MIDI 2.0: Ein zweiter Frühling für den 37 Jahre alten Musikstandard

Michael Schäfer 60 Kommentare
MIDI 2.0: Ein zweiter Frühling für den 37 Jahre alten Musikstandard
Bild: Skitterphoto | CC0 1.0

Die MIDI Manufacturer Association (MMA) und die Music Electronic Industry (AMEI) wollen dem betagten Musical Instrument Digital Interface (MIDI) nach fast 40 Jahren zu einem zweiten Frühling verhelfen. Vor allem die bessere Synchronisation steht bei den Entwicklern im Vordergrund.

Nach 37 Jahren immer noch genutzt

MIDI sorgte bei seiner Vorstellung im August 1982 durch Entwickler Roland für eine Sensation. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Verbinden von elektronischen Musikinstrumenten wie Synthesizern, Drum-Computern oder Sequenzern vorrangig nur per Steuerspannung, oft als Control Voltage oder auch CV/Gate bezeichnet, möglich und deren Bedienung umständlich bei deutlich geringeren Möglichkeiten. Dies sollte sich mit MIDI grundlegend ändern.

Anbruch des digitalen Zeitalters

Während CV/Gate in seinen Möglichkeiten stark eingeschränkt war und nur zur Steuerung von Bereichen wie Ton an/Ton aus, Tonhöhe, Lautstärke und Grad oder Güte der Filterung fähig war, konnte MIDI viele weitere Informationen wie Anschlag, Filtereinstellungen, Aftertouch oder ganze Effekteinstellungen steuern. Das Umschalten zwischen verschiedenen Klängen auf einem Instrument war genauso möglich wie die Verwendung zur Datenübertragung – aufgrund der seriellen Arbeitsweise jedoch nur in einer sehr langsamen Geschwindigkeit.

Trotz seiner enormen Vielseitigkeit und der einfachen Verkabelung mittels aus dem HiFi-Bereich bekannten fünfpoligen DIN-Steckern beherbergte das neue System aber auch einige Schwachstellen: Während bei CV/Gate aufgrund der analogen Bauweise die Auflösung nahezu unendlich war, ist MIDI bis heute aufgrund der verwendeten sieben Bits auf gerade einmal 128 Auflösungsstufen limitiert.

Arbeitsweise von MIDI 2.0
Arbeitsweise von MIDI 2.0 (Bild: midi.org)

Eine Frage des Timings

Die größte Schwachstelle des Systems bestand aber in der Synchronisation und im Timing. Gerade Hobby-Musiker konnten sich seinerzeit einen MIDI-Verteiler nur selten leisten, daher wurden die Instrumente in teilweise abenteuerlicher Weise miteinander verbunden. Dafür standen MIDI In (für eingehende Signale), MIDI Out (für über Instrumente gespielte ausgehende Signale) sowie MIDI Thru für durchgehende Signale. So kam es nicht selten vor, dass eine größere Anzahl von Geräten in Serie miteinander verbunden war und damit enorme Latenzen hervorgerufen wurden. Auch kann die Urversion mit ihren sieben Bit bei schnell gespielten Tönen schnell an ihre Grenzen kommen. Es gibt mittlerweile zwar auch Lösungen mit 14 Bit, die aber nur von wenigen Geräten unterstützt werden.

Diesen Umstand will die Version 2.0 Rechnung tragen. So soll sich die Anschlagstärke auf 16 Bit erhöhen, womit eine Unterteilung in nunmehr 65.536 Abstufungen möglich sein wird. Aftertouch soll sogar mit 32 Bit unterstützt werden. Statt wie bisher 16 Kanäle sollen bis zu 256 möglich sein, unterteilt in 16 Gruppen. Durch die Abwärtskompatibilität sind davon 7 Gruppen für Midi 1.0 und 9 Gruppen für MIDI 2.0 vorgesehen.

Alte Geräte mit einbinden

Eine große Herausforderung bei der Entwicklung des neuen Standards lag in der unabdingbaren Kompatibilität zu älteren Musikinstrumenten mit MIDI 1.0. Um diese zu gewährleisten haben sich MMA und AMEI auf die MIDI Capability Inquiry (MIDI-CI) geeinigt. Bei dieser handeln bei einer Verbindung zwei Komponenten untereinander aus, welche Funktionen sie unterstützen um sich dann auf die größtmögliche Teilmenge zu einigen – damit sollen auch Anpassungen an MIDI 1.0 mit abgefangen werden.

Einführungszeitpunkt unbekannt

Ein genereller Zeitplan zur Finalisierung des Standards, der aktuell als „Prototyp“ vorliegt, ist bisher von den Verantwortlichen nicht genannt worden, dafür dürfte es aufgrund des aktuellen Stadiums auch noch zu früh sein. Der bislang nicht öffentliche Entwurf der Spezifikationen für MIDI 2.0 wird von Mitgliedern der beiden Vereinigungen, darunter Instrumentenhersteller wie Roland oder Yamaha sowie Softwarehersteller wie Ableton oder Steinberg, verwendet, um auf den bisherigen Grundlagen Klangerzeuger sowie Controller zu entwickeln.

Ein erster Test der Erzeugnisse soll im Rahmen der Messe der National Association of Music Merchants (NAMM) erfolgen, welche vom 24. Januar bis zum 27. Januar 2019 in Anaheim, Kalofornien stattfindet. Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann der weiteren Entwicklung dienen, bevor das Zertifizierungsprogramm startet.