Studie: Netflix entgehen Milliarden durch Account-Sharing

Aljoscha Reineking 393 Kommentare
Studie: Netflix entgehen Milliarden durch Account-Sharing
Bild: Jade87 | CC0 1.0

Account-Sharing bei Streaming-Diensten ist nur in engen Grenzen erlaubt und wird dennoch häufig genutzt, um die Kosten pro Kopf so gering wie möglich zu halten. Laut einer Studie des US-Blogs Cordcutting.com entgehen allein Netflix rund 2,3 Milliarden US-Dollar Umsatz jährlich durch das Teilen der Accounts.

Hoher Umsatzverlust durch Account-Sharing

Laut Cordcutting.com nutzen rund 15 Prozent der Netflix-Abonnenten einen Account, der nicht auf sie selbst zugelassen ist, sondern von einem Dritten bezahlt wird. Bei dem Streaming-Dienst von Amazon liegt die Anzahl der geteilten Accounts sogar bei etwas über 16 Prozent.

Die Kosten für die Nutzung des Accounts werden in der Regel auf alle Teilnehmer ausgeteilt und damit reduziert. Am häufigsten werden dabei Account-Daten innerhalb von Familien weitergegeben. Dabei werden die Login-Daten mit den Eltern, Geschwistern oder dem Partner geteilt.

Im Rahmen der Studie wurden 1.127 Anwender zu ihrem Streaming-Verhalten befragt. Bei der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse wurden alle Anwender mit geteilten Accounts als potenzielle Kunden für eine eigene Mitgliedschaft gewertet. Für Netflix ergibt sich mit geschätzten 24 Millionen Nutzern ohne eigenen Zugang bei einem Preis für den Basis-Zugang von 7,99 US-Dollar ein Umsatzverlust von 192 Millionen US-Dollar monatlich oder 2,3 Milliarden US-Dollar jährlich, bei Amazon Prime Video liegt der hypothetische Umsatzverlust bei 45 Millionen US-Dollar in einem Monat oder 540 Millionen US-Dollar im Jahr. Als Basis dienen die aktuellen Nutzungszahlen der Streaming-Dienst-Anbieter.

Studie mit Vorsicht genießen

Die Studie selbst ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Weder sind über die Qualität der Stichproben Informationen bekannt, noch ist die Annahme, dass alle Anwender mit geteiltem Account auch selbst einen Vollpreis-Account erwerben würden, gesichert. Darüber hinaus könnte die Anzahl der zahlenden Nutzer ohne Möglichkeit zum Account-Sharing sogar sinken, wenn die Anwender nicht bereit sind die Kosten für den Dienst vollständig selbst zu bezahlen.

Teilen des Netflix-Accounts nicht grundsätzlich verboten

In den AGB der Streaming-Anbieter ist das Teilen der Accounts nicht grundsätzlich verboten. Offiziell darf ein Zugang allerdings nur im eigenen Haushalt geteilt werden, für diesen Zweck ist es auch möglich unterschiedliche Profile in einem Account zu erstellen. Das Teilen der Account-Daten mit Bekannten, die nicht in einer Hausgemeinschaft wohnen, ist verboten.

Streaming-Anbieter arbeiten an Lösung für das Account-Sharing

Um das Teilen der Accounts künftig zu unterbinden, arbeiten unter anderem Netflix und Spotify an Lösungen, die geteilte Zugänge erkennen sollen. Alternativ könnten die Anbieter die Preise für Accounts mit mehreren Profilen erhöhen und damit Einnahmen durch Account-Sharing erzielen.