Xbox One: Abwärtskompatibilität wird kaum genutzt

Max Doll 153 Kommentare
Xbox One: Abwärtskompatibilität wird kaum genutzt
Bild: Microsoft

Die Xbox One kann mittlerweile mehr als 300 Spiele der Vorgängerkonsole wiedergeben. Genutzt wird das Feature aber nur wenig: Nicht einmal 1,5 Prozent der Zeit, die mit der Spielkonsole verbracht wird, dient der Wiedergabe alter Spiele.

Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von Ars Technica auf Basis von 930.000 mit Hilfe einer Third-Party-API ausgewerteten Gamertags. Laut den Daten, die über einen Zeitraum von rund fünf Monaten ab dem September 2016 erhoben wurden, sind nur 1,5 Prozent von insgesamt 1,65 Milliarden Minuten oder durchschnittlich rund 24 von 1.526 Minuten pro Nutzer mit alten Titeln verbracht worden.

Das mit Abstand populärste Spiel war Call of Duty: Black Ops gefolgt von Skate 3, Mass Effect 3 und Halo: Reach. Selbst der Spitzenreiter ist, so die Analyse, aber nur von drei bis vier von 1.000 Spielern gespielt worden. Zudem komme kein anderer Titel der Xbox 360 in die Top-100-Listen der neuen Konsole. Dies decke sich etwa mit Angaben von Microsoft zur Nutzung des Features.

Nur 1,5 Prozent der Nutzungsdauer wird auf alte Spiele verwendet
Nur 1,5 Prozent der Nutzungsdauer wird auf alte Spiele verwendet (Bild: Ars Technica)

Sony hat (nicht) Recht

Damit scheint sich der Ansatz von Sony zunächst als der korrekte Weg zu bestätigen. Der Konzern hat genereller Abwärtskompatibilität in der Vergangenheit mehrfach eine Absage erteilt. Die Begründung: Das Feature werde zwar häufig nachgefragt, aber selten genutzt. Stattdessen werden auf der PlayStation 4 ausgewählte Spiele der PlayStation 2 über den PS Store angeboten, Titel der dritten PlayStation-Generation sind über den Streaming-Dienst PS Now On Demand verfügbar.

Dennoch bietet das Feature mehr als nur einer Minderheit nostalgisch veranlagter Spieler einen Mehrwert: Die Möglichkeit zur weiteren Nutzung bereits erworbener Spiele zu haben hat eine beruhigende Wirkung, weil der Kauf eines neuen Modells nicht mit einer Entwertung des bisherigen Besitzes einhergeht. Daraus erklärt sich auch die hohe Nachfrage nach einer solchen Funktion. Insofern bedeutet eine geringe tatsächliche Nutzung nicht, dass sich die Umsetzung für Microsoft oder Besitzer einer Spielkonsole nicht lohnt. Dafür spricht auch die regelmäßig anwachsende Anzahl von Klassikern, die die Xbox One wiedergeben kann.

Update 14.06.2017 12:56 Uhr

Microsoft hat sich mittlerweile ausführlicher zu den Ergebnissen geäußert. In einer gegenüber VG247 geäußerten Stellungnahme widerspricht das Unternehmen den Schlussfolgerungen entschieden. Eine eigene Analyse, die auf Basis identischer Paramter, aber mit den vollständigen Datensätzen durchgeführt worden sei, habe ein abweichendes Bild gezeichnet.

Die Schlussfolgerungen und Ergebnisse der Seiten seien „grob ungenau und irreführend“, weil die erhobenen Datensätze unvollständig wären; die Seite habe Schlussfolgerungen und Rückschlüsse hinsichtlich der tatsächlichen Nutzung der Xbox aus Daten gezogen, die eine solche Nutzung nur näherungsweise wiedergeben.

Als Beispiel nennt Microosft die Abwärtskompatibilität der Konsole: Spieler seien „in hohem Maße“ mit dem Spielen der Klassiker beschäftigt. Aus diesem Grund werde das Feature überhaupt weiter untstützt und ausgebaut.

Mittlerweile hat auch Ars Technica auf diese neuen Informationen reagiert, nachdem Microsoft erklärt habe, dass die genutzte API dazu dient, „jedem Xbox-Spieler eine näherungsweise Angabe der im Spiel verbrachten Zeit zu nennen, damit eine Möglichkeit zum Vergleich mit anderen Spielen des Dienstes ermöglicht wird“. Laut Microsoft sei der Bereich „My Games & Apps“ nicht von 6 sondern 71 Prozent aller Spieler genutzt worden.

But Microsoft has not provided us with sufficient information to answer this question of relative comparison reliability to our satisfaction [...]

Ars Technica

Ins Detail geht Microsoft ansonsten jedoch nicht, schreibt Ars Technica. Obwohl die Angaben der insgesamten Zeit damit von fragwürdigem Nutzen seien, habe das Unternehmen weing spezifische Informationen gegeben. Unklar sei, ob die relative Nutzung beeinflusst werde oder weiterhin im Kern korrekt sei. Auch die Analyse der erworbenen Spiele werde nicht beeinträchtigt. Die Seite betont, dass zwar Retail-Versionen nicht erfasst würden, die Analyse dies aber auch transparent ausweise.