Crytek: Warface-Team geht eigene Wege

Max Doll 55 Kommentare
Crytek: Warface-Team geht eigene Wege
Bild: Crytek

Crytek trennt sich von Entwicklern im Zweigstudio in Kiew, das mit der Entwicklung des Free-to-Play-Shooter Warface betraut war. Gepflegt wird das Spiel, das insgesamt 65 Millionen Spieler anziehen konnte, von den selben Entwicklern, die nun unter dem Namen Blackwood Games als unabhängiges Studio agieren.

Blackwood Games wird die Entwicklung von Warface vollständig übernehmen und alle bislang angekündigten Updates umsetzen, schreibt Crytek. Dies unterstreicht der Name: Blackwood ist in der Welt von Warface der Name des schurkischen Unternehmens, dem Spieler entgegentreten.

Trennung als Teil einer Neuausrichtung

Diese „strategische und strukturelle“ Veränderung werde positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Marke Warface haben, schreibt Crytek, weil sie es dem Entwicklerteam erlaube, eine engere Partnerschaft mit dem Publisher des Spiels einzugehen. Der heißt nicht mehr Crytek: Die Rechte an Warface hatte das Unternehmen schon 2017 an My.com veräußert.

Crytek selbst helfe die Restrukturierung dabei, sich auf die eigenen „Kernmarken und langfristigen Pläne“ zu konzentrieren, sagte CEO Avni Yerli. Dieses Ziel wurde in ähnlicher Form schon bei den Restrukturierungen der vergangenen Jahre ausgegeben. Schwerpunkt von Crytek sollen neben der Engine wieder Shooter werden, zuvor wurde dabei von Kernkompetenzen gesprochen. Im Wesentlichen bleibt die ausgegebene Parole aber ausgesprochen vage, was auch für die wenig konkrete Begründung für die Trennung gilt.

Andere Gründe für die Trennung

Aktuell arbeitet das Unternehmen im Bereich eigener Marken nur an Hunt: Showdown, das sich gegenwärtig in einer Early-Access-Phase befindet, über weitere zukünftige Pläne ist nichts bekannt. Mit Blick auf die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre und des dünnen aktuellen Portfolios wäre denkbar, dass die Entwickler in Kiew unzufrieden mit Cryteks (Krisen-)Management waren oder sich eine weitere Krise anbahnt.

Ansonsten kommt schwerlich ein Grund in den Sinn, warum ein Entwicklerteam mit gefülltem Auftragsbuch in die Unabhängigkeit gehen sollte – das auch noch in einen Shooter entwickelt, also ein Spiel, das im Bereich von Cryteks ureigensten Kernkompetenzen liegt.

Zukunft des Standortes unklar

Was mit dem Standort in Kiew passiert, ist unklar. Crytek Kiew war nach den Restrukturierungen der vergangenen Jahre neben Crytek Istanbul eine von zwei der ehemals zahlreichen Dependancen außerhalb Deutschlands, die nun zumindest personelle Verluste hinnehmen muss. Dass der Standort geschlossen wird, geht aus der Ankündigung von Crytek nicht ausdrücklich hervor; auf der Homepage des Entwicklers werden noch immer Stellen für das Studio ausgeschrieben.