Handelskrieg 2.0: Japan schränkt Exporte nach Südkorea ein

Michael Günsch 82 Kommentare
Handelskrieg 2.0: Japan schränkt Exporte nach Südkorea ein
Bild: Samsung

Während sich die USA und China im Handelsstreit wieder angenähert haben, hat sich die Beziehung zwischen Japan und Südkorea verschlechtert. Laut örtlichen Medien schränkt Japan Exporte an die Tech-Branche Südkoreas künftig ein. Versorgungsengpässe für Chip-Hersteller wie Samsung und SK Hynix werden befürchtet.

Unter anderem die japanische Tageszeitung Sankei Shimbun wie auch die Nachrichtenagentur Kyodo News berichten, dass Japan Exporte von High-Tech-Materialien an Südkorea künftig strenger kontrollieren wolle. Laut dem Sankei-Bericht müssen japanische Firmen fortan für jeden der betroffenen Exporte eine gesonderte Erlaubnis beantragen, deren Erteilung aber etwa 90 Tage respektive rund drei Monate dauern könne.

Display- und Speicherhersteller müssten 90 Tage auf Lieferung warten

Konkret sollen bestimmte Chemikalien für die Halbleiterherstellung betroffen sein, die zuvor sogar bevorzugt behandelt und ohne strenge Regulierung exportiert worden seien. Die japanische Tageszeitung hat zum einen „fluorinated polyimide“ genannt, die unter anderem in Smartphone-Displays eingesetzt würden. Die sogenannten „resist and high-purity hydrogen fluoride“ würden hingegen bei der Herstellung von Halbleiter-Chips benötigt. Japan besitze einen Anteil von etwa 90 Prozent respektive 70 Prozent an der weltweiten Produktion beider Chemikalien. Entsprechend schwierig würde sich die Suche nach Alternativen für Südkorea gestalten, so der Bericht.

Von befürchteten Engpässen bedroht sei somit unter anderem die südkoreanische Display-Fertigung bei Samsung und LG. Doch auch die Produktion von Speicherchips bei Samsung sowie SK Hynix könne beeinträchtigt werden; beide zählen zu den führenden Herstellern von DRAM und NAND-Flash.

Wie Nikkei berichtet, gelten die Exportbeschränkungen bereits ab dem morgigen Donnerstag. Das lange Warten auf eine Exportfreigabe könnte zu Versorgungsengpässen führen. Eine Quelle aus Kreisen des Speicherherstellers SK Hynix habe erklärt, dass die eigenen Lagerbestände der betroffenen Chemikalien keine drei Monate halten würden. Sollten die Exporte so lange ausbleiben, müsse die Produktion sogar angehalten werden, sofern keine alternative Quelle gefunden wird. Medien sehen bereits die Chip-Versorgung von Apple, Huawei oder Sony bedroht, die in ihren Produkten Speicherchips aus Südkorea einsetzen. Letztlich werden aber erst die kommenden Wochen zeigen, wie brisant die Situation wirklich ist.

Konflikt führe auf Zwangsarbeit im zweiten Weltkrieg zurück

Die Export-Beschränkungen werden als Sanktionen Japans bezeichnet, die als eine Reaktion auf einen Disput über die Entschädigung von Zwangsarbeitern im zweiten Weltkrieg gelten. Der Oberste Gerichtshof Südkoreas hatte im Oktober eine Pfändung von Vermögen der japanischen Firma Nippon Steel veranlasst, nachdem sich diese geweigert hatte, eine entsprechende Kompensation zu zahlen. Japan bezeichne das Thema Zwangsarbeit aber als lange geklärt und das Urteil Südkoreas als „undenkbar“.