gewinne von Unternehmen ja komplett steuerfrei. Die FDP würde sich über diesen Vorschlag sicher freuen.

Ich würde mich dann ganz schnell Selbstständig machen und ein Unternehmen gründen ... dann hab ich keine Ertragssteuern mehr. :D
 
@_killy_ du implizierst mit deiner Aussage, das die Unternehmen beim Verkaufspreis diesen Spielraum haben.
Dh. das sie ihren Gewinn bei einer Erhöhung der Umsatzsteuer nicht entsprechend senken.

Wenn dem so wäre, dann würden ja die Unternehmen aktuell massive Gewinne verschenken.

Wenn der Kunde sagt: Ich zahle z.B. Für die Grafikkarte nach Umstellung der Steuer, weiterhin maximal 1.000 €, dann reduziert sich der Gewinn des Unternehmens um die Steuererhöhung.

Bei der Umstellung müsste natürlich klar kommuniziert werden, das im Gegenzug Unternehmenssteuern wegfallen, damit die Unternehmen die Steuererhöhung nicht einseitig verkaufen.

Denn genau das ist doch der Gewinn .... Verkaufspreis - Produktionskosten - Steuern
 
@Andy8891

Die CO2 Abgabe wurde ja auch 1:1 auf die Produktpreise aufgeschlagen.

Der Staat müsste dann klar kommunizieren, dass die Ertragssteuern für die Unternehmen wegfallen würden, wenn im Gegenzug die Mwst. erhöht wird.

Weiterhin müsste man aber auch Dienstleistungen die jetzt von der Mwst befreit sieht, dann Mwst. pflichtig machen. Sonst würden diese Unternehmen, weder Ertragssteuer noch Mwst zahlen.

Es klingt erst mal sehr einfach - würde aber gegen Google & Co. m.E. nicht wirklich helfen. Die haben einfach eine so große Marktmacht, dass sie eine solche Mwst. Erhöhung direkt weitergeben können. Wenn du Werbung im Internet schalten möchtest, dann stolperst du automatisch über Google, Facebook oder Amazon. Überall anders ist deine Werbung dann fast schon "wirkungslos".
 
Andy8891 schrieb:
Denn genau das ist doch der Gewinn .... Verkaufspreis - Produktionskosten - Steuern
Die Steuern und Produktionskosten kannst du da rauskürzen, denn die sind schon im Verkaufspreis drin.

Wer glaubt, dass Unternehmen auch nur einen einzigen cent an Steuern wirklich selbst zahlen, der ist schief gewickelt.
Egal, welche Kosten entstehen, sie fließen in einer Kosten-Leistungs-Rechnung ein, an der sich der Verkaufspreis orientiert. Sogar die Grundsteuer für das Unternehmensgelände und die EEG-Umlage auf dem Strom für Leuchtmittel am Arbeitsplatz fließt in die KLR ein.
Der gewünschte Gewinn (den der Markt dann auch hoffentlich hergibt) kommt auf diesen Wert drauf.

Man kann mit Steuern niemals den Gewinn beim Unternehmen, sondern immer nur den Preis beim Abnehmer beeinflussen.
Genau deswegen ist die CO2-Zulage ja auch ein Marktinstrument ... denn es stellt (im Vergleich zum Jetzt) eine künstliche Verteuerung CO2-intensiver Produkte dar.
Es besteht die Hoffnung, dass der Kunde dann sagt "nö, das ist mir zu teuer" und stattdessen zu einem weniger CO2-intensiven Produkt greift.
Würden die Unternehmen ihre Steuerlast nicht zu 100% an den Kunden weiterreichen, dann würde DAS nicht funktionieren.
 
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@DerOlf Ja und Nein. Manche Unternehmen müssen Steuern direkt weitergeben, weil der Preis schon knapp kalkuliert wurde, andere haben eine viel größere Marge und der Preis wird durch die Bereitschaft der Kunden bestimmt Betrag x für das Produkt auszugeben.
Im letzteren Fall wird sich der Preis nicht merklich ändern, da man sonst Kunden verliert.

