News : Mit dem Raspberry Pi gegen chinesische Zensur

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Ein in China studierender französischer Staatsbürger hat auf dem Raspberry Pi eine mobile VPN-Lösung mit OpenVPN implementiert, die es dem chinesischen Zensurapparat erschwert, den Bürgern den Zugang zu westlichen Quellen im Internet zu blockieren. Neue Wege der Umgehung werden normalerweise schnell wieder vom Apparat blockiert.

Der auf Reddit unter dem Pseudonym „JaiPasInternet“ auftretende Student hat seinen Raspberry Pi nach einer Anleitung im Internet zu einem mobilen WiFi-Hotspot umfunktioniert. Dazu hat er dem kleinen Rechner zusätzlich ein USB-WLAN-Modul spendiert und benutzt das Programm Hostapd, um ein Funknetzwerk aufzuspannen. Darauf greift er dann per iPhone oder Android-Tablet zu.

Diese Lösung ist recht mobil, benötigt wird lediglich ein Ethernet-Port zur Anbindung an den VPN-Server zu Hause in Frankreich und ein USB-Anschluss für die Stromversorgung. Die Mobilität verhindert in diesem Fall zusätzlich, dass die Zensurbehörden den VPN-Server identifizieren und in der Folge blockieren. Wie „JaiPasInternet“ berichtet, ist diese Verbindung stabiler und performanter als das, was die VPN-Clients für das iOS-Smartphone oder das Android-Tablet bieten. Die Tatsache, dass es einige Zeit dauert, bevor die Verbindung steht, hält er bei der gegebenen Stabilität nach dem Connect für vernachlässigbar. Die einzige weitere nötige Modifikation ist, die Firewall zu instruieren, TCP-RST zu ignorieren, denn darüber setzten die Zensuristen unerwünschte Verbindungen zurück.

TGFC (The Great Firewall of China), wie die Chinesen ihr Zensurbollwerk nennen, betrifft nicht nur Privatpersonen, im gleichen Reddit-Thread berichtet ein Chinese, der für die beiden VPN-Anbieter HostVPN und Marchco arbeitet, man sei ständig dabei, Ports zu wechseln, um der Blockade zu entgehen.

China bietet seinen Bürgern Äquivalente wie beispielsweise Baidu als Suchmachinenersatz für Google, ebenso existieren Facebook und Twitter in chinesischen Kopien. Außerdem gibt es ein großes Angebot an kostenloser Musik und Filmen. Damit sind laut Einschätzung der User von Reddit in China rund 90 Prozent der Bevölkerung zufrieden. Die restlichen 10 Prozent möchten auch westliche Inhalte unzensiert nutzen können.

41 Kommentare
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Ergänzungen aus der Community

  • captmcneil 04.06.2013 16:00
    [...] Davon abgesehen, so lange hierzulande die "jungewelt" und die "junge Freiheit" einträchtig publiziert werden dürfen, sind wir den Chinesen pluralistisch trotzdem meilenweit voraus Crowbar
    Danke für diesen Post. Ich bekomme Magengeschwüre, wenn hier jeder Depp über unser Rechtssystem abkotzt und "Zensur zensur" schreit, weil er seine Filme nicht mehr illegal bei Kino.to runterladen kann, weil wir hier Nazi-Content blocken, oder weil er auf Spiegel.de nicht das liest, was er gerne lesen möchte.

    Wem zu einseitig recherchiert wird, dem steht es frei, einen eigenen Blog aufzumachen, und selber zu recherchieren. Im Gegensatz zu anderen Ländern, teilweise sogar in der näheren Umgebung, muss man hierzulande nämlich nicht befürchten, dass die Geheimpolizei vor der Türe steht, wenn man der Meinung ist, dass die Regierung Mist baut, man für Schwulenrechte eintritt oder sonstwelche von den Sitten abweichenden Themen verbreitet.

    Wem's hier nicht passt, der kann ja gern nach China ziehen. Und wenn's da "nicht so schlimm ist", kann er wegen mir auch gleich dort bleiben. Wer die Situation hier nicht schätzen kann, sollte mal erleben, was es bedeutet, in einem Land wie China willkürlich irgendwo am Flughafen einkassiert zu werden, ohne gesagt zu bekommen, wieso.