Neue C-Klasse: MBUX 2 neigt sich zum Fahrer und steuert das Smart Home

Nicolas La Rocco
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Neue C-Klasse: MBUX 2 neigt sich zum Fahrer und steuert das Smart Home
Bild: Mercedes-Benz

Nach der Premiere in der neuen S-Klasse zieht das MBUX der 2. Generation in die neue C-Klasse der Baureihe 206 ein. Mercedes-Benz hat das neue Mittelklassemodell heute als Limousine und T-Modell vorgestellt. Auch das Digital Light mit 1,3 Millionen Lichtpixeln wird neuerdings angeboten. Bestellt werden kann ab dem 30. März.

Nvidia Volta steckt fortan auch in der Mittelklasse von Mercedes-Benz. Die heute vorgestellte neue C-Klasse der Baureihe 206 kommt serienmäßig mit der Mercedes-Benz User Experience (MBUX) der 2. Generation. Das von einem Xavier-SoC angetriebene Infotainmentsystem sitzt jetzt auch in der C-Klasse prominent positioniert als aufrecht gestelltes „Tablet“ in der Mittelkonsole. Serienmäßig kommt das MBUX 2 in der neuen C-Klasse mit einem 9,5 Zoll großen Bildschirm, optional ist eine größere Version mit 11,9 Zoll erhältlich. Mercedes-Benz nutzt in der Mittelklasse LCD-Panels, während die S-Klasse mit einem 12,8 Zoll großen OLED-Bildschirm ausgestattet ist.

Wichtige physische Tasten bleiben

Wichtige Bedienelemente etwa für die Klimaanlage werden stets am unteren Bildschirmrand angezeigt, außerdem gibt es physische Tasten etwa für das Fahrprogramm, den Warnblinker oder die Lautstärke unterhalb des Displays. Dort sitzt auch der Fingerabdrucksensor, über den sich mehrere Fahrer mit ihrem individuellen Profil und gewissen Voreinstellungen am System anmelden können. Apropos Profile: Diese lassen sich von den Musik-Streaming-Anbietern Amazon, Spotify und Tidal in das System einbinden – Apple und Google fehlen weiterhin. Bei der Darstellung des MBUX können Fahrer zwischen einer klassischen, sportlichen und dezenten Auslegung wählen, außerdem gibt es einen „Assistenzmodus“, der das Verkehrsgeschehen in Echtzeit abbilden und mit wichtigen Anzeigeinformationen ergänzen kann. Während der Navigation nimmt die Karte den Großteil des Bildschirms ein, um eine bessere Orientierung zu ermöglichen.

Interessant fällt die Ausrichtung der Instrumententafel und des Zentral-Displays aus, denn diese sind leicht um sechs Grad zum Fahrer geneigt. Das zum Fahrer ausgerichtete Cockpit war früher ein typisches Merkmal von BMW, ist in den aktuellen Baureihen aber etwas zurückhaltender umgesetzt. Bei Mercedes-Benz war die Mittelkonsole seit Jahrzehnten stets gerade zum Innenraum ausgerichtet.

Die Bedienung ist neben Touchscreen und Tasten über den Sprachassistenten mittels „Hey Mercedes“ möglich. Neben Navigation oder Musik gehören zur Sprachbedienung Bereiche wie Klimaanlage und weitere Funktionen des Fahrzeugs. Gewisse Aktionen wie etwa die Annahme von Telefonanrufen sollen aber auch ohne dieses Hotword ausgeführt werden können. Bei Bedarf kann der Sprachassistent auch Features des Fahrzeugs erklären oder die Position des Verbandskastens nennen. Zwischen verschiedenen Insassen auch hinten im Auto unterscheidet der Sprachassistent anhand der Stimme.

Smart Home aus dem Auto steuern

„Hey Mercedes“ ist dabei auch in die Steuerung des Smart Homes involviert. Zum Marktstart der neuen C-Klasse im Sommer 2021 sollen Bosch Smart Home und Samsung SmartThings unterstützt werden, sodass sich dann Temperatur und Beleuchtung, Rollläden und Elektrogeräte aus der Ferne überwachen und schalten lassen. Bewegungsmelder und Fensterkontakte können im Auto über erwünschten oder unerwünschten Besuch informieren. Weitere Smart-Home-Anbieter sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Die Sprachsteuerung des Smart Homes aus dem Auto heraus kann zum Start in Deutsch, Englisch und Chinesisch erfolgen.

Digitales Kombiinstrument und ein HUD ohne AR

Ein weiterer Bildschirm sitzt direkt vor dem Fahrer hinter dem Lenkrad und fungiert als rein digitales Kombiinstrument ohne die früheren Tuben. Käufer haben die Wahl zwischen einer serienmäßig 10,25 Zoll oder optional 12,3 Zoll großen Anzeige. Auf die optionale 3D-Darstellung wie in der S-Klasse wird bei der neuen C-Klasse verzichtet.