Grundsätzlich bring eine Umsatzsteuererhöung (bei Wegfall der Ertragssteuern) einen Fokus auf Export, denn da spielt die Umsatzsteuer keine Rolle und man zahlt plötzlich keine Steuern mehr. Gleichzeitig wird der Import für Endverbraucher teurer, da dieser ja der Umsatzsteuer unterliegt.
Das könnte nationale Produktion bevorteilen.

Allerdings müsste das wohl innerhalb der EU passieren, denn sonst würde an den Grenzgebieten einfach im Nachbarland eingekauft werden bzw. für teurere Anschaffungen auch weitere Reisen in Kauf genommen werden. Und die Umsatzsteuer müsste merklich angehoben werden um die Ertragssteuern zu kompensieren.
Zusätzlich stellt sich noch die Frage wie die Kommunen und Gemeinden ein Stück vom Kuchen abgekommen und wie das verteilt wird.
 
Es ist egal, wann welche Steuern erhoben werden ... sie fließen einfach als "Fixkosten" mit in die Preisgestaltung ein.

Der Kunde und seine Bereitschaft "Betrag X" zu zahlen, sind lediglich ein Deckel.
Dieser kann den Unternehmensertrag schmälern wenn der Kunde z.B. nur "X-y" zahlen will.
Die Differenz (das -y) geht vom Gewinn ab, WENN es nicht irgendwo anders eingespart werden kann.

Steuern können das im allgemeinen nicht wenn sie nicht verdammt hoch angesetzt werden.
Mit Steuern erreicht man das höchstens bei Unternehmen, die grundsätzlich möglichst nahe an der Schmerzgrenze des Kunden einpreisen. Und das sollten sich eigentlich nur Monopolisten und Kartelle leisten können.

Ich weiß nebenbei auch nicht, ob eine noch stärkere Fokussierung des Exports aussenpolitisch für Deutschland so günstig ist.
Unsere Aussenhandelsbilanz wird uns ja heute schon oft vorgeworfen (insb. nat. von den USA).
 
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DerOlf schrieb:
Ich weiß nebenbei auch nicht, ob eine noch stärkere Fokussierung des Exports aussenpolitisch für Deutschland so günstig ist.
Unsere Aussenhandelsbilanz wird uns ja heute schon oft vorgeworfen (insb. nat. von den USA).

Die USA bescheinigen ja Deutschland damit direkt nur, dass die Deutschen Produkte sehr sehr gut sind und auf dem Weltmarkt entsprechend nachgefragt werden.
Die USA hätten es natürlich lieber, wenn die deutsche Außenhandelsbilanz negativ ist, sprich, wir mehr Ware z.B. aus den USA importieren würden ... dagegen hätten die USA nämlich nichts, wenn deren Außenhandelsbilanz positiv ist. ;)
 
@_killy_
Es ging nicht darum, warum die USA sich drüber beklagen.
 
@DerOlf

Trump ist ja nicht mehr der Präsident - von daher werden wir von einem Atomschlag durch die USA vorerst verschont bleiben. Was die Zukunft bringen wird, müssen wir mal schauen, ne?
 
Natürlich wird das mit dem Exportüberschuss irgendwann zum Problem. Das löst man dann damit, anderen Kredite zu geben. Oder aber man erhöht seine Löhne etwas und kauft mehr von anderen Ländern. Es wäre wichtig eine Balance zu haben.
Oder aber man löst es als BWL Hohlbirne mit die anderen sind nicht konkurrenzfähig.,,, und dieses ganze Gesabbel.
Des weiteren, wer denkt man könne Klimaschutz ohne den Artenschutz, generell Umweltschutz und die soziale Frage behandeln, der irrt sich dermaßen gewaltig. Ich bin mal echt gespannt ob der Kapitalismus das mitmacht, ich glaube es ja nicht. Schade drum.
 
