Alpenföhn Ben Nevis Advanced im Test: Guter Boxed-Kühler-Ersatz zum attraktiven Preis

Thomas Böhm 98 Kommentare
Alpenföhn Ben Nevis Advanced im Test: Guter Boxed-Kühler-Ersatz zum attraktiven Preis

tl;dr: Alpenföhn positioniert den Ben Nevis Advanced als sinnvollen Ersatz für Boxed-Kühler am Markt. Der kompakt gehaltene CPU-Tower-Kühler erfüllt diesen Zweck gut und punktet mit einem attraktiven Preis. Probleme bekommt das Modell vorwiegend durch die starke Konkurrenz im Preissegment von 20 bis 30 Euro.

Der Ben Nevis ist nicht nur der höchste Berg Schottlands, sondern gemäß der klassischen Nomenklatur von Alpenföhn auch ein CPU-Kühler. Preislich einsortiert wird der Tower-Kühler als kleinere Lösung, die für gut 20 Euro über die virtuelle Ladentheke wandert. Kaum teurer, aber etwas größer ist der Ben Nevis in der Advanced-Version, in der der Kühler auf eine weitere Heatpipe zurückgreifen kann.

Alpenföhn Ben Nevis Advanced
Alpenföhn Ben Nevis Advanced

Mit insgesamt vier Heatpipes verspricht der Ben Nevis Advanced, zu einem geringen Aufpreis einen laut lärmenden Boxed-Kühler zu ersetzen. CPUs der Mittelklasse in Systemen ohne Ambition hinsichtlich Übertaktungsrekorden sollten mit ihm leise und gut gekühlt werden können. Ob der knapp 16 cm hohe CPU-Kühler hält, was er verspricht, muss er im ComputerBase-Test beweisen.

Alpenföhn Ben Nevis (Advanced)
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 74 × 130 × 159 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 630 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer, 4 × 6 mm (Ø)
Direct Touch/Contact
Lamellen: Aluminium, ?
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
AMD: Retention-Modul
Lüfter (Modell 1): 1 × 130 × 130 × 25,0 mm
500 – 1.500 U/min
95,4 m³/h
8,0 – 25,8 dBA
4-Pin-PWM
?
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: ?
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2011/LGA 1200?/115x
Preis: ab 25 €

Alpenföhn Ben Nevis Advanced im Detail

Im Prinzip ist der Ben Nevis Advanced ein klassischer Tower-Kühler, jedoch offenbart er im Detail einige Unterschiede zu gängigen Standards. Das beginnt beim Kühlturm. Er wird nicht nur von den Heatpipes getragen, sondern enthält eine zentrale Stange, die Alpenföhn als „Shock Killer Pole“ bezeichnet. Sie soll für zusätzliche Stabilität sorgen und ein Verbiegen der Aluminiumlamellen verhindern. Notwendig ist eine solche Vorkehrung im Regelfall allerdings nicht, denn selbst deutlich größere und ausladendere Tower-Kühler funktionieren ohne eine Zusatzstütze.

Der Kühlturm des Ben Nevis Advanced ist asymmetrisch aufgebaut, um auch mit eingehaktem Lüfter einen großzügigen Abstand zum Arbeitsspeicher zu gewährleisten. Zur CPU-Auflage kommt das Heatpipe-Direct-Touch-Verfahren zum Einsatz. Bei dieser Technik werden die Heatpipes plan angeschliffen und nicht mit einer durchgehenden Kupferplatte verlötet. Diese Vorgehensweise wird üblicherweise bei Kühlern im Budgetsegment genutzt.

Serienlüfter und Lieferumfang

Eine weitere Besonderheit des Kühlers betrifft seinen Serienlüfter. Alpenföhn setzt auf ein ungewöhnliches Rahmenformat, das der Hersteller mit 130 × 130 × 25 mm spezifiziert. Der gängige Standard für Axiallüfter sieht entweder 120 oder 140 mm Rahmenbreite vor. Tatsächlich ist der Serienlüfter auch nur auf einer Seite 130 × 130 mm groß. Er läuft konisch zu, sodass er auf der Luftauslassseite 120 × 120 mm misst. Bei Bedarf kann also ein handelsüblicher 120-mm-Lüfter nachgerüstet werden.

Alpenföhn gibt für den PWM-fähigen Lüfter ein Drehzahlintervall von 500 bis 1.500 U/min an. Im Testsystem erreicht der Ventilator eine Spanne von 500 bis knapp 1.600 U/min. Bei sehr niedrigen Drehzahlen dreht er angenehm leise. Es sind keine auffälligen Lagergeräusche wahrnehmbar, sodass er sich für den Einsatz in Silent-PCs qualifiziert.

Der Lieferumfang des CPU-Kühlers fällt überschaubar aus. Alpenföhn gibt dem Ben Nevis Advanced zwei Sets an Montagebrücken sowie eine Backplate für Intel-Systeme mit. Dazu werden eine Tüte mit Wärmeleitpaste sowie eine gedruckte Montageanleitung geboten. Die Montage auf Intel-CPUs erfolgt per Verschraubung. Für AMD-Systeme ist hingegen bereits ein Halterahmen am Kühler vorinstalliert, der das auf AMD-Mainboards genutzte Retention-System zur Befestigung verwendet. Auf Threadripper-Prozessoren kann der kleine Tower-Kühler nicht montiert werden.

