@Eldok
Dann nehmen wir eben die Aussage, dass Menschen, die nichtmal ein Fahrrad repariert bekommen, anderen erzählen wollen, wie die ein Auto zu reparieren haben.
Natürlich ist das wenig erfolgversprechend und natürlich ist dieses verhalten nicht auf einzelne soziale Schichten oder Bildungsniveaus beschränkt, sondern eine ganz normale Folge der funktionalen Entmischung unserer Gesellschaft und der mit Individualismus und Egoismus einhergehenden Selbstüberschätzung.
Ich kann ein Fahrrad reparieren seit ich ca. 10 Jahre alt bin (mechanische Räder ... eBikes sind nochmal was anderes), aber ich würde nie auf die Idee kommen, einem KFZ-Mechatroniker was über seine Arbeit erzählen zu wollen.
Ich würde eine Werkstatt aber auch nicht einfach machen lassen (denn da zahlt man meist nur drauf) sondern mir vorher mehrere Kostenvoranschläge holen ... nicht weil ich den billigsten nehmen will, sondern weil ich keine Lust habe, dass ich nachher teure aber unnötige Reparaturen bezahlen muss.
Bei DIngen, für die nur ein wenig Physikkenntnisse und ein bisschen Mathe nötig sind, maße ich mir aber an, mMn falsche Berechnungen zu krtisieren.
Vor allem finde ich es ziemlich lächerlich, Variablen auszuschließen, weil die das Ergebnis in eine "nicht so angenehme" Richtung verschieben würden (Stichwort "graue Energie") so wie wir das über Jahrzehnte hinweg mit Autos, Atomkraftwerken und sehr vielen anderen Industrieprodukten erlebt haben.
"Das KFZ hat einen CO2-Ausstoß von X Kg pro 100km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von Y km/h". Das liest sich in einem Prospekt ganz toll, trifft aber nicht zu, sondern ist reines Verkaufsargument.
Wenn man mit solchen Angaben dann versucht zu errechnen, wie viel CO2-Äquivalente durch den verzicht auf ein Auto eingespart werden, dann liegt dieser Wert natürlich viel zu niedrig, weil dabei weder der Ausstoß bei Rohstoffgewinnung, Produktion und Transport, noch bei der Entsorgung des Fahrzeugs berücksichtigt werden. Um eine solche Rechnung abzusegnen, hätte ich schon direkt nach dem Studium mindestens 1% des Jahresgewinns der Daimler Benz AG verlangt ... und zwar JEDES Jahr.
Wenn man dann den Neukauf eines sparsameren Autos z.B. mit der "Abwrackprämie" belohnt, dann geht der Schuss eben zwingend nach hinten los, denn je kürzer ein Auto aktiv gefahren wird, desto mieser ist seine Energie- und CO2-Bilanz ... fast unabhängig vom Verbrauch im Strassenverkehr.
Man kann berechnen, nach wie vielen Jahren dieses Verhältnis kippt ... und nach dieser Berechnung wird dann auch klar, dass ein nach 5 oder 10 Jahren verschrottetes Auto einfach nur eine riesige Umweltsauerei ist, die nicht wirklich mit dem fortgesetzten Betrieb eines 30 Jahre alten Ford Transit zu vergleichen ist.
Und trotzdem macht man sich eher über den stinkenden Hippie-Transit mit Umweltschutz-Aufklebern am Heck lustig, als über den, der alle 5 bis 10 Jahre das neueste Modell anschafft, und das alte nur an einen Schrotthändler verkauft, um sich die Abwarackprämie zu sichern.
Zum Glück hält diesen Unsinn mittlerweile kaum noch jemand für etwas anderes, als ein Konjunkturpaket für die Autoindustrie ... eventuell wären die deutschen Autobauer weit früher und vor allem ernsthafter auf die eMobilität angesprungen, wenn es das nie gegeben hätte.