Überlegenheit der Maschine: KI erreicht Grandmaster-Rang in StarCraft 2

Max Doll 98 Kommentare
Überlegenheit der Maschine: KI erreicht Grandmaster-Rang in StarCraft 2
Bild: Blizzard

AlphaStar, eine von der Google-Tochter DeepMind entwickelte KI, hat sich in der europäischen Competitive-Rangliste von StarCraft 2 etabliert. Das Programm konnte mit allen drei Fraktionen den Großmeister-Rang erreichen und zählt nun zu den besten 0,2 Prozent der Spielerschaft.

Als Herausforderung wird das Videospiel betrachtet, weil es komplexe Entscheidungen in Situationen abverlangt, die vom Verhalten anderer Teilnehmer abhängen und in denen auf Basis unvollständiger Informationen oder falscher Annahmen mit tausenden Entscheidungsmöglichkeiten agiert werden muss. Strategien müssen im Spiel zudem langfristig geplant werden, was zu einem enormen Planungshorizont führt.

Eine KI, die in diesem Umfeld erfolgreich agiert, kann dies in der echten Welt ebenfalls – die Entscheidungssituation respektive die Herausforderung ist identisch. Welche Vorteile StarCraft 2 bei der Entwicklung einer KI bietet und wie AlphaStar funktioniert, hatten ihre Väter schon zu Jahresbeginn erläutert.

KI spielt wie ein Mensch, nur besser

Damit die KI auf realistische, unveränderte Bedingungen trifft, trat sie anonym an. Spieler konnten zwar per Opt-In-Verfahren an dem Test von AlphaStar teilnehmen, wussten aber nie, welcher ihrer Gegner oder ob überhaupt ein Gegenspieler nicht aus Fleisch und Blut besteht. So sollte verhindert werden, dass dem Computer mit anderem Verhalten begegnet wird als einem echten Spieler.

Die Bedingungen waren auch an anderer Stelle realistisch. Das Programm unterlag den gleichen Einschränkungen wie menschliche Spieler, es durfte unter anderem nur den Bildschirminhalt einsehen und nur an der Kameraposition agieren. Außerdem wurde die Anzahl der Klicks pro Minute auf ein menschliches Niveau begrenzt.

Menschsein als Vorteil

Vor dem Aufenthalt wurde die KI 44 Tage auf Basis von Replays und Spielen gegen sich selbst trainiert. Dies war nötige Grundvoraussetzung, da erst nach tausenden Eingaben bewertet werden kann, ob das Handeln erfolgreich war – es braucht Trainingsdaten, um Anhaltspunkte für Entscheidungen zu haben. Hilfestellungen hat die KI im Gegensatz zu früheren Versuchen dieser Art nicht bekommen. Sie hat ihr Verhalten vollständig maschinell auf Basis neuronaler Netze erlernt.

Die „Vermenschlichung“ erwies sich dafür als wichtige Komponente. Da sich AlphaStar nicht darauf verlassen konnte schneller zu sein, musste das Programm über (menschliche) Strategien gewinnen und sich in diese Richtung entwickeln. Wie ein Großmeister hat AlphaStar allerdings nicht immer gespielt. Laut einem Profi-Spieler führte die KI mit Erfolg „unvorstellbar ungewöhnliche“ Strategien ins Feld – und zeigt so auf, welches Möglichkeiten StarCraft-Profis derzeit auslassen.