Montage im Testsystem

Grundsätzlich sollte die Montage des Alpenföhn Ben Nevis Advanced im AM4-Testsystem einfach sein: Der Halterahmen ist vorinstalliert und es wird das im Auslieferungszustand des Mainboards verbaute Retention-Modul genutzt. In der Praxis gestaltet sich die Montage dann aber doch frustrierend. Aus einem theoretisch werkzeuglosen „Einhaken und Festdrücken“ wird ein Kraftakt, der beim Anblick eines sich biegenden Mainboards ein mulmiges Gefühl hinterlässt: Im Gegensatz zu Montagesystemen mit Verschraubung ist der Druck auf CPU und Mainboard während des Einhakens größer als im finalen, befestigten Zustand.

Zudem musste im Fall des Testsystems zunächst der AMD-Halterahmen vom CPU-Kühler abgeschraubt und um 180° gedreht erneut verschraubt werden. Andernfalls kollidieren der VRM-Kühlkörper des Mainboards und die Befestigungslasche des Kühler-Halterahmens. Bei der Montage sieht der Anwender bei einem im Gehäuse verbauten Mainboard kaum, ob die Ösen des Kühler-Halterahmens im Retention-Modul eingehakt sind. Eine Installation außerhalb des Gehäuses würde zwar eine freie Sicht erlauben, ist allerdings nicht empfehlenswert. Beim Einhaken wirkt viel Kraft auf das Mainboard, sodass es unbedingt fixiert sein sollte.

Alpenföhn Ben Nevis Advanced im Testsystem
Alpenföhn Ben Nevis Advanced im Testsystem

Eine klassische Montage per Verschraubung würde zwar einen Schraubendreher voraussetzen, wäre aber dennoch angenehmer als das werkzeuglose AMD-Haltesystem des Ben Nevis Advanced. Der Kühler sitzt im Testsystem so fest, dass für die Demontage zunächst die Schrauben des Retention-Moduls gelockert werden mussten, um die Ösen aus dem Retention-Modul auszuhaken. Beim Abziehen hat der Kühler schließlich noch den Prozessor aus dem Sockel gerissen. Das ist ein wiederkehrendes Problem der PGA-CPUs von AMD, das am besten umgangen werden kann, wenn der Kühler abgedreht statt abgezogen wird. Das ist beim Ben Nevis allerdings durch das Einhaken im Retention-Modul nicht möglich.

Unfreiwillig gelöste CPUs haben nicht zwangsläufig fatale Konsequenzen

Im Regelfall stellt eine aus dem Sockel gezogene CPU auch kein Todesurteil für den Prozessor dar. In diesem Fall ist es wichtig, den CPU-Kühler mit dem daran klebenden Prozessor möglichst geradlinig nach oben vom Sockel wegzuführen, um keine Pins zu verbiegen. Anschließend kann die CPU seitlich angefasst und vom CPU-Kühler geschoben werden. Der Prozessor sollte zur Reinigung von Wärmeleitpaste-Rückständen unbedingt zurück in den Sockel gesetzt werden: Hierzu wird der Haltebügel des Sockels geöffnet und der Prozessor ganz normal wieder eingesetzt und anschließend festgehakt. Nun kann der Heatspreader gereinigt werden und die CPU ist einsatzbereit.

Sollte doch einmal ein Pin verbogen werden, so kann man auch das beheben. Mit einer feinen Pinzette können Pins wieder aufgerichtet werden, sodass die CPU wieder in den Sockel passt. Niemals sollte versucht werden, eine CPU mit verbogenen Pins in den Sockel einzusetzen, da das Problem dadurch noch verschlimmert wird. Alle Pins sind gerade, wenn der Prozessor von allein in den Sockel „fällt“. Nur dann darf der Haltebügel geschlossen werden.

Bei verbogenen Pins ist generell besondere Vorsicht angebracht, denn wenn Pins abbrechen sollten, ist es um die CPU geschehen. Eigenhändig versuchte Reparaturen werden grundsätzlich auf eigene Gefahr durchgeführt. Folglich sind daraus potenziell resultierende Defekte keine Garantiefälle.

Kompatibilität mit umliegenden Komponenten

Der Ben Nevis Advanced gibt sich unkompliziert, sobald er einmal im Testsystem verbaut ist. Der asymmetrisch aufgebaute Tower-Kühler ist schlank, sodass die RAM-Bänke mit beliebig hohen Speichermodulen voll bestückt werden können. Auch der Freiraum zu den Erweiterungs-Slots auf dem Mainboard ist großzügig bemessen.

Mit einer Bauhöhe von 159 mm passt der CPU-Kühler in gängige Midi-Tower. Nur bei kleineren Gehäusen muss auf die maximale Größe von Prozessorkühlern geachtet werden, um sicherzugehen, dass das Seitenteil geschlossen werden kann.

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