Take Two & Paradox: Steam-Bewertungen werden Protestmittel

Max Doll 71 Kommentare
Take Two & Paradox: Steam-Bewertungen werden Protestmittel
Bild: Rockstar

Gleich zwei Publisher haben in kurzer Zeit ihre Kunden jeweils auf die Barrikaden getrieben. Während Take Two den Anbietern von OpenIV, dem wichtigsten Mod-Tool für GTA V, eine Abmahnung zukommen ließen, hat Paradox Interactive kurz vor dem Summer Sale auf Steam die Preise angehoben.

Wertungen werden zur Waffe

Das allerdings hatte schnelle und profunde Konsequenzen für beide Unternehmen. Die massive Verärgerung der Käuferschaft schlug sich in den Nutzerrezensionen auf Steam nieder, die innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose fielen. GTA V wird derzeit „äußerst negativ“ bewertet, nur 13 Prozent der rund 54.800 Bewertungen der vergangenen 30 Tage sind positiv, insgesamt erhält der Titel nur noch eine ausgeglichene Einstufung.

Ein ähnliches Schicksal ereilte das Rollenspiel Pillars of Eternity von Paradox Interactive. In den letzten 30 Tagen bewerteten nur 31 Prozent von 229 Nutzern den Titel positiv, die Einstufung ist nun „größtenteils negativ“, an der insgesamt sehr positiven Einschätzung hat sich hier aber nichts geändert. Stärker fällt Europa Universalis IV ab, das bei 2.532 Rezensionen in den letzten 30 Tagen nur 26 Prozent positive Wertungen erzielen konnte. Von einem ähnlichen Wertungsabsturz betroffen sind die meisten Spiele des Publishers, wenngleich die Gesamtwertung über alle Bewertungen seit Veröffentlichung noch positiv bleibt.

In beiden Fällen haben Nutzer keinen Zweifel am Grund für ihre negativen Wertungen gelassen, bei Paradox war zudem Frust über eine Unzahl DLCs mit als zu gering empfundenen Inhalten im Spiel. Die drastischen Wirkungen der massenhaften Meinungsäußerungen hatten ein erhebliches Gewicht: Beide Publisher sind zum Status Quo zurückgekehrt.

OpenIV wird wieder angeboten

Take Two hat sich in Anbetracht des Proteststurms, wie Rockstar unter Verweis auf eigene Bemühungen in der Sache auf der eigenen Support-Seite ausführt, bereit erklärt, „grundsätzlich“ nicht rechtlich gegen Projekte vorzugehen, die sich an Einzelspieler richten, nicht-kommerziell sind und die Rechte Dritter achten. Das Statement lässt zwar Spielraum für Interpretationen, weil „Werkzeuge, Dateien, Bibliotheken oder Funktionen, die den Multiplayer oder Online-Dienst beeinträchtigen können“, untersagt werden und sich Rockstar vorbehält, die Bestimmungen jederzeit zu ändern oder gegen einzelne Projekte vorzugehen. OpenIV ist mittlerweile aber wieder verfügbar.

Vorgegangen war Take Two gegen das Tool mit der Begründung, es erlaube „schädliche Mods“ für GTA Online. Das Unternehmen war parallel auch gegen Anbieter von Hacks und Cheats vorgegangen, weil hier in hohem Maße Geschäftsinteressen bedroht sind. Der Verkauf von Ingame-Währung für GTA Online ist für das Unternehmen äußerst gewinnträchtig.

OpenIV richtet sich eigentlich ausschießlich an Einzelspieler und blockiert Online-Modifikationen. Lead Developer Yuriy Krivoruchko räumte allerdings ein, dass immerhin die Möglichkeit zum Unterlaufen dieser Absichten und der entsprechenden Ausrichtung des Tools besteht. Diese Lücke scheint in der nun angebotenen Version aber geschlossen worden zu sein. Das Vorgehen von Take Two erscheint dennoch mindestens ungeschickt, weil kein Gespräch mit den Moddern gesucht wurde.

Paradox senkt Preise

Paradox wehrt sich gegen Vorwürfe, dass Preiserhöhungen im Vorfeld des Summer Sales die tatsächlich gewährten Rabatte minimieren sollen. Es habe sich um eine lange geplante Maßnahme gehandelt, um die Preise verschiedener Märkte „zu harmonisieren“ und die erste Preiserhöhung seit vielen Jahren, so die Stellungnahme.

Kommunikation und Transparenz der Maßnahme werden als eigentliches Problem ausgemacht, künftig will das Unternehmen Preiserhöhungen im Vorfeld ankündigen. Aus diesem Grund würden alle Preiserhöhungen zurückgenommen, auf Steam sei dies aufgrund des laufenden Sales aber noch nicht möglich. Spiele könnten zurückgegeben werden, wobei der ursprünglich gezahlte Preis berücksichtigt werde. Wenn dies nicht möglich ist, werde die Differenz in Spielen erstattet oder, wenn auch dies unmöglich sei, die doppelte Summe an das UNHCR gespendet.

Paradox-CEO Fredrik Wester, der sich für das Feedback bedankte, betonte zugleich, über die Kehrtwende sei nach Gesprächen mit langjährigen Mitgliedern der Community entscheiden worden. Einer „Mob-Mentalität“, womit wohl die zum Ausdruck gebrachte Verärgerung gemeint ist, wolle er aus Prinzip nicht nachgeben. Die DLC-Politik wird mit dem Verweis auf parallel zu Bezahlinhalten veröffentlichte, kostenlose Updates verteidigt.