Qimonda beantragt Insolvenzverfahren

Update Parwez Farsan
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Nachdem sich Vertreter von Qimonda heute Morgen zunächst ob der Berichte bezüglich der Beantragung eines Insolvenzverfahrens in vornehmes Schweigen hüllten, gibt es mittlerweile eine offizielle Bestätigung des Unternehmens. Dabei hatte man erst Ende Dezember die vorläufige Rettung vermelden können.

Demnach haben die Qimonda AG und die Qimonda Dresden OHG heute beim zuständigen Amtsgericht in München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mit dem Ziel gestellt, die Gesellschaften im Rahmen der bereits begonnenen Restrukturierung zu sanieren. Das Amtsgericht München werde nun einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. Der Vorstand von Qimonda sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren, wie Kin Wah Loh, Vorstandsvorsitzender der Qimonda AG, zu Protokoll gab:

Das deutsche Insolvenzrecht bietet die Chance, unseren bereits begonnenen Restrukturierungsprozess zu beschleunigen und das Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen.

Betroffen sind unter anderem die Standorte in München und Dresden. Als ursächlichen Grund für den nun eingereichten Insolvenzantrag sieht das Unternehmen letztlich den massiven Preisverfall in der DRAM-Industrie in Kombination mit einem sich durch die weltweite Finanzkrise dramatisch verschlechterten Zugang zu Finanzierungen auf den Kapitalmärkten, wodurch sich die finanzielle Position von Qimonda in den letzten Monaten verschlechtert habe. Mit ähnlichen Problemen (siehe auch) haben derzeit auch die großen DRAM-Hersteller in Taiwan zu kämpfen.

Ein Finanzierungspaket unter Beteiligung des Freistaates Sachsen, der Muttergesellschaft Infineon, eines führenden portugiesischen Kreditinstituts sowie weiterer Banken konnte laut Qimonda trotz intensiver jedoch äußerst komplexer Verhandlungen sowie zugesagten Finanzierungshilfen von Kunden in den vergangenen Tagen und Wochen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden. Zudem habe sich zuletzt aufgrund der Verzögerung der Verhandlungen und den damit ausgebliebenen Investitionen in Produktivitätsverbesserungen sowie des Preisverfalls im Dezember-Quartal ein erhöhter Finanzierungsbedarf für das laufende Geschäftsjahr ergeben. Die Finanzierungslücke soll Medienberichten zufolge bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Die Aktie des Unternehmens fiel im Frankfurter Handel im Laufe des Morgens von anfänglich 17 Cent auf ein Tief von sieben Cent. Mittlerweile konnte sich der Kurs jedoch wieder ein wenig fangen und steht aktuell bei rund 9,6 Cent.

Update

Das zuständige Amtsgericht in München hat den Fachanwalt für Insolvenzrecht und Sanierungsexperten Dr. Michael Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Qimonda AG und die Qimonda Dresden OHG bestellt. Zu den bekanntesten Verfahren und Sanierungen in der Insolvenz von Dr. Michael Jaffé zählen KirchMedia und KirchBeteiligung, die Knaus Tabbert Group, die Textilwerke TWD, sowie die NICI AG.