Western Digital vs. Toshiba: Handelskammer ICC soll im Speicherstreit schlichten

Michael Günsch 2 Kommentare
Western Digital vs. Toshiba: Handelskammer ICC soll im Speicherstreit schlichten
Bild: AJEL | CC0 1.0

Nun herrscht offiziell dicke Luft zwischen den Wirtschaftspartnern Toshiba und Western Digital, die, in verschiedenen Joint Ventures organisiert, gemeinsam NAND-Flash-Speicher entwickeln und produzieren. Western Digital sieht seine Rechte bedroht und hat Schlichtungsverfahren vor der Internationalen Handelskammer ICC angestrebt.

Hintergrund der Streitigkeiten zwischen den Partnern ist der bevorstehende Verkauf von Toshibas Speichersparte, die seit dem 1. April 2017 unter dem Namen Toshiba Memory firmiert. Western Digital sieht die künftige Kooperation durch die Übernahmeverhandlungen mit anderen Firmen bedroht. Toshiba ist aber der Ansicht, allein über den Verkauf entscheiden zu können. Dabei gehören die drei Flash Ventures Flash Partners Ltd., Flash Alliance Ltd. und Flash Forward Ltd. fast zu gleichen Teilen beiden Partnern. Laut einem jüngsten Quartalsbericht (Form 10-Q) hält Western Digital 49,9 Prozent der Anteile, Toshiba gehören 50,1 Prozent. Western Digital hatte mit der Übernahme von SanDisk ebenso die Partnerschaften mit Toshiba erworben.

Western Digital: Toshiba darf Sparte nicht ohne Zustimmung verkaufen

Wie Western Digital nun offiziell mitgeteilt hat, wurde im Namen der betroffenen SanDisk-Tochtergesellschaften Antrag auf Schlichtungsverfahren vor der Internationalen Handelskammer gestellt. Dabei wird Toshiba öffentlich vorgeworfen, durch die Ausgliederung der Sparte in die Schwestergesellschaft Toshiba Memory gegen Vereinbarungen im Rahmen der Flash-Joint-Ventures verstoßen zu haben. SanDisk habe diesem Schritt nicht zugestimmt.

Toshibas Versuch, seine Joint-Venture-Anteile in eine Schwestergesellschaft auszugliedern und dann zu verkaufen, ist ohne Zustimmung von SanDisk ausdrücklich untersagt“, erklärte Steve Milligan, der CEO von Western Digital. Der Schritt vor ein Schiedsgericht sei nicht das erste Mittel der Wahl gewesen. Doch seien alle vorherigen Maßnahmen zur Konfliktlösung nicht erfolgreich verlaufen, „rechtliche Schritte seien jetzt ein notwendiger nächster Schritt“.

Toshiba setzt Verhandlungen unbeirrt fort

Laut Medienberichten hat sich Toshiba-CEO Satoshi Tsunakawa bereits vor Pressevertretern zu den Anschuldigungen geäußert und erklärt, dass das japanische Unternehmen keineswegs gegen Verträge verstoße. Daher habe Western Digital keinen Grund, den Verkauf der Sparte zu stoppen. Am 19. Mai soll die zweite Runde im Bieterverfahren wie geplant abgeschlossen werden.

Berichte im Vorfeld bestätigen sich

Bereits in der letzten Woche wurde berichtet, dass Western Digital Toshiba Verstöße gegen die Vereinbarungen im Rahmen der Joint Ventures vorwerfe. Im Gegenzug habe Western Digital exklusive Verhandlungsrechte im Bieterwettstreit um Toshiba Memory verlangt. Toshiba habe hingegen gefordert, dass sich der Partner aus den Verhandlungen heraushalten soll. Zudem sei Western Digital vorgeworfen worden, Papiere nicht unterzeichnet zu haben. Sollte dies nicht bis zum heutigen Montag erfolgen, wolle Toshiba Western Digital den Zugang zu Fabriken und Datenbanken verwehren. Dies hatte die Nachrichtenagentur Reuters aus Briefen von Toshiba-Anwälten erfahren.