Idon schrieb:
Es gibt dutzende Parteien und man kann selbst eine Partei gründen, wenn die eigene Meinung nicht bereits ausreichend vertreten wird.
Natürlich kann ich jahrzehntelang immer nur "Sonstige" wählen ... damit verzichte ich allerdings aktiv auf politische Teilhabe (und schenke meine Stimme nebenbei den ohnehin stärksten Parteien).
In der Tat gibt es in der politischen Landschaft nahezu jede politische Richtung, die mir irgendwie zusagen könnte ... von den meisten dieser Parteien weiß ich aber ziemlich sicher, dass die die 5% nicht knacken werden.
Wenn ich noch trinken würde, dann wäre es rgendwie "gewinnbringender", die Wahlbenachrichtigung in einem alternativen Jugendzentrum gegen ein Bier einzutauschen, als diese Parteien zu wählen (da hat man mehr davon).
Auch eine Neugründung nach meinen Vorstelungen läge zunächst in diesem Bereich.
Für mich ist klar, dass ich Opposiion wähle ... einfach weil ich dieses Gegengewicht in den letzten Jahren echt vermisst habe. Eine Demokratie braucht nichts dringender, als eine starke Opposition. Nicht, damit schnelle entscheidungen getroffen werden, sondern damit die Entscheidungen ausgiebig debattiert werden MÜSSEN.
Die Kriterien, die ich an eine Partei anlege, sind also "erreicht wahrscheinlich mehr als 5%" und "ist wahrscheinlich nicht an der neuen Regierung beteiligt".
Jede Stimme, die nicht zu einem Parlamentssitz beiträgt, ist eine Stimme für die Parteien, die es ohnehin wieder "rein" schaffen.
Wenn bei einer Wahl 25% der Wähler für Parteien gestimmt haben, die bei Hochrechnungen unter "Sonstige" auftauchen (weil keine von ihnen 5% erreicht hat), dann bleiben nicht 25% der Sitze unbesetzt, sondern werden eben unter den Parteien verteilt, die mehr als 5% bekommen haben ... entsprechend ihres Wahlergebnisses.
Häten "Sonstige" 100 Sitze bekommen können, dann haben die Wähler einfach nur den größeren Parteien ein paar mehr Sitze verschafft ... obwohl sie sie NICHT gewählt haben.
Eine regierungsfähige Partei habe ich in meinem Leben einmal gewählt ... und das war mMn ein schlimmer Fehler. Auch wenn diese Wahl damals half, die "Ära Kohl" zu beenden, was danach kam, war eben nicht besser.
Ich wähle Links ... und wenn die wider Erwarten an der neuen Regierung beteiligt sind, dann war's auch das letzte mal. Denn ich glaube nicht, dass eine linke Beteiligung wirklich zu veränderungen führen kann ... diese Partei hat mMn in der Opposition weitaus bessere Chancen, etwas positives zu bewirken.
Eigentlich möchte ich die Linke auch nicht als Steigbügelhalter erleben, es sei denn, sie macht es wie die FDP und fordert konsequent für jedes Prozent, welches sie zum Regierungsmandat beigertragen haben, einen Ministerposten. Einen Linken als Wirtschaftsminister fänd' ich schon aufgrund der Panik in Unternehmerkreisen einfach witzig ... aber ich glaube nicht, dass der mehr im Sinne der Linken bewegen würde, als die bisherigen Besetzungen. Ich fänds nur lustig zu sehen, wie den Reichen die Muffe geht, bis sie merken, dass sie den genauso einfach handzahm kriegen.
Ich habe Vetrauen zu einigen Parteien ... aber Vertrauen zur Regierung fällt mir aufgrund bisheriger Erfahrung etwas schwer. Eigentlich fehlt mir generell das Vertrauen zu Menschen mit "Drang zur Macht".