Godde schrieb:
Des weiteren, wer denkt man könne Klimaschutz ohne den Artenschutz, generell Umweltschutz und die soziale Frage behandeln, der irrt sich dermaßen gewaltig. Ich bin mal echt gespannt ob der Kapitalismus das mitmacht, ich glaube es ja nicht. Schade drum.
Selbst wenn man all, das wirklich ernsthaft machen möchte, es wird mit dem Kapitalismus nur nie funktionieren. Das sehen wir doch, weltweit. Dieses Wirtschaftssystem kennt nur eines, Wachstum. Es muss immer mehr werden, egal wovon. Sonst würde die Wirtschaft komplett zusammen brechen. Darauf basiert dieses Wirtschaftssystem halt. Und deswegen werden wir den Klimawandel auch nicht mehr aufhalten, davon bin ich mittlerweile fest überzeugt und habe mich aber inzwischen damit abgefunden. Mir tun nur die Generationen von Morgen leid, die das werden ausbaden müssen, was die Egoisten der Gegenwart, der Umwelt zuliebe, nicht unternehmen.
 
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Discovery_1 schrieb:
Selbst wenn man all, das wirklich ernsthaft machen möchte, es wird mit dem Kapitalismus nur nie funktionieren. Das sehen wir doch, weltweit. Dieses Wirtschaftssystem kennt nur eines, Wachstum. Es muss immer mehr werden, egal wovon. Sonst würde die Wirtschaft komplett zusammen brechen. Darauf basiert dieses Wirtschaftssystem halt. Und deswegen werden wir den Klimawandel auch nicht mehr aufhalten, davon bin ich mittlerweile fest überzeugt und habe mich aber inzwischen damit abgefunden. Mir tun nur die Generationen von Morgen leid, die das werden ausbaden müssen, was die Egoisten der Gegenwart, der Umwelt zuliebe, nicht unternehmen.

Dem stimme ich zu, deshalb müssen dem Kaptialismus bzw. der Wirtschaft auch Regeln auferlegt werden. Da gibt es dann natürlich Parteien die das gar nicht toll finden.. daher sind die auch unwählbar, wenn man nur etwas der Verantwortung noch in unserer Generation halten möchte und nicht alles auf nachfolgende Generationen abschieben will.
 
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Tomislav2007 schrieb:
Auf den Punkt gebracht, eine gesunde Lebensweise sollte finanziell belohnt und eine ungesunde Lebensweise solllte finanziell bestraft werden.
Sehe ich genauso! Allerdings ist es schwierig so einen ungesunden Lebenstil über die Krankenkasse abzurechnen... Das wäre mit zu vielen Datenschutzbedenken verbunden.

Man könnte aber ungesunde Produkte generell härter besteuern. "Zuckersteuer" "Alkoholsteuer" "Tabaksteuer" "Fleischsteuer"... alles für den Endkunden teurer machen. Natürlich müssten diese Steuern dann dem Gesundheitssystem zugeführt werden und nicht in irgendwelchen Staatskassen versenkt werden ;)

Naja... Lobby sei dank, wird das wohl nicht passieren.

PS: Bin auch Raucher... wenn auch Selbstdreher. Fände es aber Okay, wenns das doppelte kosten würde.
 
savoy2k schrieb:
PS: Bin auch Raucher... wenn auch Selbstdreher. Fände es aber Okay, wenns das doppelte kosten würde.
Dann würde vermutlich irgendwo ein CDU-Politiker herkommen und sagen: "Wenn wir die Tabaksteuer zu sehr erhöhen, gefährden wir Arbeitsplätze in der Zigarettenindustrie". Wo habe ich das wohl nur wieder her? :D

Edit: Hab' noch etwas: Die alt bewährten (falschen) Konzepte unserer Politik in der Wirtschaftspolitik.
 
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