Dass die Mittelklasse nicht alle Spielereien der Luxusklasse erhält, zeigt sich auch anhand des farbigen Head-up-Displays (HUD). Dieses spannt in etwa 4,5 m Entfernung zum Fahrer über der Motorhaube einen 23 × 8 cm großen Bildschirm auf und stellt darin für die Fahrt essenzielle Informationen dar. In der S-Klasse gibt es hingegen ein vollständig neues Augmented-Reality-HUD, das in 10 m Entfernung vor dem Fahrzeug eine 77 Zoll messende Anzeige projiziert, die unter anderem animierte Abbiegepfeile virtuell und passgenau über die Fahrbahn legt. Bei den Assistenzfunktionen werden Informationen etwa für den aktiven Abstands-Assistenten im AR-HUD angezeigt. Bei der neuen C-Klasse gibt es hingegen das bereits aus anderen Baureihen bekannte Feature „Augmented Video“, bei dem eine Kamera die Umgebung des Fahrzeugs erfasst und diese um virtuelle Objekte, Informationen und Markierungen ergänzt auf dem Zentral-Display darstellt.

Anzeigestile im digitalen Kombiinstrument
Anzeigestile im digitalen Kombiinstrument (Bild: Mercedes-Benz)

Digital Light mit 1,3 Millionen Lichtpixeln

Mit dem Digital Light gibt es dann aber wieder eine (optionale) Technologie, die es bisher nur bei Maybach und in der S-Klasse gab. Digital Light nutzt pro Scheinwerfer eine Hochleistungs-LED, deren Licht über ein DLP-Modul mit jeweils 1,3 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und gerichtet wird. Die Scheinwerfer haben in Summe somit eine Auflösung von 2,6 Millionen Lichtpixeln, was mehr als Full-HD-Auflösung entspricht. Zum einen soll dadurch der Fernlichtassistent beim Ausblenden von Gegenverkehr oder Verkehrsschildern genauer arbeiten, zum anderen sind damit Projektionen auf der Straße vor dem Fahrzeug möglich. In Baustellen markieren zum Beispiel Führungslinien die Breite des Fahrzeugs oder Fußgänger werden in Gefahrenbereichen besonders hervorgehoben. Digital Light kann mit Warnsymbolen auch vor dem Überfahren von roten Ampeln und Stoppschildern sowie beim falschen Auffahren auf die Autobahn oder die Einfahrt in Einbahnstraßen warnen, indem das System auf die Kartendaten zugreift.

Erweiterte Fahrassistenzsysteme

Das Licht wird damit zu einem Teil der Fahrassistenzsysteme, die Mercedes-Benz im Rahmen des Fahrassistenz-Pakets für die neue C-Klasse in gewissen Bereichen erweitert hat. Die Distronic, die auf Autobahn, Landstraße sowie in der Stadt automatisch den vorgewählten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen hält, kann neuerdings bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h (bisher: 60 km/h) auf stehende Fahrzeuge reagieren. Der aktive Lenk-Assistent, der bis 210 km/h beim Folgen der Fahrspur unterstützt, führt die Spurerkennung jetzt zusätzlich mit Hilfe der 360-Grad-Kamera-Aggregation durch. Das soll besonders im niedrigen Geschwindigkeitsbereich beim Bilden einer Rettungsgasse nützlich sein. Außerdem nennt Mercedes-Benz eine signifikant erhöhte Verfügbarkeit des Systems und eine gesteigerte Kurvenperformance auf Landstraßen sowie die erhöhte Fahrbahnzentrierung auf Autobahnen. Beim Verkehrszeichen-Assistent sind die Stoppschild- und Rote-Ampel-Warnfunktion neu.

Marktstart, Motoren und Abmessungen

Mercedes-Benz will ab dem 30. März Bestellungen für die neue C-Klasse als Limousine und T-Modell annehmen. Zum Sommer 2021 sollen die Fahrzeuge zu den Vertriebspartnern kommen. Geplant sind ausschließlich Vierzylinderaggregate mit drei Ottomotoren vom C 180 bis C 300 (4MATIC) sowie die zwei Dieselmotoren C 220 d und C 300 d. Diesel- und Ottomotoren verfügen neben der Aufladung mit Hilfe des Turboladers erstmals über eine intelligente Unterstützung im niedrigen Drehzahlbereich mit einem integrierten Starter-Generator (ISG) als Mild-Hybrid der zweiten Generation. Zum ISG gehört das 48-Volt-Bordnetz, das Funktionen wie Segeln, Boost oder Rekuperieren sicherstellt. Das 9G-Tronic-Automatikgetriebe ist in der gesamten Baureihe jetzt generell Serie.

Nach dem Marktstart sollen Plug-in-Hybride der vierten Generation unter Verwendung der gleichen Grundmotoren folgen. Mit einer elektrischen Antriebsleistung von 95 kW und einer rein elektrischen Reichweite von rund 100 km (WLTP) sollen die Plug-in-Hybride in vielen Situationen rein elektrisch ohne Einsatz des Verbrennungsmotors unterwegs sein. Die volle elektrische Leistung steht bis 140 km/h zur Verfügung und wird dann „soft“ abgeregelt. Die eigens entwickelte Batterie besteht aus 96 Zellen in Pouch-Bauform. Die Akku-Gesamtkapazität beträgt 25,4 kWh. Bei vollständig entleerter Batterie soll eine volle Aufladung mit dem optionalen 55-kW-DC-Lader in rund 30 Minuten realisierbar sein. Für das Laden am heimischen Wechselstromnetz wird serienmäßig ein 11-kW-Lader für das dreiphasige Laden an der eigenen Wallbox verfügbar sein.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Mercedes-Benz unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühest mögliche Veröffentlichungszeitpunkt.