Android 12: Installation alternativer App Stores wird einfacher

Nicolas La Rocco 124 Kommentare
Android 12: Installation alternativer App Stores wird einfacher

Google nimmt Anpassungen an der eigenen Distributionsplattform Google Play vor und reagiert damit auf das Feedback von Entwicklern. Diesen soll es künftig einfacher gemacht werden, Apps über alternative App Stores anzubieten. Bei der Kaufabwicklung hebt Google klarer hervor, welche Apps Googles Bezahlsystem nutzen müssen.

Googles Reaktion auf das Entwickler-Feedback ist eine unmittelbare Folge der Streitigkeiten zwischen einzelnen Entwicklern und Apple in Bezug auf deren App Store und In-App-Bezahlsystem. Im Juni war es der E-Mail-App-Entwickler „Hey!“, der sich dazu gezwungen sah, Apples In-App-Bezahlsystem verwenden zu müssen. Letztes prominentes Beispiel des Konflikts ist Epic Games, das Apples Bezahlsystem mit 30 Prozent Beteiligung für den Plattformbetreiber ebenfalls als unfair betrachtet und nach Umgehung des Systems mit dem Spiel Fortnite nicht mehr im App Store vertreten ist und sich seit gestern vor einem Gericht in Kalifornien darüber mit Apple streitet. Nach den Voranhörungen soll der eigentliche Prozess erst im Juli 2021 beginnen.

Android 12 offen für App Stores Dritter

Bei Google wiederum sind die Fronten bei Weitem nicht so verhärtet. Dennoch geht das Unternehmen nun auf die Entwickler zu und verspricht Vereinfachungen und mehr Klarheit. Das fängt bereits bei der Auswahl des App Stores an, der auf Android-Smartphones und Tablets schon immer nicht zwangsweise von Google stammen musste. Alternative App Stores können anders als bei Apple ohne „Root“ oder „Jailbreak“ installiert werden. Dennoch habe es Feedback von Entwicklern gegeben, wonach die Installation weiterer App Stores einfacher gestaltet werden könnte. Die Vorschläge will Google mit Android 12 umsetzen, wobei noch nicht bekannt gegeben wurde, welche Veränderungen im Detail geplant sind. Denkbar ist eine Reduzierung der Warnmeldungen.

Googles Bezahlsystem für digitale Güter

Entscheidet sich ein Entwickler aber für Google Play als Distributionsplattform, muss er unter gewissen Voraussetzungen Googles Bezahlsystem mit einer Beteiligung am Umsatz durch Google verwenden. Wann exakt dies der Fall ist, erklärt Google nun präziser in einem neuen Support-Dokument für Entwickler, das ab 20. Januar 2021 gültig ist. Google erklärt, Entwickler hätten reklamiert, dass die bisher verwendeten Formulierungen nicht klar genug gewesen seien, wann eine App Googles Bezahlsystem benutzen muss. Im Grunde genommen erfolgt bei Google ebenso wie bei Apple eine Aufteilung in digitale Güter, bei deren Kauf Googles Bezahlsystem zum Einsatz kommen muss, und physische Güter, die ohne das System vertrieben werden dürfen.

Keine Vorteile für Googles eigene Apps

Darüber hinaus betont Google die Gleichberechtigung aller Anwendungen auf Google Play, sei es für Anwendungen von Google selbst oder von Dritten. Zum Beispiel nutze Google laut eigener Aussage dieselben Kriterien für das Bewerben eigener und fremder Anwendungen im Play Store. Regelmäßig komme es dazu, dass die Auswahl im Bereich „Editors Choice“ auf Anwendungen Dritter falle, die in direkter Konkurrenz zu Lösungen von Google stehen. Google versichert, dass die Algorithmen für die Platzierung im Play Store für alle Anwendungen inklusive der eigenen dieselben seien, sodass eigene Apps nicht bevorzugt und weiter oben in den Suchergebnissen stehen würden.

Am direkten Draht zwischen Entwicklern und Kunden will Google weiterhin festhalten. Wie das Unternehmen erklärt, sei es auch künftig nicht notwendig, für Rückerstattungen, Gutschriften, Angebote oder Support ausschließlich Google Play zu verwenden. Google werde die Kommunikation über andere Kanäle nicht einschränken, sodass Entwickler ihre Kunden weiterhin etwa auf günstigere Angebote in alternativen App Stores hinweisen oder wie eh und je Rückerstattungen direkt mit dem Käufer abwickeln können.

Spiele-Streaming-Dienste bleiben erlaubt

Google will zudem nicht als Innovationsbremse Entwicklern im Weg stehen und nennt dafür als konkretes Beispiel das Spiele-Streaming aus der Cloud. Gerade dieser Punkt kann durchaus als Seitenhieb in Richtung Apple verstanden werden, wo Dienste wie Stadia, GeForce Now oder der Xbox Game Pass mit Project xCloud schlichtweg nicht angeboten werden können oder die Hürden dafür zumindest extrem hoch liegen.

Im Apple App Store müsste jedes neue Spiel eines Spiele-Streaming-Anbieters auch einzeln im App Store angeboten und jeweils von Apple freigegeben werden, um daraufhin auch über die Cloud angeboten werden zu können. Google wiederum erklärt, man werde auch künftig offen für Innovationen wie das Spiele-Streaming sein.

Entwicklern bleibt noch Zeit

Darüber hinaus geht Google über das Android Developers Blog auf weitere häufig gestellte Fragen von Entwicklern ein. Darin stellt Google unter anderem klar, dass Entwickler für bestehende Apps auf Google Play noch bis zum 30. September 2021 Zeit haben, um diese auf Googles Bezahlsystem umzustellen, sofern sie das laut Richtlinien müssen. Für neue Apps gilt hingegen bereits der 20. Januar 2021 als Stichtag.