News : Spekulationen zu Tridents XP4-Design

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Nachdem Trident Microsystems Inc. bereits am 15. April den XP4-Grafikchip vorstellte, stehen nun auch erste Karten vor der Tür. Diese wurden laut der Pressemitteilung bereits ab Mitte April in Sample-Stückzahlen in verschiedenen Varianten ausgeliefert.

Diese verschiedenen Varianten, sowohl für den Notebook- als auch für den Desktopbereich, dürften sich nunmehr kurz vor der Auslieferung durch die ersten Hersteller befinden, wobei die Integration in die Notebook-Produktreihen aufgrund der nötigen Designänderung ein wenig länger brauchen wird.

Mit der CoolPower Technologie will Trident die Leistungsaufnahme auch unter Volllast unterhalb von 3 Watt halten können, indem durch Dynamic Clock Gating, Frequency Scaling und Workload Balancing nicht benötigte Teile des Chips heruntergetaktet, komplett abgeschaltet oder einfach mit einem Minimal-Strom versorgt werden können. Gerade für Notebooks erscheint dieses Design des Chips, der ein DDR-Memory Interface namens SmartTile mit entweder 64Bit oder 128Bit Breite und einer Maximalfrequenz von 333MHz DDR besitzt, welches laut Pressemitteilung mit einem Tiling-Verfahren arbeitet, interessant.

Wie nun bei 3D-Center.de auf Basis dritter Quellen spekuliert wird, basiert nicht nur das Speicherinterface auf einer Tiling-Architektur, was auch nicht allzuviel Sinn ergeben würde, sondern das komplette Design des 30Millionen-Transistor-Chips, der bereits bei UMC in 0,13µ hergestellt werden soll. Dafür spräche, dass laut Mitrax.de, welche für gewöhnlich sehr gut über TBR-Konzepte informiert sind, Trident über eine Lizenz des Talisman-Projektes von Microsoft und Cirrus Logic verfügt. Dieses ist ein Deferred-Rendering/Hidden Surface-Removal Konzept ähnlich dem, welches PowerVR/ImgTech in den Kyro-Chips verwendet, basiert dabei allerdings auf der Unterteilung einer Szene in verschiedene Ebenen, wodurch sich durch "Recycling" großer Teile z.B. der hinteren Ebenen möglicherweise noch mehr Speicherbandbreite sparen liesse, als es mit dem Kyro möglich ist.

Nach den nun aufgetauchten neueren Spekulationen der französischsprachigen Site Inpact-Hardware.com, wonach es drei Desktop-Varianten des XP4 geben soll (T1 mit 64MB, 64Bit-250MHz-DDR RAM und 250MHz Chiptakt, T2 mit auf 128Bit verbreitertem Speicherinterface und der ebenfalls 128bittige T3, der allerdings über 128MB RAM und eine Taktung von 300/350MHz für Chip und Speicher verfüge), wird diese Version allerdings etwas unwahrscheinlicher, denn ein TBR-Design wäre mit einer solchen Speicherbandbreite von bis zu 11,2GB/s (Zum Vergleich: die GeForce4 Ti4600 verfügt nur über 10,4GB/s) schon ein wenig "überbestückt". Ganz besonders gilt dies, wenn man den angepeilten Preis von 70, 80 bzw. 100€ für die Karten berücksichtigt.

Für die größte Ausbaustufe, den XP T3 müsste auch der Speichercontroller des XP4 noch ein wenig aufgebohrt worden sein, da er in der Ankündigung von Trident angeblich nur bis zu 333MHz belastbar sein soll.

Möglich ist allerdings, dass das Talisman-Konzept nicht vollkommen umgesetzt wurde, sondern nur in Teilen im XP4 enthalten ist, so dass ein höherer Bandbreitenbedarf als bei anderen TBR-Designs besteht.

