All-IP-Umstellung : Vodafone will ISDN-Kunden nicht unter Druck setzen

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All-IP-Umstellung: Vodafone will ISDN-Kunden nicht unter Druck setzen
Bild: mpotify (CC BY 2.0)

Vodafone hat angekündigt, bei Bestandskunden in den nächsten Jahren keinen Umstieg von ISDN- auf IP-Anschlüsse erzwingen zu wollen. Das Angebot zielt strategisch auch auf den großen Konkurrenten Telekom, der bei dem Thema in der Kritik steht.

Seit dem vergangenen Jahr drängt insbesondere die Telekom ihre Kunden, ihre analogen oder ISDN-Anschlüsse für einen IP-Anschluss einzutauschen. In einigen Fällen soll es bei Verweigerern der Umstellung zu Kündigungen gekommen sein. Und das nicht ohne Grund: Bis spätestens 2018 soll der Wechsel flächendeckend erfolgt sein.

Vor diesem Hintergrund kündigt Vodafone eine längere Schonfrist an. Bis 2022 ist ein Umstieg auf einen IP-Anschluss bei dem Provider für Bestandskunden keine Pflicht. „Viele wollen ihre ISDN-Anschlüsse weiter nutzen – und haben dafür gute Gründe“, sagt Vodafone-Technik-Chef Eric Kuisch dazu. Zwangskündigungen wird es laut Vodafone nicht geben. Neukunden werden sich allerdings wie gehabt nicht mehr für die Technologie entscheiden können.

Anders ist es bei den Firmenkunden. Für diese soll sogar gelten, dass bis zum Stichtag auch bei einem Wechsel zu Vodafone weiter ISDN-Anschlüsse gebucht werden können. „Unsere ISDN-Kunden sollen selbst entscheiden, wann sie das Netz wechseln“, erklärt Firmenkunden-Chef Philip Lacor.

Strategisch ist die Positionierung Vodafones vor allem ein Angriff auf das Firmenkunden-Geschäft der Telekom. Denn während die Umstellung im Privatkundenbereich durch Neuverträge und Providerwechsel relativ reibungslos verläuft, sträuben sich viele Unternehmen gegen einen Wechsel. Schließlich nutzen gerade mittelständische Firmen die ISDN-Technologie häufig für Abrechnungssysteme und Kommunikationsanlagen. „Allein zwei Drittel aller Telefonanlagen in Firmen laufen nach wie vor auf ISDN“, so Lacor.

Der Aufschub der Umstellung, heißt es bei Vodafone, soll ihnen die Zeit liefern, die Systeme ohne Druck umzustellen. Dazu will der Provider auch kulante Lösungen wie etwa einen parallelen Betrieb von All-IP und ISDN anbieten, bis alle Produkte und Anwendungen für einen endgültigen Wechsel bereit sind.