@Vektorfeld
Ein solches Handeln gegen das Gemeinwohl können wohl nur Egoisten für rational halten.
Ich stelle also fest, dass du das Dilemma des Allgemeinguts nicht so recht verstehst, oder eben (wie für Egoisten typisch), einen kurzfristigen Vorteil dem langfristigen Funktionieren eines für ihn nicht ganz so profitablen Systems vorzieht.
Zumindest scheinst du dieses Handeln für rational zu halten.
Ich halte es für ziemlich dumm.
Wenn man sich damit beschäftigt, was egoistische Rationalität so alles rechtfertigt, dann muss man sich über den Zustand der Welt (vor allem der Umwelt) eigentlich nicht mehr wundern.
Das muss so, weil es kurzfristig bzw. -sichtig einfach "vernünftiger" ercheint, die Umwelt zum eigenen Vorteil zu zerstören, als sich an Gemeingut in gutem Zustand zu erfreuen. Davon könnten dann ja alle profitieren, und das ist genau das, was der Egoist eben NICHT will ... der will eine Welt in der ER am meisten profitiert.
Leider sehen das alle (oder zumindest sehr viele) so ... also führt das auch regelmäßig mal zu streit in dem es im Grunde nur darum geht, wer auf Kosten aller anderen das größte Stück vom Kuchen abbekommt.
Vektorfeld schrieb:
Blame the game, not the player
Wenn es Spieler gibt, die sich zum Beispiel gegen jede eventuell positive Veränderung der Regeln stellen (weil das in der Gier-Denke halt rational erscheint), dann kann man irgendwann nicht mehr das Spiel für sein fortwährendes Scheitern verantwortlich machen.
Denn dann liegt das an Spielern, die ihre Möglichkeiten auf Kosten anderer zu gewinnen, um jeden Preis verteidigen wollen.
Genau das machen z.B. die Lobbyvereine der Autobranche, der Land- und Forstwirtschaft oder so ziemlich jedes etwas bedeutenderen Wirtschaftszweiges, wenn sie sich gegen Lobbyregister stellen, Parteispenden auf unter €50.000,- beschränken (Anonymität hilft beim Abzocken ... und Parteispenden bis 50.000 sind seit 2002 nicht mehr meldeflichtig) oder sich dafür stark machen, dass beim Finanzamt NICHT mehr Wirtschaftsprüfer eingestellt werden können.
Allein das Spiel könnte man dafür nur verantwortlich machen, wenn es nicht auf diese Weise manipulierbar wäre.
Leider sind die Regeln eben nicht auf "Unmanipulierbar" gebürstet und für die Manipulatoren ist es eben "rational", dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt.
Ich spiele jetzt mal ein bisschen ...
Das Gemeingut-Spiel im Video ist stark vereinfacht ... erweitern wir es um eine Regel, dass man "alles oder nichts" Einsetzen muss.
Und jetzt stell dir mal vor, die anderen würden nicht aussteigen und nur einer oder 2 behalten konsequent jede Runde ihren Einsatz.
Bei diesen Beiden ist der Gewinn gleich Null und ihr Vermögen steigt jede Runde garantiert um den Betrag X (das, was du in jeder Runde als Grundeinsatz erhältst) an. Der Rest setzt Alles und die Summe der gemachten Einsätze wird verdoppelt und wieder durch N (Anzahl Teilnehmer) geteilt.
Was passiert?
Genau ... die Gewinne ALLER bleiben unterm Optimum ... und irgendwann wird der Effekt sogar stark genug, dass auch die Verweigerer einen Gewinn unterhalb des Optimums erzielen (kurzfristig liegen sie natürlich drüber).
Hätten sie sich nicht dazu entschieden, nichts zu setzen, dann hätten auch sie bis in die Ewigkeit hinein das Optimum aus dem Spiel herausholen können. Und dieses Optimum tendiert durch die Zusatzregel gegen unendlich, denn das was da passiert ist exponentielles Wachstum.
Wie die individuellen Gewinne dabei jede Runde aussehen, wenn du X=1 setzt, kannst du dir an den Zweierpotenzen ansehen. Den Verlust aller durch ein, zwei, drei oder M Aussteiger zu berechnen, ist etwas komplizierter aber auch kein Hexenwerk.
daran ändert sich nebenbei auch nichts, wenn die Leute nicht komplett aussteigen ... auch das mindert langfrristig den möglichen Gewinn aller ... auch den der Geizkragen.
Durch Ausstieg oder sparen wird dieses Spiel insgesamt einfach weniger profitabel.
Oder in Reallife ... der allgemeine Wohlstand steigert sich langsamer, als er könnte.
Langfristig ist das also alles andere als rational. Mal vom mathematischen Standpunkt aus.
Der echte Gierhals bleibt dabei und scheißt halt drauf, dass es bei allen anderen ganz genau so gut funktioniert. Denn dadurch läuft das Spiel, von dem er profitiert endlos und er muss sich nie ärgern, dass es vorbei ist und er nicht NOCH mehr hat rausholen können.
Wenn niemand aussteigt, gibt es eigentlich keinen rationalen Grund auszusteigen. Der kurzfristige Gewinn durch Ausstieg ist langfristig irrational, wie ich oben gezeigt habe.
Das Spiel könnte auch ewig weiterlaufen, wenn alle abwechselnd immer nur für eine Runde aussteigen ... aber daduch steht am Ende eben auch keiner besser da. Und auch das mindert insgesamt den möglichen Gewinn aller.
Eigentlich ist in diesem Spiel das Streben danach, besser als die anderen zu profitieren, langfristig irrational.
Leider hat die Realität nicht ganz so einfache Regeln, wie das Gemeingut-Spiel oder das Gefangenendilemma und die meisten der hier "neu eingeführten" Regeln sind einfach nicht überprüfbar.
In der Realität wird es nie allen unendlich gut gehen, nur weil alle fein das Gemeingut pflegen.
Das ganze ist eher theoretischer Natur, aber dieFolgen egoistischen Handelns kann man nunmal überall beobachten ... dafür muss man nichtma das WG-Leben kennen.
Wie viele Masken seht ihr auf einem Spaziergang einfach so rumliegen?
Ich sehe fast immer nur Leute, die die Dinger brav in eine Mülltonne schmeißen ... aber die Masken laufen da halt auch nicht von selber hIn, wo man sie liegen sieht ... naja ... wahrscheinlich hebt der Wind sie aus der Mülltonne hinaus

... alle Drölfzigtausend.