Die DirectX 8-compliancy wird durch den BrightPixel getauften Pixelshader hergestellt, welcher Dx8.1 kompatibel sein soll, also mindestens PixelShader in Version 1.1 anbieten müsste. Die BrightPixel-Engine verfügt über 4 Rendering-Pipelines, die selbst dem kleinsten Modell eine Pixelfüllrate von 1,0 Giga-Pixel bescheren und laut Trident über unglaubliche 8 TMUs pro Pipeline (GeForce2/3/4, Radeon8500: 2 TMUs, Radeon9000/9700: 1 TMU, Matrox Parhelia: 4 TMU). Dies wird jedenfalls durch die Aussage "corresponding to a texture performance of up to 8 billion texels/sec processing rate" suggeriert. Hier liegt jedoch entweder eine Fehlinterpretation des Marketings vor, die eine Single-Pass Multitexturing-Fähigkeit von 8 Texturen pro Pass, wie es z.B. der Kyro bietet, nicht von Single-Pass/Single-Cycle unterscheiden konnte oder wollte oder es wurden ungefilterte Texel der Berechnung zugrunde gelegt (1 Trilinear gefiltertes Texel benötigt 8 ungefilterte Texel als Basis). Wie dem nun auch sei, realistisch ist anzunehmen, dass der XP4 entweder eine (wahrscheinlich) oder maximal zwei (optimistisch) TMUs pro Pipeline besitzt.

Über einen Vertex-Shader in Hardware schweigen sich sowohl Trident selber als auch die Gerüchtküche aus, so dass inbesondere angesichts der nur 30 Millionen Transistoren davon ausgegangen werden muss, dass dieser Teil der DX8-Spezifikation in Software realisiert wird, wie es auch schon der Xabre von SiS, der GeForce4 MX von nVidia und für DirectX7-TnL der Kyro-II SE von PowerVR durchführen.

Ein Gebiet, auf dem Trident dank seiner Spezialisierung auf Notebook-Chips zu den Pionieren gehört, ist die Multi-Display-Technologie, so dass man sich auf bis zu vier (!!) gleichzeitige Ausgabegeräte freuen können soll. Darunter versteht Trident zwei simultane TFT-Displays, ein DVI-Anzeigegerät (entweder LCD oder CRT) sowie einen TV-out. Unterstützt werden auf entsprechenden Monitoren bis zu 2048x1536 (QXGA) Bildpunkte und 1024x768 (XGA) über den TV-out. Was davon nun letztendlich jedoch wirklich unabhängig und damit sinnvoll nutzbar gleichzeitig dargestellt werden kann, liegt momentan noch im Dunkeln.

Auch Motion Compensation, inverse Discrete Cosinus Transformation sowie einen fortschrittlichen De-Interlacer für einen ungetrübten DVD-Genuss stellt der XP4 zur Entlastung des Hauptsystems bereit, kommuniziert wird mit diesem entweder per AGPx4-Standard oder optional per PCI 2.2.

Als weitere Optionen sind von Trident die Notebook-Varianten XP4m16 und XP4m32 mit jeweils 16 bzw. 32MB Framebuffer als Multi-Chip-Module in einem nur 31x31mm großen Package vorgesehen, wie es auch ATi, nVidia und VIA anbieten.

Wie in den folgenden Diagrammen ersichtlich, sieht sich Trident mit dem XP4 T3 in etwa auf dem Leistungsniveau einer GeForce4 Ti4400 bei einem mehr als 50% niedrigeren Preis. Der XP4 T2 liegt demnach knapp unterhalb einer Ti4200 bei ebenfalls weniger als halb so hohen Kosten. Selbst der XP4 T1 mit seinem nur 64Bit breiten Speicherinterface ist leistungsmäßig mit einer Radeon8500Le vergleichbar (und dabei deutlich schneller als bzw. eine GeForce4 MX460) und gleichzeitig deutlich günstiger .

Inwieweit die Serienprodukte diese Spekulationen(!) Lügen strafen oder bestätigen werden, läßt sich derzeit noch kaum absehen, aber interessant klingt das Paket allemal und wenn die Treiber sich nicht als Hindernis erweisen, steht einem ordentlich durchgeschüttelten Einsteigermarkt in den nächsten Wochen und Monaten nichts mehr im Wege.

Marktsituation gegen nVidia
Marktsituation gegen nVidia
Marktsituation gegen ATi
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