Idon schrieb:
Aus deren Sicht verständlich, immerhin war und ist man Russland deutlich näher als den USA oder auch anderen westlichen Staaten.
Ich spreche jetzt aus meiner persönlichen sicht als Linker ... ich bitte das nicht mt Parteimitgliedschaft zu verwechseln. Ich lege wert darauf, dass mein Linkssein eben NICHT an verkrustete Parteiprogramme und -strukturene gebunden ist.
Ich spüre weder eine Nähe zu Russland, noch zu den USA. Weder emotional, noch ideologisch - weder gegenwärtig, noch historisch.
Russland ist nicht "die Linke Idee" (das war und ist eher das krasse Gegenteil von dem, was ICH darunter immer verstanden habe).
Und die USA sind in meinen Augen halt der gelebte Raubtierkapitalismus ... mal ganz davon abgesehen, dass ich mir bei eingen Dingen immer wieder nur eins denken kann "WHAT THE FUCK .. wer hat denen den ins Hirn geschissen". Auch das war und ist bei Russland und den USA nur deswegen unterschiedlich, weil die Russen das mit dem Vertuschen irgendwie besser raus haben.
Man hört halt weniger von der "anderen Seite" eines mental irgendwie noch immer vorhandenen eisernen Vorhangs als von den eigenen Verbündeten.
Eigentlich hat sich propagandistisch nichts geändert ... die Russen sind noch immer Verbrecher (bei Putin passt es leider), und mit Verbrechern verhandelt der Westen eben nur, wenn er daran auch richtig gut verdienen kann.
Pinochet war auch kein netter Kerl, aber "sein" Chile wurde vom Westen lange Zeit als Vorzeigekapitalismus gefeiert ... obwohl er sich an die Macht geputscht hat und dabei noch einiges krasseres unternahm, als Lukaschenko oder Putin aktuell tun. Aber Pinochet war eben Antikommunist, und hat bei seinem Putsch eine demokratisch gewählte sozialistische Regierung abgesetzt ... im Sinne der Dominotheorie, MUSSTEN z.B. die USA so jemanden unterstützen (sie haben es nebenbei nicht nur in Mittel und Südamerika getan).
Im Ostblock haben sich die Russen sicherlich nicht besser benommen ... aber man hat es eben immer wieder breit aufgetischt bekommen (es war in der Tat schwer, dem aus dem Weg zu gehen).
Um das mit Pinoxchet in den 1980ern einigermaßen zeitnah mitzubekommen, musste man schon Flüchtlinge aus Chile kennen.
Oder sich eben damit beschäftigen, wie BEIDE Systeme im kalten Krieg ganz selbstverständlich Diktaturen hofiert haben, wenn es den eigenenen Interessen diente.
Ich sehe keinen triftigen Grund dafür, zu denken, dass die Zentralmächte der ehemaligen Blöcke (USA und "Russland") heute irgendwie großartig anders handeln.
Der "kalte Krieg" ist erst seit knapp 30 Jahren "vorbei". Es wird länger dauern, diese Wunden zu heilen, denn sie wurden knapp 70 Jahre lang beideseits eben doch nur vertieft und waren in die "Block-Identitäten" integriert. "Wir" und "Die da" ... die einfachste Sache der Welt ... das kapiert jeder Trottel, egal wie scheiße es ihm im eigenen System auch gehen mag.
Aus dem Experiment Kommunismus wie es seit dem 1. Weltkrieg gelaufen ist, sollten wir lernen, wie es nicht geht. Denn dieses Experiment ist auf jeden Fall gescheitert. Wir sollten uns bemühen, herauszufinden, woran es gescheitert ist ("der Mensch" ist mir zu einfach obwohl es definitiv ein wichtiger Tel der Erklärung ist), und was man für den Kapitalismus aus diesem Experiment, welches letztlich auch aus ihm erwachsen ist, lernen kann.
Der Entwicklung einer Massenbewegung (und das war der Sozialismus am Anfang des 20. Jahrhunderts) liegen immer echte Bedürfnisse von Menschen zugrunde, welche der Markt nicht befriedigt.
Wir sollten mal nachschauen, ob unser Markt diese Bedürfnisse wirklich besser befriedigt, als der um 1900 es scheinbar tat. Und eventuell sollten wir auch über de Art nachdenken, WIE diese Bedürfnisse befriedigt werden.