Browser & Suche: Google gibt in Android nach Druck der EU nun eine Wahl

Jan-Frederik Timm 44 Kommentare
Browser & Suche: Google gibt in Android nach Druck der EU nun eine Wahl

Google wird Nutzer von Android in der EU in Zukunft darüber informieren, dass es neben dem Browser Chrome und der Suche von Google auch Alternativen gibt. Der Konzern reagiert damit abermals auf ein Urteil der EU aus dem Juli 2018. Die Union hatte es als erwiesen angesehen, dass Google die Marktmacht von Android missbraucht.

Google hat gegen Kartellrecht verstoßen

Dass Google strafrechtlich gegen EU-Kartellrecht gehandelt hatte, machte die EU-Kommission an drei wesentlichen Punkten fest:

  • Google hatte von allen Herstellern als Bedingung für eine Lizenzierung des App-Store von Google (Play Store) verlangt, die Anwendung („App“) Google-Suche und die Google-eigene Browser-App (Chrome) auf ihren Geräten vorzuinstallieren.
  • Google hatte Zahlungen an bestimmte große Hersteller und Mobilfunknetzbetreiber geleistet, wenn diese ausschließlich die App Google-Suche auf ihren Geräten vorinstallierten.
  • Google hatte Hersteller, die Apps von Google auf ihren Geräten vorinstallieren wollten, daran gehindert, auch nur ein einziges intelligentes Mobilgerät zu verkaufen, das über eine alternative, von Google nicht genehmigte Android-Version – einen sogenannten Android-Fork – betrieben wird.

Das Bußgeld wurde auf 4,34 Milliarden Euro festgelegt. Google hatte damals 90 Tage Zeit, das rechtswidrige Verhalten abzustellen und tat das auch: Seitdem gibt es für den Play Store, die Google Suche und den Browser Chrome in der EU beispielsweise separate Lizenzabkommen – den Play Store dürfen Abnehmer also auch dann installieren, wenn sie auf Chrome verzichten.

In Zukunft wird Google in diesem Punkt aber noch einen Schritt weiter gehen und bestehenden wie neuen Nutzern auf Geräten mit Android in der EU bei Browser und Suche eine Wahlmöglichkeit geben. Wie genau diese Wahl aussehen wird, ist allerdings noch offen.

Konkurrenz verhalten optimistisch

Der Anbieter des in Deutschland entwickelten Browsers Cliqz zeigt sich deshalb vorerst auch nur verhalten optimistisch.

Wir begrüßen, das Google dem Druck der EU-Kartellwächter nachgibt. Ob das wirklich zu einem fairen Wettbewerb führt, in dem auch kleinere Anbieter mit innovativen, von Google unabhängigen Geschäftsmodellen eine Chance haben, hängt von der Auswahl der Browser- und Suchalternativen ab. Die entscheidende Frage ist, ob auch datenschutzfreundliche europäische Anbieter wie Cliqz prominent in die Auswahl kommen. Sonst wird aus der Monopolstellung ein US-Duopol aus Google und Microsoft.

Dr. Marc Al-Hames, Geschäftsführer von Cliqz