11/16 AMD Radeon R9 Fury X im Test : Eine ernsthafte Alternative zu Nvidias Topmodellen

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Sind 4 GB HBM genug?

Fiji setzt auf den neuen und deutlich fortschrittlicheren Speicher vom Typ HBM, ist aber auf 4.096 MB limitiert. AMD versichert, dass die vier Gigabyte auch für zukünftige Spiele ausreichen. Die Tatsache, dass Radeon R9 290X und Radeon R9 390(X) bereits auf acht Gigabyte setzen, soll dieser Argumentation nicht widersprechen. Fiji geht laut AMD deutlich sparsamer mit dem Speicher um als die GPUs mit angebundenem GDDR5. ComputerBase ist dieser Aussage in zahlreichen Spielen nachgegangen.

Speicherbelegung

Schaut man sich die Speicherbelegung in verschiedenen Spielen an, fällt schnell auf, dass sich die Radeon R9 Fury X tatsächlich anders als zum Beispiel die Radeon R9 390X und die Radeon R9 290X verhält. Während sich die GDDR5-Grafikkarten zum Beispiel in Assassin's Creed Unity sieben Gigabyte Speicher genehmigen, kommt die Radeon R9 Fury X in demselben Spiel mit rund 3.950 MB nur knapp an die Vier-Gigabyte-Grenze, ohne dass sich auf den ersten Blick Unterschiede in der Leistungsfähigkeit ergeben.

Noch deutlicher wird der andere Umgang mit dem Speicher in Call of Duty: Advanced Warfare sowie Mittelerde: Mordors Schatten. Im First-Person-Shooter belegt die HBM-Grafikkarte nur 3,1 Gigabyte, andere Vier-Gigabyte-Karten dagegen den vollen Speicher. Und auch in Mittelerde, das eigentlich als VRAM-Fresser verschrien ist, bleibt die Belegung mit 3.771 Megabyte ein Stück darunter. Die Radeon R9 390X adressiert in dem Spiel fast den doppelten Speicher. Dabei fällt auf: Die Optimierungen scheinen erst dann zu greifen, wenn der Speicher knapp zu werden droht. So gibt es Spiele, in denen bei höheren Auflösungen weniger Speicher adressiert wird als in niedrigeren.

Dass „Speicher ist belegt“ nicht gleich „Speicher wird benötigt“ bedeutet, hatte sich Anfang des Jahres auch in Folge der Diskussionen um die GeForce GTX 970 gezeigt und ist nicht neu. Die Frage ist, inwiefern sich der auf vier Gigabyte limitierte Speicher und die optimierte Speicherverwaltung auf die Leistungsfähigkeit auswirken.

Frametime-Messungen

Um das herauszufinden, hat ComputerBase zahlreiche Frametime-Messungen mit einem FCAT-System durchgeführt. Als Grafikkarten wurden neben der Radeon R9 Fury X auch die Radeon R9 390X mit acht Gigabyte und die GeForce GTX 980 Ti mit sechs Gigabyte verwendet. Als Auflösungen kamen 2.560 × 1.440 sowie 3.840 × 2.160 (mittels Downsampling) zum Einsatz. Da Hawaii kein DSR bis hinauf zu Ultra HD unterstützt, kommt für diese Auflösung eine Radeon R9 380 (Tonga) mit vier Gigabyte zum Einsatz. In Mittelerde kann hingegen weiterhin die Radeon R9 390X genutzt werden, weil das Spiel selbst Downsampling anbietet.

Der Anfang macht das speicherfressende Assassin's Creed Unity. In dem Titel fühlt sich die Radeon R9 Fury X nicht nur während des Spielens „rund“ an, die Frametimes bestätigen dies. Zwar gibt es anders als bei der GeForce GTX 980 Ti minimale Ausreißer, die aber nicht zu spüren sind. Diese Ausreißer verschwinden auch in niedrigeren Auflösungen nicht, sodass ein Speicherproblem ausgeschlossen werden kann. Vielmehr ist zu erkennen, dass AMDs Speicheroptimierung Fiji selbst gegenüber Tonga mit vier Gigabyte zu einem Vorteil verhilft. Die Radeon R9 380 mit vier Gigabyte GDDR5 zeigt reproduzierbar ein spürbares Haken am Ende der Testsequenz, die Radeon R9 Fury X hingegen nicht.

Auch Call of Duty: Advanced Warfare benötigt viel Speicher, Fiji bekommt aber auch in Ultra HD keine Probleme. Die Frametimes variieren nur gering. Anders dagegen bei der Vier-Gigabyte-Karte mit GDDR5 ohne die Speicheroptimierungen. Dort lassen sich erneut größere Ausschläge messen.

Far Cry 4 zeigt auf allen Grafikkarten von AMD nicht die besten Frametimes, doch hat dies nichts mit dem Speicher zu tun, denn auch in geringeren Auflösungen verbessern sich die Frametimes nicht. Die Radeon R9 380 mit vier Gigabyte zeigt nochmals minimal schlechtere Frametimes als Fiji.

Mittelerde: Mordors Schatten zeigt als einziges der getesteten Spiele einen Unterschied zwischen Fiji mit 4 GB HBM und einer Karte mit 8 GB GDDR5 auf: Die Radeon R9 Fury X ruckelt in Ultra HD leicht, die Radeon R9 390X hingegen nicht. Getrübt wird der Spielgenuss davon noch nicht. In der niedrigeren Auflösung 2.560 × 1.440 verhalten sich alle Testkandidaten dann gleich.

Mittelerde ist damit das einzige aller im Test enthaltenen Spiele, in denen ein Unterschied zwischen Radeon R9 Fury X und Radeon R9 390X messbar ist. Das Spiel ist für seine exzessive Belegung von VRAM bekannt. In allen anderen Titeln zeigt Fiji mit 4 GB HBM keine Nachteile gegenüber Grafikkarten mit mehr VRAM - gegenüber AMDs Tonga mit 4 GB GDDR5 zeigen sich hingegen spür- und messbare Vorteile.

Dass Fiji derzeit keinen Nachteil aus der Kapazität des Speichers erfährt, kann damit als bestätigt angesehen werden. Nicht geklärt werden kann, wie es in zukünftigen Titeln aussehen wird.

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